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Roman Ingardens Beitrag zur Erzähltheorie in "Das literarische Kunstwerk"

Titel: Roman Ingardens Beitrag zur Erzähltheorie in "Das literarische Kunstwerk"

Seminararbeit , 2014 , 22 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Verena Thelen (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Roman Ingarden befasst sich 1931 in seiner Arbeit „Das literarische Kunstwerk“ hauptsächlich mit der Frage, was das Wesen des literarischen Werks ausmacht. Dabei baut er im Laufe seiner Untersuchung ein Modell auf, das sich aus vier verschiedenen heterogenen Schichten zusammensetzt, die für ein literarisches Werk ausschlaggebend sind:
1. die Schicht der Wortlaute; 2. die Schicht der Bedeutungseinheiten; 3. die Schicht der schematisierten Ansichten und der Ansichtskontinuen und -reihen und endlich 4. die Schicht der dargestellten Gegenständlichkeiten.
Diese Schichten untersucht Ingarden im Detail und leistet insofern einen wesentlichen Beitrag zur Frage nach der Ontologie eines literarischen Kunstwerks. Für die vorliegende Arbeit sollen vornehmlichdie Schicht der schematisierten Ansichten und vor allem die Schicht der dargestellten Gegenständlichkeiten im Mittelpunkt stehen. Dies liegt darin begründet, dass sich hierin wesentliche erzähltheoretische Gedankengänge wiederfinden. Befasst man sich mit der Erzähltheorie, so stehen vor allem die Leistungen der Literaturwissenschaftler Franz Karl Stanzel und Gérard Genette im Mittelpunkt. So prägte Stanzel in „Die typischen Erzählsituationen im Roman“ (1955) und später in der „Theorie des Erzählens“ (1979)wesentliche Begriffe wie auktoriale, personale und Ich-Erzählsituation. Genette konnte vor allem durch seine weiterführenden Gedanken im Bereich der Erzählperspektive fußfassen und führte den Begriff der Fokalisierung 1972 bereits im Französischen und 1994 in der deutschen Fassung „Die Erzählung“ ein.
Nun stellt sich die Frage, inwiefern Ingarden bereits 1931, mehr als zwanzig Jahre früher, wichtige Grundgedanken für die Erzähltheorie äußerte. Einen vielfach zitierten und kritisierten Ansatz stellt dabei seine Theorie der Unbestimmtheitsstellen dar. In zwei weiteren Bereichen äußerte er ebenfalls wichtige Ideen: Zum einen bezüglich der Orientierung im Raum, die vergleichbar mit der Erzählperspektive bzw. Fokalisierung ist, und zum anderen hinsichtlich der Zeitperspektiven. Ziel dieser Arbeit soll es folglich sein, aufzuzeigen, inwiefern Ingarden in diesen drei Bereichen einen Beitrag für die Erzähltheorie leisten konnte und ob er möglicherweise als eine Art Vorreiter der Erzähltheorie angesehen werden kann. Dazu wird zunächst beschrieben, wie Ingarden sich zur Orientierung im Raum, den Zeitperspektiven und den Unbestimmtheitsstellen äußert, um dann einen Vergleich mit Stanzel und Genette vorzunehmen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ingardens Ansätze zur Erzähltheorie

2.1. Verschiedene Weisen der räumlichen Orientierung der dargestellten Gegenständlichkeiten (Paragraph 35)

2.2. Die dargestellte Zeit und die Zeitperspektiven (Paragraph 36)

2.3. Die Unbestimmtheitsstellen (Paragraph 38)

3. Ingarden im Vergleich zu Stanzel und Genette

3.1. Stanzel

3.2. Genette

3.3. Ein Vergleich: Ingarden / Stanzel / Genette

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, den Beitrag von Roman Ingarden zur Erzähltheorie zu untersuchen und zu bewerten, indem seine philosophischen Ansätze aus „Das literarische Kunstwerk“ mit den narratologischen Modellen von Franz Karl Stanzel und Gérard Genette in Bezug gesetzt werden.

  • Ontologische Grundlagen des literarischen Kunstwerks nach Ingarden
  • Räumliche Orientierung und das Konzept des Orientierungszentrums
  • Dargestellte Zeit und Zeitperspektiven in literarischen Texten
  • Theorie der Unbestimmtheitsstellen als Bindeglied zwischen Text und Leser
  • Vergleichende Analyse mit den Kategorien von Stanzel und Genette

Auszug aus dem Buch

Die Unbestimmtheitsstellen (Paragraph 38)

“The delight of writing novels is what you can leave out on each page, in each sentence.” So urteilt John Fowles bezüglich der Verfilmung seiner Romane und schneidet damit das Thema der Unbestimmtheitsstellentheorie nach Ingarden an. Da diese, wie bereits erwähnt, das meist zitierte und kritisierte Kapitel seines Werks ausmachen, soll die Thematik im Folgenden in ihren Grundzügen beschrieben werden.

Bereits in Paragraph 34 macht Ingarden Anmerkungen zu den Unbestimmtheitsstellen, wenn er die Differenz zwischen dem Raum als Kategorie der realen Welt und dem Raum als Repräsentation in der Intentionalität des Sprachwerks beschreibt. Ein real existierender Raum lässt sich durch die Unmöglichkeit eines Abbruchs definieren, was wiederum seine Unbegrenztheit darstellt. Betrachtet man nun den dargestellten Raum hinsichtlich dieser Eigenschaft, so tritt ein Problem auf, welches anhand Ingardens Beispiel deutlich wird:

Nehmen wir z.B. an, daß in einem Roman eine Situation zur Darstellung gelangt, die sich in einem bestimmten Zimmer abspielt, und daß mit keinem Worte angedeutet ist, ob es außerhalb des Zimmers noch irgendetwas gibt. Dann kann man freilich nicht sagen, daß es außer dem Raumausschnitt, der durch die Wände des Zimmers begrenzt ist, absolut keinen Raum und somit nur ein völliges Nichts gebe. Aber andererseits wäre es auch falsch zu sagen, daß es einen dieses Zimmer umgebenden Raum gebe, der durch entsprechende Bedeutungseinheiten bestimmt bzw. durch entsprechende Sachverhalte positiv dargestellt wäre.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Roman Ingardens 1931 veröffentlichtes Modell des literarischen Kunstwerks als Vorläufer moderner erzähltheoretischer Konzepte gelten kann.

2. Ingardens Ansätze zur Erzähltheorie: Dieses Kapitel erläutert Ingardens Konzepte zur räumlichen Orientierung, zur dargestellten Zeit sowie seine einflussreiche Theorie der Unbestimmtheitsstellen.

3. Ingarden im Vergleich zu Stanzel und Genette: Hier werden die theoretischen Positionen Ingardens den Modellen von Stanzel und Genette gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und methodische Unterschiede herauszuarbeiten.

4. Fazit: Das Fazit resümiert die Analyse und kommt zu dem Schluss, dass Ingarden trotz seines abstrakten philosophischen Fokus als ein bedeutender Vorreiter der Erzähltheorie betrachtet werden kann.

Schlüsselwörter

Roman Ingarden, Erzähltheorie, Unbestimmtheitsstellen, Franz Karl Stanzel, Gérard Genette, Räumliche Orientierung, Zeitperspektiven, Ontologie, Literarisches Kunstwerk, Fokalisierung, Erzählsituation, Rezeption, Leseraktivität, Narratologie, Schematisierte Ansichten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwiefern die philosophischen Überlegungen Roman Ingardens zur Struktur literarischer Werke als Grundbausteine für spätere, etablierte erzähltheoretische Konzepte fungieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die drei Hauptbereiche räumliche Orientierung, Zeitdarstellung und die Theorie der Unbestimmtheitsstellen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Beitrag Ingardens zu würdigen und durch einen Vergleich mit Stanzel und Genette einzuordnen, um zu prüfen, ob Ingarden als Vorreiter der Erzähltheorie gelten kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der die theoretischen Postulate Ingardens den analytischen Systemen von Stanzel und Genette gegenübergestellt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Ingardens Theorie sowie deren anschließenden Abgleich mit den narratologischen Kategorien von Stanzel und Genette.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Erzähltheorie, Unbestimmtheitsstellen, Ontologie, Orientierungszentrum und Narratologie charakterisiert.

Was versteht Ingarden unter Unbestimmtheitsstellen?

Ingarden beschreibt damit Lücken in der Darstellung eines literarischen Werks, die den Leser dazu anregen, das Werk durch eigene Vorstellungskraft aktiv zu ergänzen.

Warum wird Ingarden als Vorreiter der Erzähltheorie bezeichnet?

Obwohl er aus einer rein philosophisch-ontologischen Perspektive argumentierte, formulierte er bereits Jahrzehnte vor den großen Erzähltheoretikern Ansätze, die moderne Konzepte der Raum- und Zeitgestaltung sowie der Leserpartizipation vorwegnahmen.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Roman Ingardens Beitrag zur Erzähltheorie in "Das literarische Kunstwerk"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Deutsches Institut)
Veranstaltung
Lektüreübung zur ästhetischen Theorie: Roman Ingarden
Note
1,3
Autor
Verena Thelen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V294131
ISBN (eBook)
9783656918110
ISBN (Buch)
9783656918127
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Roman Ingarden Erzähltheorie Das literarische Kunstwerk
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Verena Thelen (Autor:in), 2014, Roman Ingardens Beitrag zur Erzähltheorie in "Das literarische Kunstwerk", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294131
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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