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Familienleben und Privaterziehung im Frankfurt Mitte des 18. Jahrhunderts.Sozialgeschichtliches zum ersten Teil von Goethes Dichtung und Wahrheit

Title: Familienleben und Privaterziehung im Frankfurt Mitte des 18. Jahrhunderts.Sozialgeschichtliches zum ersten Teil von Goethes Dichtung und Wahrheit

Seminar Paper , 2003 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katrin Fischotter (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Autobiographien bieten uns heutigen Menschen einen unglaublichen Einblick in das tatsächliche Leben vergangener Zeiten, wie es bloße historische Fakten nicht tun können. Sie geben uns die Möglichkeit die Menschen in einer vergangenen Epoche auch wirklich als solche zu sehen, zu verstehen wie das private Leben der Zeit aussah, welche Moralvorstellungen die Menschen hatten, was für sie von Bedeutung war und wie sie miteinander auskamen. Autobiographien sind sozusagen ‚Zeitzeugen’, die helfen jene Distanz die zwischen den Jahrhunderten liegt abzubauen. Goethes Autobiographie, Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, spiegelt das Leben des 18. Jahrhunderts wider. An seinem Buch kann man gut sozialgeschichtliche Strukturen des Bildungsbürgertums der Neuzeit ablesen. Goethe betrachtet, als er den ersten Teil des Buches verfasst, sechzig jährig seine Kindheit in Frankfurt und wird sich dabei ‚selbst historisch’. Er stellt, wie der Titel schon sagt, sein Leben nicht nur in faktischer Wahrheit dar, sondern weist sofort darauf hin, dass erlebte Geschichte nicht als bloße Wahrheit abzubilden ist, sondern es zugleich der Dichtung benötigt, um das eigene Leben literarisch abzufassen. Dessen muss man sich bei der sozialgeschichtlichen Betrachtung des Werkes sicherlich bewusst werden. Aber Goethes Autobiographie will gerade: „den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darstellen“2 und damit ist das Werk, auch wenn einige Details oder Geschehnisse nicht der ‚ganzen Wahrheit’ entsprechen, dennoch ein gutes Zeugnis des Lebens des Bildungsbürgertums im 18. Jahrhundert. Der nicht geschundene Mensch wird nicht erzogen – steht als Motto zu den zwanzig Büchern der Autobiographie Goethes. Ist dieses Motto auch tatsächlich eine Erziehungsmaxime des 18. Jahrhunderts und wurde Goethe in seiner Kindheit wirklich so ‚geschunden’? Dies sind Fragen, die durch die genauere Betrachtung des Familienlebens in der Mitte des 18. Jahrhunderts deutlich werden. [...] 1 Johann Wolfgang von Goethe, Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, Erich Trunz (Hrsg.) Johann Wolfgang von Goethe Werke Hamburger Ausgabe in 14 Bänden, Band 9 und 10: Autobiographische Schriften, München 121994, S.7,4 und S.641 (Kommentar von Erich Trunz) 2 FA I, 14, S.13 aus: Benedikt Jeßing, Dichtung und Wahrheit. Entstehung, Quellen, Textgeschichte, in: Bernd Witte/Peter Schmidt (Hrsg.), Goethe Handbuch, Band 3: Prosaschriften, Stuttgart/Weimar, 1997, S.278-330, hier S.280

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Geburt und Kindersterblichkeit in der Familie

2.2 Vom ‚ganzen Haus’ zur ‚Kernfamilie’

2.3 Die Rolle der Frau innerhalb der bürgerlichen Familie

2.4 Die Rolle des Mannes innerhalb der bürgerlichen Familie

2.5 Erziehung und Privatunterricht im Bildungsbürgertum

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die sozialgeschichtlichen Strukturen des Familienlebens und der Privaterziehung im Frankfurt der Mitte des 18. Jahrhunderts, basierend auf dem ersten Teil von Johann Wolfgang Goethes Autobiographie "Dichtung und Wahrheit". Ziel ist es, das Familienbild, die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau sowie die pädagogischen Maximen des Bildungsbürgertums jener Zeit kritisch zu beleuchten.

  • Sozialgeschichtliche Rahmenbedingungen des 18. Jahrhunderts
  • Wandel vom ‚ganzen Haus’ zur bürgerlichen Kernfamilie
  • Rollenbilder von Mann, Frau und Erzieher im Bildungsbürgertum
  • Methoden und Ansätze der häuslichen Erziehung und des Privatunterrichts

Auszug aus dem Buch

2.1 Geburt und Kindersterblichkeit in der Familie

Schon Goethes Geburt am 28. August 1749 stand, dank Goethes nachträglicher Manipulation und Verlegung der Geburtstunde um einige Minuten, unter einem ‚guten Stern’. Mit dem Glockenschlag zur zwölften Stunde des Tages, dem Sonnenhöchststand und Planten wie Jupiter, Venus und Merkur in einer guten Konstellation, benutzt der Autor Goethe seine Geburtsstunde als Zeichen für die Geburt eines einmaligen und besonderen Individuums. Dieses Motiv ist zum einen geläufig aus anderen biographischen Werken, wie z.B. Hieronymus Cardanus Buch De vita propria von 1643, zum anderen ist die Erstellung eines Geburtshoroskops in der frühen Neuzeit auch durchweg gebräuchlich.

Geburten hatten im Familienleben eine äußerst große Bedeutung. Kinder galten als Segen Gottes, als Zeichen für Fruchtbarkeit und als Fortführer des Familiennamens. Im 18. Jahrhundert fürchteten die Angehörigen bei jeder Geburt um das Leben der Mutter und des Kindes. Bis zu einem Drittel der Kinder starb bei der Geburt und der Tod im Kindsbett gehörte bei den Frauen im gebärfähigem Alter mit zu den häufigsten Todesursachen. Bei Komplikationen während der Geburt sanken die Überlebenschancen und wenn sogar eine Operation, wie beispielsweise ein Kaiserschnitt von Nöten war, gab es kaum Hoffnung auf Leben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Wert von Autobiographien als ‚Zeitzeugen’ und führt in die sozialgeschichtliche Fragestellung bezüglich der Familienverhältnisse im 18. Jahrhundert anhand von Goethes Werk ein.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die soziologischen Rahmenbedingungen, wie Geburten und den Kindstod, sowie die Wandelprozesse innerhalb der häuslichen Strukturen und Rollenverteilungen.

2.1 Geburt und Kindersterblichkeit in der Familie: Dieses Kapitel thematisiert die große Bedeutung der Geburt im 18. Jahrhundert, die hohen Risiken für Mutter und Kind sowie den Umgang mit der hohen Kindersterblichkeit.

2.2 Vom ‚ganzen Haus’ zur ‚Kernfamilie’: Hier wird der gesellschaftliche Wandel vom vormodernen, patriarchalischen ‚ganzen Haus’ hin zum modernen, privaten Familienbegriff der Kernfamilie beschrieben.

2.3 Die Rolle der Frau innerhalb der bürgerlichen Familie: Das Kapitel beleuchtet das eingeschränkte Rollenbild der Frau als Hausfrau, Mutter und Gattin sowie deren begrenzte Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung.

2.4 Die Rolle des Mannes innerhalb der bürgerlichen Familie: Es wird die Rolle des Vaters als Patriarch und Erzieher untersucht, wobei insbesondere das komplexe Verhältnis Johann Caspar Goethes zu seinen Kindern dargestellt wird.

2.5 Erziehung und Privatunterricht im Bildungsbürgertum: Dieses Kapitel beschreibt die Lehrmaximen, den Stellenwert häuslicher Erziehung und die vielfältigen Bildungsbemühungen des Vaters gegenüber seinen Kindern.

3. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, dass das Familienleben zwar durch Strenge und strikte Rollen geprägt war, Goethe jedoch auch Freiräume innerhalb der bürgerlichen Erziehung genoss.

4. Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet die verwendeten Primärtexte, Quellen und Sekundärliteratur zur Arbeit auf.

Schlüsselwörter

Johann Wolfgang Goethe, Dichtung und Wahrheit, 18. Jahrhundert, Sozialgeschichte, Familienleben, Bildungsbürgertum, Erziehung, Kernfamilie, ganzes Haus, Kindersterblichkeit, Rollenverteilung, Privaterziehung, Frankfurt, Patriarchen, Hausfrau

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Familienleben und die Privaterziehung im 18. Jahrhundert unter sozialgeschichtlichen Aspekten, basierend auf Johann Wolfgang Goethes Autobiographie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Wandel vom ‚ganzen Haus’ zur Kernfamilie, die Rollenbilder von Mann und Frau sowie die spezifischen Erziehungsmethoden des Bildungsbürgertums.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die realen Lebensbedingungen einer bürgerlichen Familie im Frankfurt des 18. Jahrhunderts anhand von Goethes Kindheit in "Dichtung und Wahrheit" zu rekonstruieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literatur- und sozialgeschichtliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur und Quellen zur Alltagskultur der frühen Neuzeit angewandt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Themen wie Geburten und Kindersterblichkeit, die Entwicklung des Familienbildes, die Geschlechterrollen sowie die pädagogischen Ansätze der häuslichen Ausbildung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wesentlichen Begriffen gehören Bildungsbürgertum, häusliche Erziehung, Sozialgeschichte, Rollenbilder und der Wandel der Familienstruktur im 18. Jahrhundert.

Inwiefern beeinflusste die Kindersterblichkeit das Familienleben?

Die hohe Kindersterblichkeit war ein prägendes Merkmal der Zeit; sie führte zu einer spezifischen Einstellung gegenüber Kindern und machte den Kindstod zu einem regelmäßigen Bestandteil des Familienalltags.

Wie stellte sich die Erziehung durch den Vater in der Arbeit dar?

Die Erziehung wird als ein von Strenge und Disziplin geprägter Prozess beschrieben, der jedoch auch positive, fördernde Elemente enthielt und das Ziel verfolgte, den Sohn auf die akademische Laufbahn vorzubereiten.

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Details

Title
Familienleben und Privaterziehung im Frankfurt Mitte des 18. Jahrhunderts.Sozialgeschichtliches zum ersten Teil von Goethes Dichtung und Wahrheit
College
Ruhr-University of Bochum
Course
Proseminar:Johann Wolfgang Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit
Grade
1,3
Author
Katrin Fischotter (Author)
Publication Year
2003
Pages
18
Catalog Number
V29357
ISBN (eBook)
9783638308823
Language
German
Tags
Familienleben Privaterziehung Frankfurt Mitte Jahrhunderts Sozialgeschichtliches Teil Goethes Dichtung Wahrheit Proseminar Johann Wolfgang Goethe Leben Dichtung Wahrheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Fischotter (Author), 2003, Familienleben und Privaterziehung im Frankfurt Mitte des 18. Jahrhunderts.Sozialgeschichtliches zum ersten Teil von Goethes Dichtung und Wahrheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29357
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