Um den Begriff „Biographiearbeit“ zu verstehen, bedarf es zunächst einiger Begriffsklärungen, begonnen mit dem Begriff Biografie und dessen Dimensionen. Anschließend soll eine ausführliche Annäherung an den Begriff der Biografiearbeit stattfinden, um Biografiearbeit von der Therapie abzugrenzen. Abschließend wird auf den Gegenstand der Biographiearbeit eingegangen.
„Biografie bedeutet Lebensbeschreibung (das griechische Wort bios = leben, gráphein = schreiben, zeichnen, abbilden darstellen).“ (Hölzle, 2009a, 31).
„… Biografie beschreibt einen Prozess, der mit der Geburt eines Menschen beginnt und mit dessen Tod endet.“ (Raabe, 2004, 9).
Biografien sind immer nur Einzelteile eines Lebens, auch wenn sie den Anspruch haben, ein ganzes Leben wiederzugeben. Jede Beschreibung, auch wenn sie noch so gut ist, bleibt eine Re-Konstruktion einer Realität, die vergangen ist (Ruhe, 1998, 134).
Bei Glinka (2005, 209ff) ist Biografie als eine Gesamtschau, die sich sowohl auf die Abfolge von Ereignissen als auch auf die eingelagerten Erfahrungen richtet, zu verstehen. Es sind keine unveränderbaren, starren Gebilde, sondern dynamische Vorgänge, die sich mit jeder Entscheidung neu formen.
„Biographie ist als Konzept strukturell auf die Schnittstelle von Subjektivität und gesellschaftlicher Objektivität, von Mikro- und Makroebene angesiedelt und eröffnet somit die Möglichkeit, Lern- und Bildungsprozesse im Spannungsfeld subjektiver und objektiver Analysen zu erfassen.“ (Krüger/ Marotzki, 1999, 8)
Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsklärungen
1.1 Biografie
1.2 Dimensionen von Biografie
1.2.1 Biografie als subjektive Wirklichkeit
1.2.2 Biografie als Prozess
1.2.3 Biografie und Lebenswelt
1.3 Biografiearbeit - Annäherung an den Begriff
1.3.1 Biografieforschung als relevante Bezugswissenschaft
1.3.2 Biografiearbeit - Definition
1.3.3 Zum Methodenbegriff in Bezug auf Biografiearbeit
1.3.3.1 Methodenbegriff allgemein
1.3.3.2 Methodenbegriff in der stationären Kinder- und Jugendhilfe
1.4 Abgrenzung zur Therapie
2 Gegenstand der Biografiearbeit
2.1 Biografische Selbstreflexion
2.2 Autobiografisches Gedächtnis
3 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der systematischen Klärung der Begriffe Biografie und Biografiearbeit, um den fachlichen Gegenstand dieser Methode in der Sozialen Arbeit fundiert zu bestimmen und von therapeutischen Prozessen abzugrenzen.
- Begriffsbestimmung von Biografie und ihren Dimensionen
- Theoretische Fundierung der Biografiearbeit
- Einordnung der Biografiearbeit in den Methodenbegriff
- Abgrenzung der Biografiearbeit gegenüber psychotherapeutischen Interventionen
- Analyse des Gegenstands der Biografiearbeit (Selbstreflexion und Gedächtnis)
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Biografie als subjektive Wirklichkeit
„Erinnerung ist nie objektiv.“ (Gudjons/ Wagener-Gudjons/ Pieper, 2008, 25). Raabe (2004, 8) spricht bei Biografie von einer inneren Wirklichkeit und einer äußeren Realität. Das was von außen betrachtet werden kann, ist der Lebenslauf, die innere Wirklichkeit erfahren Außenstehende nur, indem es der Biografieträger ihnen mitteilt. In der Biografiearbeit ist es wichtig, die Einflüsse von innen nach außen, aber auch von außen nach innen zu bearbeiten (ebd). Es ist die Tatsache zu berücksichtigen, dass Menschen ihre Wirklichkeit konstruieren und die Erinnerung „… ein komplexes und kompliziertes Konglomerat der Reproduktion von vergangener Wirklichkeit, dem Erleben dieser Wirklichkeit, dem Speichern dieses Erlebens, des Zugriffs auf das Gedächtnis und der Intentionen des Zugriffs.“(Ruhe, 1998, 11) ist. Das bedeutet, dass Biografie bzw. die innere Wirklichkeit immer subjektiv ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsklärungen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Begriffs Biografie und nähert sich der Biografiearbeit an, indem es diese in den Kontext der Biografieforschung und den Methodenbegriff der Sozialen Arbeit stellt.
2 Gegenstand der Biografiearbeit: Dieses Kapitel fokussiert auf die Kernbereiche der Biografiearbeit, namentlich die biografische Selbstreflexion und die Funktionsweise des autobiografischen Gedächtnisses.
3 Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die in der Arbeit verwendete und weiterführende Fachliteratur zur Biografiearbeit und angrenzenden Disziplinen auf.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Biografieforschung, Biografizität, Lebenswelt, Biografie, Selbstreflexion, Autobiografisches Gedächtnis, Soziale Arbeit, Methodenbegriff, Heimerziehung, Identitätsbildung, Erinnerungsarbeit, Lebensgeschichte, Subjektivität, Ressourcenorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition und der theoretischen Einordnung von Biografiearbeit innerhalb der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Verständnis von Biografie als Konstrukt, die Abgrenzung von Biografieforschung und Biografiearbeit sowie die Analyse der methodischen Grundlagen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die begriffliche Schärfung der Biografiearbeit, um deren Stellenwert und fachliche Abgrenzung, insbesondere zur Therapie, präzise zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse und Synthese fachwissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung der Biografie, die Annäherung an den Begriff der Biografiearbeit sowie die Untersuchung ihrer Gegenstände wie Selbstreflexion und Gedächtnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind u.a. Biografiearbeit, Biografieforschung, Biografizität, Soziale Arbeit und methodische Vorgehensweisen.
Warum ist eine Abgrenzung zur Therapie so wichtig?
Eine Abgrenzung ist notwendig, um die Grenzen pädagogischer Begleitung zu wahren und Gefahren wie eine Retraumatisierung durch eine unsachgemäße Bearbeitung tieferliegender psychischer Konflikte zu vermeiden.
Welche Rolle spielt das autobiografische Gedächtnis?
Es bildet einen zentralen Gegenstand der Arbeit, da es als dynamisches, subjektives und wandlungsfähiges System die Grundlage für die biografische Reflexion und Identitätskonstitution darstellt.
- Arbeit zitieren
- Karin Baumgärtner (Autor:in), 2010, Biografiearbeit. Begriffsklärungen und Gegenstand der Biografiearbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293601