Als Lehramtsstudentin mit der Fächerkombination Spanisch und Sport ist es besonders interessant beide Fächer miteinander zu verknüpfen – privat, im Studium und auch im späteren Lehrberuf erweist sich fächerübergreifendes Lernen und Lehren als motivierend und ist ein wichtiger Bestandteil modernen Unterrichts. Eines Tages das nötige Know-how zu besitzen, um den eigenen Turnunterricht auf Spanisch halten zu können, wäre nicht nur eine Bereicherung für die Schüler, sondern auch ein persönliches Ziel. Auf dem Weg dorthin ist es natürlich wichtig, sich intensiv mit den Begriffen des Gerätturnens im Spanischen sowie im Deutschen auseinander zu setzen.
Durch einen einjährigen ERASMUS-Aufenthalt in Spanien, war es möglich an der Universitat de València (UV) u.a. den zweisemestrigen Turn-Kurs Maestría Deportiva Individual: Gimnasia zu besuchen und im SS 2011 erfolgreich abzuschließen. Während dieser Zeit konnten viele begriffliche Schwierigkeiten bezüglich des Gerätturnens seitens der Turndozentin geklärt werden. Trotzdem blieben einige Fragen aus dem Bereich gimnasia unbeantwortet, welche auch die spanische Dozentin des Öfteren zu Recherchen animierten. Die Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS Köln) ist eine Partneruniversität der UV im ERASMUS-Austausch-Programm, wodurch sich auch die Dozenten kennen lernten. Die besagte spanische Dozentin erhielt seinerzeit als Geschenk von Ilona E. Gerling, Turndozentin der DSHS Köln, ihr 2003 ins Spanisch übersetzte Lehrwerk Gimnasia infantil cooperativa – Ayudar y asegurar. Es besteht auf beiden Seiten großes Interesse die jeweils andere Sprache zu lernen, insbesondere die Fachterminologie des Gerätturnens.
Nicht zuletzt davon inspiriert, ist das Ziel dieser Arbeit entstanden, nämlich den Gerätturnwortschatz im Spanischen auf der Grundlage des Lehrwerks Gimnasia infantil cooperativa – Ayudar y asegurar und der deutschen Ausgabe Kinder turnen – Helfen und Sichern (1997) von Ilona E. Gerling zu sammeln, die turnerischen Begriffe in Deutsch-Spanische Wortlisten zu strukturieren und anschließend eine lexikalische Untersuchung des spanischen Gerätturnvokabulars durchzuführen.
Die vorliegende Arbeit soll zeigen, welche lexikalischen Besonderheiten die spanischen Gerätturnbegriffe der erstellten Wortlisten aufweisen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Sportsprache Spaniens
2.1 Die spanische Sportsprache als Sondersprache nach Pfändler
2.2 Definitionsversuche für „Sportsprache“ nach Born und Lieber
2.3 Die spanische Sportsprache der Gegenwart nach Berner
2.3.1 Stellenwert und Bedeutung des Sports in Spanien
2.3.2 Zur Definition „Sportsprache“
2.3.3 Einordnung der Sportsprache
3 Wortschatz des Gerätturnens im Spanischen
3.1 Quellen
3.2 Wortlisten
4 Analyse der Wortlisten
4.1 Entlehnungen
4.1.1 Germanismus
4.1.2 Gallizismus
4.1.3 Gräzismus
4.1.4 Latinismus
4.1.5 Italianismus
4.1.6 Eponymie/Deonomastik
4.2 Semantik
4.2.1 Bedeutungsübertragung durch Metapher
4.2.2 Bedeutungsübertragung durch Metonymie
4.2.3 Synonymie
4.3 Morphologie
4.3.1 Simplex
4.3.2 Derivation
4.3.2.1 Suffigierung
4.3.2.2 Sonderfälle der Derivation
4.3.2.2.1 Regressive Derivation
4.3.2.2.2 Konversion
4.3.3 Komposition
4.3.3.1 Eigentliche Komposita
4.3.3.2 Syntagmatische Komposita
5 Corpusanalyse
5.1 Corpusanalyse Teil I
5.2 Corpusanalyse Teil II
5.3 Tabellarische Übersicht: Corpusanalyse Teil I und II
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
8 Anhang
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die lexikalische Untersuchung des spanischen Gerätturnwortschatzes. Ausgehend von Fachlehrwerken werden deutsche und spanische turnerische Begriffe in Wortlisten strukturiert, um morphologische und semantische Besonderheiten sowie Entlehnungsprozesse im spanischen Vokabular des Gerätturnens zu identifizieren.
- Lexikologische Analyse der Gerätturnsprache im Spanischen
- Strukturierung von Deutsch-Spanischen Wortlisten
- Untersuchung von Wortbildungsprozessen (Derivation, Komposition)
- Semantische Analyse von Fachtermini
- Analyse von Sprachkontaktphänomenen und Entlehnungen
- Corpusanalyse zentraler Fachbegriffe
Auszug aus dem Buch
4.1.6 Eponymie/Deonomastik
Ein Eponym ist laut DUDEN (1997) eine Gattungsbezeichnung, die auf einen Personennamen zurückgeht (z.B. Zeppelin für Luftschiff). Insgesamt konnten zwei Eponyme in den Wortlisten entdeckt werden.
Beispiel:
(1) el flic-flac Menichelli ‘ der Menichelli ’ → Namensgebung nach dem Namen des Erfinders: Franco Menichelli aus Rom (Gerling, 2002, S. 119)
Nachfolgende Abbildung zeigt den Menichelli, auch als Handstütz-Überschlag rückwärts gespreizt bezeichnet, in einer sieben-stufigen Bilderreihe.
Abbildung 3: Der Menichelli (Gerling, 2002, S. 119).
(2) el flic-flac Auerbach ‘ der Bogengang rückwärts ’ → Auerbach Sprünge sind nach einem deutschen Schwimmlehrer benannt, der in Berlin um 1890 in seiner Auerbacher Schwimmschule im Wasserspringen diesen Rückwärtssprung aus der Vorwärtsbewegung populär gemacht hat (Gerling, 2002, S. 125)
Bei der Übersetzung vom Deutschen ins Spanische wurde also für ‘ der Bogengang rückwärts ’ el flic-flac Auerbach gewählt. Bei der Auflistung der Gerätturnwörter ist jedoch aufgefallen, dass ‘ der Bogengang vorwärts ’ mit el remontado adelante übersetzt wurde. Daraufhin würde man eigentlich für ‘ der Bogengang rückwärts ’ el remontado atrás vermuten und nicht die ausgewählte Bezeichnung el flic-flac Auerbach. Die Erkenntnis dieser Problematik regte zu weiteren Recherchen an und zwar welche Bewegungsabläufe sich hinter der Bezeichnung ‘ der Bogengang rückwärts ’ und el flic-flac Auerbach verbergen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation der Autorin, fachübergreifendes Wissen für den Spanisch-Sport-Unterricht zu nutzen, und beschreibt das methodische Vorgehen der Wortschatzanalyse.
2 Die Sportsprache Spaniens: Dieses Kapitel definiert die Sportsprache als Sondersprache und beleuchtet deren Stellenwert in der spanischen Gesellschaft unter Einbeziehung linguistischer Forschungsergebnisse.
3 Wortschatz des Gerätturnens im Spanischen: Hier werden die als Quellen dienenden Lehrwerke von Ilona E. Gerling vorgestellt und die Erstellung der fünf Wortlisten erläutert.
4 Analyse der Wortlisten: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten lexikalischen Untersuchung der 112 Fachbegriffe in den Bereichen Entlehnung, Semantik und Morphologie.
5 Corpusanalyse: Das Kapitel führt eine weiterführende Untersuchung des Begriffs Handstand durch den Abgleich mit einsprachigen und zweisprachigen Online-Wörterbüchern durch.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, in der die lexikalischen Besonderheiten der spanischen Turnterminologie reflektiert werden.
7 Literaturverzeichnis: Dies ist ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der herangezogenen Internetquellen.
8 Anhang: Der Anhang enthält die vollständigen Wortlisten und die tabellarischen Auswertungen der Corpusanalyse.
Schlüsselwörter
Sportsprache, Gerätturnen, Lexikologie, Spanisch, Terminologie, Sondersprache, Wortbildung, Derivation, Komposition, Semantik, Entlehnung, Fachsprache, Fachtermini, Sportdidaktik, Corpusanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wortschatz der spanischen Gerätturnsprache auf lexikalischer Ebene, um ein besseres Verständnis der Fachterminologie für den Sportunterricht auf Spanisch zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Definition von Sportsprache als Sondersprache, die morphologische Struktur spanischer Fachwörter, semantische Bedeutungswandlungen und sprachliche Entlehnungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Gerätturnwortschatz auf Basis von Fachliteratur zu erfassen, zu systematisieren und die lexikalischen Besonderheiten der Begriffe methodisch zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung kombiniert eine lexikalische Analyse der erstellten Wortlisten mit einer linguistischen Einordnung und einer ergänzenden Corpusanalyse von Fachbegriffen in Online-Wörterbüchern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die 112 gesammelten Fachbegriffe hinsichtlich Entlehnungen (wie Germanismen oder Latinismen), semantischer Aspekte (Metapher, Metonymie) und morphologischer Bildungstypen (Derivation, Komposition).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sportsprache, Gerätturnen, Lexikologie, Fachtermini, Wortbildung, Derivation, Komposition, Semantik und Corpusanalyse.
Warum wird speziell der Begriff "Handstand" einer Corpusanalyse unterzogen?
Der Handstand stellt ein zentrales Element im Gerätturnen dar und wies in der vorläufigen Analyse mehrere synonyme Bezeichnungen auf, was eine weiterführende Überprüfung seiner Verbreitung in Wörterbüchern notwendig machte.
Wie unterscheidet sich die "Fachsprache" vom "Sportjargon"?
Während die offizielle Fachsprache durch klare, technische und langlebige Terminologie geprägt ist, unterliegt der Jargon einem ständigen Wandel und ist stärker von emotionalen, zeitgenössischen Ausdrücken aktiver Sportler und Journalisten bestimmt.
Welche Bedeutung hat das Werk von Ilona E. Gerling für diese Arbeit?
Die Lehrwerke von Gerling dienen als primäre Textgrundlage, aus denen der deutsche Wortschatz sowie die spanischen Übersetzungen für die Erstellung der fachspezifischen Wortlisten extrahiert wurden.
- Arbeit zitieren
- Suzan Ergöz (Autor:in), 2013, Die Sportsprache Spaniens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293670