Das Wirken der Jeanne d´Arc inspirierte über Jahrhunderte hinweg bedeutende Autoren und Dichter, wie Shakespeare, Voltaire und Schiller. In dem Werk „die Jungfrau von Orleans – eine romantische Tragödie“, welches in dem Jahr 1801 von Friedrich Schiller veröffentlicht wurde, lassen sich prägnante Abweichungen gegenüber der Historie verzeichnen. Diese Abweichungen sollen im Verlauf herausgearbeitet und verglichen werden.
Die Darstellung der Johanna aus Schillers „Jungfrau von Orleans“ soll unter dem Aspekt der Pflicht und Neigung hin untersucht werden. Auf dieses Motiv hat Schiller sein Werk aufgebaut. Des Weiteren ist dies auch der Grund, warum sich die Handlung seines Werks so bedeutend von der Historie unterscheidet. Es soll die Auffassung Schillers zu diesem Motiv deutlich werden. Die Erfüllung der Plicht und Neigung Johannas im Verlauf des Dramas wird ebenfalls dargestellt, wobei eine Schlüsselszene detailliert interpretiert werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Darstellung der historischen Figur Jeanne d´Arc und Schillers Jungfrau von Orleans
2.1 Jeanne d´Arc und der geschichtliche Hintergrund
2.2 Darstellung der Johanna in Schillers Jungfrau von Orleans und Abweichung zur historischen Geschichte
3 Das Motiv der Pflicht und Neigung in Friedrich Schillers „Jungfrau von Orleans
3.1 Die Auffassung von Friedrich Schiller
3.2 Johannas Empfindungen im Verlauf des Dramas
3.3 4. Aufzug, 1. Auftritt
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Jeanne d'Arc in Friedrich Schillers Drama „Die Jungfrau von Orleans“ unter besonderer Berücksichtigung des Spannungsfeldes zwischen persönlicher Neigung und auferlegter Pflicht. Dabei wird analysiert, wie Schiller historische Fakten modifizierte, um ein sittliches Idealbild zu zeichnen und das Ringen der Protagonistin zwischen göttlichem Auftrag und irdischen Gefühlen dramaturgisch darzustellen.
- Historischer Kontext des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England.
- Gegenüberstellung von historischer Realität und literarischer Fiktion bei Schiller.
- Einfluss der Kantischen Ethik auf Schillers Konzept der „schönen Seele“.
- Analyse des inneren Konflikts der Johanna im Kontext ihrer Liebe zum Feind Lionel.
- Interpretation des Schlüsselmonologs im 4. Aufzug, 1. Auftritt.
Auszug aus dem Buch
3.3 4. Aufzug, 1. Auftritt
In diesem Auftritt führt Johanna einen Monolog. Am Anfang der Szene spricht Johanna von ihrer Neigung und ihrer Liebe zu dem Feind Lionel:
(…)Mir ist das Herz verwandelt und gewendet, Es flieht von dieser Festlichkeit zurück, Ins brit´sche Lager ist es hingewendet, Hinüber zu den Feinden schweift der Blick, Und aus der Freunde Kreis muss ich mich Stehlen,(…)
Im weiteren Verlauf wird die Sehnsucht nach Lionel deutlich.
Wehe! Weh mir! Welche Töne! Wie verführen sie mein Ohr! Jeder ruft mir seine Stimme, Zaubert mir sein Bild hervor!
Und weiter:
Diese Stimmen, diese Töne, Wie umstricken sie mein Herz, Jede Kraft in meinem Busen Lösen sie in weichem Sehnen, Schmelzen sie in Wehmutstränen!
Danach besinnt sie sich ihrer Pflicht und fragt sich, ob sie rechtens gehandelt hat. Des Weiteren macht sie sich Vorwürfe, dass sie ihn angeblickt und sich verliebt hat. Johanna nimmt wahr, dass ihr Blick auf Lionel sie in diese Katastrophe getrieben hat. „Mit deinem Blick find dein Verbrechen an, Unglückliche!“ Am Ende dieses Monologs gelangt Johanna zu dem Schluss, dass sie die Pflicht nicht aufgeben kann, obwohl sie das gerne tun würde und entsagt somit der Neigung. Im weiteren Verlauf fühlt sie sich schuldig und macht sich große Vorwürfe. Diese Szene ist die einzige, in der sie es in Erwägung zieht, ihrer Pflicht zu entsagen und sich ihrer Neigung hinzugeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt das Leben der historischen Jeanne d’Arc, deren Inspiration bedeutender Dichter und die Zielsetzung der Arbeit, Schillers Werk unter dem Motiv der Pflicht und Neigung zu untersuchen.
2 Darstellung der historischen Figur Jeanne d´Arc und Schillers Jungfrau von Orleans: Dieses Kapitel erläutert den geschichtlichen Hintergrund des Hundertjährigen Krieges und stellt die signifikanten Abweichungen zwischen der historischen Jeanne d'Arc und Schillers dramatischer Johanna heraus.
3 Das Motiv der Pflicht und Neigung in Friedrich Schillers „Jungfrau von Orleans: Hier wird Schillers ethische Auffassung analysiert, Johannas psychologische Entwicklung im Drama betrachtet und eine Schlüsselszene detailliert gedeutet.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die bewussten Abweichungen von der Historie notwendig waren, um den inneren Konflikt zwischen Natur und Ideal sowie Pflicht und Neigung bei Johanna wirksam darzustellen.
Schlüsselwörter
Jeanne d'Arc, Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orleans, Pflicht, Neigung, Historie, Drama, Hundertjähriger Krieg, Johanna, Lionel, Ethik, Immanuel Kant, Liebeskonflikt, Identität, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede zwischen der historischen Jeanne d’Arc und der literarischen Figur der Johanna in Friedrich Schillers Werk „Die Jungfrau von Orleans“ unter dem Fokus moralischer Motive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der historische Kontext des Hundertjährigen Krieges, Schillers dichterische Freiheit im Vergleich zur Historie sowie die philosophische Auseinandersetzung mit dem Motiv der Pflicht und Neigung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schiller das Motiv der Pflicht und Neigung konstruiert, um Johanna als eine Figur zu zeigen, die zwischen göttlichem Auftrag und irdischem Verlangen einen sittlichen Reifeprozess durchläuft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historisches Hintergrundwissen mit einer detaillierten Interpretation des Dramentextes verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, den Abgleich von Fakten mit Schillers Tragödie sowie die detaillierte Analyse der psychologischen Konflikte Johannas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pflicht, Neigung, Schiller, Jeanne d'Arc, moralisches Gesetz und historische Abweichung charakterisiert.
Warum musste Schiller für sein Drama von der historischen Wahrheit abweichen?
Laut der Autorin musste Schiller abweichen, um den inneren Zwiespalt zwischen dem Idealbild einer „schönen Seele“ und dem menschlichen Konflikt zwischen Pflicht und Neigung überhaupt dramaturgisch darstellen zu können.
Welche Bedeutung hat der „Schwarze Ritter“ für das Drama?
Die Erscheinung des Schwarzen Ritters dient als Warnung und Vorbote der kommenden Katastrophe, die den Wendepunkt im Leben der Johanna markiert.
Wie endet der Konflikt der Johanna im Drama?
Johanna entscheidet sich letztlich für ihre Pflicht, weist Lionel zurück, erlangt dadurch ihre spirituelle Stärke wieder und wird am Ende des Stücks in den Himmel erhoben.
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- Johanna Arendt (Author), 2013, Darstellung der Jungfrau von Orleans und Jeanne d´Arc unter dem Gesichtspunkt des Motivs der Pflicht und Neigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293882