Geschäftsmodelle im Tourismus 2.0. Potenziale und Entwicklungstendenzen von Reiseschnäppchen-Portalen


Bachelorarbeit, 2014

72 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Motivation und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Wirtschaftszweig Tourismus und technologische Bedeutung
2.1 Theoretische Grundlagen zum Tourismus
2.1.1 Das System Tourismus
2.1.2 Touristische Produkte und ihre Anbieter
2.2 Technologische Grundlagen
2.2.1 Die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologie für den Tourismus
2.2.2 Vom Web 2.0 zum Tourismus 2.0

3 Geschäftsmodelle in der Net Economy
3.1 Definition Geschäftsmodell
3.2 Geschäftsmodelle im Online-Tourismus
3.3 Reiseschnäppchen-Portale
3.3.1 Definition und Abgrenzung
3.3.2 Klassifizierung nach dem 4C-Modell von Wirtz
3.3.3 Fallbeispiel Urlaubspiraten

4 Touristische Nachfrage
4.1 Kennzeichen und Typologien von Nachfragern
4.2 Reisemotivation und Einflussfaktoren
4.3 Reiseentscheidung
4.4 Online-Verhalten und Social-Media-Nutzung

5 Social Media Marketing und -management
5.1 Online-Marketing
5.2 Electronic CRM und Social CRM
5.3 Die Möglichkeiten von Social Media
5.4 Fallbeispiel Urlaubspiraten

6 Analyse der Erfolgspotenziale und Zukunftsperspektiven der Reiseschnäppchen-Portale
6.1 Stärken und Schwächen
6.2 Chancen und Risiken
6.3 Potenziale und Entwicklungstendenzen

7 Fazit und Ausblick

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Leistungsanbieter und Leistungsangebote

Abbildung 2: Wechselwirkungen zwischen IKT und Geschäftsmodell

Abbildung 3: Urlaubspiraten als Portal

Abbildung 4: Urlaubspiraten als Blog

Abbildung 5: Leistungserstellungs- und Leistungsangebotsmodell des Reiseschnäppchen-Portal

Abbildung 6: Zentrale Unterschiede zwischen RSP und Online-Reisebüro

Abbildung 7: „Reisefinder” als Web-2.0-Anwendung

Abbildung 8: Reiseentscheidungsprozess und Einflussfaktoren

Abbildung 9: Einstellungen zur Informationsbeschaffung im Internet

Abbildung 10: Couponing-Marketing und Permission-Marketing am Beispiel von Groupon-Reisen

Abbildung 11: Ermunterung der Facebook-User „Gefällt mir“ zu klicken

Abbildung 12: Positionierung von Deals auf der Facebook-Plattform

Abbildung 13: Statistik über die Facebook-Seite von Urlaubspiraten

Abbildung 14: „Social Login” von Facebook verbindet Website des RSP mit dem sozialen Netzwerk

Abbildung 15: Günstiger Deal für Flug vom Nachbarland aus

Abbildung 16: Website von Urlaubspiraten

Abbildung 17: Absoluter Schnäppchenpreis für Flug in die Dominikanische Republik

Abbildung 18: Wöchentlich steigende Anzahl an Nutzern bei Urlaubsguru

Abbildung 19: Kaufplanung von Urlaubsreisen und Last-Minute-Reisen als Top-1-Produkt

1 Einleitung

1.1 Motivation und Problemstellung

Die Urlaubszeit ist für den Großteil der deutschen Bevölkerung die schönste Zeit im Jahr, insbesondere zum Ausgleich zum stressigen Alltag. So verzeichnet der Verband Internet Reisevertrieb (2014a) in seiner jährlich erscheinenden Studie, dass im Jahr 2012 etwa 70,7 Mio. Haupturlaubsreisen und 75,6 Mio. Kurzurlaubsreisen stattfanden. Daraus ergab sich ein Gesamtumsatz von 83,3 Mrd. Euro.1 Damit besitzt die Tourismusbranche eine entscheidende Bedeutung für den deutschen Wirtschaftssektor2. Gleichzeitig sind die Deutschen auf der Suche nach günstigen Preisen − sogenannten Schnäppchen − auch in der Urlaubsbranche3. Online-Plattformen wie Groupon oder DailyDeal, die täglich für branchenübergreifende Rabatt-Aktionen mit begrenzter Gültigkeit werben, verzeichnen zunehmende Beliebtheit4.

Das Internet hat als primäre Informationsquelle einen sehr hohen Stellenwert erlangt. Ein Phänomen, das zeitgleich seit Entstehung der Net Economy auftritt, ist der sogenannte „Research-Online-Purchase-Offline“-Effekt. Dieser besagt, dass sich die Konsumenten über das Internet ausgiebig über Kaufplanungen informieren, allerdings über die traditionellen Geschäfte und Reisebüros in der Real Economy kaufen bzw. buchen.5 Ein Grund für den Kauf des touristischen Produkts über den traditionellen Weg ist die mit der Buchung benötigte Beratung. Eine Pauschalreise besteht beispielsweise aus verschiedenen Komponenten, zum Beispiel dem Transport zum Zielort und Übernachtungen. Darüber hinaus wird mit der Urlaubsbuchung eine Erwartung im Hinblick auf ein bestimmtes Erlebnis verbunden. Eine weitere Studie von Oktober 2013 fasst dies für die Touristikbranche zusammen: „Jede zweite Buchung beginnt im Internet und endet im Reisebüro – Mehr als jede dritte Reise wird online gebucht“6. Dennoch planen die Deutschen nach einer aktuellen Studie von Februar 2014 zu 57,9 %, in der nächsten Zeit eine Urlaubs- oder Last-Minute-Reise zu buchen. Damit ist die Urlaubsreise das Top-1-Produkt verglichen mit 27 branchenübergreifenden Produkten.7 Auch das soziale Netzwerk Facebook erkennt diesen Trend und ermöglicht den Tourismusunternehmen neue Vermarktungsmöglichkeiten8.

Innerhalb der letzten zwei Jahre hat sich ein neues internetbasiertes Geschäftsmodell etabliert, das die beiden Verkaufsargumente „Reisen“ und „Schnäppchenpreise“ miteinander vereint. Die sogenannten Reiseschnäppchen-Portale (RSP) veröffentlichen preisgünstige Urlaubsangebote, Flüge, Unterkünfte – sogenannte Deals9 − in ihrem Blog. Bei näherer Betrachtung wird erkennbar, dass die RSP keine direkten Anbieter dieser Deals sind, sondern eine Anleitung zur Buchung enthalten. Wird ein entsprechender Verweis „Zum Angebot“ geklickt, wird der Nutzer auf die Website des Anbieters weitergeleitet und kann dort die Buchung vornehmen. Die RSP sind vor allem über die sozialen Netzwerke, insbesondere Facebook, bekannt geworden und verzeichnen gegenwärtig über 1 Mio. Fans10. Dabei nutzen die Anbieter der RSP die Möglichkeiten des Web 2.0 und integrieren die Nutzer als Prosumenten11 in den digitalen Wertschöpfungsprozess mit ein. Das Konzept scheint so erfolgreich zu sein, dass sich innerhalb von kurzer Zeit unzählige RSP wie zum Beispiel Urlaubspiraten, Urlaubsguru, Reisespione, Travelcloud, Travel-Dealz etabliert haben.

Forschungen im Bereich operativer Tourismus werden sowohl im deutschsprachigen als auch im internationalen Raum durchgeführt, auch wenn sich die Tourismuswissenschaft selbst noch nicht als eigenständige Forschungsdisziplin durchgesetzt hat.12 So ist beispielweise das Geschäftsmodell RSP und seine Funktionsweise (noch) nicht in die wissenschaftliche Literatur eingegangen. Jedoch finden sich hierzu bereits Diskussionen im Internet und im Fernsehen13.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich mit dem recht jungen Geschäftsmodell Reiseschnäppchen-Portal und untersucht dieses im Hinblick auf mögliche Potenziale und Entwicklungstendenzen. An einigen Stellen werden die beiden beliebtesten RSP Urlaubspiraten und Urlaubsguru als Repräsentanten exemplarisch vorgestellt, um die Thematik zu veranschaulichen.

Zunächst ist eine Erarbeitung von theoretischen Grundlagen erforderlich, um den für diese Arbeit erforderlichen Kontext abzugrenzen. Dabei werden das System Tourismus sowie seine Bestandteile und Akteure aus betriebswirtschaftlicher Perspektive vorgestellt. Im Anschluss daran wird die Bedeutung der Technologie, insbesondere des Internets, für die Tourismusbranche dargestellt.

Im nächsten Schritt wird das Konzept Geschäftsmodell erläutert und verschiedene Geschäftsmodelltypologien des Online-Tourismus vorgestellt. Dabei wird der Ansatz von Wirtz (2013) aufgegriffen. Sein vorgeschlagenes Konzept fungiert dabei als Strukturierungsrahmen für das Geschäftsmodell RSP, um es sowohl unternehmensintern als auch unternehmensübergreifend abbilden zu können. Da der Schwerpunkt der Arbeit auf dem Geschäftsmodelltyp RSP liegt, werden zur näheren Veranschaulichung die beiden erfolgreichsten RSP aufgegriffen.

Daraufhin wird die touristische Nachfrageseite beschrieben, um die Zielgruppe der Reiseschnäppchen-Portale zu bestimmen. Dabei werden sowohl Motive und Einflussfaktoren im Hinblick auf eine Reiseentscheidung als auch grundlegende Nachfragetypologien aufgezeigt. Außerdem werden das aktuelle Online-Verhalten und die Social-Media-Nutzung dargelegt. Das Kapitel adressiert die Fragen, wer die Kunden sind, welches Verhalten diese aufweisen und welche Bedürfnisse sie haben.

Im nächsten Kapitel werden die Einsatzmöglichkeiten von Social Media aufgezeigt, da die Marketingmaßnahmen der Reiseschnäppchen-Portale vor allem hierüber durchgeführt werden. Das Kapitel greift folgende Fragen auf: Welche Vorteile besitzt Online-Marketing, welche Instrumente werden eingesetzt, welche Bedeutung haben die sozialen Medien?

Im darauffolgenden Kapitel werden sowohl Stärken und Schwächen als auch Chancen und Risiken der RSP aufgezeigt und miteinander in Beziehung gesetzt. Grundlage dafür sind die zuvor dargestellten Informationen und Sachverhalte aus den vorherigen Kapiteln, sodass anschließend Potenziale und Entwicklungstendenzen abgeleitet werden können.

Abschließend erfolgt ein Fazit der behandelten Thematik über die gewonnen theoretischen Erkenntnisse des Geschäftsmodells Reiseschnäppchen-Portal und es wird ein Ausblick über weitere Forschungsbedarfe gegeben.

2 Wirtschaftszweig Tourismus und technologische Bedeutung

2.1 Theoretische Grundlagen zum Tourismus

2.1.1 Das System Tourismus

Der Begriff Tourismus ist im europäischen Sprachgebrauch14 überwiegend in einheitlicher Verwendung. Nach der World Tourism Organization UNWTO bezeichnet der Tourismusbegriff ein soziales, kulturelles und wirtschaftliches Phänomen. Er umfasst sowohl das Verlassen des Wohnortes als auch die Wiederkehr nach einer nicht näher spezifizierten Zeit. Allerdings ist der vorübergehende Aufenthaltsort weder Wohnort noch Arbeitsstätte.15 Verwandte Begriffe wie zum Beispiel Fremdenverkehr oder Reiseverkehr werden häufig als Synonyme verwendet, unterscheiden sich allerdings dahin gehend, dass sie die Rückkehr an den Ursprungsort unbestimmt lassen und einen Fokus auf den Verkehrs- und Transportweg legen. Touristik, üblicherweise in ähnlicher Verwendung, ist eine spezifische Perspektive der Wirtschaftsbereiche der Reiseveranstalter und Reisemittler.16

Reisen ist ein Teilbereich des Tourismus und bezeichnet die konkrete Durchführung einer Reise, das heißt das vorübergehende Verlassen des Wohnortes in der Regel mit einem Transportmittel (zum Beispiel mit einem Auto oder einem Flugzeug) hin zu einem anderen Ort. Diese Definition subsumiert somit auch Reisen im beruflichen Kontext (Geschäftsreisen) und das Reisen, um Verwandte zu besuchen.17 Das Reisen im touristischen Sinne beinhaltet die drei Bestandteile Reiseanlass, Reiseziel(e) und Reisedauer.18 Eine Urlaubsreise ist wiederum ein Teil des touristischen Reisens und bezieht sich auf eine (Urlaubs-)Reise, die außerhalb der Arbeitszeit unternommen wird.19 Die Reisetätigkeit wird nach Freyer (2011) in die drei Phasen Vorbereitungsphase, Durchführungsphase und Nachbereitungsphase aufgeteilt.20 Darüber hinaus differenziert er in Bezug auf das Reisemotiv (vgl. Kapitel 4.2) zwischen dem touristischen Kernbereich und Randbereich sowie dem nichttouristischen Bereich. Zum Kernbereich des Tourismus gehört demnach eine Reise im Sinne eines Urlaubes, eine Geschäftsreise hingegen zählt zum Randbereich. Reisen im Rahmen eines Auslandssemesters oder des Auswandern fallen in die Kategorie Nichttourismus.21 In dieser Arbeit wird der Fokus auf das Reisen zu Urlaubszwecken gelegt, da sich das Leistungsangebot des hier betrachteten Geschäftsmodells auf Urlaubsreisen konzentriert.

Die Tourismusbranche stellt weltweit einen bedeutenden Wirtschaftssektor dar und ist durch eine hohe Anzahl an Reisevermittlern (vgl. Kapitel 2.1.2) charakterisiert, die mit touristischen Dienstleistungen handeln.

2.1.2 Touristische Produkte und ihre Anbieter

Auch das Angebot der Tourismuswirtschaft lässt sich dreiteilen. 22 Zunächst gibt es die Tourismuswirtschaft im engeren Sinne (den Kernbereich), dessen Angebote eindeutig dem Tourismus zugeordnet werden können wie zum Beispiel Unterkunftsleistungen oder Transportleistungen. Die ergänzende Tourismuswirtschaft und die touristische Randwirtschaft (zum Beispiel die Souvenirindustrie und die Gastronomie) werden im weiteren Verlauf nicht näher betrachtet, da im Fokus dieser Arbeit vor allem Beherbergungs- und Transportleistungen betrachtet werden.

Die Tourismuswirtschaft ist ein klassisches Beispiel für die Dienstleistungsbranche. In diesem Sinne kann in der Tourismuswirtschaft anstelle von einem touristischen Produkt von einer touristischen (Dienst-)Leistung gesprochen werden. Einer solchen touristischen Leistung werden nach Freyer (2011) spezifische Merkmale zugewiesen, die sie besonders machen. So ist sie unter anderem immateriell, das heißt, weder greifbar noch testbar. Diese Charakterisierung entspricht ebenfalls einer Dienstleistung. Des Weiteren ist das touristische Produkt in der Regel eine Kombination aus verschiedenen einzelnen Leistungen23. Das heißt, es hat abstrakten Charakter, da es „aus den Komponenten Zeit, Raum und Person“24 gebündelt wird. Ebenso ist sie einmalig und zugleich vergänglich aufgrund von Zeit- und Ortsabhängigkeit, das heißt, sie muss zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort „verbraucht“ werden (Konsumort = Ort der Leistungserstellung). Dabei wird der Reisende stets als externer Faktor mit in den Leistungserstellungsprozess einbezogen. Aus den zuvor genannten Gründen handeln die Akteure der Tourismusbranche nicht mit Produkten im eigentlichen Sinne sondern vielmehr mit Dienstleistungen. Das typische Beispiel ist eine Pauschalreise.25

Die touristischen Leistungen können anhand der verschiedenen Phasen einer Reise zugeordnet werden. In der ersten Phase (der Reiseplanung) werden Dienstleistungen in Form von Beratungen und Vermittlungen (zum Beispiel durch Reisemittler in einem Reisebüro) wahrgenommen. Um an den Zielort zu gelangen, wird der Reisende mit einem Transport- oder Verkehrsmittel (zum Beispiel einem Flugzeug) dorthin und am Ende der Reise mit demselben oder einem anderen zurückgebracht. Während der eigentlichen Reise werden Angebote am Zielort der Reise für Unterkünfte (zum Beispiel Hotelzimmer) und die Freizeitgestaltung (zum Beispiel Eintrittskarten für einen Freizeitpark) offeriert. Zusätzlich haben Beratungs- und Vermittlungsleistungen einen unterstützenden Charakter für die touristischen Leistungsersteller.26

Im Hinblick auf Transportleistungen unterscheidet Schulz (2010) im Tourismus die Verkehrswege Land (Straßen- und Schienenverkehr), Luft und Wasser. Dementsprechend besteht das Leistungsangebot in dieser Sparte unter anderem aus Bus- und Zugreisen sowie dem Verleih von Mietwagen. Dienstleistungen aus dem Luft- und Wasserverkehr werden unterschieden in Flugreisen und Kreuzfahrten. Die zuvor genannten Transportmittel werden zunächst benötigt, um das Reiseziel zu erreichen, und für die spätere Rückreise. Allerdings werden diese ebenso am Zielort selbst genutzt, um zwischen verschiedenen Orten zu verkehren.27

Die Beherbergungsleistung bietet dem Reisenden vor Ort die Möglichkeit zur Übernachtung. Zu dieser Grundleistung können weitere Teilleistungen wie zum Beispiel Verpflegung oder Zimmerservice in Anspruch genommen werden. Solche Betriebe bieten unter anderem Beherbergungen in Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen an.28

Reiseveranstalter sind Unternehmen mit eigenständigen Leistungsangeboten − den sogenannten Pauschalreisen. Diese sind eine Kombination aus verschiedenen touristischen Dienstleistungen, die von Leistungserstellern (zum Beispiel Übernachtungen und Transport) angeboten werden. Dabei werden mindestens zwei Einzelleistungen zu einer Hauptleistung gebündelt, sowie Neben- (zum Beispiel Verpflegung und Freizeitprogramm) und freie Leistungen (zum Beispiel Landschaft und Klima) optional angeboten. Reiseveranstalter übernehmen in erster Linie eine Unterstützungsfunktion für die Leistungsträger in Bezug auf den Absatz der Leistungen. Allerdings haben sie ein gewisses Risiko zu tragen, da sie von den Leistungsträgern sogenannte Kontingente (zum Beispiel Anzahl Hotelzimmer und Flugsitzplätze) einkaufen und für die Durchführung der Reise verantwortlich sind.29 Die verschiedenen Reiseveranstalter setzen bei ihren Dienstleistungsbündelungen unterschiedliche Schwerpunkte. Beispielsweise einer der größten Reiseveranstalter Aida Cruises konzentriert sich ausschließlich Pauschalangebote im Bereich Kreuzfahrten; ein anderer, Job Tours, ausschließlich auf geführte Bustouren.

Die Reisemittler30 als letztes Bindeglied der Leistungskette beraten den Endkunden im Hinblick auf eine Reisebuchung. Dabei vermitteln die Intermediäre die zusammengestellten Pauschalreisen der Reiseveranstalter, allerdings auch einzelne Leistungen der Leistungsersteller.31

Abbildung 1 verdeutlicht die Beziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren in der Tourismuswirtschaft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Leistungsanbieter und Leistungsangebote

Quelle: in Anlehnung an Freyer (2011), S. 137.

2.2 Technologische Grundlagen

2.2.1 Die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologie für den Tourismus

Wie im vorherigen Kapitel dargestellt, weisen die verschiedenen Betriebe im Tourismus starke Abhängigkeiten untereinander auf. Um die Geschäftsprozesse zwischen den teilweise komplexen Beziehungen zu unterstützen, werden bereits seit den 1970er-Jahren Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) eingesetzt. So griffen Fluggesellschaften bereits zu dieser Zeit auf die IKT zurück und integrierten die sogenannten Computer Reservation Systems und Global Distribution Systems32 in ihre Unternehmensinfrastruktur, die die Fluggesellschaften mit Reiseveranstaltern vernetzte und gleichzeitig den Reisebüros eine Schnittstelle zur Reservierung von Unterkünften und Flügen ermöglichte. Heutzutage werden die IKT in allen touristischen (übergreifenden) Wertschöpfungsstufen als „Querschnittstechnologie“33 eingesetzt und beeinflussen diese Wertschöpfung maßgeblich.34

Auch aus Konsumentensicht hat das Medium Internet seit der Entwicklung in 1990er-Jahren signifikant an Bedeutung gewonnen und ist heutzutage nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Nach einer aktuellen Studie von AGOF e. V. (2014) waren im Dezember 2013 etwa 76% der deutschen Gesamtbevölkerung35 online. Davon haben 43,9% bereits seit mehr als 10 Jahren Erfahrung in der Nutzung des Internets. In den letzten zwölf Monaten haben 29,7% Hotelunterkünfte und 27,8% sogar eine Urlaubsreise oder Last-Minute-Reise online gebucht. Damit gehören Urlaubsprodukte zu den Top-10 der über das Internet am häufigsten gesuchten und gekauften Produkte.36 Durch die Studie wird deutlich, dass das Internet zu einem essenziellen Medium geworden ist – für Anbieter und Konsumenten. Das Internet hat das Verhalten der Reisenden stark beeinflusst37. Auch das mobile Internet beispielsweise über Smartphones und Tablets gewinnt zunehmende Bedeutung38.

Die „vollständige Unterstützung, Abwicklung und Aufrechterhaltung von Leistungsaustauschprozessen zwischen ökonomischen Partnern mittels Informationstechnologie“39 wird als Electronic Business (E-Business) bezeichnet. Der Electronic Commerce40 (E-Commerce) als Teilbereich des E-Business fokussiert auf das Verkaufen von Produkten und Dienstleistungen über elektronische Kanäle. Durch das Internet als Informations- und Kommunikationsmedium können touristische Unternehmen mit ihrem Webauftritt (Strukturierungs- und Selektionswertwert) sowohl mit ihren Geschäftspartnern als auch den Endkunden in einen Dialog treten und erreichen dabei eine hohe Anzahl an Reiseinteressenten (Kommunikationswert). Dabei ist der Besuch der Webpräsenz losgelöst von zeitlichen und örtlichen Restriktionen. Neben der Präsentation des Unternehmens und der Produkte auf einer Website können diese durch die neuen Technologien unmittelbar online gebucht (Transaktionswert) werden (zum Beispiel Flüge, Unterkünfte und Pauschalreisen).41 Zusätzlich können durch die Automatisierung der elektronischen Geschäftsprozesse Transaktionskosten gesenkt werden42. Das Internet hat für die Tourismusindustrie eine essenzielle Bedeutung und die Branche maßgeblich positiv beeinflusst43. Die verschiedenen Leistungsersteller können ihre Leistungen ohne Zwischenhändler direkt auf ihrer Website anbieten. eco – Verband der deutschen Internewirtschaft e. V. (2013) prognostizieren für den Sektor E-Commerce einen Umsatzanstieg bis 2016 auf 28,4 Mrd. Euro und einem Anteil von bis zu 41,2 % am gesamten Online-Markt44.

Für die Tourismusbranche ergeben sich durch das E-Commerce Herausforderungen in Bezug auf die Produkteignung für den Online-Markt (vgl. Kapitel 2.1.2). Eine Dienstleistung erfordert besondere Anforderungen, beispielsweise multimedialer Inhalt, um den Konsumenten zu einem Online-Kauf motivieren zu können. Da es sich vielmehr um ein „Informationsgeschäft“ handelt, sollte diese Besonderheit im E-Commerce berücksichtigt werden.45

Aus Konsumentensicht bietet die Online-Buchung von Urlaubsreisen ebenfalls diverse Vorteile. Der Internetnutzer kann von zu Hause aus das Reiseangebot einsehen und ist dabei frei von örtlichen und zeitlichen Restriktionen. Über das Internet erhält er einen umfangreichen und übersichtlichen Informationspool, meist multimedial, und kann sich spontan zu einer Buchung entscheiden. Zusätzlich werden über das Internet Preise in Echtzeit angezeigt, die aufgrund seiner Auswahl aktualisiert werden.46

Noch vor einigen Jahren wurden Reisen überwiegend über Reisebüros gebucht. Heutzutage sind nahezu alle Leistungsersteller im Internet präsent47 und nutzen neben der Darstellung eines Angebotskatalogs vor allem die direkte Buchungsmöglichkeit ihrer Dienstleistungen. So ist es beispielsweise dem Reiseinteressenten bequem von zu Hause aus möglich, Flüge und Hotelzimmer zu reservieren. Auch der größte deutsche Vertreter der Reiseveranstalter TUI48 agiert online und offeriert unter anderem Pauschalreisen und Flüge mit direkter Buchungsmöglichkeit. Die Online-Buchung von Dienstleistungen ist in der Regel über eine Internet-Booking-Engine Schnittstelle mit dem firmeninternen Reservierungssystem verknüpft49. Auch die an die Buchung anschließende Zahlungsabwicklung gehört zu den Standardfunktionalitäten, die das Internet ermöglicht.

Die neuen Technologien haben vor allem einen unterstützenden Charakter für bereits existente Tourismusunternehmen. Allerdings haben sich parallel zur Verbreitung des Internets neue Unternehmen etabliert, die ihre Geschäftstätigkeit hauptsächlich über die Net Economy ausüben (vgl. Kapitel 3.2).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neuen Technologien unter anderem neue Vertriebswege und Unternehmensgründungen auf dem (Online-)Reisemarkt ermöglichen; gleichzeitig können spezifische Anforderungen der Tourismusanbieter die Weiterentwicklung der IKT bedingen. Somit kann gesagt werden, dass sich Technologien und Reisemarkt gegenseitig unterstützen.50

2.2.2 Vom Web 2.0 zum Tourismus 2.0

Seit knapp zehn Jahren ist die Bezeichnung Web 2.0 weit verbreitet und beschreibt eine veränderte Wahrnehmung der Internetnutzung durch Auflösung der Zweiklassengesellschaft in der Net Economy. So war es vor dieser Zeit, in der ersten Version des Webs, üblich, dass es wenigen Organisationen vorbehalten war, Webinhalte zu publizieren. Auf der anderen Seite gab es die Nutzer, die diese Inhalte lediglich aufrufen konnten. So erweiterte Tim O’Reilly den Begriff Web um das Suffix 2.0 erstmalig im Jahre 2005 in seinem Text „What Is Web 2.0“ und gab dem Wandel der veränderten Empfindung hin zu einem neuen Trend einen Namen.51

Das Web 2.0 ist im eigentlichen Sinne keine Technologie, sondern beschreibt den „Einsatz von innovativen Applikationen und Technologien“52 ergänzt um die aktive Teilnahme der Nutzer im Hinblick auf die digitale Inhaltserstellung im Netz seit 2005. Das Internet entwickelte sich zum „Mitmach-Internet“ und Nutzer können nicht nur veröffentlichten Inhalt einsehen, sondern ab sofort auch selbst welchen online produzieren, publizieren und der Online-Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Das Netz wird nun durch die Eigenschaften „Partizipation, Offenheit und Netzwerkeffekte“53 charakterisiert. Der Trend hat sich dahin gehend entwickelt, dass die Nutzer aktiv mit in den Prozess der Gestaltung des Inhalts eingebunden werden und somit zu Prosumenten54 werden. Außerdem sind Unternehmen mit neuen Geschäftsideen entstanden, die die Konzepte des Webs 2.0 adressieren. Web-2.0-Anwendungen können das Unternehmen sowohl als Werbeträger als auch als Vertriebskanal unterstützen und zusätzlich als Marktforschungsinstrument dienen55. Das Bewertungsportal Ciao!56 ist ein exemplarisches Beispiel für eine Geschäftsidee etabliert durch das Web 2.0. Der Inhalt der Website – die Produktbewertungen und Erfahrungsberichte − werden ausschließlich durch die Nutzer erstellt. Das wohl bekannteste soziale Netzwerk Facebook stellt eine Online-Plattform zur Verfügung, über die die registrierten Nutzer mit anderen Nutzern kommunizieren können.

Nach dem Vorbild des Webs 2.0 resultiert der Tourismus 2.0 aus der „Entwicklung des Online-Tourismus zu einer interaktiven Web-Kommunikation mit und zwischen Reisenden“57 und beschreibt damit die Verschmelzung des Web 2.0 mit dem Online-Tourismus. Somit hat auch der E-Tourismus58 das Phänomen Web 2.0 erkannt und sich darauf abgestimmt, die Konsumenten aktiv mit ins digitale Geschehen einzubeziehen59. Conrady (2010) unterscheidet vier Kategorien von Web-2.0-Anwendungen, die Relevanz für die digitale Reise- und Tourismusbranche besitzen: „Social Networks“, „Wissens-Communities“, „Consumer Communities“ und „Filesharing Communities“.60 All diese Konzepte basieren auf der Idee, dass die Nutzer aktiv als Prosumenten Inhalte generieren und die Online-Plattformen zum Austausch nutzen. Die Unternehmen an sich treten vielmehr im Hintergrund auf. Nach Springfeld (2009) lassen sich allen Reisephasen Tourismus 2.0 Anwendungen zuordnen: Vor der Reise wird beispielsweise ein Reiseportal aufgesucht, um Preise zu vergleichen. Nach der Reise werden Erfahrungsberichte über den Urlaub verfasst61.

Somit versteht sich das Web 2.0 als Treiber für neue touristische Geschäftsideen (vgl. Kapitel 3.2). Ein Beispiel für ein solches Unternehmen ist Trivago62. Die Hotelbewertungsplattform basiert auf einer Suchfunktion nach Hotels und einem damit verknüpften Preisvergleich. Die Nutzer werden motiviert, die besuchten Hotels anhand verschiedener Kriterien, zum Beispiel Sauberkeit, Freundlichkeit des Personals, zu bewerten und Erfahrungsberichte zu hinterlassen. Diese können durch die suchenden Internetnutzer eingesehen werden und dienen der Unterstützung zur Reiseentscheidung63. Solche und ähnliche Geschäftsmodelle wurden erst durch die Entwicklung der IKT ermöglicht (vgl. Kapitel 3.1).

3 Geschäftsmodelle in der Net Economy

3.1 Definition Geschäftsmodell

Ein Modell ist ein Abbild eines komplexen Sachverhaltes und abstrahiert auf die Merkmale, die für einen besonderen Kontext von Bedeutung sind. Nach dieser Definition abstrahiert das Modell eines Geschäftes bzw. eines Unternehmens von all seinen komplexen Beziehungen und Abhängigkeiten auf bestimmte Merkmale. Somit ist ein Geschäftsmodell (GM) die Abbildung eines Unternehmens in aggregierter Form64. Im weiteren Verlauf wird das Konzept GM im Hinblick auf webbasierte GM aufgegriffen.

Wie zuvor dargestellt, hat der Einsatz von IKT in der Tourismusbranche eine essenzielle Bedeutung. Der reine Einsatz von IKT allein schafft allerdings noch keinen Wert für die Unternehmen. Vielmehr ermöglicht erst das GM einen Mehrwert. So trägt die IKT eine bedeutende Rolle als Treiber für die Entstehung von GM. Allerdings sind es die GM selbst, die die entscheidende Rolle spielen (vgl. Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Wechselwirkungen zwischen IKT und Geschäftsmodell

Quelle: in Anlehnung an Wigand (1997), S. 13; Stähler (2002), S. 69.

Für einige Autoren umfasst das Konzept GM vor allem die interne Betrachtungsweise des Unternehmens und der Aktivitäten zur Erzielung von Einkünften. Andere Autoren erweitern ihre Definition dahin gehend, dass ein GM ebenso das Umfeld und die Beziehungen zur Umwelt umfasst.65 Nach Meier/Stormer (2012) besitzt es verschiedene Komponenten. Durch die Definition der Produkte und Dienstleistungen werden diese unter anderem auf Digitalisierbarkeit (vgl. Kapitel 2.1.2) hin überprüft. Weitere Komponenten betreffen die Festlegung der Zielgruppe (vgl. Kapitel 4) sowie die Gestaltung der Geschäftsprozesse und Distribution (vgl. Kapitel 5) als auch die Festlegung des Ertragsmodells.66

Kollmann (2013a) unterscheidet GM anhand ihrer Geschäftsbereiche und der handelnden Akteure. So werden Anbieter und Empfänger von Leistungen in Konsumenten (Customer), Unternehmen (Business) und Behörden (Government) unterschieden. Daraus resultieren die Geschäftsbereiche „Business-to-Business“, „Business-to-Customer“ und „Customer-to-Customer“, die miteinander in Aktion treten.67

Wirtz (2010) vertritt ebenso einen Ansatz, der über die ausschließliche Betrachtungsweise der internen Wertschöpfungskette eines Unternehmens hinausgeht. Er beschreibt das GM als Modell des „Leistungserstellungsprozesses“ unter besonderer Berücksichtigung der Ressourcen in Form von Informationen, Produkten und Dienstleistungen, die in ein Unternehmen hinein- und aus ihm hinaus fließen. Somit wird in der Geschäftsmodellanalyse die Funktion der vor- und nachgelagerten Akteure in der wertschöpfungsübergreifenden Kette mit einbezogen. Das GM wird um ein sogenanntes Partialmodell erweitert, das wiederum aus einem Marktmodell, einem Beschaffungsmodell, einem Leistungserstellungsmodell, einem Leistungsangebotsmodell, einem Distributionsmodell und einem Kapitalmodell besteht, um zusätzliche betriebswirtschaftliche Analysen zu ermöglichen. Er schlägt in seiner Konzeption verschiedene Geschäftsmodelltypologien vor, die innerhalb eines Typs möglichst gemeinsame Eigenschaften aufweisen und zwischen den verschiedenen Typen differenzierbar sind.68

Das von ihm vorgestellte 4C-Net Business Model kategorisiert GM aus dem Customer-to-Customer-Bereich und unterscheidet die vier Basisgeschäftsmodelle Content, Commerce, Context und Connection. Diese vier Varianten unterteilt er nochmals aufgrund eines spezifischeren Leistungsangebotes. GM, die nicht eindeutig einer Kategorie zugeordnet werden können, bezeichnet Wirtz als hybride GM. Die GM, die im Bereich Content angesiedelt sind, legen ihren Fokus auf die Bereitstellung von Inhalten, Context auf die Klassifizierung von verfügbaren Informationen. Commerce-GM konzentrieren sich auf Transaktionen, die online abgeschlossen werden und Connection-GM auf der Interaktion zwischen den Nutzern.69

In dieser Arbeit wird der Vorschlag von Wirtz (2013) aufgegriffen, da dieser eine mögliche Herangehensweise beschreibt, um ein GM in einer benötigten Abstraktion aus der internen und der externen Perspektive darstellen zu können. Zur weiteren Analyse werden die RSP in ihrer Gesamtheit und ihren Charakteristika dargestellt, um dieses im späteren Verlauf der Arbeit aus interner und externer Perspektive analysieren zu können (vgl. Kapitel 6).

3.2 Geschäftsmodelle im Online-Tourismus

Grundsätzlich lassen sich in die zuvor vorgestellten Geschäftsmodelltypologien Unternehmen aus der Online-Tourismusbranche einordnen, die nachfolgend der Vollständigkeit halber dargestellt werden.

Für das Content-GM ist beispielweise das Online-Reisemagazin MERIAN zu nennen. Die Journalisten verfassen unter dem Titel „Reisemagazin und Reiseführer für weltweite Urlaubsziele“ Beiträge aus der Reisebranche und informieren die Website-Besucher über verschiedene Themen aus diesem Bereich. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Bereitstellung und Darstellung von Content für die Zielgruppe des Reisemagazins. Die Erlöse in diesem GM resultieren überwiegend aus Werbeeinnahmen wie zum Beispiel über Banner von Partnerunternehmen.

Online-Reisebüros wie Expedia gehören zu den klassischen Commerce-Geschäftsmodellen. Auf der Website werden verschiedene Urlaubsangebote sowie Flüge und Unterkünfte beworben, die der Nutzer über einen Buchungsprozess reservieren soll. Auch die Websites der klassischen Leistungsträger wie AirBerlin oder Bahn.de haben transaktionalen Charakter. Sie verfügen über ein Buchungssystem, über das der Konsument Leistungen erwerben soll. Es geht hier vordergründig um die Abwicklung von Transaktionen. Hierüber erwirtschaften die Commerce-Unternehmen ihre Einnahmen.

Die Website von TripAdvisor ist eine Plattform, auf der die Besucher nach verschiedenen Reiseobjekten wie zum Beispiel Sehenswürdigkeiten oder Restaurants in einer bestimmten Stadt suchen können. So können sich diese über verschiedene Reiseziele und die dort angebotenen Möglichkeiten informieren. Das Unternehmen dieses GM entspricht dem Bereich Context. Es adressiert die Möglichkeiten, die durch das Web 2.0 entstanden sind.

Ein typisches Beispiel für einen Online-Anbieter im Bereich Connection ist Travel-Friends.de. Auf der Website des Anbieters können sich Nutzer anmelden und ihre Reiseerfahrung mit anderen Nutzern austauschen. Zwar produzieren die registrierten Nutzer auch Content, allerdings steht im Fokus der Austauschgedanke zwischen diesen. Hier wird der Gedanke des Web 2.0 aufgegriffen.

3.3 Reiseschnäppchen-Portale

3.3.1 Definition und Abgrenzung

Einige Websites mit Urlaubsangeboten sind neben einem Logo mit dem Zusatz (Internet-/Web-)Portal (in Bezug zu einer bestimmten Branche) betitelt. So wirbt beispielsweise Urlaubspiraten70 mit dem Zusatz „Reiseschnäppchen Portal“ und verweist damit auf ein Portal mit günstigen Angeboten aus der Urlaubsbranche (vgl. Abbildung 3). Solche Angebote werden betitelt beispielsweise mit „Amsterdam: 3 Tage im sehr guten 4-Sterne-Designhotel inkl. Frühstück für nur 79,− €“ und „12 Tage Dominikanische Republik mit Hotel und Hin- und Rückflug für nur 563,− €“. Diese Schnäppchen werden auch als Deals bezeichnen und beziehen sich in der Regel auf Angebote aus Restkontingenten, Preisfehlern und Gutscheinen aus dem Bereich Urlaub. Beispielsweise weisen einige RSP auch auf Angebote zum kostenlosen Bezug einer Kreditkarte hin, um im Urlaub kostenlos Bargeld abholen zu können. Das Angebot geht damit über das des Kerntourismus hinaus (vgl. Kapitel 2.1.2). Neben Urlaubspiraten existieren weitere RSP wie Urlaubsguru, Reisespione, Travelcloud, Travel-Dealz.

Nach Hansen/Neumann (2009) wird ein Portal durch seine Bereitstellung von Informationen zu einem bestimmten Thema charakterisiert. Dabei werden Informationen, die aus anderen Quellen stammen, aufbereitet und dem Nutzer als Einstieg auf einer Website angezeigt. Je nach Breite oder Tiefe des Informationsangebotes werden Portale in horizontale und vertikale eingeteilt.71 Da Reiseschnäppchen-Portale (RSP) ihren Fokus auf ein Informationsangebot rund um das Reisen legen, können sie des Weiteren als vertikales Portal spezifiziert werden.

Die Einstiegsseite von Urlaubspiraten enthält Angebote und Informationen rund um den Urlaub und macht diese der Nutzergemeinde über eine Website zugänglich (B2C). Neben Urlaubsangeboten beinhaltet die Website Informationen, die über das Offerieren von Angeboten hinausgehen wie beispielsweise die Kategorie „Tipps und Tricks“ rund um das Reisen. Das Portal wird durch ein Katalogmanagement unterstützt, das „Funktionen für Aufbau, Unterhalt und Nutzung von Produktdaten zur Verfügung“72 stellt. Ein synonymer Begriff für das Portal ist die Plattform.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Urlaubspiraten als Portal

RSP setzen auf die Mitgestaltung und bitten die Nutzer aktiv um Ideen und Vorschläge im Hinblick auf eine zukünftige Angebotsgestaltung. Sie setzen damit auf die aktive Einbindung in den Wertschöpfungsprozess durch Interaktion und Kommunikation. Diese Form der Ausprägung des GM wird unter dem Begriff Social Commerce zusammengefasst.73 Eine Möglichkeit dieser Ausrichtung wird vor allem über die sozialen Netzwerke (vgl. Kapitel 5.2) kommuniziert.

RSP weisen außerdem die Merkmale von sogenannten (Web-)Blogs auf. Alby (2008) definiert einen Blog als „[e]ine Website, bei der neue Einträge chronologisch beginnend mit dem neuesten Eintrag sortiert sind. Darüber hinaus bieten die meisten Blogs die Möglichkeit, dass Leser die Einträge kommentieren können.“74 Wie in Abbildung 4 zu sehen ist, werden auf der Website von Urlaubspiraten Angebote in Form von Tagebucheinträgen mit Erstellungsdatum angezeigt. Am unteren Ende des Eintrages kann der Nutzer Kommentare hinterlassen und zum Beispiel Anregungen anmerken oder Fragen stellen. RSP umfassen somit eine Art Tagebuch bestehend aus Angeboten, die absteigend nach Datum sortiert sind und sich auf die Reisebranche beziehen. Allerdings unterscheiden sich die Blogs der RSP von anderen Blogs der Reisebranche. So bietet beispielsweise traveloca.com seinen Nutzern die Möglichkeit, selbst Reiseblogs bzw. Reisetagebücher zu verfassen. Die RSP umfassen ebenfalls Blogs, aber die Beiträge werden von den RSP-Betreibern selbst erstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Urlaubspiraten als Blog

3.3.2 Klassifizierung nach dem 4C-Modell von Wirtz

Um das RSP-GM weiter zu spezifizieren und abzubilden, wird der zuvor beschriebene Ansatz von Wirtz (2010) verwendet. Nach dieser Geschäftsmodellklassifizierung kann das RSP der Kategorie Content zugeordnet werden, denn die Website-Betreiber recherchieren nach eigenen Angaben manuell nach günstigen Angeboten wie zum Beispiel Flügen, Unterkünften oder Pauschalreisen für Reiseinteressierte auf diversen Websites der Leistungsersteller75. Diese gesammelten Informationen werden so aufbereitet, dass der Nutzer einen möglichst informativen Überblick erhält. Als Plattform nutzen die RSP ihre eigene Website und vor allem die sozialen Netzwerke (vgl. Kapitel 5.2). Wirtz (2010) schlägt für den Geschäftsmodelltyp Content weitere Subklassen vor, die sich anhand ihrer Leistungsangebote unterscheiden. So differenziert er zwischen E-Information, E-Entertainment, E-Infotainment und E-Education. Da die Inhalte der RSP allerdings weder Unterhaltungs- noch Bildungscharakter besitzen und den informativen Charakter in den Vordergrund stellen, zählen sie zu den GM in E-Information. Eine weitere Unterteilung in E-Politics, E-Society und E-Economics kann nicht getroffen werden, sodass eine neue Kategorie eingeführt werden müsste. Da die RSP ihren Fokus auf Inhalte speziell im Bereich Freizeitaktivitäten legen, wäre E-Leisure als ein geeigneter Vorschlag für ein solches Informationsangebot anzuführen.

[...]


1 Der Verband Internet Reisevertrieb (2014a), S. 28, referenziert auf die Studienreihe ReiseAnalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Freizeit e.V.

2 Vgl. Deutsche Zentrale für Tourismus e. V. (2013), S. 8.

3 Vgl. Aschenbeck (2012), S. 24.

4 Vgl. Krasnova/Veltri/Spengler et al. (2013), S. 159.

5 Vgl. Bensch/Gugel/Turowski (2009); Google (2009); Google/GfK/TUI (2013).

6 Google/GfK/TUI (2013).

7 Vgl. AGOF e. V. (2014), S. 15.

8 Vgl. O'Reilly (2013); Facebook (2014c).

9 Deals beziehen sich in der Regel auf Angebote aus Restkontingenten, Preisfehlern und Gutscheinen aus dem Bereich Urlaub und Freizeit.

10 Die Anzahl der Facebook-Nutzer, die den Auftritt des RSP Urlaubspiraten mit „Gefällt mir“ bestätigt haben. Diese Information wurde am 01.03.2014 abgelesen.

11 Ein Konsument, der gleichzeitig Produzent ist, wird als Prosument bezeichnet. Gemeint sind damit Internetnutzer, die Inhalt erzeugen bzw. produzieren beispielsweise über die sozialen Medien.

12 Vgl. Gross (2004), S. 243ff.; Hinterholzer/Jooss (2013), S. 5ff.

13 Vgl. bspw. Hofmann (2013); Orth (2013); Jung (2014) berichten online und offline über die rasante Verbreitung der Reiseschnäppchen-Portale über die sozialen Medien.

14 Beispielsweise im Englischen wird der Tourismus mit „Tourism“ übersetzt.

15 Vgl. World Tourism Organization UNWTO (2008).

16 Vgl. Freyer (2011), S. 1ff.; Mundt (2013), S. 1ff.

17 Vgl. Freyer (2011), S. 7ff.; Mundt (2013), S. 1ff.

18 Vgl. Freyer (2011), S. 2.

19 Eine Urlaubsreise kann anhand ihrer Dauer in Kurztrips und mehrtägige Urlaubsreisen unterschieden werden. Vgl. Mundt (2013), S. 9.

20 Vgl. Freyer (2011), S. 57. Auch Egger (2007), S. 438f., verweist auf eine Vorreisephase, eine Reisephase und eine Nachreisephase.

21 Vgl. Freyer (2011), S. 3.

22 Vgl. Freyer (2011), S. 121.

23 In der Regel werden bei der Beanspruchung einer Dienstleistung auch externe Faktoren eingesetzt wie zum Beispiel der Transport mit einem Reisebus.

24 Freyer (2011), S. 134ff.

25 Vgl. Fodor/Werthner (2005), S. 12f.; Freyer (2011), S. 134f.

26 Vgl. Freyer (2011), S. 135ff.

27 Vgl. Schulz (2010), S. 4ff.; Freyer (2011), S. 158ff.

28 Vgl. Freyer (2011), S. 139ff.

29 Vgl. Freyer (2011), S. 209ff.

30 Das Reisebüro ist die bekannteste Ausprägungsform der Reisemittler.

31 Vgl. Freyer (2011), S. 243ff.

32 CRS und GDS bezeichnen computerunterstützte Reservierungs- und Vertriebssysteme.

33 Stähler (2002), S. 36.

34 Vgl. Buhalis/Licata (2002), S. 207f.; Buhalis/Law (2008), S. 609f.; Lassnig (2009), S. 7ff.; Schulz/Weithoener/Goecke (2010), S. 26.

35 Gemeint ist die deutschsprachige Wohnbevölkerung über 10 Jahre, die eine Gesamtbevölkerung von 73,36 Mio. ausmacht.

36 Erschienen in der Studie internet facts 2013-12 der AGOF e. V. (2014).

37 Vgl. Buhalis/Law (2008), S. 611.

38 Nach Angaben von comScore (2013) besitzen etwa 31 Mio. der Deutschen ein Smartphone. Der Report enthält Trends und Analysen unter anderem aus den Bereichen Internetnutzung und Nutzung mobiler Geräte.

39 Wirtz (2010), S. 15.

40 Wirtz (2010), S. 24, definiert Electronic Commerce: „Electronic Commerce beinhaltet die elektronische Unterstützung von Aktivitäten, die in direktem Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Gütern und Dienstleistungen via elektronische Netze stehen“.

41 Vgl. Kollmann (2013a), S. 44f.

42 Vgl. Bensch/Gugel/Turowski (2009), S. 45.

43 Vgl. Fodor/Werthner (2005), S. 11.

44 Vgl. eco – Verband der deutschen Internewirtschaft e. V. (2013).

45 Vgl. Tietz (2007), S. 143.

46 Der Verband Internet Reisevertrieb (2014b) fasst Vorteile der Online-Buchung gegenüber der klassischen Buchung zusammen.

47 Vgl. Rossmann (2010), S. 382.

48 Nach Angabe von Der Deutsche Reiseverband (2013) erwirtschaftete TUI Deutschland im Jahr 2012 einen Umsatz von 4.472 Millionen Euro.

49 Vgl. Weithöner (2010), S. 401.

50 Vgl. Kropp (2007), S. 415; Buhalis/Law (2008), S. 609.

51 Vgl. O'Reilly (2005).

52 Wirtz/Ullrich (2008), S. 21f.

53 Reitler (2007), S. 15.

54 Ein Konsument, der gleichzeitig Produzent ist, wird als Prosument bezeichnet. Gemeint sind damit Internetnutzer, die Inhalt erzeugen bzw. produzieren beispielsweise über die sozialen Medien.

55 Vgl. Conrady (2010), S. 436ff.;Mata/Quesada (2014), S. 65.

56 ciao! hat nach eigenen Angaben mehr als 1,3 Millionen Mitglieder. Mehr Informationen sind über http://www.ciao.de/ abrufbar.

57 Springfeld (2009), S. 6.

58 E-Tourismus (elektronischer Tourismus) wird synonym zu Online-Tourismus verwendet.

59 Vgl. Lassnig (2009), S. 6.

60 Vgl. Conrady (2010), S. 429ff.

61 Vgl. Springfeld (2009), S. 12.

62 Trivago wurde im Jahr 2005 gegründet und bietet ein Hotelbewertungsportal auf www.trivago.de.

63 Vgl. Ayeh/Au/Law (2013), S. 133.

64 Vgl. Wirtz (2013), S. 268.

65 Vgl. Schwickert (2004), S. 6; Wirtz (2010), S. 211.

66 Vgl. Meier/Stormer (2012), S. 28.

67 Vgl. Kollmann (2013a), S. 54f.

68 Vgl. Wirtz (2013), S. 267ff.. Auch nach Stähler (2002), S. 48, kann ein Geschäftsmodell aus interner und externer Perspektive beschrieben werden.

69 Vgl. Wirtz (2013), S. 276ff.

70 Urlaubspiraten ist ein Unternehmen der Holidaypirates GmbH. Das RSP wurde im November 2013 zur „Webseite des Jahres 2013“ ernannt. Der Award für die Website des Jahres wird insgesamt in 20 verschiedenen Kategorien einmal pro Jahr vergeben. Website-Betreiber können sich durch die Nutzer nominieren lassen. Der Gewinner der besten Website des Jahres ist die Website mit den höchsten Mittelwerten in den Kategorien Navigation, Inhalt und Design. Vgl. o. V. (2013a).

71 Vgl. Hansen/Neumann (2009), S. 811.

72 Meier/Stormer (2012), S. 83.

73 Vgl. Hinterholzer/Jooss (2013), S. 132; Kollmann (2013a), S. 668.

74 Alby (2008), S. 237.

75 Einen solchen Hinweis geben Holidaypirates GmbH (2014a) in ihrem Impressum der Homepage.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Geschäftsmodelle im Tourismus 2.0. Potenziale und Entwicklungstendenzen von Reiseschnäppchen-Portalen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (E-Business und E-Entrepreneurship)
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
72
Katalognummer
V293789
ISBN (eBook)
9783656913931
ISBN (Buch)
9783656913948
Dateigröße
3365 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschäftsmodelle, tourismus, potenziale, entwicklungstendenzen, reiseschnäppchen-portalen
Arbeit zitieren
Janine Wenzel (Autor), 2014, Geschäftsmodelle im Tourismus 2.0. Potenziale und Entwicklungstendenzen von Reiseschnäppchen-Portalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293789

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