Das Märchen "Die zwölf Brüder". Inhalt, Entwicklung und Interpretation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. KHM 9: Die zwölf Brüder
2.1. Der Inhalt von KHM 9
2.2. Die inhaltliche Entwicklung von KHM 9
2.3. Sprachliche Veränderungen bis zur Ausgabe letzter Hand

3. KHM 9 und Dorothea Viehmann

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Märchen der Gebrüder Grimm sind bis heute ein fester Bestandteil der deutschen Kultur und es gibt kaum ein Kind, welches ohne Märchen heranwächst. Jacob und Wilhelm Grimm hatten sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Sammlung und Wahrung von Märchen verschrieben und konnten dabei auf einige Quellen, darunter Bücher, Orte und Personen, zurückgreifen. Eine der bekanntesten Märchenbeiträgerinnen war Dorothea Viehmann, geb. Pierson - eine einfache Frau aus dem Dorf Zwehrn, die einen unglaublich reichen Fundus von Märchen aufwies und diese den Brüdern Grimm in deren Haus in der Marktgasse in Kassel erzählte. Eines dieser Märchen wird seit der Erstauflage der Kinder- und Hausmärchen1 als Nummer 9 geführt. Es handelt sich hierbei um das Märchen „Die zwölf Brüder“. Im Verlauf dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Märchen soll sein Inhalt und seine Entwicklung im Verlauf der Ausgaben der KHM näher betrachtet werden. Ein weiterer Schwerpunkt stellt die Interpretation dar, wobei der Versuch unternommen wird, Verknüpfungen zu Dorothea Viehmann herzustellen. Häufig lässt sich feststellen, dass der Charakter und Lebensweg von Personen, die Märchen weitergegeben haben, in dem Zusammenhang eine Rolle spielen, dass sie sich vorrangig Märchen gemerkt haben, die ein bestimmtes Thema aufweisen bzw. in denen ihnen ähnliche Charaktere begegnen. Das Ziel ist es, das Märchen „Die zwölf Brüder“ eingehender zu untersuchen und mithilfe einer Interpretation und Dorothea Viehmanns Biografie eine Verknüpfung zwischen Märchen und Märchenbeiträgerin herzustellen. Die Märchensammlung der Brüder Grimm erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und hat viele Sprach- und Literaturforscher dazu angeregt, sich eingehender mit ihrer Entstehung und ihrem Wesen zu beschäftigen. Aus diesem Grund lassen sich viele Werke der Forschungsliteratur finden, die sich mit den Märchen der Brüder Grimm auseinandersetzen.

2. KHM 9: Die zwölf Brüder

Das Märchen „Die zwölf Brüder“ befand sich schon seit der handschriftlichen Urfassung der Kinder- und Hausmärchen aus dem Jahre 1810 in der Sammlung der Brüder Grimm. Als Herkunftsvermerk notierte Jacob Grimm in der handschriftlichen Urfassung „mündlich“. In den späteren Ausgaben der KHM findet sich jedoch der Vermerk „Aus Zwehrn“ - wie sich nach diversen Forschungen herausstellte, ein sicherer Hinweis auf Dorothea Viehmann. Im Folgenden soll der Inhalt des Märchens kurz zusammengefasst und seine Entwicklungsgeschichte näher betrachtet werden. Wie die meisten anderen Märchen, die Eingang in die KHM fanden, unterlag auch das Märchen „Die zwölf Brüder“ diversen Wandlungen. Aus diesem Grund wird die Fassung aus dem Jahre 1857, also aus der Ausgabe letzter Hand, Grundlage für die weitere Betrachtung und Interpretation sein. Jedoch sollen im Zuge der Auseinandersetzung mit der Entwicklungsgeschichte dieses Märchens auch die anderen Ausgaben eine Rolle spielen. An diesen Stellen wird dann ausdrücklich die Ausgabe bzw. das Erscheinungsjahr unterschieden.

2.1. Der Inhalt von KHM 9

Das Märchen „Die zwölf Brüder“ beginnt mit der Beschreibung eines Königspaares, welches zwölf Kinder, allesamt Jungen, hat. Der König beschließt jedoch, dass, falls das dreizehnte Kind ein Mädchen würde, alle Buben getötet werden sollen, damit dem Mädchen das Königreich allein zufiele. Sogar Särge ließ der König schon anschaffen und in einer Kammer verstecken. Die Königin solle niemanden etwas davon erzählen. Da die Mutter ihre Söhne jedoch von Herzen liebte und sie schützen wollte, erzählte sie ihrem jüngsten Sohn Benjamin vom Plan des Vaters und trug ihm und seinen Brüdern auf, in den Wald zu gehen und sich dort zu verstecken. Die Brüder sollten Ausschau halten, welche Farbe die Fahne haben würde, die die Königin auf dem Turm hissen wird, sobald das Kind geboren ist. Ist es eine weiße Fahne, so wurde dem Königspaar ein dreizehnter Sohn geboren, woraufhin die älteren zwölf Brüder zurück in ihr Schloss kommen könnten. Wehte aber eine rote Fahne, so sei dem Königspaar eine Tochter geboren worden und die Söhne müssten sich fortan versteckt halten und fliehen. Die Söhne taten, wie die Mutter ihnen geheißen hatte, gingen in den Wald und versteckten sich in einem Häuschen. Der jüngste Bruder, Benjamin, sollte zuhause bleiben, die anderen gingen jagen. Sie schlossen gemeinsam einen Pakt, dass ein jedes Mädchen, das ihnen begegnet, den Tod finden soll.

Die Königin gebar eine Tochter und die zwölf Brüder hielten sich weiterhin in dem Haus im Wald versteckt. Das Mädchen wuchs zu einem hübschen Kind heran und als eines Tages im Schloss gewaschen wurde, entdeckte sie zwölf Männerhemden und fragte ihre Mutter nach deren Herkunft. Daraufhin erzählte die Königin ihrer Tochter die Geschichte von den zwölf Brüdern, den Särgen und dass die Brüder sich versteckt hielten, um dem Tod zu entgehen. Das Mädchen beschloss, seine Brüder zu suchen, traf im Wald auf Benjamin, der sie nicht, wie zuvor mit seinen Brüdern beschlossen, tötete, sondern sie erkannte und seine anderen elf Brüder davon überzeugte, sie am Leben zu lassen. Die zwölf Brüder schlossen ihr Schwesterchen gleich ins Herz und gemeinsam beschlossen sie, dass fortan Benjamin und das Schwesterchen im Haus bleiben sollten und die anderen zur Jagd gingen. Eines Tages wollte das Schwesterchen ihren Brüdern eine besondere Freude machen und brach im angrenzenden Garten zwölf Lilien ab. Sofort verwandelten sich ihre zwölf Brüder in Raben und flogen davon und auch das Haus mit dem Garten verschwand. Das Mädchen entdeckte eine alte Frau, die ihm erklärte, dass die Brüder nur erlöst werden könnten, wenn sie, das Schwesterchen, sieben Jahre stumm bliebe, nicht spreche und auch nicht lache. Wenn sie auch nur ein einziges Wort äußern würde, würden ihre Brüder für immer Raben bleiben. Das Mädchen wollte diese Prüfung über sich ergehen lassen, setzte sich auf einen Baum und spann dort, ohne ein Wort zu sagen oder zu lachen. Eines Tages kam ein König in den Wald, entdeckte das hübsche Mädchen und wollte sie zur Gemahlin nehmen. Dies geschah auch, doch nach einigen Jahren begann die Schwiegermutter, das Mädchen zu verleumden. Dies tat sie so lange, bis der König ihrer Meinung war und seine Frau, die Schwester der zwölf Brüder, zum Tode verurteilte. In dem Moment, als das Schwesterchen bereits an einem Pfahl festgebunden war und verbrannt werden sollte, endeten die sieben Jahre, die zwölf Raben erschienen, verwandelten sich zurück in ihre Brüder und retteten ihre Schwester. Nun durfte die Schwester auch wieder sprechen und erklärte ihrem Gemahl die Umstände. Als der König erfuhr, dass sie unschuldig war, stellte er die böse Schwiegermutter vor Gericht, welches sie zu einem elendigen Tode verurteilte.

2.2. Die inhaltliche Entwicklung von KHM 9

Seit seinem ersten Auftauchen in der Märchensammlung der Brüder Grimm bis zur Ausgabe letzter Hand von 1857 durchlief das Märchen „Die zwölf Brüder“ diverse Wandlungen. Inhaltlich ergeben sich bei der Betrachtung aller Ausgaben neben mancherlei kleinerer Veränderungen eindeutige Schwerpunkte.

Den Namen „Die zwölf Brüder“ trägt das Märchen erst seit der 1. Ausgabe von 1812. In der handschriftlichen Urfassung wurde es noch „Zwölf Brüder und das Schwesterchen“ genannt. Vielleicht geschah diese Umbenennung in Anlehnung an andere Märchen, die inhaltlich mit KHM 9 verwandt sind und ebenso kürzere Namen tragen - KHM 25: „Die sieben Raben“ und KHM 49: „Die sechs Schwäne“.

Ein weiterer Schwerpunkt der inhaltlichen Veränderung im Verlauf der handschriftlichen Urfassung und der sieben erschienenen Ausgaben stellt der Plan des Königs dar, seine zwölf Söhne zu töten, sollte ihm ein Mädchen geboren werden. In der ersten Ausgabe von 1812 ist davon die Rede, dass der König kein Mädchen haben möchte und aus diesem Grund seine Söhne sterben sollen. Ab der Ausgabe von 1819 ist davon jedoch nicht mehr die Rede. Stattdessen sollen die zwölf Brüder des Mädchens sterben, damit sie das Königreich allein erben könnte. Diese Version und ebenso der Umstand, dass bereits Särge vorbereitet wurden, welcher ab 1819 auftaucht, bleiben bis zur letzten Ausgabe bestehen. Es stellt sich an dieser Stelle natürlich die Frage, weshalb 1812 eine derartige Äußerung dem König zugeschrieben wird. Tatsache ist, dass Söhne lange Zeit mehr galten, als Töchter, da diese Handwerk und Hof weiterführen konnten und zum Unterhalt der Familie beitrugen. Töchter dagegen mussten verheiratet werden, wodurch aufgrund der Mitgift eine finanzielle Belastung auf die Familie zukam.2 Letztendlich konnten durch Töchter jedoch auch „gewinnbringende“ Verbindungen entstehen - zumindest war dies vor allem in adeligen Häusern der Fall. Da die Märchen den Anspruch für sich einnahmen, traditionsreich und alt zu sein, liegt die Vermutung nahe, dass aus diesem Grund in der ersten Ausgabe ein Rückgriff auf mittelalterliche Gegebenheiten zu finden ist. Da die Brüder Grimm selbst nach eigenen Aussagen keine Veränderungen an den ihnen zugetragenen Märchen vorgenommen haben3, scheint ihnen der Wortlaut des Königs, keine Tochter haben zu wollen, auch so übermittelt worden zu sein. Nichtsdestotrotz lassen sich auch bei anderen Märchen Veränderungen feststellen, die eben doch auf die Brüder Grimm zurückzuführen sind. Zum Einen sind dies sprachliche Veränderungen, zum Anderen jedoch auch eine Anpassung an die damaligen moralischen Verhältnisse. Und genau dies könnte auch an dieser Stelle der Fall gewesen sein. Zwar war die Tradition und zum Teil auch der „Beweis“, dass das Märchen aus längst vergangener Zeit stammt, sehr zentral, doch scheint es den Brüder Grimm später auch darum gegangen zu sein, lehrreiche bzw. an ihre Zeit angepasste und somit „brauchbare“ Märchen zu verbreiten. Somit ließe sich erklären, weshalb ab der Ausgabe von 1819 dem König der Satz, er wolle kein Mädchen, nicht mehr in den Mund gelegt wird. Moralische und gesellschaftskritische Gründe könnte dafür angeführt werden. Der Zeitgeist hatte sich geändert. Ab der Version von 1819 dreht der König „[…] die Nachfolge, die während des Mittelalter erblich wurde und immer die Söhne des Königs betraf, um“.4 Durch die vom König aufgestellte Bedingung, dass seine Söhne sterben sollen, sollte ihm eine Tochter geboren werden, entsteht eine sogenannte „wenn…dann Beziehung“ zwischen Glück und Unglück. Für das Glück einer einzelnen Person, hier im Märchen die Tochter, stürzen viele andere ins Unglück, nämlich die zwölf Brüder. Angelika Dissen hat diesen Aspekt eindrucksvoll in ihrer Interpretation des Märchens mit der absolutistischen Zeit in Verbindung gebracht und erklärt.5 So wird in der Ausgabe von 1819 zwar die mittelalterliche Ansicht bzgl. geborener Töchter herausgenommen, das absolutistische Denken, dass ein König alleinherrschend bestimmt und das Glück einer einzelnen Person das Unglück vieler anderer hervorruft, bleibt jedoch erhalten. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass Königinnen oder Stiefmütter in anderen Märchen, wie beispielsweise Schneewittchen, wollten sie ihren Willen durchsetzen, auf Magie und Hexerei angewiesen waren, der König jedoch im Märchen „Die zwölf Brüder“ einfach nur bestimmen kann. Im Märchen sind bei Männern, wahrscheinlich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung, keine zauberischen Kräfte nötig - eine mögliche Erklärung dafür, dass es in der Gesamtheit der Märchen viele Hexen, jedoch kaum Hexer gibt.6

Einen weiteren Schwerpunkt in der inhaltlichen Veränderung des Märchens „Die zwölf Brüder“ im Verlauf der Ausgaben bis 1857 stellt die Tatsache dar, dass die Schwester durch die zwölf Männerhemden auf ihre Brüder aufmerksam wird. In der handschriftlichen Urfassung ist noch davon die Rede, dass die Königstochter aus Langeweile in den Wald geht und zufällig auf die zwölf jungen Männer trifft. Auch wird in dieser Fassung von 1810 noch nicht explizit davon gesprochen, dass sich die Brüder und die Schwester untereinander als solche erkennen. Erst ab der ersten Ausgabe von 1812 kommen die Männerhemden ins Spiel und die Geschwister erkennen sich untereinander. Diese Veränderung scheint aufgrund der besseren Verständlichkeit und des logischen Aufbaus vorgenommen worden zu sein. Auch ist es möglich, dass diese Version durch die Verschmelzung der erzählten Versionen der Schwestern Ramus, die dieses Märchen von Dorothea Viehmann weitergaben, und der dann noch einmal selbst erzählten Version von Dorothea Viehmann entstanden ist. Auf jeden Fall ist die Fassung von 1812, welche die Männerhemden in die Handlung des Märchens aufnimmt, vom Aufbau her nachvollziehbarer und der Gang der Schwester in den Wald folgt einem motivierterem Handlungsstrang.

Ein weiterer Wandel in der Handlung vollzieht sich im Zusammenhang mit dem Versteck der Brüder und dem Entdecken der Fahne, welche den Brüdern den Hinweis gibt, ob ein Bruder oder eine Schwester geboren wurde. In der Ausgabe von 1812 suchten sich die Brüder eine Höhle, in der sie hausten. Wer die Fahne dann entdeckte, wird nicht namentlich erwähnt. Ab der Ausgabe von 1819 finden die Brüder ein „verwünschtes Häuschen“ in dem sie sich einrichten. Die Fahne auf dem Turm wird von Benjamin, dem jüngsten Bruder, entdeckt, der ab dieser Ausgabe auch als einziger der zwölf Brüder namentlich erwähnt wird. So bleibt es auch bis zur Ausgabe letzter Hand. Er ist es auch, dem die Königin den Plan des Vaters anvertraut. Es ist davon die Rede, dass sie ihn besonders lieb hat. Der Name Benjamin kommt aus dem Hebräischen und bedeutet dort „Sohn von rechts, d.h. Sohn des Südens“ - letztendlich eine Bezeichnung zur Zugehörigkeit eines bestimmten Stammes.7 Benjamin war in der Bibel der jüngste Sohn Jakobs. Dieser gibt ihm den Namen Benjamin, was dort auch so viel wie „Sohn des Glücks“ bedeutet. Dieser Name passt also sehr gut zur Figur des jüngsten Sohnes im Märchen „Die zwölf Brüder“. Es handelt sich um den jüngsten Sohn und scheinbar auch um den liebsten der Königin. Zudem lässt sich das Glück mit seinem Namen verbinden - durch die Warnung seiner Mutter kann er wiederum seine Brüder warnen und ihnen somit das Leben retten.

Eine weitere Veränderung erfolgt im Zusammenhang mit der Prüfung, welche die Schwester auf sich nimmt, um ihre Brüder von der Verzauberung in Raben, die sie selbst unwissentlich verschuldet hat, zu erlösen. Bis zur ersten Ausgabe wird der Schwester eine zwölf Jahre andauernde Schweigepflicht auferlegt. Ab der Ausgabe von 1819 reduziert sich die Zeit auf sieben Jahre. In der dritten Ausgabe von 1837 kommt ein weiterer Aspekt zur Prüfung hinzu - die Schwester darf nicht nur nicht sprechen, sondern auch das Lachen ist ihr in dieser Zeit untersagt. Die Folge des Nichtbestehens ist von der ersten bis zur Ausgabe letzter Hand der Tod der Brüder. Nur in der handschriftlichen Urfassung ist davon die Rede, dass die Brüder dann nicht mehr erlöst werden, also für immer Raben bleiben.8 Die Zahlensymbolik ist in diesem Zusammenhang besonders interessant. Beide Zahlen, sowohl die Sieben als auch die Zwölf haben einen starken symbolischen Charakter und ähneln sich in ihrer Bedeutung. Als Produkt aus der Zahl Drei, die für das Göttliche steht, und der Zahl Vier, die Ordnung und Rationalität in sich vereint, steht die Zahl Zwölf für Vollkommenheit. Ebenso ergeht es der Zahl Sieben, die wiederum als Summe aus Drei und Vier zur Bedeutung der Vollkommenheit kommt. Die Zwölf spielt vor allem auch im Namen des Märchens eine zentrale Rolle. Die Handlung im Märchen wird dadurch ausgelöst, dass zu zwölf Brüdern ein dreizehntes Kind hinzukommt. Die Vollkommenheit der Zwölf wird durch das Dreizehnte gestört. Daraus ergibt sich auch der Fluch, der auf der Dreizehn lastet.9 Warum im Zusammenhang mit der Prüfung, welche die Schwester bestehen muss, aus zwölf Jahren sieben wurden, ist nicht eindeutig zu erklären. Vielleicht sollte neben der Zwölf auch eine andere Zahl eine Rolle spielen. Genauso gut ist eine Interpretation dahingehend möglich, dass ein junges Mädchen von vielleicht 10 Jahren, welches seine Brüder entdeckt und eine Weile mit ihnen zusammenlebt, nach weiteren 12 Jahren ein für damalige Verhältnisse recht reifes Alter erreicht hätte. Ein nur siebzehnjähriges Mädchen impliziert eher Jugendlichkeit und Unschuld. Die Sieben hat jedenfalls laut Psychologie und Verhaltensforschung eine besondere Wirkung auf den Menschen. Es lässt sich eine gewisse Bevorzugung dieser Zahl nachweisen.10 Auch in vielen anderen Märchen fällt die Bevorzugung dieser Zahl auf, denke man nur beispielsweise an „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „Der Wolf und die sieben Geißlein“, „Das tapfere Schneiderlein“ und „Die sieben Raben“.

[...]


1 Wenn im Folgenden die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm Gegenstand der Betrachtung sind, werden sie, wie auch in anderen wissenschaftlichen Betrachtungen üblich, kurz KHM genannt.

2 Vgl. Shahar, Shulamith: Kindheit im Mittelalter, 4. Auflage, Düsseldorf 2004, S.55-57.

3 Vgl.: KHM 1857 (Reclam-Ausgabe) Bd. 1, Stuttgart 2010, S.21. („Was die Weise betrifft, in der wir hier gesammelt haben, so ist es uns zuerst auf Treue und Wahrheit angekommen. Wir haben nämlich aus eigenen Mitteln nichts hinzugesetzt, keinen Umstand und Zug der Sage selbst verschönert, sondern ihren Inhalt so wiedergegeben, wie wir ihn empfangen hatten […].“)

4 Dissen, Angelika: Die zwölf Brüder. Alleinherrschaft und ihre Folgen, Köln 2007, S.9.

5 Vgl. Dissen 2007, S.9-16.

6 Vgl. Dissen 2007, S.16.

7 Vgl. Duden. Lexikon der Vornamen, Mannheim 2007, S.70.

8 Vgl. KHM. Die handschriftliche Urfassung von 1810, Stuttgart 2007, S.23.

9 Vgl. Lippert, Karen: >http://www.maerchenatlas.de/miszellaneen/marchenmotive/zahlen-im-marchen-die-zwolf/< [Stand: 13.06.2014].

10 Vgl. Lippert, Karen: >http://www.maerchenatlas.de/miszellaneen/marchenmotive/zahlen-im-marchen-die-sieben/< [Stand: 13.06.2014].

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Märchen "Die zwölf Brüder". Inhalt, Entwicklung und Interpretation
Hochschule
Universität Kassel  (Germanistik)
Veranstaltung
Seminar "Die Märchen der Dorothea Viehmann"
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V293802
ISBN (eBook)
9783656914310
ISBN (Buch)
9783656914327
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dorothea Viehmann, Märchen, KHM, Kinder- und Hausmärchen, Brüder Grimm, Die zwölf Brüder, Märcheninterpretation
Arbeit zitieren
Maria Hesse (Autor), 2014, Das Märchen "Die zwölf Brüder". Inhalt, Entwicklung und Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293802

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