Das Problem der Entscheidungsfindung besitzt für alle Menschen eine große Bedeutung, da täglich Entscheidungen getroffen werden. Die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen, gibt Entscheidungsträgern die Möglichkeit, die Zukunft zu steuern und Dinge zu verbessern. In der Wissenschaft haben sich mit der deskriptiven und der präskriptiven Entscheidungstheorie zwei Ansätze entwickelt, welche den Entscheidungsprozess unter verschiedenen Fragestellungen behandeln. Vor allem die präskriptive Entscheidungstheorie unterstützt den Menschen bei der Lösung von Entscheidungsproblemen. Hierzu gehört auch das Treffen von Entscheidungen im Hinblick auf zueinander in Konflikt stehende Ziele. In der Literatur werden verschiedene Verfahren zur Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten angeführt. Die Notwendigkeit für den Einsatz solcher Verfahren besteht insbesondere bei der PKW-Entwicklung. Im Rahmen der PKW-Entwicklung existiert eine Vielzahl von möglichen Zielkonflikten, welche es zu lösen gilt. So soll ein Fahrzeug optimalen Komfort und maximale Fahrleistung bieten und gleichzeitig den ökologischen Forderungen nach Verbrauchssenkungen und niedrigen Emissionen folgen. Vor diesem Hintergrund verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, die Anwendung eines Verfahrens zur Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten darzu-stellen. Als Anwendungsbeispiel dient die Entwicklung eines PKW. Daraus abgeleitet, ergibt sich die folgende Fragestellung, welche es zu bearbeiten gilt:
Wie kann beim Vorliegen mehrerer Alternativen die Entscheidung über die Entwicklung eines PKW während der Konzeptphase unterstützt werden, wenn Zielkonflikte vorherrschen?
Zur Bearbeitung dieser Fragestellung muss zunächst ein theoretischer Rahmen geschaffen werden. Neben Grundlagen zur Entscheidungstheorie und zu Zielen sind verschiedene Verfahren zur Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten zu erläutern. Um einen Einblick in das Anwendungsfeld zu erhalten, ist es erforderlich, Zielkonflikte und deren Auswirkungen im Automobilbau aufzuzeigen. Aus den dargestellten Verfahren gilt es anschließend ein geeignetes auszuwählen und auf das Beispiel der PKW-Entwicklung anzuwenden. Eine kritische Betrachtung des Verfahrens zeigt abschließend Vor- und Nachteile auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Entscheidungstheorie
2.1 Definition des Entscheidungsbegriffs
2.2 Deskriptive Entscheidungstheorie
2.3 Präskriptive Entscheidungstheorie
3. Ziele, Zielkonflikte und Lösungsansätze
3.1 Definition, Bedeutung und Anforderungen an Ziele
3.2 Zielbeziehungen und Zielkonflikte
3.3 Verfahren zur Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten
4. Zielkonflikte bei der PKW-Entwicklung
4.1 Darstellung von Zielkonflikten im Automobilbau
4.2 Auswirkungen von Zielkonflikten im Automobilbau
5. Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten in der PKW-Entwicklung
5.1 Entscheidungsunterstützung unter Anwendung der Nutzwertanalyse
5.2 Kritische Betrachtung der Nutzwertanalyse
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Anwendung eines Verfahrens zur Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten darzustellen, wobei die Entwicklung eines Personenkraftwagens als Anwendungsbeispiel dient, um die Forschungsfrage zu beantworten, wie bei konkurrierenden Zielen während der Konzeptphase rationale Entscheidungen unterstützt werden können.
- Grundlagen der deskriptiven und präskriptiven Entscheidungstheorie
- Strukturierung von Zielen, Zielbeziehungen und Identifikation von Zielkonflikten
- Analyse und Anwendung der Nutzwertanalyse als Entscheidungsinstrument
- Untersuchung von Zielkonflikten in der automobilen Praxis, wie etwa das Spannungsfeld zwischen Sicherheit, Kraftstoffverbrauch und Motorleistung
Auszug aus dem Buch
5.1 Entscheidungsunterstützung unter Anwendung der Nutzwertanalyse
Eiletz (1999) stellt fest, dass Zielkonflikte bei der PKW-Entwicklung in den meisten Fällen durch einen Zielkompromiss gelöst werden.60 Auch die Nutzwertanalyse löst Zielkonflikte durch einen Zielkompromiss. Küpper et al. (2013) führen an, dass sich die Nutzwertanalyse vor allem bei großen Investitionsentscheidungen und Entwicklungsaktivitäten eignet.61 Auch Meixner (2003) bescheinigt, dass die Nutzwertanalyse für einen Einsatz in der Produktentwicklung und in der Konzeptphase geeignet ist.62
Damit bietet die Nutzwertanalyse die Voraussetzungen für die folgende exemplarische Anwendung zur Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten am Beispiel der PKW-Entwicklung.
Wie in Abschnitt 3.3 dargestellt, muss zunächst das Zielsystem festgelegt werden. Betrachtet wird ein Entwicklungsteam eines Automobilherstellers, welches sich in der Konzeptphase zur Entwicklung eines Mittelklassewagens befindet. Die Unternehmensleitung hat 20.000 € als Obergrenze für die Entwicklungskosten vorgegeben. Zur Auswahl stehen vier konzipierte Alternativen, deren Entwicklungskosten keinen entscheidenden Unterschied aufweisen. Die Entwicklung des PKW wird unter bestimmten Zielsetzungen verfolgt. Um dem Kunden einen ausreichenden Schutz zu bieten, soll der PKW eine hohe passive Sicherheit aufweisen (Ziel 1). In Zeiten zunehmender Rohstoffknappheit und der damit zusammenhängenden großen Bedeutung des Umweltschutzes soll das Fahrzeug weiterhin einen niedrigen Kraftstoffverbrauch (Ziel 2) und geringe Abgasemissionen (Ziel 3) besitzen. Außerdem sollen durch eine hohe Motorleistung (Ziel 4) sportliche Fahrer im Mittelklassesegment angesprochen werden. Damit der PKW auch seinem Zweck als Nutzfahrzeug nachkommt, soll er über einen großen Kofferraum verfügen (Ziel 5). Anhand des Zielsystems wird deutlich, dass sich das Entwicklungsteam mehreren Zielkonflikten gegenübersieht. Ein hohes Fahrzeuggewicht geht einher mit einer hohen passiven Sicherheit. Die Zunahme des Fahrzeuggewichtes führt jedoch zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch.63 Die Entwicklung des PKW in Leichtbauweise ist durch die begrenzten Kosten nicht möglich. Damit stehen Ziel 1 und Ziel 2 in Konflikt zueinander. Aus der Zielsetzung nach einer hohen Motorleistung gehen zwei weitere Zielkonflikte hervor. Eine hohe Motorleistung führt zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch sowie zu erhöhten Abgasemissionen.64 Auch die Verwendung eines Hybridmotors ist durch die begrenzten Entwicklungskosten nicht möglich. Somit stehen Ziel 2 und Ziel 4 sowie Ziel 3 und Ziel 4 in konfliktärer Beziehung zueinander.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Entscheidungsfindung bei Zielkonflikten ein und leitet aus der Komplexität der PKW-Entwicklung die zentrale Fragestellung der Arbeit ab.
2. Grundlagen der Entscheidungstheorie: Das Kapitel erläutert den wissenschaftlichen Rahmen der Entscheidungsfindung und differenziert zwischen deskriptiven und präskriptiven Ansätzen zur Unterstützung von Entscheidungsträgern.
3. Ziele, Zielkonflikte und Lösungsansätze: Hier werden Anforderungen an die Zielformulierung definiert, verschiedene Arten von Zielbeziehungen grafisch verdeutlicht und methodische Ansätze zur Konfliktlösung präsentiert.
4. Zielkonflikte bei der PKW-Entwicklung: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand praktischer Beispiele aus dem Automobilbau die technisch-wirtschaftlichen und technisch-physikalischen Zielkonflikte, mit denen Entwickler konfrontiert sind.
5. Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten in der PKW-Entwicklung: Das Kapitel demonstriert die praktische Anwendung der Nutzwertanalyse an einem Modellbeispiel für einen Mittelklassewagen und reflektiert kritisch die Vor- und Nachteile dieses Verfahrens.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanzierung der Ergebnisse und empfiehlt die Nutzwertanalyse als Einstiegsinstrument, weist jedoch auf die Notwendigkeit einer Validierung durch alternative Methoden bei komplexen Problemen hin.
Schlüsselwörter
Entscheidungstheorie, Zielkonflikte, PKW-Entwicklung, Nutzwertanalyse, Zielkompromiss, Zielantinomie, Zielgewichtung, Konzeptphase, Entscheidungsunterstützung, Automobilbau, Rationalität, Zielformulierung, Zielprogrammierung, Analytic Hierarchy Process, Mehrfachzielentscheidungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die methodische Unterstützung von Entscheidungsprozessen in Situationen, in denen mehrere zueinander in Konflikt stehende Ziele gleichzeitig verfolgt werden müssen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Entscheidungstheorie, das Zielmanagement in Unternehmen sowie spezifische mathematische Verfahren zur Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung einer exemplarischen Anwendung eines Entscheidungsverfahrens, um aufzuzeigen, wie komplexe Zielkonflikte in der Produktentwicklung eines PKW systematisch bewältigt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die Nutzwertanalyse, diskutiert jedoch ergänzend weitere Methoden wie die lexikographische Ordnung, Goal Programming und den Analytic Hierarchy Process (AHP).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen, definiert Zielbeziehungen und wendet die Nutzwertanalyse auf ein konstruiertes Beispiel in der Automobilentwicklung an, gefolgt von einer kritischen Reflexion der gewählten Methode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nutzwertanalyse, Zielkonfliktmanagement, rationale Entscheidungsfindung und PKW-Entwicklung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Zielkomplementarität von einer Zielantinomie?
Bei Zielkomplementarität unterstützt die Erreichung eines Ziels ein weiteres, während eine Zielantinomie den Extremfall darstellt, bei dem sich Ziele gegenseitig ausschließen.
Warum ist die Nutzwertanalyse in der Konzeptphase besonders nützlich?
Sie ermöglicht eine klare, formale Struktur und macht verschiedene Handlungsalternativen durch eine Gewichtung und Bewertung vergleichbar, was die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen in der frühen Produktphase erhöht.
Welche Schwachstellen der Nutzwertanalyse werden diskutiert?
Kritisiert werden insbesondere die Subjektivität bei der Gewichtung und Bewertung sowie die Gefahr, dass Sensitivitätsanalysen manipuliert werden, um ein gewünschtes Endergebnis zu rechtfertigen.
- Arbeit zitieren
- Felix Homfeldt (Autor:in), 2013, Entscheidungsunterstützung bei Zielkonflikten am Beispiel der PKW Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293920