Der Nordkaukasus, eine sowohl geographische als auch politische Region, gelegen zwischen Schwarzem Meer und Kaspischer See, am Nordhang des Kaukasus-Gebirges. Ähnlich der Landschaft mag man sie für karg, grau und trostlos halten. Ganz im Gegensatz zu dieser Annahme ist der Nordkaukasus jedoch das Pulverfass Russlands. Es ist die Region mit der höchsten Konfliktintensität innerhalb der Föderation.
Zum Föderationskreis Nordkaukasus zählen sieben autonome Gebiete. Neben Karatschai-Tscherkessien, Kabardino-Balkarien, Nordossetien-Alanien, Inguschetien und Tschetschenien, findet sich auch eines der vielfältigsten Länder in diesem Gebiet: Dagestan. Der Föderationskreis umfasst jedoch nicht den kompletten geographischen Nordkaukasus. Dies ist zwar russisches Gebiet, doch ist die Kontrolle im Gebirge immens schwierig und kaum durchführbar.
Seit jeher ist diese Region eine ganz besondere Herausforderung für die russische Föderation. Auch zu Zeiten der Sowjetunion, die sehr prägend auf den Nordkaukasus wirkte, kam es immer wieder zu Konflikten und krisenhaften Ereignissen. Das Land Dagestan nimmt dabei eine ganz besondere Rolle ein. Es ist nicht nur ein Russland in Miniatur – sehr heterogen und vielfältig -, sondern im Gegensatz zu Russland auch sehr vom Islam eingenommen. Dies führt oft zu Auseinandersetzungen mit Moskau, die neben dem Volksislam auch eine steigende Tendenz zu fundamentalistischen Strömungen vermuten. Tatsächlich existieren in Dagestan verschiedenste Richtungen des Islam, unter ihnen auch fundamentalistische Varianten.
Ziel der Hausarbeit soll es sein, diese differenten Strömungen vertiefend zu betrachten und ihre Unterschiede aufzuzeigen, um zu präsentieren, wie sich der Islam in seinen verschiedenen Ausrichtungen im Vielvölkerstaat Dagestan darstellt und welche Auswirkungen dies auf die terroristischen Handlungen der letzten Jahre hat. Ein Blick in die Zukunft soll die Abhandlung beenden und möglicherweise Lösungsvorschläge unterbreiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Vielvölkerstaat Dagestan – ein Porträt
3. Der Islam in seiner Vielfalt
3.1 Islam in Dagestan
3.2 Die Rolle des Islam bei vergangenen Anschlägen
4. Fazit – ein Blick in die Zukunft Dagestans
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Rolle des Islam im Vielvölkerstaat Dagestan unter besonderer Berücksichtigung seiner verschiedenen Strömungen und deren Einfluss auf die Sicherheitslage. Dabei wird analysiert, wie sich der Islam als prägendes Element der dagestanischen Gesellschaft darstellt und in welcher Verbindung er zu radikalen Tendenzen sowie gewaltsamen Konflikten steht.
- Historische Entwicklung und Verbreitung des Islam in Dagestan
- Differenzierung der islamischen Strömungen: Sunna, Schia, Sufismus
- Merkmale und Hintergründe des islamischen Fundamentalismus
- Vergleich der fundamentalistischen Strömungen Wahhabismus und Salafiya
- Auswirkungen radikaler Strömungen auf die Sicherheitslage und terroristische Aktivitäten
Auszug aus dem Buch
3.1 Islam in Dagestan
Um die verschiedenen Strömungen des Islam in Dagestan nachvollziehen zu können, ist zunächst eine Definition desselben notwendig. Der Islam ist eine der großen Offenbarungsreligionen. Der Begriff stammt aus dem Arabischen und bedeutet ‚Unterwerfung‘, die als Unterwerfung unter Gott verstanden wird. Die Offenbarungen Gottes finden sich unverfälscht im Koran. Als zweite Quelle des islamischen Rechts gilt die Sunna, die eine Sammlung von Aussprüchen und Handlungen Mohammeds und seiner früheren Gefährten darstellt. Die Anhänger des Islams heißen Muslime bzw. Moslems. Das aus der arabischen Sprache abgeleitete Wort bedeutet ‚derjenige, der sich Gott hingibt‘. Zentral für den Islam ist der Glaube an die Einheit und Einzigkeit Gottes. Zudem bedeutet es das von Herzen kommende Praktizieren religiöser Pflichten. Anhänger des Islam gehen außerdem davon aus, dass ihre Religion die eine und wahre, von der Schöpfung an existierende Menschheitsreligion ist.
Nichtsdestotrotz teilt sich der Islam in verschiedene Strömungen. Die größte Glaubensrichtung innerhalb des Islam stellt die Sunna dar. Die Sunniten sind entsprechend diejenigen Muslime, die anerkennen, dass der Kalif nicht zwangsläufig aus der Familie, wohl aber aus dem Stamm des Propheten kommen müsste. Sie halten daher Abu Bakr, Umar, Uthman und auch Ali für die vier rechtmäßigen Kalifen. Für die Sunniten existieren vier anerkannte Rechtsschulen. Die hanafitische Rechtsschule ist die älteste, die wichtigste Rechtsschule ist die schafiitische. Neben diesen beiden bestehen die malikitische und hanbalitische Rechtsschule.
Durch die Islamisierung der Araber folgen die meisten Einwohner Dagestans dem sunnitischen Glauben. Sie machen rund 87 Prozent der Landesbevölkerung aus. Die zweite große Glaubensrichtung des Islam stellt die Schia dar. Schia bedeutet Abspaltung. Im Gesamtislam sind die Schiiten eine Minderheit von etwa 10 bis 15 Prozent. Im Gegensatz zu den eben genannten Sunniten gehen sie davon aus, dass nur Ali und dessen Nachkommen als Gemeindeoberhäupter gelten könnten. Ihre dschaafaritische Rechtsschule wird oftmals auch als Zwölferschia bezeichnet. Ganz im Gegensatz zu den Sunniten gehen sie außerdem davon aus, dass der Koran erschaffen worden sei. Auf ihm beruht ihre Rechtsprechung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung charakterisiert den Nordkaukasus als Konfliktregion und Dagestan als heterogenes, stark vom Islam geprägtes Land, dessen religiöse Strömungen die Basis für die vorliegende Untersuchung bilden.
2. Der Vielvölkerstaat Dagestan – ein Porträt: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Geografie, die ethnische Vielfalt, die politische Situation sowie die sozioökonomischen Rahmenbedingungen der russischen Teilrepublik.
3. Der Islam in seiner Vielfalt: Hier werden die historische Etablierung des Islam, die verschiedenen Glaubensrichtungen und die Entstehung des Fundamentalismus in der Region detailliert beleuchtet.
3.1 Islam in Dagestan: Dieser Unterpunkt definiert die grundlegenden islamischen Konzepte und differenziert zwischen den in Dagestan vorherrschenden Ausprägungen wie Sunna, Schia, Sufismus sowie den fundamentalistischen Strömungen Wahhabismus und Salafiya.
3.2 Die Rolle des Islam bei vergangenen Anschlägen: Der Abschnitt analysiert die ökonomischen und sozialen Ursachen für die Destabilisierung der Region und untersucht, wie radikale islamische Strömungen den Nährboden für Terror und Gewalt bildeten.
4. Fazit – ein Blick in die Zukunft Dagestans: Das abschließende Kapitel resümiert die integrative Kraft des Volksislam bei gleichzeitiger Herausforderung durch fundamentalistische Tendenzen und stellt fest, dass der Islam weiterhin eine zentrale Rolle für die Entwicklung der Region spielt.
Schlüsselwörter
Dagestan, Islam, Nordkaukasus, fundamentalistischer Islam, Wahhabismus, Salafiya, Konfliktregion, ethnische Vielfalt, Religionsgeschichte, Terrorismus, Volksislam, Russische Föderation, Radikalisierung, Scharia, Religionsgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Islam im dagestanischen Vielvölkerstaat und analysiert, wie dessen verschiedene Ausprägungen und Strömungen das gesellschaftliche Leben sowie die Konfliktlage in der Region beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die religiöse Vielfalt in Dagestan, die historische Etablierung des Islam, der Aufstieg fundamentalistischer Bewegungen wie Wahhabismus und Salafiya sowie deren Auswirkungen auf die Sicherheit und Stabilität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen den islamischen Strömungen in Dagestan aufzuzeigen und zu analysieren, welchen Einfluss diese auf terroristische Handlungen und die politische Stabilität der letzten Jahre hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die historische, politische und religiöse Aspekte miteinander verknüpft, um ein umfassendes Bild der dagestanischen Gesellschaft zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der soziopolitischen Struktur Dagestans, eine Analyse der religiösen Ausdifferenzierung sowie eine Untersuchung der Rolle des islamischen Fundamentalismus und dessen Verbindung zu Gewaltakten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dagestan, Islam, fundamentalistischer Islam, Wahhabismus, Konfliktregion und ethnische Vielfalt charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich die Salafiya vom Wahhabismus in dieser Arbeit?
Während der Wahhabismus als strikte, oft gewaltbereite Form mit Intoleranz gegenüber Andersdenkenden beschrieben wird, wird die Salafiya als liberaler eingestuft, die zwar eine Rückkehr zu den Wurzeln anstrebt, jedoch Gewalt ablehnt und auf Bildung und Transformation setzt.
Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Lage für die Radikalisierung?
Die Arbeit führt soziale Missstände und wirtschaftliche Schwäche – wie hohe Arbeitslosigkeit und Armut nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – als wesentliche Faktoren an, die fundamentalistischen Strömungen bei der Anhängergewinnung in die Hände spielten.
Welches Verhältnis hat die Bevölkerung zum islamischen Fundamentalismus?
Das Dokument verdeutlicht, dass die militanten Wahhabiten nur eine Minderheit darstellen und die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sich als russische Bürger sieht und den gewaltsamen Zielen der Radikalen nicht zustimmt.
- Quote paper
- Ulrike Leupold (Author), 2012, Die Rolle des Islam im Vielvölkerstaat Dagestan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293732