In Hausarbeit wird am Beispiel des „Königsmechanismus“ (von Norbert Eli-as) gezeigt, wie kollektive soziale Phänomene mit einem Prozesskonzept von Carsten Kaven (welches in Großteilen auf das Prozesskonzept von Norbert Elias zurückgeht) erklärt werden können: es werden kollektive soziale Phänomene und soziale Prozesse definiert, Königsmechanismus kurz erläutert, beides aufeinander angewandt und mit Beispielen plausibel gemacht.
Es fallen immer wieder soziologisch prozesstheoretisch relevante Vokabeln, die bei einer Einarbeitung in die Materie immer wieder auftauchen und unabdingbar werden.
Achtung: Es sind inhaltlich und auch vom Platz her sehr volle 5 Seiten!
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
3. Soziale Prozesse und das Mehrebenenmodell
4. Der Königsmechanismus als Anwendungsbeispiel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern kollektive soziale Phänomene durch ein prozesskonzeptuelles Modell, basierend auf den Theorien von Norbert Elias und Carsten Kaven, erklärt werden können. Der Fokus liegt dabei auf der theoretischen Durchdringung der Mechanismen und deren Anwendung auf aktuelle gesellschaftliche Strukturen.
- Definition und Abgrenzung von kollektiven sozialen Phänomenen und sozialen Prozessen
- Analyse der Interdependenz von Sozialstruktur und Akteur mittels Mehrebenenmodellen
- Erforschung der Wirkungsweise von Triebkräften und Systemlogiken in sozialen Systemen
- Anwendung des "Königsmechanismus" auf moderne politische Machtverhältnisse in der BRD
Auszug aus dem Buch
Der Königsmechanismus als Beispiel für kollektive soziale Phänomene
Der Königsmechanismus ist ein Mechanismus zur Monopolbildung und zum Erhalt von (zentraler) Macht (Elias 2010: 286-299). Er beschreibt wie der Inhaber der Macht oder die „Zentralfigur/-funktion“ (Elias 1977: 288,293) mit, zum Großteil aus Interessendifferenzen resultierenden Spannungen zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen (und dann möglichst den einflussreichsten und mächtigsten Gruppen, wenn solche vorhanden sind) und auch solchen Interessendifferenzen umgeht und ob er/sie es schafft diese aufrecht zu erhalten (Elias 2010: 298).
Durch größere Spannungen in der Bevölkerung sind auch die Entscheidungsspielräume der Zentralfunktion größer, sinken die Spannungen, dann kommt es zum Absetzen der Zentralfigur, im Extremfall zur Revolution oder zum (Bürger-)Krieg (ebd.: 300). Der Machthaber, oder eben der „König“ wird ab dem beschriebenen Punkt der Ausdifferenzierung der Gesellschaft wichtig. Dies passt auch in die Prozessbeschreibung von Elias, der zufolge soziale Prozesse durch (funktionale) Differenzierung angeregt werden und solche auch selbst als Prozess zu begreifen ist (Elias 1977: 140-143).
Mit dem Wachsen der Abhängigkeiten der einzelnen gesellschaftlichen Teilsysteme untereinander und zugleich (in ihnen) divergierenden Interessen, benötigt die Gesellschaft ein entsprechendes Leitorgan um als ein Akteur (z.B. außenpolitisch in einer internationalen Verhandlung) handeln zu können (Elias 2010: 288-293). An dieser Stelle wird die Machtmonopolbildung um die Zentralfigur herum möglich (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der sozialen Eigendynamiken und Vorstellung des Ziels, soziale Phänomene mittels Prozesskonzepten zu erklären.
2. Begriffsdefinitionen: Theoretische Klärung und Abgrenzung der zentralen Konzepte "kollektives soziales Phänomen" und "sozialer Prozess" unter Einbeziehung soziologischer Fachliteratur.
3. Soziale Prozesse und das Mehrebenenmodell: Untersuchung der handlungstheoretischen Modellierung von Prozessen und der Einfluss von Triebkräften auf den gesellschaftlichen Wandel.
4. Der Königsmechanismus als Anwendungsbeispiel: Anwendung des theoretischen Rahmens auf die politische Machtstruktur in der Bundesrepublik Deutschland am Beispiel der Kanzlerschaft.
Schlüsselwörter
Königsmechanismus, Norbert Elias, Prozesssoziologie, soziale Phänomene, soziale Prozesse, Machtmonopol, Zentralfigur, Mehrebenenmodell, Eigendynamik, Pfadabhängigkeit, Systemlogik, politische Soziologie, Interessenkonflikte, gesellschaftliche Differenzierung, Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich soziale Eigendynamiken und kollektive Phänomene durch ein prozessorientiertes Verständnis nach Norbert Elias und Carsten Kaven erklären lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Theoriebildung zu sozialen Prozessen, die Analyse von Machtmechanismen sowie die Dynamik von Institutionen und Akteuren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den "Königsmechanismus" als theoretisches Instrument zu nutzen, um zu verdeutlichen, wie komplexe soziale Prozesse entstehen und aufrechterhalten werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die soziologische Konzepte auf Fallbeispiele der politischen Realität anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begriffe definiert, das Mehrebenenmodell zur Erklärung von Interdependenzen vorgestellt und der Königsmechanismus auf das politische System der BRD angewandt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind insbesondere Königsmechanismus, Prozesssoziologie, Machtmonopol, Zentralfigur und soziale Eigendynamik.
Wie wird die Rolle der Zentralfigur in der modernen Demokratie bewertet?
Die Zentralfigur (z.B. die Bundeskanzlerin) fungiert als Leitorgan, das Macht ausübt, indem es divergierende Gruppeninteressen balanciert, jedoch von der kontinuierlichen Zustimmung der Wähler abhängig bleibt.
Warum ist das Konzept der "illusio" für die Analyse wichtig?
Die "illusio" beschreibt die Erwartungshaltung der Wähler, die als treibende Kraft (driving force) für das Handeln der Zentralfigur dient, um deren Machtposition zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Max Korbmacher (Autor:in), 2015, Wie kann ein Prozesskonzept kollektive soziale Phänomene erklären? Der Königsmechanismus von Norbert Elias aus prozesskonzeptueller Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294148