Der Begriff des Ubiquitous Computing wurde bereits Anfang der 1990er Jahre geprägt und von Mark Weiser in seinem Beitrag The Computer for the 21st Century beschrieben1. Weiser, damals Wissenschaftler am renommierten Xerox Palo Alto Research Center (heute PARC), in Palo Alto, Kalifornien, propagierte in seinem Artikel den allgegenwärtigen Computer, der unsichtbar und unaufdringlich den Menschen bei seinen Tätigkeiten unterstützt und ihn von lästigen Routineaufgaben weitestgehend befreit. Dabei sieht er die Technik, als pures Mittel zum Zweck, die in den Schatten tritt, um eine Fokussierung auf das Wesentliche an sich, zu ermöglichen – der PC, ein heute weitverbreitetes universelles Werkzeug, sei für diesen Zweck ungeeignet, da dieser aufgrund seiner Komplexität, die Konzentration des Anwenders zu sehr auf sich ziehe. Nach seiner Überzeugung sollte der Computer als Gerät an sich verschwinden, jedoch seine informationsverarbeitende Funktionalität erhalten bleiben und überall verfügbar sein.2 Seine Gedanken und Visionen wurden damals als Schwärmereien, fern der Realität und als technische Utopie belächelt. Seine Vorstellungen von immer kleineren, mobilen und leicht zu bedienenden, fast unsichtbaren Computern, die miteinander kommunizieren, machten ihn mit Recht zum Vater des Ubiquitous Computing.3 Die technologischen Entwicklungen und Fortschritte in der Mikroelektronik und Kommunikationstechnik1, haben heute einen Entwicklungsstand erreicht an dem es möglich geworden ist, kleinste Systeme und Sensoren in Dinge des Alltags zu integrieren und ihnen auf diese Weise zu einem – intelligenten – oder besser smarten Verhalten2 zu verhelfen. Verschiedene Prototypen befinden sich in ersten Testphasen oder sind bereits schon heute erfolgreich implementiert. 1 Weiser, M., The Computer for the 21st Century, Scientific American, September 1991, 265(3), (S. 94-104) alternativ http://www.ubiq.com/hypertext/weiser/SciAmDraft3.html (18-11-2003 22:01) 2 vgl. dazu Mattern, F., Total Vernetzt., Springer Verlag, Berlin, 2003, (S. 3) 3 aus Sauerburger, H. (Hrsg.), Editorial zu HMD 229, Praxis der Wirtschaftsinformatik, dpunkt.verlag, Heidelberg, 2003, (S. 1)
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Ubiquitous Computing
2.1 Vision
2.2 Definition
2.3 Technologien
2.3.1 Moore´s Law
2.3.2 Drahtlose Sensornetze & Smart Dust
2.3.3 Radio Frequency Identification – RFID
2.3.4 Elektronische Tinte & Smartes Papier
2.3.4.1 E-Ink Technologie
2.3.4.2 Gyricon Technologie
3 Betriebswirtschaftlicher Nutzen
3.1 Ubiquitäre Anwendungsbeispiele
3.1.1 Kanban-Bestellsystem
3.1.2 Transportlogistik
3.1.3 Kühlkettenmanagement
3.2 Prozessmodell
4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die technologischen Grundlagen und den betriebswirtschaftlichen Mehrwert von Ubiquitous Computing. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Einbettung intelligenter Sensoren und Kommunikations-Technologien in alltägliche Gegenstände bestehende Geschäftsprozesse optimieren und revolutionieren kann.
- Vision und Definition des Ubiquitous Computing
- Technologische Treiber wie Moore's Law, Sensornetze und RFID
- Elektronische Tinte und smarte Papier-Anwendungen
- Praktische betriebswirtschaftliche Anwendungsbeispiele
- Entwicklung eines Prozessmodells zur Unterstützung durch smarte Dinge
Auszug aus dem Buch
Radio Frequency Identification - RFID
RFID (Radio Frequency Identification) ist eine Methode um kontaktlos Daten lesen und speichern zu können. Das System wurde ursprünglich entwickelt, um die Identifikation von Objekten über maschinenlesbare Barcodes zu ersetzen.
Die Daten werden auf so genannten RFID-Tag (engl. für Etikett) gespeichert, die sich aufgrund ihrer geringen Größe, an nahezu jedem Objekt anbringen lassen. Die Entfernung, über die ein RFID-Tag ausgelesen werden kann, schwankt je nach Ausführung, benutztem Frequenzband, Sendestärke und Umwelteinflüssen zwischen wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern.
In den 1960er Jahren wurden die ersten kommerziellen Vorläufer der RFID Technologie auf den Mark gebracht. Es handelte sich dabei um elektronische Warensicherungssysteme (Electronic Article Surveillance, EAS), um Diebstähle zu unterbinden. Zu dieser Zeit war es nur möglich 1 Bit an Informationen zu übertragen, es konnte also nur das Vorhandensein oder das Fehlen der Markierung geprüft werden. Diese Systeme basierten auf Mikrowellentechnik oder Induktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zum Begriff des Ubiquitous Computing, geprägt durch Mark Weiser, und Aufzeigen der Vision einer unsichtbaren Computertechnologie im Alltag.
2 Ubiquitous Computing: Detaillierte Darstellung der Vision, definitorische Einordnung der Entwicklungsphasen und Vorstellung entscheidender Schlüsseltechnologien wie Sensornetze und elektronisches Papier.
3 Betriebswirtschaftlicher Nutzen: Analyse des Nutzens smarter Technologien in Geschäftsprozessen anhand von konkreten Praxisbeispielen aus der Logistik und Produktion sowie Herleitung eines Prozessmodells.
4 Ausblick: Kritische Reflexion über die zukünftige Koexistenz von virtuellen und physischen Märkten sowie die damit verbundenen Herausforderungen an die Informatik und den Datenschutz.
Schlüsselwörter
Ubiquitous Computing, Pervasive Computing, RFID, Smart Dust, Sensortechnik, Elektronische Tinte, Moore's Law, Supply Chain Management, Prozessmodell, Digitalisierung, Vernetzung, Datenschatten, Mikroelektronik, Automatische Identifikation, Prozessoptimierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die technologischen Entwicklungen im Bereich des Ubiquitous Computing und deren Potenzial zur Transformation betriebswirtschaftlicher Geschäftsprozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Miniaturisierung von Rechnern, drahtlosen Sensornetzen, RFID-Technologie und der Entwicklung von elektronischem Papier.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Informationisierung alltäglicher Gegenstände ("smarte Dinge") genutzt werden kann, um Prozesse effizienter zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine explorative Studienarbeit, die auf Literaturanalyse, der Erläuterung technischer Grundlagen und der Modellierung von Prozessanwendungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine technische Sektion (Moore's Law, RFID, Sensoren) und eine betriebswirtschaftliche Sektion, die Anwendungsbeispiele bei Ford und Sainsbury beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ubiquitous Computing, RFID, Sensornetzwerke und Prozessoptimierung (SCM) maßgeblich geprägt.
Warum ist das "Moore'sche Gesetz" für diese Arbeit relevant?
Es dient als technologische Basis, um die rasante Miniaturisierung und den Preisverfall von Hardware zu erklären, die erst die Basis für ubiquitäre Anwendungen schafft.
Welche Rolle spielt RFID für die Logistik?
RFID ermöglicht eine berührungslose, automatisierte Identifikation und Echtzeitverfolgung von Gütern, was Suchzeiten verkürzt und Bestandsmanagement präzisiert.
- Quote paper
- Dirk Enderl (Author), 2004, Technologien für Ubiquitous Computing und betriebswirtschaftlicher Nutzen ubiquitärer Anwendungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29403