Die Finanzkrise in Kalifornien. Ursachen, Entwicklungen, Folgen und Lösungsstrategien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
20 Seiten, Note: 1.0
Lena Sawilla (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einführung
1.1. Begriffliche Definition und Abgrenzung
1.2. Problemstellung und Ziel
1.3. Gang der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Neoklassischer vs. Keynesianischer Sicht
2.2. Austeritätspolitik

3. Bestandsaufnahme der Verschuldungssituation Kaliforniens
3.1. Kaliforniens Haushaltskrise
3.2. Folgen der Haushaltskrise
3.3. Gefahren der Schuldenmauer

4. Lösungsvorschläge zur Prävention der nächsten Krise

5. Fazit

Literatur:

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: California revenues and expenditures (US$ billions), 2001/02-2011/12

Abbildung 2: Budget Growth Estimation

Abbildung 3: California bonded debt as share of state economy, 2001702-2011/12.

Abbildung 4: California’s Skyscraper of Debt.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Chronologie der Haushaltskrise

Tabelle 2: California revenues by category ($US billions, historical), 2011/12 and 2012/13

1. Einführung

1.1. Begriffliche Definition und Abgrenzung

Bevor Problemstellung, Ziel und Aufbau dieser Arbeit näher vorgestellt werden, sind einige Begrifflichkeiten zu klären und abzugrenzen:

a) Staatsverschuldung

Eine Definition der Staatsverschuldung ist deswegen schwierig, weil sich zunächst die Begriffe „Staat“ und „Verschuldung“ unterschiedlich definieren und abgrenzen lassen (s. Kampmann 1995, 5, 73, 75 und Sturm 1993, 9). Die Definitionen der einzelnen Begriffe detailliert erläutern, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. In vorliegender Arbeit wird Staatsverschuldung als „öffentliche Mittelbeschaffung auf dem Kreditwege“ definiert und gilt genauso wie Steuerabgaben als „ein Instrument der staatlichen Einnahmeerzielung“ und dient dem Staat zur Finanzierung des Haushaltsdefizits (Kampmann 1995, 5).

b) Haushaltsdefizit

Die Haushaltslücke entspricht der Finanzierungslücke, die dadurch entsteht, dass Staatsausgaben höher ausfallen als Staatseinnahmen (Kanzelmann 2012, 1). In der Regel muss sowohl in der Theorie als auch in der Praxis die Haushaltslücke durch Sparmaßnahmen und/ oder durch Steuererhöhungen oder auch durch Kreditfinanzierung (deficit spending) ausgeglichen werden. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe Haushaltsloch oder Haushaltslücke als Synonym zum Begriff Haushaltsdefizit verwendet.

1.2. Problemstellung und Ziel

Auch nach dem offiziellen Ende der globalen Wirtschaftskrise mussten viele US-Bundesstaaten unter dessen Folgen leiden. Allerdings hat Goldener Staat Kalifornien die Folgen der Wirtschaftskrise am stärksten zu spüren bekommen. Wegen sinkenden Steuereinahmen stand Kalifornien vor einem milliardenschweren Haushaltsdefizit, mit dem das Land fünf Jahre mit Hilfe von drastischen Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen zu kämpfen hatte. Politiker, Medien und Ökonomen haben im Zeitraum zwischen 2009 und 2013 die düstersten Schreckensszenarien über Kaliforniens Staatsbankrott ausgemalt. Jedoch ist Kalifornien durch einen leichten Überschuss wieder einmal ein Comeback gelungen. Damit geht Kaliforniens Defizitkrise offiziell zu Ende.

Es wird jedoch bezweifelt, dass Kalifornien seine Haushaltskrise auf tragfähige Art und Weise überwunden hat. Diese Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, wie stabil Kaliforniens Staatshaushalt nach der Krise wirklich ist, wie realistisch Gouverneur Jerry Browns Lösungsstrategien zur Prävention der nächsten Krise und zur Reduzierung der Staatsverschuldung sind und ob andere alternative Lösungsvorschläge in Betracht zu ziehen sind.

1.3. Gang der Arbeit

Wie bereits erwähnt, hat ein Staat meistens Wahl zwischen Sparen und Verschulden, um seine Haushaltslücke zu stopfen. Diese beiden Handlungsmöglichkeiten des Staates werden stark von zwei theoretischen Ansätzen beeinflusst, die völlig gegensätzliche Sichtweisen vertreten: Keynesianismus und Neoklassik. Diese beiden Ansätze werden unter Abschnitt 2.1 näher erläutert. Kalifornien hat sich für den ersteren Weg entschieden (Austerität), um seine Defizitprobleme zu überwinden. Abschnitt 2.2. setzt sich mit der Frage auseinander, was ursprüngliches Ziel der berüchtigten Sparpolitik „Austerität“ war und welchen Wandel diese Politik in Laufe der Jahrzehnte vollzogen hat.

Das dritte Kapitel soll einen groben Überblick über Ursachen, Entwicklungen und Folgen der Haushaltskrise sowie Transparenz (soweit es möglich ist) über die tatsächliche Schuldenlast Kaliforniens verschaffen.

Das vierte Kapitel setzt sich mit Lösungsvorschlägen auseinander, die Kaliforniens Verschuldungsprobleme meistern und die nächste Krise abwenden sollen. Ziel dieses Kapitels ist nicht alle möglichen Lösungsvorschläge aufzuzählen, was sicherlich Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Es geht vielmehr darum, sich mit der Umsetzbarkeit Jerry Browns Lösungsstrategien auseinanderzusetzen und einen alternativen Lösungsvorschlag von einflussreichen Ökonomen vorzustellen, der den US Bundesstaat schnell und einfach aus der Klemme helfen soll. Im abschließenden fünften Kapitel werden die einzelnen Puzzleteile zusammengefügt und das Endergebnis präsentiert.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Neoklassischer vs. Keynesianischer Sicht

Als „Grundüberzeugung“ der Neoklassiker gilt die „Annahme, dass die Verfolgung von Individualinteressen in einem System sich selbst überlassener Märkte dann zu einem Optimum führt, wenn vollständige Konkurrenz gegeben ist“ (Hof 2007, 50). Damit werfen Neoklassiker die keynesianische Sichtweise über Bord, die dem Staat eine stabilisierende und konjunkturpolitische Rolle zuschreibt. Neoklassiker gehen von perfekt funktionierenden und ausgeglichenen Märkten mit Selbstheilungskräften aus, solange der Staat auf diesem Markt für ein Chaos sorgt (Stiglitz et al 2006, 44). Während Keynesianer sich zum deficit spending (Kreditfinanzierung) bekennen, betrachten Neoklassiker Kreditfinanzierung als ungerechtes Instrument, was zur ungleichgewichtigen, intergenerativen Lastverteilungen durch künftige Steuerbelastung und zum Wachstumsverlust durch Verdrängung von privaten Investitionen führt (Ziffzer 1980, 18f).

Die Theorie der intergenerativen Lastverteilung besagt, dass deficit spending zwar zur Entlastung jetziger Generationen führt, aber eine erhöhten Steuerbelastung (zur Tilgung von Altschulden) für künftige Generationen bedeutet (s. Klomfass 2002, 27). Die künftigen Generationen werden umso mehr belastet, je höher der Schuldenstand und der Zinssatz auf die staatlichen Schuldentitel sind, wobei diese beiden Größen im positiven Verhältnis zueinander stehen (Sachverständigenrat 2007, 44).

Der Wachstumsverlusteffekt des deficit spendings basiert auf den Annahmen, dass die staatliche Kreditfinanzierung private Kreditnachfragen und damit private Investitionen verdrängt, was sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirkt (Klomfass 2002, 26ff, Sachverständigenrat 2007, 37). Zur Gewährleistung von Generationsgerechtigkeit und Vermeidung von Wachstumsverlusten setzt die neoklassische Wachstumstheorie voraus, dass sowohl Schuldenstand als auch Wirtschaftswachstum in gleicher Rate steigen (Jagau 1992, 42).

Im Gegensatz zu den Neoklassikern gehen die Anhänger der Keynesianismus von einem Ungleichgewicht des Marktes bzw. von einer Unterbeschäftigung aus, was auf mangelnde Nachfrage zurückgeführt wird (Hof 2007, 50f). Sie rechtfertigen die „kreditfinanzierte Mehrausgaben“, die von konjunkturbedingter und kurzfristiger Art sind, weil diese sich positiv auf Einkommen und Beschäftigung auswirken und damit in der Rezession zur Überwindung des „Nachfragmangels“ verhelfen (Scherf 1996, 4). Keynesianer verfolgen das Ziel während der Rezession, durch kreditfinanzierte Mehrausgaben, Steuersenkung, niedrige Zinsen und Investitionssteigerung ein langfristiges Wirtschaftswachstum zu sichern (Stiglitz et al. 2006, 20). Kurzfristig ist deficit spending ein effektives Instrument, das am schnellsten zu den erwünschten Ergebnissen führt. langfristig werden die erzielten Effekte nachlassen. Deswegen halten es die Anhänger des Keynesianismus durchaus für sinnvoll, in einer Hochkonjunkturphase die keynesianische Austeritätspolitik (Konzelmann 2012, 14) vorzuziehen, indem Schulden getilgt, kreditfinanzierte Investitionen und Ausgaben umgangen oder durch Steuerfinanzierung ersetzt werden (Kampmann 1995, 16). Berechtigt ist Kampmanns Anmerkung, dass in der Praxis die Erhöhung der Staatsausgaben wesentlich einfacher ist als deren Reduzierung, sodass expansive Fiskalpolitik in der Rezession immer erfolgreich umgesetzt wird. In der Boomphase scheitert es aber aus vor allem politischen Gründen an der „Rückführung von Defiziten“ mit Hilfe der Austeritätspolitik. (Kampmann 2995, 36, 46ff, s. auch Hoff 2007. 51f). Diese Tatsache erhöht die Gefahr, dass aus der anfänglichen konjunkturellen Haushaltslücke schnell strukturelle Haushaltsdefizite entstehen (Kampmann 1995, 36).

2.2. Austeritätspolitik

Seit Beginn der globalen Wirtschaftskrise ist die Austerität in Wirtschaft, Politik und Medien ein heiß diskutiertes und sehr umstrittenes Thema. Ursprünglich (in den 1939er Jahren) war Austerität (keynesianische Austerität) als Instrument zum Schutz der Gesamtwirtschatz vor Überhitzung und vor der Inflationsentfachung während der Hochkonjunktur vorgesehen (Konzelmann 2012, 1 und 14). Damit wurde dieser Sparpolitk eine stabilisierende Funktion in der Boomphase des Konjunkturzyklus zugeschrieben. Im Laufe der Jahrzehnte hat die Austerität einen Wandel in seiner Funktion erlebt (Konzelmann 2012, 1). Wenn in den 1930er Jahren das Ziel der Austerität die makroökonomische Stabilisation war, ist heute jene Politik selbst zum Ziel geworden (Konzelmann 2012, 1). Grund für diesen Wandel ist das Ziel der politischen Verantwortlichen das Vertrauen der Finanzmarktteilnehmer während einer Tiefkonjunkturphase wieder zurückzugewinnen, indem diese durch Sparpolitik ein Signal setzen, dass sie ernsthaft ihren Haushalt ausgleichen und Ihre Schulden tilgen wollen (Konzelmann 2012, 1). Die Reduzierung des Haushaltsdefizits durch sinkenden Staatsausgaben und/ oder steigenden Steuereinnahmen sind zur neuen Funktion jener Sparpolitik geworden (Konzelmann 2012, 2).

Austerität ist nicht anti-keynesianisch, wie es meistens behauptet wird. Keynesianer argumentieren nur gegen den Einsatz der Austeritätspolitik in der Rezession. Der Einsatz der harten Sparpolitik während der Tiefkonjunktur würde die ohnehin kritische Situation noch weiter verschärfen, da sinkende Staatsausgaben und/ oder steigende Steuerbelastung zur Konsum- und Investitionssenkung führt, da Privatpersonen und Unternehmen in unsicheren Zeiten lieber sparen als Geld auszugeben. Des Weiteren verursacht die Konsum- und Investitionsreduzierung wiederum den Rückgang von Staatseinnahmen und des Wirtschaftswachstums.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Finanzkrise in Kalifornien. Ursachen, Entwicklungen, Folgen und Lösungsstrategien
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Zittau
Note
1.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V294121
ISBN (eBook)
9783656917694
ISBN (Buch)
9783656917700
Dateigröße
999 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
finanzkrise, kalifornien, ursachen, entwicklungen, folgen, lösungsstrategien
Arbeit zitieren
Lena Sawilla (Autor), 2015, Die Finanzkrise in Kalifornien. Ursachen, Entwicklungen, Folgen und Lösungsstrategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294121

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