Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Definition, Risikofaktoren und Symptomatik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
20 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definition und Klassifikation depressiver Störungen
2.1 Begrifflichkeit der Depression
2.2 Klassifikation depressiver Störungen
2.2.1 Klassifikation nach ICD-10
2.2.2 Klassifikation nach DSM 5
2.2.3 Unterschiede in der Klassifikation zwischen ICD-10 und DSM-5

3 Diagnostik

4 Symptomatik

5 Epidemiologie und Verlauf
5.1 Epidemiologie
5.2 Verlauf

6 Risikofaktoren
6.1 Genetik und Biologie
6.2 Pubertäre Entwicklung
6.3 Belastende Ereignisse
6.4 Familienleben
6.5 Arbeitslosigkeit

7 Komorbidität
7.1 Angststörungen
7.2 Verhaltensstörungen
7.3 Substanzmissbrauch

8 Fazit

1 Einleitung

Bis in die späten 1960er Jahre wurden Depressionen bei Kindern und Jugendlichen kaum zur Kenntnis genommen. Man ging davon aus, dass es sich um vorübergehende Erfahrung handelte und bezog auftretende Symptome bei Kindern und Jugendlichen auf den Entwicklungsprozess und maß ihnen so keinerlei klinische Relevanz bei. Durch die Veröffentlichung verschiedener Studien in den 70er Jahren und der Einführung des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) erlangten Depressionen im Kindes- und Jugendalter mehr und mehr Bedeutung. So gelangte man zu der Erkenntnis, dass „Depressionen bei Kindern und Jugendlichen denen im Erwachsenenalter vergleichbar sind [und] entsprechend eine bedeutsame Problematik darstellen und demnach auch behandlungsbedürftig sind“ (Pössel, 2009,S.664).

Die vorliegende Arbeit soll eine Übersicht über die signifikanten Merkmale einer De- pression im Kindes- und Jugendalter darstellen. Nachdem im zweiten Kapitel eine Be- griffsdefinition vorgenommen und die Klassifikation depressiver Störungen sowohl nach dem International Statistical Classifikation of Diseases and Related Health Prob- lems (ICD) als auch dem DSM-5 erläutert wird, sollen im dritten Kapitel einige Diag- noseinstrumente für Depressionen bei Kindern und Jugendlichen erläutert werden. An- schließend werden in Kapitel vier die Symptome einer depressiven Störung vorgestellt. Hierbei wird das Hauptaugenmerk auf die alters- uns geschlechtstypischen Symptome bei Kindern und Jugendlichen gelegt. Kapitel fünf nimmt Bezug auf die Epidemiologie sowie den Verlauf von Depression im Kindes- und Jugendalter. In Kapitel sechs werden die signifikantesten Erlebnisse und Gegebenheiten im Lebensverlauf von Kindern und Jugendlichen beschrieben, die als begünstigend für eine depressive Störung gelten. Das siebte Kapitel beschreibt das spezifische Problem der Komorbidität bei Depressionen. Abschließend wird im Fazit auf die Bedeutung von Depressionen im Kindes- und Ju- gendalter für die Soziale Arbeit eingegangen.

2 Definition und Klassifikation depressiver Störungen

In diesem Kapitel wird zunächst eine Definition des Begriffes Depression und Abstu- fungen in Bezug auf Schwere und Dauer dieser affektiven Störung vorgenommen, bevor anschließend die Klassifikation depressiver Störungen nach dem ICD-10 und dem DSM-5 erläutert wird. Weiterhin werden die signifikant en Unterschiede bei der Klassi- fikation innerhal b der beiden Instrumente am Ende des Kapitels herausgestellt.

2.1 Begrifflichkeit der Depression

Depressionen sind psychische Störungen, die sich durch deutliche gedrückte Stimmung, Antriebsminderung, Aufmerksamkeitsdefizite, dem mangelhaften Vertrauen in die eigene Person sowie Schlaf- und Appetitlosigkeit über einen längeren Zeitraum kennzeichnen lassen. Depressionen können sowohl einmalig als auch wiederkehrend auftreten und unterschiedlich lang andauern (vgl. WHO, 2015, o.S.).

In diesem Zusammenhang bestehen unterschiedliche Begriffsdefinitionen abhängig von Schwere und Dauer der Depression. Das erstmalige Auftreten einer depressiven Ver- stimmtheit über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen nennt man depressive Episode. Wiederholte depressive Episoden werden als rezidivierende depressive Stö- rungen bezeichnet. Diese werden nach leichter, mittelgradiger oder schwerer Form un- terschieden. Depressive Reaktionen und Anpassungsstörungen beschreiben die depres- sive Symptomatik nach belastenden Lebensereignissen (vgl. Sendera/ Sendera, 2011, S.215).

2.2 Klassifikation depressiver Störungen

Die aktuell als signifikant geltenden Klassifikationssysteme zur Diagnose von psychischen Krankheiten und somit auch von Depressionen sind der ICD und das DSM. Im Folgenden wird die Klassifikation von depressiven Störungen innerhalb der beiden Systeme kurz erläutern und die bedeutsamsten Unterschiede aufgezeigt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Diagnose einer Depression im Kindes- und Jugendalter.

2.2.1 Klassifikation nach ICD-10

Die ICD dient der Verschlüsselung von diagnostizieren Krankheiten und differenten Gesundheitsproblemen in der ärztlichen Versorgung. Sie ist weltweit anerkannt und ermöglicht somit die international einheitliche Verständigung über Krankheiten. Die erste ICD wurde 1893 von der World Health Organization (WHO) herausgegeben und wird seitdem in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Gegenwertig gilt die ICD-10 in der Version 2015. In Deutschland sind alle Ärzte und ärztlich geleiteten Einrichtungen verpflichtet Diagnosen nach dem ICD-10-GM zu kodieren (Härter u.a, 2010, S.47ff.).

Die ICD-10 kodiert Krankheiten auf drei Ebenen. Sie verfügt über 22 Kapitel mit je- weils mehreren Kodebereichen. Ein Kapitel gilt dabei als Hauptkategorie, in der ähnli- che Krankheiten thematisch zusammengefasst sind. Eine Spezifizierung erfolgt an- schließend durch die entsprechende Kodierung mithilfe eines vierstelligen, in einigen Fällen eines fünfstelligen, Kodierungsschlüssels. Depressive Störungen werden im in- ternationalen Klassifizierungssystem der ICD- 10 dem Kapitel V Psychische Störungen und Verhaltensstörungen, Affektive Störungen zugeordnet. Unter F30-39 werden De- pressive Episoden sowie rezidivierende depressive Störungen jeweils in leichter, mittel- gradiger und schwerer Ausprägung mit und ohne psychotische Symptome sowie die anhaltenden affektiven Störungen kodiert. Darüber hinaus werden innerhalb der ICD-10 weitere Erkrankungen mit depressiver Symptomatik aufgeführt, die in dieser Arbeit zwar nicht thematisiert werden, aufgrund der Vollständigkeit jedoch ebenfalls in Abb.1 enthalten sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Klassifikation von depressiven Störungen nach ICD- 10 (vgl. Dilling u.a., 2013)

Die ICD-10 nennt folgende Kernsymptome von Depressionen:

1. Gedrückte depressive Stimmung
2. Verlust von Freude, Lust und Interesse an Aktivitäten, welche gewöhnlich als angenehm empfunden wurden
3. Antriebsmangel, weniger Aktivität und eine erhöhte Erschöpfbarkeit

Von diesen drei Merkmalen müssen bei den meisten Depressionsformen mindestens zwei vorliegen, um als depressive Störung diagnostizierbar zu sein. Weiterhin ist die Erfüllung zweier Zeitkriterien ausschlaggebend. Demnach müssen die Symptome beim Betroffenen1 mindestens zwei Wochen fast durchgängig vorhanden sein. Desweitern müssen, abhängig von der Schwere der jeweiligen Depression, zwei oder mehr der in der ICD-10 aufgeführten Zusatzsymptome parallel zu den Hauptsymptomen vorliegen. Die Zusatzsymptome implizieren:

1. Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
2. Unbegründete Schuldgefühle
3. Widerkehrende Suizidgedanken und/ oder Suizidhandlungen
4. Kopfschmerzen
5. Schlafstörungen
6. Veränderter Appetit
7. Verminderte Konzentration- und Aufmerksamkeitsgabe

(vgl. Dilling u.a., 2013, o.S.)

2.2.2 Klassifikation nach DSM 5

Das DSM wurde erstmals 1952 von der American Psychological Association (APA) veröffentlicht und ist das amerikanische Klassifikationssystem von psychiatrischen Erkrankungen. Im Gegensatz zur alle Krankheiten umfassenden ICD-10 intendiert das DSM ausschließlich psychische Störungen. Diese Einschränkung ermöglicht eine erheblich ausführlichere Beschreibung des entsprechenden Krankheitsbildes. So enthält dieses Klassifikationsmodell neben den diagnostischen Merkmalen u.a. auch Ausführungen zu spezifischen Kultur-, Geschlechts- und Altersmerkmalen, Prävalenzen und Verläufen sowie familiäre Verteilungsmustern (APA, 2013, o.S.).

Die Besonderheit des DSM liegt in der multiaxialen Einteilung, bei der Achse I den Kernbereich der psychischen Störungen ausmacht. Im Unterschiede zum ICD vergibt das DSM keinen Klassifikationsschlüssel, sondern eine vier- oder fünfstellige Nummer (Wittchen, 2011, S. 41ff.). Seit dem 01.05.2013 gilt die fünfte Auflage des DSM: das DSM- 5 (Ehret/ Berking, 2013, S.258).

2.2.3 Unterschiede in der Klassifikation zwischen ICD-10 und DSM-5

Sowohl die Symptome als auch die Zeitkriterien, welche für die Diagnose einer Depres- sion nach dem DSM- 5 vorliegen müssen, stimmen weitestgehend mit denen der ICD- 10 überein. Während die ICD-10 jedoch keine altersspezifischen Unterschiede bei der Symptomatik depressiver Störungen vornimmt, wird innerhalb des DSM-5 auf einige Abstufungen zwischen Kindern und Jugendlichen auf der einen Seite und Erwachsenen auf der anderen Seite eingegangen. So wird im DSM-5 explizit darauf eingegangen, dass „Symptome von Depressionen in Abhängigkeit vom Alter und Entwicklungsstand der Betroffenen in unterschiedlicher Form und unterschiedlich deutlich ausgeprägt auftreten können“ (Pössel, 2009, S.665).

[...]


1 Anmerkung zur geschlechtsneutralen Formulierung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsneutrale Formulierung verzichtet und im Folgenden die maskuline Form verwendet. Das andere Geschlecht ist jeweils mit gemeint.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Definition, Risikofaktoren und Symptomatik
Hochschule
Hochschule Emden/Leer
Note
1,3
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V294193
ISBN (eBook)
9783656918981
ISBN (Buch)
9783656918998
Dateigröße
816 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
depressionen, kindern, jugendlichen, definition, risikofaktoren, symptomatik
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Definition, Risikofaktoren und Symptomatik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294193

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