Caspar David Friedrich und seine Stellung zu Schweden


Hausarbeit, 2015

34 Seiten, Note: 1,3

Melanie Dreisam (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Caspar David Friedrich
2. 1. Kindheit und Jugend
2. 2. Zeit in Dresden
2. 3. Religiöse Überzeugung

3. Politische Verhältnisse der Zeit
3. 1. Deutschland und besonders Sachsen
3. 2. Politische Bewegungen, Ideale und Vorstellungen und inbesondere Friedrichs Einstellung

4. Stellung zu Schweden
4. 1. Schweden und dessen König Gustav IV. Adolf
4. 2. Friedrichs Stellung zu Schweden

5. Die Bilder
5. 1. Kreuz im Gebirge
5. 2. Die Lebensstufen
5. 2. 1. Gestalterische Analyse
5. 2. 2. Inhaltliche Analyse
5. 3. Gotische Grabkapelle
5. 4. Zusammenfassung

6. Résumé

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die gesamte Friedrich-Literatur durchzieht die Behauptung, dass der Maler Caspar David Friedrich (1774-1840) einen schwedischen Pass besäße und somit schwedischer Staatsbürger sei. Diese Idee könnte auf den ersten Blick auch stimmig sein. Dazu muss man jedoch erst einmal wissen, dass der Künstler in Greifswald geboren und aufgewachsen ist. Dieser Ort an der östlichen Ostseeküste gehörte bis 1815 zum schwedischen Reich und somit könnte angenommen werden, dass Friedrich als schwedischer Bürger geboren ist. Allerdings erklärt dazu Dr. Joachim Krüger, Historiker der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald:

„Die Einwohner in Schwedisch-Pommern haben, sofern sie nicht auch im Königreich Schweden direkt beheimatet waren, nie einen schwedischen Paß besessen. Schwedisch-Pommern blieb auch nach 1648 ein Territorium des Heiligen Römischen Reichs dt. Nation. Der schwedische König (in diesem Fall die Königin Christina) wurde als Reichsfürst eingesetzt (als Herzog von Pommern), er war als solcher Vasall des Kaisers. […] Schwedisch-Pommern stand bis 1806 in einem Doppelstatus: als deutsches Herzogtum und gleichzeitig als schwedische Provinz. Aber die Untertanen waren keine Schweden, sie waren Einwohner eines Reichsfürstentums. Das, was sie mit Schweden verband, war der schwedische König.“[1]

Demnach ist Friedrich nie schwedischer Staatsbürger gewesen und hat auch keinen schwedischen Pass gehabt, nichtsdestotrotz gibt es immer noch Legenden darüber.

Zurzeit als der Künstler geboren wird, ist Greifswald eine Stadt in Schwedisch-Pommern mit circa fünftausend Einwohnern. Er wächst in der so genannten „Schwedenzeit“ Deutschlands auf (1648-1815). Im Zuge des Westfälischen Frieden von 1648 fallen deutsche Territorien an Schweden. Zu diesen norddeutschen Territorien gehören die Gebiete Bremen-Verden mit Wildeshausen, Wismar mit der Insel Poel und Neukloster, sowie Schwedisch-Pommern mit Rügen. Der schwedische König ist damit Herzog von Pommern und wird von einem Generalgouverneur vertreten. Greifswald und Vorpommern werden jedoch nicht in den schwedischen Staatsverband eingegliedert und bleiben als Verwaltungseinheit weitgehend autonom.[2]

Im 18. Jahrhundert, zu Lebzeiten Friedrichs, führt Pommern, als letzte der übrig gebliebenen Ostseeprovinzen von Schweden, ein prävaliertes Dasein. Nur der Siebenjährige Krieg prägt kurzzeitig das Leben in der Provinz, allerdings verläuft er für Schweden ohne territoriale Verluste und somit kann der Adel ungestört seine Rechte geltend machen.

Als wichtiger Integrationsfaktor zwischen Schweden und Pommern entwickelt sich die Greifswalder Universität. Zeitschriften, Gelehrte und Studenten verbreiten auf Deutsch Kenntnisse über Schweden, dessen Geschichte und Kultur. In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wächst in Pommern einen Generation Intellektueller heran, für die die Nähe zu Schweden und zum Norden selbstverständlich ist. Zu ihnen gehören unter anderem Friedrich Rühs (1781-1820), Ernst Moritz Arndt (1769-1860), Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818) oder die Künstler Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge (1777-1810).

Länger als jeder andere Regent weilt der schwedische König Gustav IV. Adolf (1778-1837) in Schwedisch-Pommern, was mit Sicherheit auch zu seiner maßlosen Popularität beiträgt. Den Menschen geht es gut in Pommern und es herrscht somit eine starke Schwedenfreundlichkeit. Auch Schweden selbst kann wirtschaftliche Vorteile durch seine Beziehung zu der kleinen Provinz an der deutschen Ostseeküste erkennen. Aus diesen Gründen ist es Gustavs Vorhaben, Pommern nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Schweden anzugliedern. So tritt 1806 der schwedische Reichstag in Greifswald zusammen, auf dem der Anschluss beschlossen wird. Die Einführung der schwedischen Verfassung im gleichen Jahr, durch welche die Bewohner Schwedisch-Pommerns tatsächlich schwedische Untertanen geworden wären, kann aber aufgrund der Napoleonischen Kriege und der Absetzung des schwedischen Königs Gustav IV. Adolf (1809) nicht umgesetzt werden. Nachdem es dann noch zur französischen Besatzung kommt, zerschlägt sich dieses Vorhaben. In den kommenden Jahren wird die Provinz erst Dänemark zugesprochen und gelangt dann im Tausch gegen das Herzogtum Lauenburg und einer größeren Geldsumme 1815 an Preußen. Die Bevölkerung huldigt anschließend dem neuen König, der ebenfalls die Stellung eines Herzogs von Pommern einnimmt.[3]

Während der gesamten Besetzung, vor allem in den letzten Jahrzehnten, ist bekannt, dass die Bürger Pommerns in Schweden vor allem einen Freund sehen. Auch als Gustav abgesetzt wird und der neue schwedische König, Karl XIII. (1748-1818), die meisten Schwedisierungspläne für Pommern auf dem Reichstag von Örebro außer Kraft setzt, möchten die pommerschen Delegierten weiterhin Teil des schwedischen Reiches bleiben. Selbst nachdem 1821 Schwedisch-Pommern der Vergangenheit angehört und zu Preußen zählt, stellt die Schriftstellerin Fredrika Bremer fest: „Alle sprechen mit Sehnsucht und Freude von Schweden und den Schweden.“[4] Der pommersche Pfarrer, Dichter und Professor Ludwig Theobul Kosegarten dichtet in den 1820er-Jahren die oft zitierte Zeile: „Unter den drei Kronen ließ sich’s gemächlich wohnen.“[5] Er spielt hier auf das schwedische Wappen an, welches neben den drei Kronen auch einen Löwen beinhaltet und drückt damit ebenso die allgemein verbreitete Schwedenfreundlichkeit aus.[6] Es ist bekannt, dass auch Caspar David Friedrich sehr angetan und begeistert von Schweden und seinem König Gustav Adolf ist.[7] Doch wodurch wird diese Zuneigung zum einen in seinem Leben und seinen Vorstellungen deutlich und zum anderen in seiner künstlerischen Arbeit?

Diese Arbeit beschäftigt sich in diesem Sinne mit Caspar David Friedrichs Verhältnis zu Schweden. Es wird hinterfragt, warum der Künstler solch eine innige Verbundenheit zu Schweden hegt? Wie wird seine Schwedenzuneigung in seinem Leben deutlich? Sind überhaupt Bilder vorhanden, die seinen Bezug zu dem Land oder dessen König demonstrieren? Wenn ja, welche, und woran lassen sich die Schwedenbezüge erkennen?[8]

Zunächst soll dazu kurz auf Friedrichs Leben in Greifswald und Dresden sowie seine religiöse Haltung eingegangen werden. Weiterhin werden die politischen Verhältnisse und deren Entwicklung zu jener Zeit geklärt werden, wobei sich besonders auf das Land Sachsen bezogen wird, den damaligen Lebensmittelpunkt Friedrichs. Anschließend werden seine persönlichen politischen Einstellungen und Überzeugungen beleuchtet. In Folge dessen soll es zur Erklärung und Analyse der Beziehung Friedrichs zu dem Land und seinem König kommen, wobei zunächst noch auf die Person Gustav IV. Adolf eingegangen wird. Die tatsächlichen Bezüge zu Schweden und Gustav sollen danach anhand von drei Bildbeispielen erläutert werden. Letztendlich folgt das Résumé.

2. Caspar David Friedrich

2. 1. Kindheit und Jugend

Caspar David Friedrich wird 1774, als sechstes von insgesamt zehn Kindern, im Haus Friedrich in Greifswald geboren. Heute gilt er als der bedeutendste Landschaftsmaler der Romantik. Friedrich beginnt an der Universität Greifswald seine Ausbildung bei dem Universitätsbau- und Zeichenmeister Johann Gottfried Quistorp (1755-1835). Quistorp kommt direkt von seiner Ausbildung aus Dresden, als er Friedrich seine ersten künstlerischen Regeln und Fertigkeiten lehrt und ihn vor allem auf die heimatlichen Landschaft und Altertümer hinweist und ihn dafür begeistert. Die Universität ist damals sehr auf den Norden ausgerichtet. Es studieren hier viele aus Skandinavien stammende Studenten und genauso unterrichten bekannte Professoren. Ab 1794 bis 1798 studiert der Künstler auf Empfehlung von Quistorp an der Kunstakademie Kopenhagen, wo er seine Kunststudien fortsetzt. Hier wird er ebenso von der nordischen Kunst beeinflusst, besonders durch seine Professoren Jens Juel (1745-1802), Nicolai Abildgaard (1743-1809) und Christian August Lorentzen (1749-1828). Nach dieser Zeit in Kopenhagen lässt er sich für einen kurzen Aufenthalt noch einmal in Greifswald nieder und zieht dann weiter nach Dresden.

In Sachsen möchte sich der Künstler mit der Romantik vertraut machen. Dresden gilt als Zentrum der Frühromantik. Jedoch nimmt Friedrich nicht mehr am Lehrbetrieb teil, obwohl er sich zunächst an der Akademie einschreibt und seine Ausbildung dort abschließt. Vielmehr interessiert es ihn allerdings, die Umgebung zu erkunden und künstlerisch festzuhalten. Er setzt sich nun selbstständig mit der Landschaftsmalerei und –zeichnung auseinander. Dresden ist bereits und entwickelt sich immer mehr zu einem Kunst- und Kulturzentrum. Es gilt als Mittelpunkt der romantischen Bewegung. Friedrich kommt in der Stadt und seiner Umgebung in Kontakt mit zahlreichen Intellektuellen der deutschen Romantik, wie Ludwig Tieck, Novalis und anderen Dichtern, Autoren und Künstlern. Hier schafft Friedrich die Verbindung zwischen nordischer Malerei und der deutschen Romantik herzustellen, was seine Kunst auch so einzigartig macht.[9],[10]

Der Künstler wird der einzige aus seiner Familie sein, der den Handwerkerstand verlässt und durch seine akademische Ausbildung sozial aufsteigt. Seine Geschwister werden Schmied, Seifensieder, Tischler oder ergreifen andere Handwerksberufe und bleiben in Greifswald oder Neubrandenburg. Der Aufstieg des Künstlers wird für ihn allerdings nicht ohne Konflikte sein. Seine Zurückgezogenheit, seine Verschlossenheit und seine Weltscheu, wie sie von Zeitgenossen beobachtet wird, können nicht zuletzt aus diesem sozialen Konflikt heraus erklärt werden.[11]

2. 2. Zeit in Dresden

Im Jahre 1798 zieht Friedrich nach Dresden, dem Zentrum der deutschen romantischen Bewegung. Er wird hier bis zu seinem Lebensende bleiben. Während seiner Zeit in Dresden kehrt er insgesamt noch sechs Mal für mehrere Wochen oder Monate in seine Heimat Greifswald zurück. In Dresden verdient sich der Maler seinen Lebensunterhalt zunächst als Prospektmaler. Er wird anfangs besonders beeinflusst durch die Dresdner Maler Johann Christian Klengel (1751-1824) und Adrian Zingg (1734-1816). Schon 1799 gelingt es ihm, seine Werke auf der Ausstellung der Dresdner Kunstakademie auszustellen. Nachdem er sich für einen längeren Aufenthalt in die Heimat begibt, beginnt eine Phase der inneren Einkehr und starken Depressionen. Er versucht sich 1803 mit einem Schnitt in den Hals umzubringen. Nach diesem gescheiterten Selbstmordversuch soll jedoch eine Zeit des beginnenden Erfolges kommen. Friedrich gehört bald zur Generation der ersten freien Künstler, die nicht als Auftragsmaler, Professoren einer fürstlichen Akademie oder durch die Aufträge reicher Gönner tätig sind, sondern sich auf dem freien Markt von Galerien bewegen und durch den Verkauf ihrer Werke ein wirtschaftliches Auskommen finden.[12]

Während seiner Zeit in Dresden wird Friedrich viele Freunde, Mitstreiter und Gesprächspartner finden, mit denen er sich gerne und oft umgibt. Zu jenen gehören unter anderem Gerhard von Kügelgen (1772-1820), Theodor Körner (1791-1813), Louise Seidler (1786-1866), Philipp Otto Runge, Johan Christian Dahl (1788-1857), Carl Gustav Carus (1789-1869) oder Georg Friedrich Kersting (1785-1847).

Im September 1810 besucht der Philosoph und Theologe Friedrich Schleiermacher (1768-1834) den Maler in einem offiziellen Auftrag im Atelier. Es geht um die Vorbereitung der kommenden Akademieausstellung in Berlin. Auch von Johann Goethe (1749-1832) erhält der Künstler Besuch. Im Oktober des gleichen Jahres werden Bilder von ihm auf der Akademieausstellung gezeigt und von König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) erworben. Daraufhin wird Friedrich im November zum auswärtigen Mitglied der Berliner Akademie gewählt. Drei Jahre später begegnet Friedrich dem Dichter Ernst Moritz Arndt, den er schon aus seiner pommerschen Heimat kennt und der sich zu dieser Zeit in Dresden aufhält. Arndt ist mittlerweile ein Dichter, politischer sowie patriotischer Publizist und Historiker. In Arndt findet Friedrich einen Gleichgesinnten in seiner extremen Abneigung gegen Napoleon(1769-1821) und die Franzosen. Dann kommt es 1812/13 zur Besetzung Leipzigs, während der sich Friedrich in das Elbsandsteingebirge zurückzieht. Im darauffolgenden Jahr wird er sich an der Ausstellung „Patriotische Bilder“, die zur Feier der Befreiung Dresdens vom russischen Gouverneur eröffnet wird, beteiligen. 1816 ernennt man ihn zum Mitglied der Dresdner Akademie, jedoch ohne Lehramt. Erstmals in seinen Bildern reagiert der Künstler im Jahr 1818 auf die politische Verfolgung demokratisch gesinnter Kräfte in Deutschland mit der Darstellung seiner männlichen Figuren in altdeutscher Tracht.[13] Im Januar 1824 erfolgt Friedrichs Ernennung zum außerordentlichen Professor der Dresdner Kunstakademie. Allerdings bleibt ihm die Professur für Landschaftsmalerei verwehrt, obwohl sie frei steht. Im Dezember wird sein viertes Kind, der Sohn Gustav Adolf(1824-1889) geboren. Die Verweigerung des Lehramtes, politische Konflikte und das nachlassende Interesse an seiner Kunst führen Friedrich in den kommenden Jahren in eine Krise. 1830 besucht ihn der Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen in seinem Atelier. Drei Jahre später, auf der dritten Kunst- und Gewerbeausstellung in Königsberg, ist Friedrich mit neun Werken vertreten. Allerdings beginnt in dieser Zeit sein künstlerischer Ruhm abzunehmen, denn in der Kunst löst bereits eine neue Kunstepoche, der Realismus, die Romantik ab. Im Jahr 1835 erleidet der Künstler einen Schlaganfall, der zu einer Lähmung seiner rechten Hand führt. Er kann nur schwer wieder anfangen zu arbeiten. Zwei Jahre später folgt der nächste Schlaganfall, der Friedrich fast völlig lähmt. Er gibt seine künstlerische Arbeit endgültig auf und stirbt 1840 in Dresden, wo er auch begraben wird.

2. 3. Religiöse Überzeugung

Friedrich wächst in einer Familie auf, die sehr religiös ist. Die Konfession der Stadt Greifswald wird damals hauptsächlich vom Luthertum bestimmt, wobei sich das religiöse Leben sehr durch Toleranz auszeichnet. Die alte pommersche Kirchenordnung genießt unter der schwedischen Krone Schutz und weitgehende Unabhängigkeit, was zum großen Teil die Schwedenfreundlichkeit der damaligen pommerschen Geistlichkeit erklärt. Die Basis dafür bietet nicht nur das gemeinsame lutherische Bekenntnis, sondern vor allem die vom schwedischen König garantierte Eigenständigkeit. Erst in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts beginnt sich in Greifswald das Gedankengut der Aufklärungszeit durchzusetzen. In Folge dessen geht man heute davon aus, dass sich Friedrichs Vater mehr und mehr dem Pietismus[14] zuwendet. Der Pietismus geht der Aufklärung zwar voraus, gerät mit ihr jedoch mehr und mehr in Konflikt. In der Aufklärung wird das traditionelle Weltbild durch neue Erkenntnisse der Naturwissenschaften erschüttert. Die Theologie ist beeinflusst von der aufklärerischen Philosophie. Daraus entsteht eine mehr und mehr verwissenschaftlichte Theologie. Diese wird für die normalen Gemeindemitglieder immer unverständlicher und stößt auf Ablehnung. Die Unverständlichkeit theologischer Dispute und die dogmatische Lehrauffassung führte die Anhänger des Pietismus dazu, dem Ideal einer persönlichen, gefühlsbetonte Frömmigkeit entgegenzustellen. Teilweise wird dem Pietismus Intoleranz (kein Abrücken von bestimmten Auffassungen, einseitige Bibelauslegung, übermäßige Frömmigkeit, überzogenes Missionierungsverhalten) vorgeworfen.

3. Politische Verhältnisse der Zeit

3. 1. Deutschland und besonders Sachsen

Die Französische Revolution erbringt für Frankreich die Abschaffung des absolutistischen Regimes, die Einführung einer Verfassung, den Grundsatz der Volkssouveränität und die Gleichheit vor dem Gesetz. Die damaligen Revolutionskriege werden zugunsten von bürgerlich-revolutionären und nationalen Interessen geführt. Mit dem Einsetzen des napoleonischen Reiches kommen allerdings vor allem imperialistische Bestrebungen auf, die Europa in wenigen Jahren zu einem Kriegsschauplatz werden lassen. 1806 führt Frankreich Krieg gegen Preußen, Russland und das mit Preußen verbündete Sachsen. Napoleon besetzt weite Teile des deutschen Reiches. Mit der Herrschaft Napoleons folgen zwar einige Verbesserungen im Land (mehr Rechte für Bürger und Bauern), doch insgesamt überwiegen die schlechten Mitkommenschafften. Es entwickelt sich damit ein gesamtdeutscher Widerstand, wobei Österreich und Preußen die Zentren dessen sind. Sachsen wird zu einem der engsten Verbündeten Preußens und Dresden und seine Umgebung zum Zentrum einiger historischer Ereignisse – z.B. in der Schlacht bei Dresden und dem entscheidenden Sieg in Leipzig gegen Napoleon im Oktober 1813.[15] Allerdings ziehen die Schlachten – Durchzüge von Truppen, Besetzung der Franzosen, Preußen und Russen – auch Folgen nach sich. Die Bevölkerung ist mangelhaft mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt, sodass Krankheiten, Angst um Hab und Gut und um das eigen Leben an der Tagesordnung stehen. Die Stadt Dresden leidet besonders 1806/07 und mehr noch 1812/13. Die Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich enden schließlich 1814 mit dem Einzug in Paris und dem Pariser Frieden.[16]

Nach den napoleonischen Kriegen hat sich die politische Situation in Deutschland verändert. Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Mediatisierung[17] sind einige bedeutende Staaten entstanden, die sich nach 1815 ihre Autonomie nicht mehr nehmen lassen wollen. Anderseits brechen Staaten zusammen, wie Sachsen oder Preußen. Dies führt allerdings zu umfangreichen Reformmaßnahmen und Modernisierungen. Mit den Wiener Kongressen 1815 erfährt Preußen eine territoriale und militärische Aufwertung. Die darauf folgende Zeit wird von den Bestrebungen der führenden Mächte um die Wiederherstellung der Zustände vor Napoleon bestimmt. Sachsen, der Wohnort Friedrichs, gerät zuerst unter russische, dann unter die preußische Generalverwaltung und wird schließlich Mitglied des Deutschen Bundes. Vorpommern, zu dem Greifswald und Rügen gehören, verliert seine nahezu zweihundertjährige Zugehörigkeit zu Schweden und wird im Zuge des Kieler Friedens(1814) gemeinsam mit vielen anderen Herzogtümern und Gebieten Preußen zugesprochen.[18]

3. 2. Politische Bewegungen, Ideale und Vorstellungen und inbesondere Friedrichs Einstellung

Mit dem Sieg über Napoleon und einer gleichzeitigen Verbitterung gegen ihn und Frankreich entwickelt sich eine Stimmung der patriotischen Begeisterung im deutschen Bürgertum, die auch Friedrich erfasst. Der nationale Impetus verbindet sich mit Forderungen, die ihren Ursprung in der Französischen Revolution haben: Immer stärker wird der Wunsch nach der Gründung eines deutschen Nationalstaates, Meinungsfreiheit und politischer Mitbestimmung. Ziel ist die Volkssouveränität, die allerdings verschieden verstanden wird. Die noch zu Beginn einheitliche national-liberale Bewegung beginnt sich u.a. mit den deutschen Burschenschaften zu organisieren. Die Fürsten jener Zeit haben jedoch andere Vorstellung und zeigen kein Verständnis für den Wunsch des Bürgertums auf politische Mitsprache im Staat. Alle nationalen Bestrebungen werden zu Gunsten der Restaurierung[19] der alten Fürstenmacht verhindert. Die restaurativen Kräfte gewinnen die Übermacht, sodass Reformen und fortschrittliche Gesetze rückgängig gemacht werden.[20]

[...]


[1] Stapf, Detlef: War Caspar David Friedrich ein Schwede?

[2] vgl. Önnerfors, Andreas: Schweden und Pommern. S. 2.

[3] Vgl. Önnerfors, Andreas: Schweden und Pommern. S. 2-3.

[4] Önnerfors, Andreas: Schweden und Pommern. S. 4

[5] Kosegarten, Ludwig Gotthard: Dichtungen. S. 195.

[6] Vgl. Fuge Janina; Hering, Rainer: Gedächtnisräume. S. 391.

[7] Vgl. Fiege, Gertrud: Caspar David Friedrich. S. 8.

[8] Vgl. Kårlin, Herbert: Der deutsch-schwedische Künstler Caspar David Friedrich.

[9] Vgl. Kornow, Kai; Lissok, Michael: Caspar David Friedrich.

[10] Vgl. Kårlin, Herbert: Der deutsch-schwedische Künstler Caspar David Friedrich.

[11] Vgl. Fiege, Gertrud: Caspar David Friedrich. S. 10.

[12] Vgl. o. Verf.: Caspar David Friedrich.

[13] Vgl. Fiege, Gertrud: Caspar David Friedrich. S. 103.

[14] Der Pietismus betont die Herzensfrömmigkeit und tätige Nächstenliebe als entscheidende christliche Haltung. Praktiziert wird dies durch häufige Haus- und Glaubenskreise und das stetige Gebet.

[15] Vgl. Fiege, Gertrud: Caspar David Friedrich. S. 44.

[16] Vgl. Fiege, Gertrud: Caspar David Friedrich. S. 45.

[17] Mediatisierung: Im Reich gibt es Territorien, deren Herren nur den Kaiser als weltliche Autorität über sich haben und somit reichsunmittelbar sind. Andere wiederum unterstehen einem in der Standesordnung höhergestellten Landesherrn. Mediatisierung heißt, dass ein zuvor reichsunmittelbares Gebiet mittelbar wird, also einem Landesherrn unterstellt wird.

[18] Vgl. Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner; Hergt, Manfred: dtv-Atlas. S. 310-320.

[19] Restaurierung: Allgemein wird dadurch die Wiederherstellung eines politischen Zustandes, in der Regel die Wiedereinsetzung einer alten Dynastie, die im Zuge einer Revolution beseitigt worden ist erklärt. Ferner ist die Wiederherstellung einer legitimen Herrschaftsform, die vorübergehend durch innere oder äußere Einflüsse beeinträchtigt wurde damit gemeint. Spezifisch versteht man darunter den Zeitraum des Vormärz in den deutschsprachigen Staaten, also die Zeit nach dem Wiener Kongress 1815. Im engeren Sinne werden für die deutschen Staaten die Jahre 1815–1830 als Zeitalter der Restauration bezeichnet.

[20] Vgl. Fiege, Gertrud: Caspar David Friedrich. S. 45.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Caspar David Friedrich und seine Stellung zu Schweden
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
34
Katalognummer
V293869
ISBN (eBook)
9783656914891
ISBN (Buch)
9783656914907
Dateigröße
800 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
caspar, david, friedrich, stellung, schweden
Arbeit zitieren
Melanie Dreisam (Autor), 2015, Caspar David Friedrich und seine Stellung zu Schweden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293869

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