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"Willkomm und Abschied". Ein Gedicht über eine verbrecherische Liebe?

Title: "Willkomm und Abschied".  Ein Gedicht über eine verbrecherische Liebe?

Term Paper , 2013 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Tina Walz (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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Das Gedicht „Willkommen und Abschied“ wird nicht nur als eines der berühmtesten Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe angesehen, sondern „als eines der bekanntesten Gedichte der deutschen Literatur überhaupt“. Dabei ist vielen Lesern nicht bekannt, dass dieses Gedicht von Goethe mehrmals überarbeitet wurde. Während Volker Neuhaus in seinem Werk „Andre verschlafen ihren Rausch, meiner steht auf dem Papiere“ zwar anmerkt, dass Goethes „leichte Änderungen durchweg Verbesserungen sind“, bleibt die Frage nach dem Grund der Umänderungen offen.
Das Gedicht wird in seiner endgültigen Fassung als Beginn der Erlebnislyrik angesehen und innerhalb der Sesenheimer Lieder als Inbegriff des Liebesgedichts. Der Germanist Benno von Wiese bezeichnet das Gedicht sogar als eine „Ballade des Herzens und ihrer Schicksale“ Nicht selten werden dabei die Sesenheimer Lieder, welche zu Goethes Zeit in Straßburg entstanden sind, auch autobiographisch interpretiert. Goethes damaliges Liebesverhältnis zur Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion legen diese Vermutung nahe. Auch die Tatsache, dass das im Gedicht behandelte Treffen in Goethes Autobiographie „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“ geschildert wird, stützen die biographische Interpretation.
Die Änderung der Überschrift, welche im Jahr 1789 „Willkomm und Abschied“ lautet und rund zwanzig Jahre später zu „Willkommen und Abschied“ umgeändert wird, erscheint auf den ersten Blick unbedeutend. Bei näherer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass es sich bei der zuerst gewählten Überschrift um einen feststehenden und geläufigen juristischen Begriff handelt, welcher zu Zeiten Goethes auch in der Alltagssprache fest verankert war. Mit dem Terminus „Willkomm und Abschied“ wird nämlich zu jener Zeit eine Zusatzstrafe für Gefängnisinsassen beschrieben.
Dies wirft die Frage auf, welche Assoziationen Zeitgenossen mit dem ursprünglichen Titel verbunden haben. Schwingen in dem vorliegenden Gedicht stillschweigende Voraussetzungen mit, wenn man die Überschrift in ihrer ursprünglichen, juristischen Bedeutung liest? Stellt das Gedicht in seiner Fassung von 1789 also eine verbrecherische Liebe dar? Gesteht sich Goethe möglicherweise bei einer autobiographischen Interpretation unzüchtiges Verhalten ein? Auf diese Fragen sollen in der vorliegenden Hausarbeit Antworten gefunden werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Eine Überschrift, die Fragen aufwirft

1. Ein Gedicht - mehrere Fassungen: Die wesentlichen Unterschiede

2. Der „Willkomm und Abschied“ im rechtskundigen Kontext

3. Die Geschlechterrollen in Deutschland im 18. Jahrhundert

3.1 Gesellschaftlicher Aspekt

3.2 Sexueller Aspekt

4. Goethes Beziehung zu Friederike Brion

5. Strafvollzug oder Erlebnisdichtung: Stellt das Gedicht eine verbrecherische Liebe dar?

Fazit und eigene Meinung

Appendix

6. Bibliografie

7. Abkürzungsverzeichnis

8. Verschiedene Fassungen des Gedichts „Willkommen und Abschied“

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das berühmte Gedicht Johann Wolfgang von Goethes unter Berücksichtigung seiner verschiedenen Textfassungen und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob der ursprüngliche Titel "Willkomm und Abschied" sowie die inhaltliche Gestaltung als Indiz für eine "verbrecherische Liebe" im juristischen und moralischen Kontext des 18. Jahrhunderts zu deuten sind.

  • Analyse der textuellen Änderungen zwischen der Urfassung und späteren Versionen
  • Untersuchung des juristischen Begriffs "Willkomm und Abschied" als Zusatzstrafe
  • Betrachtung der zeitgenössischen Geschlechterrollen und sexuellen Moralvorstellungen
  • Biographische Einordnung von Goethes Beziehung zu Friederike Brion

Auszug aus dem Buch

2. Der „Willkomm und Abschied“ im rechtskundigen Kontext

Der Terminus „Willkomm und Abschied“ wird in Trübners Deutschem Wörterbuch wie folgt beschrieben: Höhnisch wird es [= Der Willkomm und Abschied] auf die Hiebe übertragen, die ein Sträfling bei seiner Einlieferung in das Zuchthaus erhielt: „Im Wiederholungsfall erfolgte Zuchthaus, wo sie mit dem Ochsenziemer empfangen und entlassen wurden, was man Willkomm und Abschied nannte.“

Darüber hinaus erscheint der Ausdruck erstmals im Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten (ALR), welches am 5. Februar 1794 erlassen wurde. Am 14. April 1851 wurde derselbe Terminus auch in das Strafgesetzbuch der Preußischen Staaten übernommen.

Der Fachbegriff „Willkomm und Abschied“ wird in diesem Zusammenhang also als Zusatzstrafe für Gefangene verwendet, welche vorwiegend abartige Strafen begangen haben. Die zusätzliche Züchtigung wird zu Beginn und am Ende des Gefängnisaufenthaltes vollzogen. Dabei kann man den „Willkomm und Abschied“ als Inbegriff der Gewalt und Unmenschlichkeit ansehen, welche zu Zeiten Goethes in den Gefängnissen an der Tagesordnung waren. Prügelstrafen und körperliche Züchtigungen waren in damaligen Zuchthäusern nichts ungewöhnliches. Der „Willkomm und Abschied“ soll dem Straftäter einerseits seine Tat nochmals vor Augen führen und andererseits Reue heraufbeschwören.

Zusammenfassung der Kapitel

Eine Überschrift, die Fragen aufwirft: Die Einleitung beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Gedichts und stellt die provokante These auf, dass der ursprüngliche Titel eine juristische Bedeutung mit sich führt, die das Werk in einem neuen Licht erscheinen lässt.

1. Ein Gedicht - mehrere Fassungen: Die wesentlichen Unterschiede: Dieses Kapitel vergleicht die Urfassung von 1775 mit den späteren Überarbeitungen und stellt fest, dass Goethe durch die Änderungen die Rolle und Aktivität des lyrischen Ichs maßgeblich verschoben hat.

2. Der „Willkomm und Abschied“ im rechtskundigen Kontext: Hier wird der historische Hintergrund des Titels als eine im 18. Jahrhundert praktizierte Züchtigung oder Zusatzstrafe in Zuchthäusern aufgearbeitet.

3. Die Geschlechterrollen in Deutschland im 18. Jahrhundert: Es werden die rigiden gesellschaftlichen Strukturen und die moralischen Vorstellungen zur Jungfräulichkeit und Sexualität analysiert, um den sozialen Kontext der Liebesgeschichte einzuordnen.

4. Goethes Beziehung zu Friederike Brion: Dieser Teil beleuchtet die biographischen Hintergründe des Sesenheimer Aufenthalts und Goethes anschließende Ablösung von Friederike Brion.

5. Strafvollzug oder Erlebnisdichtung: Stellt das Gedicht eine verbrecherische Liebe dar?: Das Kapitel führt die vorangegangenen Argumente zusammen und prüft, ob das Gedicht entweder als romantische Erlebnisdichtung oder als Allegorie auf einen gewaltsamen, verbrecherischen Akt gelesen werden kann.

Fazit und eigene Meinung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Gedicht durch seine verschiedenen Fassungen einen weiten Interpretationsspielraum bietet, der von einer reinen Liebesgeschichte bis hin zu einer Reflexion über Schuld und Gewalt reicht.

Schlüsselwörter

Goethe, Willkomm und Abschied, Friederike Brion, Erlebnisdichtung, Sesenheimer Lieder, Geschlechterrollen, 18. Jahrhundert, Literaturwissenschaft, Juristischer Kontext, Strafvollzug, Literaturgeschichte, Autobiographie, Liebesgedicht, Moralvorstellungen, Textfassungen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Deutungsmöglichkeiten von Goethes Gedicht "Willkomm und Abschied" unter Berücksichtigung literaturgeschichtlicher und juristischer Aspekte des 18. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themen umfassen die Textgenese von Goethes Lyrik, die historische Rechtsgeschichte (Strafvollzug), zeitgenössische Geschlechterrollen sowie biographische Bezüge zu Goethes früher Liebesgeschichte.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt, ob der Titel und die Struktur des Gedichts als Indiz für eine "verbrecherische Liebe" interpretiert werden können, insbesondere in Bezug auf die juristische Bedeutung des Begriffs "Willkomm und Abschied".

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die philologischen Textvergleich mit historisch-kontextueller Forschung und biographischer Hermeneutik verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in den Textvergleich, die juristische Herleitung des Titels, die soziokulturelle Einbettung der Geschlechterverhältnisse sowie die Analyse der Friederike-Brion-Beziehung.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?

Wichtige Begriffe sind "Erlebnisdichtung", "autobiographische Interpretation", "juristische Zusatzstrafe" und "geschlechterspezifische Moral".

Warum wird die Überschrift "Willkomm und Abschied" juristisch analysiert?

Weil der Terminus im 18. Jahrhundert ein stehender Begriff für eine Züchtigung im Zuchthaus war und die Analyse prüft, ob dieser Kontext das Verständnis des Gedichts als Liebeslyrik infrage stellt.

Welche Rolle spielt die biographische Interpretation für die Arbeit?

Die biographischen Parallelen zwischen dem lyrischen Ich und Goethes Verhalten gegenüber Friederike Brion dienen dazu, die im Gedicht dargestellte Schuld und das schmerzvolle Ende der Liebe zu untermauern.

Zu welchem Fazit gelangt der Autor?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass je nach gewählter Fassung und Perspektive das Gedicht sowohl als romantisches Liebesidyll als auch als Darstellung eines gewaltsamen, verbrecherischen Aktes legitim gedeutet werden kann.

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Details

Title
"Willkomm und Abschied". Ein Gedicht über eine verbrecherische Liebe?
College
University of Constance
Grade
1,3
Author
Tina Walz (Author)
Publication Year
2013
Pages
16
Catalog Number
V293686
ISBN (eBook)
9783656912569
ISBN (Book)
9783656912576
Language
German
Tags
Goethe Willkommen und Abschied Gedicht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tina Walz (Author), 2013, "Willkomm und Abschied". Ein Gedicht über eine verbrecherische Liebe?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293686
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