Gewalt an Schulen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

27 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu den Begrifflichkeiten Konflikt, Aggression und Gewalt
2.1 Konflikt
2.2 Aggressionen
2.3 Gewalt

3. Ausmaß und Verbreitung von Gewalt an Schulen

4. Ursachen für die Gewalt an Schulen
4.1 Schulexterne Ursachen
4.2 Schulinterne Ursachen

5. Geschlechterdifferenzierung und Geschlechtersozialisation
5.1 Soziale Bedeutung der Geschlechterdifferenzierung
5.2 Geschlecht als soziokulturelle Konstruktion

6. Geschlechterstereotypen und Geschlechtsrollen als Faktoren für gewalttätiges Handeln
6.1 Geschlechtsspezifische Strategien von Mädchen und Jungen
6.2 Zweigeschlechtliche Kultur bei Jungen und körperliche Gewalt

7. Ist Gewalt an deutschen Schulen ein Jungenphänomen?

8. Gewalt als Produkt von Interaktionsverhältnissen und Geschlechts- Rollenverteilungen bei Jungen und Mädchen

9. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben heute in einer Zeit, da Aggression und Gewalt das Erleben und Handeln vieler Menschen zeichnet. Das gilt für Kinder und Jugendliche wie für Erwachsene. In zahlreichen Medien, in Spiel und Unterhaltung finden Gewalterleben und Gewaltverherrlichung weite Verbreitung. Das kann für die Haltung der betroffenen Menschen, vor allem der jungen Menschen nicht ohne Folgen bleiben.

Und kein Thema zieht z. Z. die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit so stark an sich, wie das der „Gewalt an Schulen“. Der Amoklauf in Erfurt und die Misshandlungen eines Schülers in Hildesheim Anfang 2004, war Auslöser für viele Kommentare, Fernsehsendungen und Titelgeschichten. Schnell wird hiernach eine Verschärfung der Waffengesetze gefordert. Gewalt in den Medien soll stärker zensiert und Patentrezepte für Gewaltfreie Schulen gefunden werden. Es wird vor allem Aufgabe der Schule gesehen, durch gezielte Erziehungsmaßnahmen einer solchen gesell-schaftlichen Entwicklung wirkungsvoll zu beheben. Dennoch sind solche drama-tischen Gewalttaten wie in Erfurt und Hildesheim oft Einzelfälle, die für sich genommen natürlich erschreckend sind, aber oftmals dramatisiert in den Medien dargestellt werden. Steigt die Gewaltbereitschaft heute tatsächlich an deutschen Schulen und gibt es z.B. geschlechtsspezifische Unterschiede in diesem Bereich. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage:

Welche Ursachen werden heute für die steigende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen an deutschen Schulen genannt und gibt es in diesem Zusammenhang geschlechtsspezifische Unterschiede?

In meiner Arbeit erläutere ich daher als erstes die Begrifflichkeiten Konflikt, Aggression und Gewalt und beschäftige mich weiter mit dem Ausmaß und die Verbreitung von Gewalt an Schulen. Anschließend setze ich mich mit den Ursachen für Gewalt auseinander. Hier habe ich eine Unterteilung zwischen schulexternen und schulinternen Ursachen vorgenommen, wobei Faktoren wie Familie, Lehrer, Schule und Fernsehen angesprochen werden. Um mich mit dem zweiten Teil meiner Fragestellung beschäftigen zu können, spreche ich Geschlechterdifferenzierung und Geschlechtersozialisation an. Dabei gehe ich auf die soziale Bedeutung der Geschlechterdifferenzierung und das Geschlecht als soziokulturelle Konstruktion ein. Weiter spreche ich die Geschlechterstereotypen und Geschlechtsrollen an und beschäftige mich mit der Frage ob Gewalt ein Jungenphänomen ist? Gewalt als Produkt von Interaktionsverhältnissen und Geschlechtsrollenverteilungen bei Jungen und Mädchen ist der letzte Punkt der angesprochen wird, bevor ich mit dem Fazit meine Arbeit abschließe.

2. Zu den Begrifflichkeiten Konflikt, Aggression und Gewalt

Jede Gewaltaktion hat den gleichen Aufbau und die gleiche Reihenfolge. Die Gewaltaktion beginnt mit einem Konflikt, welcher immer wieder auftreten kann. Es ist wichtig diesen Konflikt friedlich zu lösen, da sonst eine Aggressionsentwicklung bei mindestens einer der beiden Parteien stattfinden könnte. Die Folge dessen ist meist eine gewalttätige Aktion, die aus den angestauten Aggressionen hervor geht. Da im Zusammenhang meiner Arbeit immer wieder von diesen Begrifflichkeiten gesprochen wird, ist es wichtig diese näher zu erläutern.

2.1 Konflikt

Ein Konflikt ist die Folge von wahrgenommenen Differenzen, die gegenseitig im Widerspruch stehen und eine Lösung erfordern. Dabei erwachsen diese Konflikte aus Spannungen aufgrund von echten oder vermeintlichen Meinungsgegensätzen. Bei einem Konflikt stehen sich mindestens zwei verschiedene Ansichten oder Interessen gleichzeitig gegenüber. Die Konfliktpartner werden zu Gegner, da sie unterschiedliche Standpunkte vertreten. Dabei zieht das Verhalten der einen Partei Konsequenzen für das Verhalten der anderen Partei nach sich. Der Autor M. Deutsch definiert den Begriff „Konflikt“ in seinem Buch wie folgt:

„Ein Konflikt existiert dann, wenn nicht zu vereinbarende Handlungstendenzen aufeinander stoßen“ (Deutsch, 1976, S. 18).

Die Lösung eines Konfliktes ist primär von dem Verhalten der Beteiligten abhängig und daher nur über ein neues Verhaltensschema möglich (vgl. Neubauer/ Gampe, 1999, S. 4 ff.).

2.2 Aggressionen

„Das Wort „Aggression“ kommt vom lateinischen „gradi“ oder „adgredi“, was im ursprünglichen Zusammenhang „Scheitern“, „Herangehen“ oder auch „Angehen“ bedeutet“ (Müller-Wieland, 1995, S. 29). Aggressionen sind schädigende Reize gegenüber anderen Lebewesen, Institutionen und Sachen. Entscheidend ist immer die Absicht einer Schädigung, wobei eine zufällige Schädigung nicht als Aggression aufgefaßt wird. Diese Reize kann man sowohl als verbal, als auch körperlich ansehen. Wobei körperliche Reize meist eine Schutzreaktion ausbilden, welche zu einer Aggression übergehen. Diese Aggression kann wiederum auch verbale und körperliche Reize ausbreiten. Bekannt in diesem Zusammenhang ist die Frustrations-Aggressions-Hypothese, die sich auf das Konzept von Freud stützt. Hier geht man davon aus, dass Personen, die ein bestimmtes Ziel anstreben und daran gehindert werden, darauf aggressiv reagieren (vgl. Neubauer/ Gampe, 1999, S. 120 f.).

2.3 Gewalt

Meine Literaturrecherche zu diesem Begriff haben gezeigt, dass Autoren eine unterschiedliche Auffassung vom Begriff Gewalt haben. Eine enge Definition von Gewalt ist daher nicht möglich. Gewalt wird als eine zielgerichtete, direkte, physische, psychische oder soziale Schädigung gesehen (vgl. ebd., S. 119 ff.). Im skandinavischen Raum greift man gerne auf den Begriff „mobbing“ zurück. Ursprünglich versteht man darunter die Belästigung am Arbeitsplatz. Da der Arbeitsplatz für Schüler die Schule ist, hat man den Begriff auch für Gewaltprobleme an Schulen eingeführt (vgl. Hanewinkel &. Knaack, 1997, S. 299 ff.). Der Norweger Dan Olweus definiert „Gewalttätigkeit“ oder „Mobben“ wie folgt:

„Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt über längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler oder Schüler/innen ausgesetzt ist“ (Olweus, 1996, S. 22).

Gewalt hat somit viele Äußerungsformen und wird als eine Teilmenge von Aggression verstanden. Gewalt in der Schule hat jedoch noch andere Erscheinungsformen, wie Disziplinlosigkeit, verbale und physische Attacken gegen Lehrer und Mitschüler, aber auch Schulschwänzen, Schlägereien, Diebstahl und Zerstören von Schuleigentum zählen dazu. Es ist also eine Vielzahl von Erklärungen möglich, daher muss man die Definition von Gewalt immer von der Situation und den Absichten abhängig machen. Der Akt der Gewaltausübung ist in jedem Falle unfair, da ein Ungleichgewicht der Kräfte zugunsten des Täters vorliegt. Da ich mich eher auf Gewalt konzentrieren möchte, die aus der Interaktion zwischen Personen hervorgeht, ist es wichtig Begrifflichkeiten wie physische und psychische näher zu erläutern.

Physische Gewalt

Beispiele für physische Gewalt sind z.B. körperliche Angriffe, Bedrohung und Erpressung, Waffenbesitz, sexuelle Übergriffe und Vandalismus (vgl. Tillmann, 2000, S. 27). Meist sind es also Situationen, in denen eine oder mehrere Personen jemanden anderen schlagen, treten oder auch mit Waffen verletzen. Deutlich wird dabei, dass in solchen Auseinandersetzungen Gewalt lediglich mit dem Ziel eingesetzt wird, sein Gegenüber zu schädigen. Oftmals wird auch mit einer solchen Schädigung gedroht (vgl. Tillmann, 2000, S. 19). Gewalt steht demnach immer in Zusammenhang mit Macht, wobei die Machtmittel in Gewaltsituationen ungleich verteilt sind (vgl. Freund, 1996, S. 331).

Psychische Gewalt

Verletzen sich Personen mittels verbalen Äußerungen, so handeln es sich hierbei um psychische Gewalt. Ist im folgenden Text von psychischer Gewalt die Rede, so geht es hier um Beschimpfung, soziale Ausgrenzung, Hänseln, Verspotten, Ärgern sowie verbale und nonverbale Provokation (vgl. Tillmann, 2000, S. 27). Bei dieser Form von Gewalt, die auf einer anderen Ebene als die der physischen Gewalt abläuft, kann man die Folgen nicht so deutlich ausfindig machen, da durch psychische Gewalt keine äußeren Wunden entstehen. Es geht bei der psychischen Gewalt primär darum, das Selbstwertgefühl anderer Menschen zu verletzen (vgl. Popp, 2002, S. 130 f.). Durch diese „inneren“ Verletzungen können die betreffenden Personen stark beeinträchtigt werden.

3. Ausmaß und Verbreitung von Gewalt an Schulen

Die in den letzten Jahren durchgeführten Forschungsprojekte scheinen die weit verbreitete Meinung der Gewaltzunahme innerhalb der Schulen zu bestätigen (vgl. Holtappels &. Meyer, 1997, S. 89, 50 ff.). Unterschiedliche Methoden wie Schülerfragebögen, Einschätzungen durch Lehrkräfte und durch Gleichaltrige ergaben, dass der Prozentsatz von Schülern, die Gewaltopfer und Gewalttäter sind, im Durchschnitt bei 5 – 10 % liegt. Wieviel Prozent der Schüler jemals an gewalttätigen Handlungen beteiligt war/ ist, scheint abhängig vom Geschlecht, der Klassenstufe und der Schulform zu sein und variiert deutlich. Wichtig festzuhalten ist jedoch auch die Erkenntnis, dass alle Studien ergaben, dass ein Großteil der Schüler, ca. 60 – 70 %, überhaupt nicht an gewalttätigen Handlungen beteiligt sind, weder als Opfer noch als Täter (vgl. Olweus, 1996, S. 28). In der Studie von Dettenborn & Lautsch von 1993 wurden 2553 Schüler verschiedener Schultypen, der 7. und der 10. Klasse, bezüglich der Häufigkeitszunahme und ihre Sichtweise auf schulische Aggression hin befragt. Auch wenn der Aussagetext der Daten für die Stichprobe begrenzt ist, scheint die Annahme zur Gewaltzunahme bestätigt zu sein. Die Ergebnisse der Befragung zeigen aber deutliche Differenzen in der Gewalthäufigkeit bezogen auf die unterschiedlichen Schulformen, das Alter der Jugendlichen und das Geschlecht (vgl. Dettenborn &. Lautsch, 1993, S. 745 ff.). In den kommenden Punkten wir hierauf näher eingegangen.

Schulformen

An der Spitze der Aggressionsbereitschaft finden sich Sonderschulen, während die Gymnasien, die wenigsten Gewaltprobleme aufweisen. Dazwischen befindet sich die Haupt- und Realschule ein.

„Bei der Schulform bildet sich deren gesellschaftliches Prestige und die damit verbundene soziale Selektion der Schülerschaft recht deutlich ab“ (Tillmann, 1997, S. 36 ff.).

Alter der Jugendlichen

Das Alter der Heranwachsenden spielt bei der Häufigkeit von Gewalt an Schulen ebenfalls eine große Rolle. Die Gewaltspitze scheint bei den 13 – 15-jährigen zu liegen, das entspricht etwa der Klasse 8 - 9. Dieses Ergebnis belegt auch die Studie von Dettenborn & Lautsch (vgl. Dettenborn &. Lautsch, 1993, S. 745 ff.). Danach ist ein Rückgang der Häufigkeit zu verzeichnen. Der Autor geht in seinem Buch „Psychologie der Persönlichkeit“ davon aus, dass die Tendenz zu antisozialem Verhalten im Jugendalter auf zwei unabhängigen Quellen beruht, nämlich einer überdauernden und einer pubertätsgebundenen Form. Der Rückgang der Gewaltauseinandersetzungen ab der 10. Klasse, läßt sich teilweise mit der pubertätsgebundenen Form erklären.

Geschlecht

Jungen weisen sowohl in der Täter- als auch in der Opferrolle ein wesentlich höheres Beteiligungsniveau auf. Mit 70% sind sie doppelt so häufig an Gewalttaten beteiligt, als Mädchen. Dennoch ist der Anteil der auffällig gewordenen Mädchen gestiegen (vgl. Kuhlmann, 1998, S. 19). Dieser Punkt wird später in meiner Arbeit noch vertieft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Gewalt an Schulen
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V29383
ISBN (eBook)
9783638309028
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Welche Ursachen werden heute für die steigende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen an deutschen Schulen genannt und gibt es in diesem Zusammenhang geschlechtsspezifische Unterschiede?
Schlagworte
Gewalt, Schulen
Arbeit zitieren
Sabrina Hetjans (Autor), 2004, Gewalt an Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29383

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