Darstellung der Jungfrau von Orleans und Jeanne d´Arc unter dem Gesichtspunkt des Motivs der Pflicht und Neigung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
13 Seiten, Note: 12

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Darstellung der historischen Figur Jeanne d´Arc und Schillers Jungfrau von Orleans
2.1 Jeanne d´Arc und der geschichtliche Hintergrund
2.2 Darstellung der Johanna in Schillers Jungfrau von Orleans und Abweichung zur historischen Geschichte

3 Das Motiv der Pflicht und Neigung in Friedrich Schillers „Jungfrau von Orleans
3.1 Die Auffassung von Friedrich Schiller
3.2 Johannas Empfindungen im Verlauf des Dramas
3.3 4. Aufzug, 1. Auftritt

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Folgenden soll zuerst einmal das außergewöhnliche Leben der Jeanne d´Arc aus Lothringen und ihr tragischer Tod durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen dargestellt werden. Des Weiteren wird ein kurzer Einblick in den geschichtlichen Hintergrund erfolgen, der konstitutiv für die Geschichte der Jeanne d´Arc ist Das Wirken der Jeanne d´Arc inspirierte über Jahrhunderte hinweg bedeutende Autoren und Dichter, wie Shakespeare, Voltaire und Schiller. In dem Werk „die Jungfrau von Orleans - eine romantische Tragödie“, welches in dem Jahr 1801 von Friedrich Schiller veröffentlicht wurde, lassen sich prägnante Abweichungen gegenüber der Historie verzeichnen. Diese Abweichungen sollen im Verlauf herausgearbeitet und verglichen werden.

Die Darstellung der Johanna aus Schillers „Jungfrau von Orleans“ soll unter dem Aspekt der Pflicht und Neigung hin untersucht werden. Auf dieses Motiv hat Schiller sein Werk aufgebaut. Des Weiteren ist dies auch der Grund, warum sich die Handlung seines Werks so bedeutend von der Historie unterscheidet. Es soll die Auffassung Schillers zu diesem Motiv deutlich werden. Die Erfüllung der Plicht und Neigung Johannas im Verlauf des Dramas wird ebenfalls dargestellt, wobei eine Schlüsselszene detailliert interpretiert werden soll.

2 Darstellung der historischen Figur Jeanne d´Arc und Schillers Jungfrau von Orleans

2.1 Jeanne d´Arc und der geschichtliche Hintergrund

Die geschichtlichen Ereignisse, die zum Verständnis von Friedrich Schillers „Jungfrau von Orleans“ grundlegend sind, betreffen den mehr als hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England (1339-1453). Dieser hatte sich wiederum aus dem Erbfolgekrieg entwickelt. In dem Jahr 1328 starb Karl IV. (der Sohn Philipps des Schönen). Mit ihm starb die männliche Linie der Kapetinger aus. Da das salische Gesetz in Frankreich eine weibliche Erbfolge ausschloss, ging die Krone auf das Haus Valois, auf Philipp den VI. über. Dieser war ein Vetter des verstorbenen Königs. Eduard III. von England, der ebenfalls ein Vetter des verstorbenen Königs war, erhob dagegen Einspruch, da er sich selbst erbberechtigt fühlte. Eduard III. legte sich den Titel und das Wappen eines französischen Königs zu. Damit zog er aus um sich Frankreich zu Eigen zu machen, im Jahr 1346 besiegte er dann die Franzosen in der Schlacht bei Crécy und 1356 in der Schlacht bei Poitiers. Eduard III. schlug die Franzosen vernichtend. Somit kam es im Jahr 1360 zum Vertrag von Brétigny. Eduard III. erhielt große Teile Frankreichs, womit sich der französische König nicht abfinden konnte. Deshalb wurde der Krieg nur kurze Zeit später wieder aufgenommen. Karl V. war sehr erfolgreich, so dass den Engländern zuletzt nur noch Calais verblieb. Der 1375 mit England geschlossene Waffenstillstand wechselte mit Kriegsphasen, wobei von beiden Seiten keine bedeutenden territorialen Gewinne erzielt werden konnten. Der Nachfolger Karls V., Karl VI., sorgte für einen schweren Bürgerkrieg in Frankreich, da dieser minderjährig und geistig krank war.

Dieser wurde auch durch einen Machtstreit der Häuser Burgund und Orleans hervorgerufen, welche sich nicht nur über die Vormundschaft des Königs stritten. Der Herzog Ludwig von Orleans vertrat das Interesse der Aristokratie, der Herzog Philipp von Burgund trat jedoch für die Wünsche und Belange des Bürgertums ein. Als schließlich der Herzog Ludwig von Orleans von einem Anhänger des Hauses Burgund ermordet wurde, scheiterten die letzten Versuche, den Bürgerkrieg in Frankreich zu beenden. Von diesem inneren Konflikt Frankreichs wollte der englische König Heinrich V. profitieren. Im Laufe des Krieges wurde der Herzog von Burgund Johann Ohnefurcht ermordet. Philipp der Gute, Johanns Sohn, wurde sein Nachfolger und willigte 1420 in einen Vertrag mit den Engländern ein, wonach der französische Thron einem englischen Prinzen, dem zukünftigen Sohn aus der jetzt beschlossenen Ehe Heinrichs V. mit einer Tochter des geisteskranken Königs Karl VI. von Frankreich ausgeliefert werden sollte. Als die beiden Könige kurz nacheinander starben, wurde Karl VI. jüngerer Sohn Karl im ganzen Norden und Westen Frankreichs und auch in Paris anerkannt. Doch die Feinde drängten die französischen Truppen immer weiter zurück. Während sein Stellvertreter, der Herzog von Bedford, alles Land nördlich der Loire besetzte und Orleans belagerte, führte Karl VII., ein entschluss- und tatenloses Dasein. Er wurde von der Mitte und dem Süden des Landes zwar als König anerkannt, es fehlten ihm jedoch das Geld, die Truppen und vor allem das Selbstvertrauen, um sein Land zu retten und sich als König krönen zu lassen. Dem englischen Sohn Heinrichs, der erst neun Monate alt war, wurde nun die Krone Frankreichs zugesprochen. Der Herzog von Bedford, sein Onkel, sollte die Regentschaft in Frankreich führen. Der Herzog von Bedford gehörte zu dem Haus Burgund. Die Engländer, die sich mit Burgund vereinigt hatten, waren in den folgenden Jahren mehr als siegreich. Bedford eroberte alle Festungen und Städte nördlich der Loire und schlug die Franzosen in den Schlachten von Crevant und Verneuil. Der Dauphin Karl VII. befand sich zu dieser Zeit bereits am Rand der Niederlage. Zu diesem schwierigen Zeitpunkt erschien dem französischen Volk die Retterin in der „Jungfrau“, in der damals achtzehnjährigen Jeanne d´Arc, die sich von Gott berufen fühlte und das Schicksal ihres Landes wenden wollte (vgl. Prietzel, Malte: Jeanne d´Arc. Das Leben einer Legende. 1. Auflage.Freiburg im Breisgau: Herder Verlag 2011.Seite 27-32).

Jeanne d`Arc wurde um 1412 in dem lothringischen Dorf Domrémy geboren. Die Bewohner des Dorfes und der Umgebung waren treue Anhänger des Dauphins Karl VII. und wurden aus diesem Grund mehrmals von englischen und burgundischen Soldaten angegriffen und malträtiert.

Diese Ereignisse haben Jeanne strak geprägt. In den Zeiten des Aufruhrs hörte sie das erste Mal die Stimmen. Wie alt sie war als das geschah, lässt sich nicht genau nachvollziehen, da es mehrere Angaben gibt1. Dies gab sie während des Prozesses im Jahr 1431 an. Wie oft diese Visionen ihr erschienen sind, lässt sich ebenfalls nicht genau wiedergeben. Zuerst haben ihr die Stimmen, die sie als diejenigen der Heiligen Katharina, der heiligen Margarete und des Erzengels Micheal identifizierte, befohlen, dass sie sich benehmen soll und dass sie oft die Kirche besuchen soll. Des Weiteren mahnten sie Jeanne, dass sie für immer ihre Jungfräulichkeit bewahren soll. Dies gelobte sie zu tun. Danach sagten sie ihr, dass sie nach Frankreich aufbrechen müsse und dass sie die Belagerung von Orleans aufheben würde.2

So wandte sie sich, ihres himmlischen Auftrages gewiss, im Januar 1428 heimlich an Robert de Beaudricourt, den Befehlshaber von Vaucouleurs. Dieser entschloss sich nach mehrmaligem Abweisen der Bitte, Johanna Mitte Februar 1429 unter dem Geleit bewaffneter Männer und in männlicher Tracht und Rüstung gekleidet zum König zu senden. Im März 1429 traf Jeanne in Chinon ein, wo sie ein paar Tage später eine Audienz beim König gewährt bekam. Sie erkannte den König sofort und gewann diesen durch eine geheime Unterredung, deren Inhalt und Wahrheitsgehalt jedoch nicht eindeutig beweisen ist3.

Um jedoch sicher zu stellen, dass Johanna nicht im Dienst böser Mächte stehe, berief man ein geistliches Gericht ein, das nach ihrer Prüfung erklärte, Johanna sei eine gute Christin, deren Hilfe man unbedenklich in Anspruch nehmen könne. Außerdem musste sie eine gynäkologische Untersuchung über sich ergehen lassen, die ihre Behauptung, eine Jungfrau zu sein, bestätigte4.

Jeanne legte nun Männerkleider und Waffen an und erhielt den Auftrag, an der Spitze einer Heeresabteilung die Stadt Orleans zu befreien.

Schließlich verließen die Engländer Orleans am 8. Mai. Am 18. Juni schlug sie ein starkes englisches Korps unter Lord Talbot bei Patay. Auch nach der Befreiung Orleans hielt sie ihre Aufgabe keineswegs für beendet. Vielmehr wollte sie, auch unter dem wachsenden Widerstand, welcher sich am Hof gegen ihre Pläne bildete, „Frankreichs Boden von den Fremden reinigen.“5 Im Frühjahr 1430 hörte Jeanne von der Notlage, in die Compiègne durch die Burgunder gekommen war und eilte der Stadt mit wenigen Truppen zur Hilfe. Bei einem Überfall wurde sie schließlich gefangen genommen und der Herzog von Burgund lieferte Jeanne an die Engländer aus. Der Dauphin Karl VII. unternahm nichts zu ihrer Rettung, obwohl er ihr seinen Sieg und seine Krone verdankte. Die Engländer stellten sie vor ein geistliches Gericht unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Beauvais. Dieses Gericht verurteilte sie als Hexe und Ketzerin zum Feuertod. Jeanne d´Arc wurde am 30. Mai 1431 auf dem Marktplatz von Rouen verbrannt. Nach Jeannes Tod ereignete sich im Laufe der Zeit alles, was sie prophezeit hatte. Nachdem die Engländer vertrieben waren, war der Krieg 1453 beendet. Nicht lange danach wurde das Unrecht erkannt, das man der Jungfrau Jeanne d´Arc angetan hatte. 1456 fand ein Revisionsprozess statt, der mit der Aufhebung des Urteils von 1431 und mit der Ehrenrettung Jeannes endete. Vom Papst wurde sie 1894 „ehrwürdig“, 1909 „selig“ und 1920 „heilig“ gesprochen.

[...]


1 vgl. Prietzel, Malte: Jeanne d´Arc. Das Leben einer Legende. 1. Auflage.Freiburg im Breisgau: Herder Verlag 2011.Seite 32-33

2 Vgl. Krumreich, Gerd: Jeanne d´Arc. Die Geschichte der Jungfrau von Orleans. 2. Auflage.München: C. H. Beck Verlag 2006. Seite 17-20

3 vgl. Prietzel, Malte: Jeanne d´Arc. Das Leben einer Legende. 1. Auflage.Freiburg im Breisgau: Herder Verlag 2011.Seite 46-48

4 Thomas, Heinz: Jeanne d`Arc. Jungfrau und Tochter Gottes. Berlin 2000, Seite 189.

5 Krumeich, Gerd: Jeanne d`Arc in der Geschichte. Historiographie - Politik - Kultur. Sigmaringen 1989, Seite 17

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Details

Titel
Darstellung der Jungfrau von Orleans und Jeanne d´Arc unter dem Gesichtspunkt des Motivs der Pflicht und Neigung
Hochschule
Universität Kassel
Note
12
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V293882
ISBN (eBook)
9783656914563
ISBN (Buch)
9783656914570
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, jungfrau, orleans, jeanne, gesichtspunkt, motivs, pflicht, neigung
Arbeit zitieren
Johanna Arendt (Autor), 2013, Darstellung der Jungfrau von Orleans und Jeanne d´Arc unter dem Gesichtspunkt des Motivs der Pflicht und Neigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293882

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