Die Varietät des Französischen in Neukaledonien


Seminararbeit, 2004

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1. Zur Geschichte Neukaledoniens

2. Sprachliche Besonderheiten
2.1. Phonetik und Phonologie
2.1.1. Diachron
2.1.2. Synchron
2.1.2.1. Nasale
2.1.2.2. Konsonanten
2.1.2.3. Vokale
2.2. Syntax
2.2.1. Stellung der Fragepronomen
2.2.1. 2. Que und quoi
2.2.1.3 . Qui
2.2.1.4. Indirekte Frage
2.3. Lexikalische Unterschiede
2.3.1. Sprachintern
2.3.2. Sprachextern
2.3.3. Bedeutungswandel

3. Abschlussbemerkung

Bibliographie

1. Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Französischen in Neukaledonien und der Frage, inwiefern selbiges von der im Mutterland üblichen Sprache differiert. Da Neukaledonien erst vor relativ kurzer Zeit von Europäern entdeckt und besiedelt wurde[1], sind auch die dortige Sprachvarietät sowie die sich mit diesem befassende Sprachwissenschaft noch jung. Deshalb ist die Quellenlage zu diesem Thema zum ersten recht eingeschränkt, zum zweiten in den Berliner Bibliotheken größtenteils (noch) nicht präsent.

Da es mir leider nicht möglich ist, französische Muttersprachler aus Neukaledonien zu interviewen, werde ich mich vornehmlich nach den Werken von Chris Corne und Jim Hollyman richten.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Unterschiede zwischen dem in Neukaledonien und dem in Frankreich gesprochenen Französisch darzustellen. Zu diesem Zweck wird zunächst auf die Geschichte Neukaledoniens eingegangen werden (insofern diese für die sprachliche Entwicklung des Französischen relevant ist), bevor die sprachlichen Unterschiede selbst beschrieben werden. Leider kann sich diese Arbeit nicht auf einen in der neukaledonischen Varietät verfaßten Quellentext beziehen, weshalb an manchen Stellen dem Wunsch nach einer größeren Anzahl von Beispielen nicht nachgekommen werden konnte.

1.1. Zur Geschichte Neukaledoniens

Die neukaledonischen Inseln gehören geographisch zu Melanesien und waren bis zu ihrer Entdeckung durch die Europäer[2] ausschließlich von polynesischen Völkern bewohnt. Diese besaßen keine einheitliche Sprache[3], standen aber dennnoch in engem Kontakt zu ihren Nachbarvölkern. Zur Intensivierung dieses Kontaktes war es üblich, den Ehepartner aus einem anderen Sprachgebiet zu wählen, wobei beide Partner die Sprache des anderen erlernten, so dass eine Praxis des Bi- bzw. Multilingualismus herrschte.[4] Obgleich die Ureinwohner, Kanaken genannt, in regen Handelsbeziehungen miteinander standen, gab es keine einheitliche Verkehrssprache.

Ab 1840 kamen die ersten- englischsprachigen- Missionare auf die Inseln, ein Jahr später begannen die Handelsbeziehungen mit dem Nachbarland Australien. Als Art einer lingua franca entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Bichelamar, ein aus dem Englischen hervorgegangenes Pidgin.

Frankreich hatte sich Neukaledonien jedoch bereits 1853 angeeignet und auch französischsprachige Missionare in den Norden entsandt. Diese verständigten sich zunächst auf Polynesisch mit den Eingeborenen (vgl. HOLLYMAN (1979):621). Allerdings missfiel es dem Gouverneur Guillain, dass die Missionare mehr Einfluß auf die Kanaken hatten als er und seine Regierung.

Nach Hollyman solle er aus diesem Grund 1863 das Französische als obligatorische Unterrichtssprache eingeführt haben. Im Jahr 1885 verständigte man sich in der Hauptstadt Nouméa noch auf Englisch, Französisch, Bichelamar sowie in einem französischen Pidgin. Jedoch stellte das Französische zumindest für den Großteil der europäischstämmigen Bevölkerung die Hauptverkehrssprache dar (vgl. HOLLYMAN (1979): 622). Ähnlich wie England in Australien, eröffnete Frankreich in Neukaledonien eine Strafkolonie, weshalb 1887 gut die Hälfte der europäischstämmigen Bevölkerung aus deportierten Strafgefangenen und ein Viertel aus Militärangehörigen bestand (vgl. HOLLYMAN (1979): 622). Diese Deportierungen wurden 1897 eingestellt, und in den folgenden Jahren verdoppelte sich die Zahl der Europäer. Außerdem wanderten zahlreiche asiatische Handarbeiter ein, die sich in einem französischen Pidgin verständigten und deren Sprachen keinerlei Einfluss auf das neukaledonische Französisch hatten (vgl. HOLLYMAN(1979): 622).

Während des Zweiten Weltkrieges waren alliierte, d. h. größtenteils englischsprachige Streitkräfte in Neukaledonien stationiert, deren Einfluss auf die Sprache sich möglicherweise in der Lexik gezeigt hat[5]. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Neukaledonien den Status eines TOM, Territoire d’Outre- Mer, steht also bis heute unter französischer Hoheit mit beschränkter Selbstverwaltung. Im Gegensatz zu den DOM, Departements d’Outre- Mer, sind die TOM weder in der Nationalversammlung noch im Senat vertreten.

2. Sprachliche Besonderheiten

2.1. Phonetik und Phonologie

2.1.1. Diachron

Das Französisch in Neukaledonien soll sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts von dem im Mutterland gesprochenen Standard unterschieden haben. Demzufolge soll unter anderem das nicht-betonte /o/ deutlich geschlossener ausgesprochen worden sein (vgl. HOLLYMAN (1979): 622).

Auch die Opposition der hinteren Nasale sei damals schon abgeschwächt gewesen (vgl. HOLLYMAN (1979): 623), d. h. / ã/ und /õ/ haben sich einander angeglichen. Dementsprechend wurden <on> und <pardon> in Neukaledonien nicht [õ] und [pardõ], sondern eher [ ã ] und [pard ã ] gesprochen.

Zudem verweist Hollyman auf die deutliche Instabilität des Minimalpaars / / und /ni/ vor Vokalen zur damaligen Zeit. Dieses Phänomen entspreche der Entwicklung im Français populaire des hexagonalen Französisch. Allerdings findet sich bei (MARTINET (1999): 37) folgender Eintrag:

La solidité du phonème /n] [sick] chez M.- P. oppose également son époque au dernier quart du XXe siècle. La confusion de [ ] et de [nj] y est notée parmi les divergences non signalées dans le corps de l’ouvrage.

Auch schreibt Bodo Müller über das Phonem / /:

Aufnahmen der 60er Jahre haben erbracht, dass die jüngere Generation (Studenten, Schüler) fast ganz, die ältere größtenteils agneau, rogner, vignoble etc. als [anjo, ronje, vinjobl] artikuliert, d.h., das Phonem dekomponiert in die Phonemkombination /n/ + /j/.[6]

Da /ni/ nirgends erwähnt wird, stellt sich die Frage, ob bei Hollyman nicht eigentlich /nj/ anstelle von /ni/ stehen sollte. Diese Frage kann weder an dieser Stelle noch weiteren Verlauf dieser Arbeit beantwortet werden.

[...]


[1] 1774 legte James Cook dort an, und vor etwa 150 Jahren wanderten die ersten Europäer ein.

[2] Auch wenn Eurozentrismus in vielen Fällen verwerflich sein mag, so erscheint mir eine eurozentristische Sichtweise bei der Beschreibung der Varietät einer europäischen Sprache im Pazifik durchaus sinnvoll.

[3] Laut Hollyman (Hollyman (1979): 621) wurden zur Zeit der ersten Europäer in Neukaledonien 28 Kanak-Sprachen gezählt. Chris Corne hingegen behauptet: „Prior to European contact, there were over 34 Kanak languages and dialects spoken in New Caledonia.“ (Corne (1999): 19). Christine Pauleau nennt „une trentaine de langues et dialectes kanak, des langues océaniennes et asiatiques importées“ (Pauleau, Christine (1995): Le Francais en Nouvelle-Calédonie, S. 5), die noch heute im Gebrauch seien.

[4] vgl. Corne, Chris (1999): From French to Creole. The development of new vernaculars in the French colonial world, Westminster, S. 19.

[5] Sowohl Hollyman (s. o.) als auch Pauleau (s. o.) konstatieren in der Lexik Ausleihen aus dem australischen Englisch. Inwiefern diese aber aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges stammen oder durch Handelsbeziehungen zustande gekommen sind, lässt sich nicht sagen.

[6] Müller, Bodo (1975): Das Französische der Gegenwart. Varietäten· Strukturen· Tendenzen, Heidelberg, S. 46/47

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Varietät des Französischen in Neukaledonien
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
PS: Varietätenlinguistik
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V29362
ISBN (eBook)
9783638308854
ISBN (Buch)
9783640861804
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Varietät, Französischen, Neukaledonien, Varietätenlinguistik
Arbeit zitieren
Erika von Bassewitz (Autor), 2004, Die Varietät des Französischen in Neukaledonien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29362

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