Die Ereignisse um die Präsidentschaftswahl 2004 rückten die Ukraine wochenlang in den Fokus der internationalen Medien. Die Präsidentschaftswahlen wurden als Richtungswahlen aufgefasst, in denen sich die zukünftige Orientierung der Ukraine zeigen sollte. Die Unzufriedenheit und Frustration der Bevölkerung unter Leonid Kutschma gipfelte in der Stichwahl vom 21. November 2004 und den damit verbundenen Wahlfälschungen. Die Geschehnisse spielten sich vor allem in Kiew, aber auch in anderen Städten in der Ukraine ab und führten zu einer Bewegung die, verbunden mit der Farbe Juschtschenkos, bekannt wurde als Orange Revolution. Die Demonstranten forderten Reformen gegen die Korruption und eine Demokratisierung in der Ukraine. Sie unterstützten Juschtschenko, der als Volkspräsident mit einer westlichen Ausrichtung angesehen wurde. Getragen wurde die Orange Revolution vor allem von Intellektuellen, Studenten, Arbeitern, der Landbevölkerung, wie auch einem Teil der politischen Elite. Die Orange Revolution zeichnet sich aus durch einen hohen Organisationsgrad, ihren humanitären Charakter und ihre Gewaltlosigkeit.
In der nachfolgenden Arbeit soll die Leitfrage, ob die Orange Revolution eine politische Revolution war, ergründet werden. Dazu werden zuerst die Definition der politischen Revolution, wie auch die wichtigsten Theorien zu politischen Revolutionen genauer beleuchtet. Ein Schwerpunkt liegt im zweiten Teil auf den Überlegungen von Henry E. Hale zu Farbrevolutionen. Dies soll zum besseren Verständnis der Orangen Revolution beitragen. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Anatomie der Orangen Revolution und beschreibt ihre Ursachen, den Verlauf und ihre Folgen. Im Schlusswort wird die Leitfrage beantwortet und ein kurzer Ausblick auf weiterführende Betrachtungen zum tieferen Verständnis der Orangen Revolution geboten.
Inhaltsverzeichnis
1. Die politische Revolution
1.1. Definition
1.2. Revolutionstheorien
1.2.1. Der Verlauf einer Revolution
1.2.2. Die Ursachen für eine Revolution
1.2.3. Die Theorien zur Erklärung der Revolution durch Unzufriedenheit
1.2.4. Das Konzept der Ressourcenmobilisierung
1.2.5. Die Ressourcenorientierte Theorie grosser Revolutionen
2. Betrachtung der Farbrevolutionen nach Henry E. Hale
2.1. „Patronal presidentialism“
2.2. Die Ursache für die Farbenrevolutionen
2.2. Auswirkungen auf die Staaten in Eurasien
3. Die Orange Revolution in der Ukraine
3.1. Die Ära von Präsident Kutschma
3.2. Die Präsidentschaftswahl 2004
3.2.1. Die Kandidaten
3.2.3. Der Wahlkampf
3.2.4. Erster Wahlgang und die Stichwahl am 21. November 2004
3.2.5. Der Protest der Bevölkerung
3.2.6. Die Wiederholungswahl am 26. Dezember 2004
3.3. Auswirkungen der Orangen Revolution
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob es sich bei der „Orangen Revolution“ im Jahr 2004 in der Ukraine tatsächlich um eine politische Revolution handelt, indem sie das Ereignis mit klassischen Revolutionstheorien sowie Henry E. Hales Konzept der Farbrevolutionen vergleicht.
- Theoretische Grundlagen und Definitionen politischer Revolutionen
- Henry E. Hales Konzept des „Patronal presidentialism“
- Die politische Anatomie der Ära unter Leonid Kutschma
- Analyse des Verlaufs, der Ursachen und der Folgen der Orangen Revolution
- Vergleich der theoretischen Rahmenmodelle mit der realen Entwicklung in der Ukraine
Auszug aus dem Buch
3.2.5. Der Protest der Bevölkerung
Juschtschenko bezeichnete die Wahlen am 21.November als Staatsstreich und rief die Bürger der Ukraine dazu auf in einer friedlichen Demonstration ihre wirkliche Wahlentscheidung zu verteidigen. Ab dem 22. November kam es zu Demonstrationen und bis zum 27. November waren bereits 1.5 Millionen Menschen auf den Strassen. Sie demonstrierten gegen die Wahlmanipulation und für Selbstbestimmung und Demokratie.
Die Initiative der Massenproteste kam von verschiedenen Gruppierungen. Darunter waren, unter anderen, die Gruppierung „Unsere Ukraine“ unter Viktor Juschtschenko, die Bewegung „Ukraine ohne Kutschma“ aus dem Jahre 2000 und die Bewegung Pora (es ist Zeit). Einige Organisationen konzentrierten sich auf die Wahlbeobachtungen, andere hatten es sich zum Ziel gemacht, der Bevölkerung Informationen auf verschiedenen Wegen, zum Beispiel via Internet, zukommen zu lassen.
Es war vor allem der junge Teil der Bevölkerung und Studenten, welche sich an den Protesten beteiligten und einen Dialog suchten. Die Proteste fanden hauptsächlich in Kiew statt. Jugendliche waren am schnellsten zu mobilisieren, am schnellsten bereit zu handeln und hatten auch wenig Angst vor der Strafjustiz (Vergl. Ebd. 248-250). Das Vorgehen der Demonstranten war gezeichnet von einem sehr hohen Grad an Organisation und Gewaltlosigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die politische Revolution: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Revolution und erläutert verschiedene wissenschaftliche Theorien zu Verlauf und Ursachen revolutionärer Prozesse.
2. Betrachtung der Farbrevolutionen nach Henry E. Hale: Es wird das Konzept des „Patronal presidentialism“ vorgestellt und diskutiert, inwieweit Farbrevolutionen als eigenständiges Phänomen oder Kontinuum zu verstehen sind.
3. Die Orange Revolution in der Ukraine: Dieses Kernkapitel analysiert detailliert die Ära Kutschma, den umstrittenen Wahlprozess 2004, die anschließenden Massenproteste sowie die Konsequenzen und das Scheitern der erhofften schnellen Reformen.
4. Schlusswort: Das Fazit beantwortet die Leitfrage und kommt zu dem Ergebnis, dass die Orange Revolution aufgrund fehlender grundlegender struktureller Umwälzungen im politischen System nicht als klassische politische Revolution zu klassifizieren ist.
Schlüsselwörter
Orange Revolution, Ukraine, Leonid Kutschma, Viktor Juschtschenko, Viktor Janukowytsch, Farbrevolutionen, Patronal presidentialism, Wahlfälschung, Demokratisierung, Transformation, Massenmobilisierung, politische Krise, postkommunistische Staaten, Regimewechsel, Zivilgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ereignisse der Orangen Revolution in der Ukraine im Jahr 2004 und prüft kritisch, ob diese den theoretischen Kriterien einer politischen Revolution entsprechen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind Revolutionstheorien, die spezifischen Dynamiken von Farbrevolutionen in postkommunistischen Staaten sowie die detaillierte Aufarbeitung der ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2004.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob die Ereignisse von 2004 eine politische Revolution darstellen oder eher als ein Fortbestehen bestehender Machtstrukturen („Kontinuum“) zu werten sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse klassischer Revolutionstheorien und vergleicht diese mit dem empirischen Verlauf der Orangen Revolution unter Heranziehung von Politikwissenschaftlern wie Henry E. Hale.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis, die Analyse der Ära Kutschma als Ausgangslage der Unzufriedenheit und die detaillierte Darstellung des Wahlkampfs und der Proteste in Kiew.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind hierbei „Orange Revolution“, „Patronal presidentialism“, „Ukraine“, „Transformationsprozess“ sowie „Regimekritik“.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Zivilgesellschaft während der Revolution?
Die Autorin hebt hervor, dass die Proteste durch einen ungewöhnlich hohen Organisationsgrad und Gewaltlosigkeit geprägt waren, was insbesondere durch studentische Gruppen wie Pora vorangetrieben wurde.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit in Bezug auf das „Ergebnis“ der Revolution?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es sich nicht um eine vollständige politische Revolution handelte, da die politischen Eliten weitgehend ausgetauscht wurden und keine fundamentale Änderung der Machtstruktur stattfand.
- Citation du texte
- Susanne Ilg (Auteur), 2013, Die Orange Revolution. Eine politische Revolution?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294022