Linguistische und soziolinguistische Aspekte des Spanglish. Die Sprache der Latinos in den Vereinigten Staaten


Seminararbeit, 2014
22 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Hispanics in den Vereinigten Staaten
2.1 „Hispanics“ und „Latinos“
2.2 Spanisch in den Vereinigten Staaten

3. Allgemeine Begriffe der Soziolinguistik
3.1 Bilingualismus
3.2 Diglossie

4. Spanglish
4.1 Sprachliche Analyse
4.1.1 Phonologischer/morphophonologischer Bereich
4.1.2 Semantischer Bereich
4.1.3 Code-Switching
4.1.3.1 Funktionen des Code-Switchings

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

“English is essential for success in this country1 ” sagte einst Richard E. Ferraro, der Vorsitzende der Schulbehörde von Los Angeles. Wahrscheinlich hat er zu diesem Zeitpunkt die große und sehr stark wachsende spanischsprechende Gesellschaft in den USA noch nicht kommen sehen

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den Hispanics in den USA. Ich gehe der Frage auf den Grund, wie es dazu kam, dass dort heutzutage so viele Spanischsprecher leben. Außerdem zeige ich Definitionen zu den Begriffen „Latino“ und „Hispanic“, wie die Spanischsprecher in den USA genannt werden bzw sich selbst nennen. Welche Unterschiede und Probleme gibt es hinsichtlich der Benennung der keinesfalls homogenen Gruppe der Latinos? Welche anderen Minderheitensprachen existieren neben Spanisch und wie sind deren Verhältnisse in Bezug auf die Muttersprachler?

Im zweiten Kapitel werde ich auf den Sprachenkontakt Spanisch-Englisch eingehen und dabei zwei wichtige Begriffe aus der Soziolinguistik erläutern, die im Fall des Spanglish wichtig sind und aus dem Sprachkontakt resultieren: Bilingualismus und Diglossie. Das dritte Kapitel ist dem linguistischen Phänomen Spanglish gewidmet. Anfangs werde ich erläutern, woher das Wort Spanglish kommt und verschiedene Definitionen und Positionen aufzeigen. Weiterhin folgt die sprachliche Analyse, die ich hinsichtlich der Bereiche Phonologie, Morphologie und Semantik vornehmen werde. Zudem beschäftige ich mich mit Code-Switching, das eine wichtige Charakteristik des Spanglish verkörpert. Ebenso werde ich eigene prinzipielle Funktionen des Code-Switchings nennen und die Arbeit mit einem Gedicht auf Spanglish abschließen, das den inneren Kampf der in den USA lebenden Latinos um ihre bi-nationale Identität sehr gut zeigt.

2. Die Hispanics in den Vereinigten Staaten

Seit langem gelten die Vereinigten Staaten als typisches Beispiel einer Nation mit der Bezeichnung Schmelztiegel. Sie bestehen aus einer Vielzahl von Gruppierungen verschiedener Wertvorstellungen, Normen, Handlungsweisen, Denkweisen, Traditionen, Religionen, Kulturen und auch Sprachen.

Aufgrund der Entdeckung Amerikas 1492 und der Besiedlung durch die Europäer kamen Immigranten verschiedener Nationen zusammen. Eine Migrantengruppe hat sich jedoch in ihrer Größe durchgesetzt: die Spanischsprecher in den USA. „The Hispanic population continues to be the largest and fastest growing linguistic minority in the United States” (Lipski/Roca 1993: 2). Die sogenannten „Hispanics“ oder „Latinos“ stammen aus den spanischsprachigen Ländern Mittel - und Südmerika, vorwiegend aber aus Mexiko, Puerto Rico und Kuba (vgl. Lipski 2003: 231). Ein Großteil kam weitgehend im 20. Jahrhundert, viele davon nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit 50,5 Millionen Einwohnern machten die Hispanics 16% der 308,7 Millionen Einwohner Amerikas aus (U.S. Census Bureau 2010). Die meisten Hispanics leben heutzutage in Kalifornien, New Mexico, Texas, New York und Florida. „Nach Schätzungen des USCB von 2008 wird die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika auf 439 Millionen im Jahre 2050 wachsen. Das wäre ein Zuwachs von über 130 Millionen Menschen. Die hispanische Bevölkerung könnte auf 133 Millionen wachsen und würde damit mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung stellen“ (Citizen Times Redaktion 2011: 1).

2.1 „Hispanics“ und „Latinos“

Argentinische Gärtner, puertoricanische Millionärssöhne, bolivianische Professoren, kolumbianische Reinigunskräfte, hellhäutige Mexikaner und dunkelhäutige Kubaner. Diese Personen stellen „keine homogene Gruppe“ dar (Winkelmann 2007: 4) und trotzdem fallen sie laut des USCB unter die Begriffe „Hispanics“ oder „Latinos“:

“Hispanic or Latino” refers to a person of Cuban, Mexican, Puerto Rican, South or Central American, or other Spanish culture or origin regardless of race.

Das Merriam-Webster Online Dictionary hingegen definiert Latino als Substantiv folgendermaßen:

Origin: American Spanish, probably short for latinoamericano Latin American First Known Use: 1946

1: a native or inhabitant of Latin America
2: a person of Latin-American origin living in the United States
Für hispanic als Adjektiv gibt es folgende Definition:

Origin: Latin hispanicus, from Hispania Iberian Peninsula, Spain First Known Use: 1584

1: of or relating to the people, speech, or culture of Spain or of Spain and Portugal
2: of, relating to, or being a person of Latin American descent living in the United States; especially: one of Cuban, Mexican, or Puerto Rican origin

Der Begriff Hispanic kann, wie durch die unterschiedlichen Definitionen gezeigt, sehr strittig und unklar sein. Er impliziert auf der einen Seite alle aus Lateinamerika stammenden und in den USA lebenden Personen, gleichzeitig ist er auch eine Bezeichnung für die hispanistische Bevölkerung, „to some it is a term of ethnic pride, a link to Spain and European heritage. To others who simply can’t identify with a European heritage, it can signify more than five hundred years of domination and struggle” (Field 2011: 13). In den 1970er Jahren von der Regierung der USA geprägt, wird der Begriff heutzutage außerdem immer noch meist von dieser verwendet.

Der Begriff Latino hingegen ist die bevorzugte Bezeichnung „der nach einer eigenen Identität strebenden Immigranten und deren Nachkommen selbst“ (Fritzsche 2010: 5). Aber auch dieser Begriff ist nicht klar definiert. So könnten theoretisch alle Sprecher von romanischen Sprachen Latinos genannt werden, da diese vom Latein (englisch: latin) abstammen. So würden Italiener, portugiesisch sprechende Angolaner oder französisch sprechende Belgier auch Latinos genannt werden.

2.2 Spanisch in den Vereinigten Staaten

Was die Vereinigten Staaten als multikulturelle Gesellschaft mit sich bringen, ist offensichtlich die enorme Vielfalt an verschiedenen Sprachen. Dennoch ist eins deutlich: die Anzahl der Spanischsprecher übertrifft die der anderen bei weitem. Außerdem steht eins auch fest: Vor Kolumbien und Spanien ist USA „el segundo país en hispanohablantes. - En 2050 puede ser el primero, por delante de México” (Mantilla 2008).

Die folgende Tabelle basiert auf Daten des United States Census Bureau, Language Use in

the United States: 2011, American Community Survey Reports, veröffentlicht im August 2013, und zeigt, wie groß die Anzahl der Muttersprachler der jeweiligen Sprachen ist, die in Amerika gesprochen werden.

Bevölkerung 5 Jahre und älter: 291 524 091 Einwohner

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle Sprachen in den USA in Bezug auf die Anzahl der Muttersprachler

Die Tabelle liefert uns zwei wichtige Erkenntnisse: Englisch ist mit fast 80% unbestreitbar die Nummer Eins unter den Sprachen in den USA. Zweitens ist Spanisch die größte Minderheitensprache und übertrifft sogar alle anderen Minderheitensprachen, auch wenn man diese zusammenfasst. Worüber die Tabelle allerdings keine Informationen gibt, ist beispielsweise die Anzahl der bilingualen Personen unter den nicht englischsprechenden Muttersprachlern, die aber Englisch sprechen können. Wie viele der Spanischsprecher beherrschen denn auch Englisch? Ergibt sich hieraus die Anzahl der Spanglishsprecher? Oder zählen auch die Spanischsprecher dazu, die des Englischen eigentlich gar nicht mächtig sind, sondern nur einige Wörter und Phrasen kennen?

3. Allgemeine Begriffe der Soziolinguistik

“There is hardly a community in the world that does not show the effects of cultural and social contact among people.” (Field 2011: 69). Sprachkontakt besteht, wenn Sprachen oder Varietäten einer Sprache aufeinander treffen. Gründe dafür sind größtenteils politische und historische Gegebenheiten. Migration ist ein wichtiger Grund, weshalb Sprachen miteinander in Kontakt treten, aber auch die Europäisierung und die Globalisierung der letzten Jahrzehnte trugen einen erheblichen Teil dazu bei. Tagtäglich werden wir mit Begriffen und Phrasen aus anderen Sprachen konfrontiert: Chili con carne zu bestellen oder sich noch schnell einen Coffee to go zu holen, scheint normal.

Nach Uriel Weinreich (1976) stehen zwei oder mehrere Sprachen miteinander in Kontakt, wenn sie von ein und demselben Individuum abwechselnd gebraucht werden. So wird die „psycholinguistische Begriffsbestimmung“ definiert. Hierbei geht es um die Frage, was in den Individuen vorgeht, wenn sie abwechselnd zwei oder mehrere Sprachen sprechen. Allerdings können nicht nur einzelne Individuen im Fokus stehen, sondern ganze Gruppen und Gesellschaften. Wenn der Sprachkontakt in Gruppen stattfindet, spricht man von der „soziolinguistischen Begriffsbestimmung“, mit anderen Worten: zwei oder mehrere Sprachen stehen miteinander in Kontakt, wenn sie in derselben Gruppe gebraucht werden (vgl. Riehl 2009: 11).

Die wechselseitige Beeinflussung von zwei oder mehreren Sprachen führt dazu, dass sich die Sprachen früher oder später annähern und/oder vermischen (vgl. Winkelmann 2007: 10) wie im Fall des Spanglish. Um solche Sprachkontaktphänomene erläutern zu können, müssen die Begriffe Bilingualismus und Diglossie beschrieben werden.

Lange Zeit belegten Studien unterschiedlichste negative Auswirkungen bilingualen Aufwachsens. Der frühe Erwerb mehrerer Sprachen wurde häufig mit Spracherwerbsverzögerungen, Sprachverwirrung, Überforderung, negativen Auswirkungen auf die allgemeine kognitive Entwicklung und mit einer erhöhten Gefahr für Identitätskonflikte in Verbindung gebracht. Zweisprachigkeit führe außerdem zu einer unterentwickelten Intelligenz behaupteten Forscher bis die 70er Jahre hinein.

In einer späteren Phase wurde Mehrsprachigkeit extrem positiv betrachtet und Mehrsprachigen wurden bessere kognitive Fähigkeiten, höhere Intelligenz sowie eine gesteigerte Kreativität zugeschrieben.

Generell versteht man unter Bilingualismus oder Zweisprachigkeit das Phänomen zwei Sprachen zu sprechen oder zu verstehen. Er entsteht als Folge von Sprachkontakt und ist eine Form der Mehrsprachigkeit.

Wie unterschiedlich der Begriff aber definiert werden kann, zeigen folgende Zitate:

“The phenomenon of bilingualism [is] something entirely relative […]. We shall there consider bilingualism as the alternate use of two or more languages by the same individual.” (W.F. Mackey 1962 [Harding-Esch 2003: 23]).

Mackey (1962) spielt darauf an, dass Bilingualismus relativ ist. Relativ deswegen, weil es davon abhängt, wie häufig und zu welchen Zwecken der Sprecher welche Sprache gebraucht.

“Unter Zweisprachigkeit ist die Zugehörigkeit eines Menschen zu zwei Sprachgemeinschaften zu verstehen, in dem Grade, dass Zweifel darüber bestehen können, zu welcher der beiden Sprachen das Verhältnis enger ist oder welche als Muttersprache zu bezeichnen ist oder mit größerer Leichtigkeit gehandhabt wird oder in welcher man denkt“ (zitiert nach Fthenakis 1985: 16)

Hierbei wird von zwei Sprachen in beinahe Perfektion ausgegangen. Beide Definitionen beschreiben den individuellen Bilingualismus, der sich auf Einzelpersonen bezieht. Neben dem individuellen Bilingualismus existiert allerdings auch der gesellschaftliche Bilingualismus. Er herrscht vor, wenn ganze Gesellschaften zwei Sprachen sprechen; was aber nicht heißt, dass jedes Mitglied dieser Gesellschaft beide Sprachen sprechen muss. Der gesellschaftliche Bilingualismus kann weiterhin folgendermaßen unterteilt werden:

1. Innerhalb einer Gesellschaft werden zwei Sprachen von zwei verschiedenen Gruppen gesprochen, jede Sprechergruppe ist jedoch einsprachig. Es gibt nur wenige Individuen, die beide Sprachen beherrschen und für die Verständigung zwischen den Gruppen sorgen. Bsp.: früheren Kolonialstaaten, in denen die Kolonisten z.B. Englisch sprachen, die Kolonisierten hingegen ihre jeweiligen eigenen Sprachen

2. Alle Individuen in einer Gesellschaft sind mindestens zweisprachig. Bsp.: viele Gesellschaften Afrikas oder Asiens (Indien, Nigeria)

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Linguistische und soziolinguistische Aspekte des Spanglish. Die Sprache der Latinos in den Vereinigten Staaten
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Soziolinguistik
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V293808
ISBN (eBook)
9783656917199
ISBN (Buch)
9783656917205
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziolinguistik, Spanglish, Code-Switching, Latinos in den USA
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Linguistische und soziolinguistische Aspekte des Spanglish. Die Sprache der Latinos in den Vereinigten Staaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293808

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