Verhaltenstraining: Körpersprache als erlernbarer Code


Hausarbeit, 2003
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bewusste und unbewusste Körpersprache

3. Körpersprache lesen

4. Körpersprache gezielt erlernen
4.1. Körpersprache für das Privatleben erlernen
4.2. Körpersprache für den Beruf erlernen
4.2.1. Das Paradebeispiel Vorstellungsgespräch

5. Schlussbetrachtung

Quellennachweis

1. Einleitung

In meiner Arbeit möchte ich zunächst auf die Trivialität der nonverbalen Kommunikation verweisen. Darauf wird eine Differenzierung von verschiedenen Aspekten und Bewusstseinsebenen der Körpersprache folgen und einige Hinweise, was bei ihrer Entschlüsselung zu beachtet ist. Anschließend werde ich auf die Probleme eingehen, die beim gezielten Erlernen von Körpersprachlichen Symbolen auftreten können, um schließlich, am Beispiel des Vorstellungsgespräches, zu veranschaulichen, was für Tipps und Tricks geboten werden, um die positive Wirkung der eigenen Körpersprache auf andere zu verbessern.

Die Körpersprache ist ein Thema, dass uns eigentlich allen geläufig sein müsste, da wir sie täglich anwenden. Jedes Mal, wenn zwei oder mehrere Menschen aufeinander treffen findet eine Art der Kommunikation statt, bewusst oder unbewusst. Jeder hat schon mal den Ausspruch gehört „man kann nicht nicht kommunizieren“. Trotzdem wissen die meisten relativ wenig über Körpersprache, da sie normalerweise unbewusst angewandt wird. Auch im Wissenschaftlichen Bereich wird sich noch nicht lange mit der Körpersprache auseinandergesetzt (Asher 1999: 11). Die bewusste Unterhaltung, durch Austausch von Worten wird „verbale Kommunikation“ genannt, die meist unbewusste Kommunikation durch Körpersprache, darunter verstehe ich vor allem Mimik, Gestik und Körperhaltung, wird „nonverbale Kommunikation“ genannt.[1] Letztere hat ihren Ursprung in der Tierwelt und ist somit sehr viel älter als das gesprochene Wort. Seit Jahrtausenden sichern bestimmte Verhaltensmuster, wie Droh- und Unterwerfungsgesten, Territorialverhalten oder Erkennungssignale, den Tieren das Überleben (Ibelgaufts 1997: 12). Auch bei den Menschen ist diese Art der nonverbalen Kommunikation grundlegend für die Verständigung. „Das gesprochene Wort ist nur ein kleiner Teil der Kommunikation“ (Lauster 1985: 42). Uns sollte die Körpersprache dazu dienen dem Gesagten mehr Ausdruck zu verleihen, und sollte somit mit der verbalen Kommunikation übereinstimmen (Asher 1999: 92). Tut sie dies nicht, so wird der Körpersprache, zumindest auf der Beziehungsebene, normalerweise mehr Aussagekraft zugesprochen, als dem verbal Artikulierten (Gerstein/Schubert 1998: 110). Gerstein und Schubert sehen es als „Grundwahrheit“, dass die verschiedenen Faktoren der Verständigung wie folgt gewichtet werden: den optischen Faktoren, die sie in Auftreten, Erscheinungsbild, Kleidung und Körpersprache unterteilen, schreiben sie 55 % der Aufmerksamkeit zu. Die stimmliche Botschaft (Stimmlage, Modulation, Artikulation) soll mit 38 % auch noch relativ stark ins Gewicht fallen. Der eigentliche Inhalt der verbalen Botschaft jedoch, den die meisten für das Ausschlaggebende der Kommunikation halten, geht mit einer Gewichtung von 7 % regelrecht unter (Gerstein/Schubert 1998:109). Auch Molcho ist der Meinung, dass ein Blick oder eine Wendung des Kopfes oft mehr aussagen als 1000 Worte es vermögen. Etwas philosophisch beschreibt er den Körper als den „Handschuh der Seele“ und seine Sprache als „das Wort des Herzens“ (Molcho 1983: 9, 21). Talleyrands stellte einst fest: „Dem Menschen wurde die Sprache gegeben, damit er seine Gedanken verbergen kann“ (Bonnafont 1977: 7). Und es ist wahr, dass die Verständigung durch Worte oft künstlich und distanziert erscheint und erst durch die Untermalung von Gestik und Mimik einen wahren Sinngehalt bekommt, denn die spontanen Reaktionen unserer Körper haben wir nie so sehr unter Kontrolle wie unsere Worte.

2. Bewusste und unbewusste Körpersprache

Nun war bis jetzt vor allem von unbewusster Körpersprache die Rede. Was geschieht aber, wenn wir uns die Körpersprache bewusst machen? Hier müssen wir zunächst unterscheiden, da Körpersprache zu einem Teil angeboren, und zum anderen Teil kulturell bedingt und erlernt ist (Asher 1999: 76). Eine genaue Differenzierung ist allerdings schwierig, da die Übergänge fließend sind. Das angeborene Verhalten tritt interkulturell, auf der ganzen Welt auf und ist auch in der Tierwelt vorhanden. Hierzu gehören vor allem physiologische Reaktionen auf bestimmte Gefühle wie z.B. Schweißausbruch und nervöses Zittern, die durch einen Zustand der Angst hervorgerufen werden. Diese Signale werden unbewusst entsendet und können nicht beeinflusst werden. Bei der kulturell bedingten Körpersprache muss wiederum zwischen bewusst und unbewusst unterschieden werden. Hier ist die Unterscheidung extrem schwierig, da man sich im Grunde genommen jede unbewusste Art der kulturell vermittelten Körpersprache ins Bewusstsein rufen kann. Unbewusste körpersprachliche Signale, wie zum Beispiel die Mimik beim Empfinden von Ekel (Hochziehen der Oberlippe, Nase zieht sich zusammen, Wangenmuskeln spannen sich nach hinten, Augenbrauen senke sich), können, wenn auch nur mit sehr viel Übung, unterdrückt oder modifiziert werden (vgl. Asher 1999: 15). So kann die Wirkung auf den Gesprächspartner in gewisser Weise beeinflusst werden. Außerdem können zusätzliche Gesten und Ausdrucksweisen der Mimik eingesetzt werden, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen. Das Problem bei der nonverbalen Kommunikation ist jedoch, dass die gesendeten Signale nicht immer mit dem übereinstimmen, was der Empfänger aus ihnen liest.

3. Körpersprache lesen

Wenn es um das Lesen der Körpersprache geht, sind die Wissenschaftler getrennter Meinung. Meist wird auf die Komplexität der Körpersprache hingewiesen, dass jedes einzelne Merkmal, durch richtiges Anordnen, wie ein Puzzle zusammengesetzt werden muss. Einzelmerkmale dürfen nicht isoliert betrachtet werden, da immer noch andere Aspekte bei der Kommunikation in Betracht gezogen werden müssen. So zum Beispiel die Ausdrucksunterschiede zwischen Männern und Frauen und auch zwischen verschiedenen Nationalitäten, der Bezug zum Gesagten, die Rollenverteilung u.v.m. (Ibelgaufts 1997: 8,9). Außerdem muss beachtet werden, dass manche Signale auch gar keine tiefere Bedeutung haben, wenn jemand sich beispielsweise an der Nase kratzt, weil es ihn juckt und nicht weil er nervös ist. Die Vertreter dieser Auffassung betonen, dass es „kein lexikalisches Standardwerk und damit keine zuverlässige Instruktionshilfe für das Erlernen und vor allem den situationsgerechten Einsatz der Körpersprache“ gibt (Ibelgaufts 1997: 17).

Dann gibt es aber auch noch die andere Darstellung, meist durch Populärwissenschaftler, die eben genau solche „Gebrauchsanweisungen für Menschen“, mit denen sie Allgemeingültigkeit beanspruchen wollen, veröffentlichen (Ibelgaufts 1997: 7). Diese Werke nehmen oft starke Vereinfachungen vor. Hierzu einige Beispiele von Mark Asher: Wenn wir beim Lügen die Hand vor den Mund legen, uns die Augen reiben oder uns am Hals kratzen, so tun wir dies, weil wir soviel Gesicht wie möglich verbergen wollen (Asher 1999: 19). Wenn bei einer Unterhaltung ein Fuß des Gegenübers auf die Tür zeigt, so bedeutet das, dass er am liebsten den Raum verlassen würde (Asher 1999: 24). Er sagt sogar, man könne Männern eindeutig ansehen, wenn sie sich von Frauen angezogen fühlen. Sie zeigen in solch einer Situation mit einem Fuß auf das Objekt der Begierde, haben eine offene Beinstellung und die Hände in den Hüften aufgestützt, um den Blick auf die Leistengegend zu lenken (Asher 1999: 23). Außerdem gibt es ganze Listen von Symptomen, nach Kategorien eingeteilt, mit Hilfe derer man seine Menschenkenntnis für die Alltagspraxis verbessern soll. Das Hauptproblem dieser „Gebrauchsanweisungen“ ist, dass jede Kultur und jede Subkultur einen eigenen Kommunikationscode hat. So dass die Kommunikation zweier Personen aus verschiedenen Subkulturen fast zwangsläufig Missverständnisse mit sich bringt und Generalisierungen jede Gültigkeit verlieren, sofern sie diese jemals besessen haben (vgl. Molcho 1983: 10).

[...]


[1] Unter „nonverbale Kommunikation“ wird von einigen Wissenschaftlern auch Stimmlage und Sprechweise gefasst (siehe z.B. Gerstein/Schubert 1998: 109), diese Aspekte, sowie den Aspekt der Kleidung, möchte ich für meine Arbeit ausser Betracht ziehen, da sie meines Erachtens nicht das Verhalten bestimmen.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Verhaltenstraining: Körpersprache als erlernbarer Code
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V29400
ISBN (eBook)
9783638309127
ISBN (Buch)
9783640271740
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
überarbeitet im Februar 2009
Schlagworte
Körpersprache, Samy Molcho, Vorstellungsgespräch, nonverbale Kommunikation, Europäische Ethnologie, Volkskunde
Arbeit zitieren
Lotte von Lignau (Autor), 2003, Verhaltenstraining: Körpersprache als erlernbarer Code, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29400

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