Filmanalyse de schwedischen Klassikers "Att angöra en brygga"


Hausarbeit, 2014
12 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Codes des Films nach André Gaudréault
2.1 Mise-en-scène
2.2 Mise-en-cadre
2.3 Mise-en-chaîne

2. Plot

3. 7-stufiges Spannungsaufbau-Schema und kurze Sequenzerläu-terung

4. Szenenanalysen
4.1 Sequenz 1 Szene 1
4.2 Sequenz 2 Szene 1

6. Schluss

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist die Analyse des schwedischen Films att angöra en brygga aus dem Jahre 1965. Die Story ist, dass sechs Freunde zusammen auf einer Insel eine Party feiern wollen, doch am Ende kommt es niemals dazu.

Der Film kann in die Genres „Drama, Romance, Art House & International, Comedy”[1] eingeordnet werden.

Die Arbeit gliedert sich wie folgt: Im ersten Kapitel erfolgt ein kurzer Überblick über die Filmcodes nach André Gaudréault von 1988. Sie stellen eine Möglichkeit dar, wie eine Filmproduktion grundsätzlich gegliedert werden kann. In den beiden darauffolgenden Kapiteln geht es um den Plot, und die Filmhandlung wird in das 7-stufige Spannungsaufbau-Schema eingeordnet. Bei letzterem werden auch die Sequenzen kurz im Einzelnen beschrieben. Dazu ist noch hinzuzufügen, dass die Minutenangaben auf die DVD-Version des Films zurückgehen und sie somit von der im Internet zu findenden Version abweichen können.

Das vierte Kapitel umfasst zwei Szenenanalysen. Zum besseren Verständnis sind im Anhang Abbildungen mit einigen Einstellungen der Szenen zu finden, die jeweils nummeriert sind und im Text in Klammern stehen. Die Screenshots sind beim Abspielen des Films gemacht wurden und sie sind Teil der Einstellungsprotokolle, die im Vorfeld erstellt wurden. Auf dieser Basis sind die einzelnen Analysen dann entstanden. Jede Szene wird somit u.a. auf Handlung, Kamerabewegungen und Ton untersucht. Die fachlichen Filmbegriffe, die in diesem Kapitel benutzt werden, stammen aus Eric Horns Glossar zur Filmanalyse[2] und sind kursiv geschrieben.

Abschließend soll im Schlussteil, neben einer kurzen Zusammenfassung der Hausarbeit, folgende Frage beantwortet werden: Wie wurden die Filmcodes durch das Filmteam umgesetzt und wie ist dies zu bewerten?

1. Die Codes des Films nach André Gaudréault

Im Folgenden soll die dreiteilige Klassifizierung von Filmcodes nach Gaudréault besprochen werden. Sie sind eine Erweiterung der vorigen Aufteilung nach André Bazin, bei dem die ersten beiden Codes unter dem Begriff mise-en-scène zusammengefasst sind.

2.1 Mise-en-scène

Unter diesem Begriff fallen alle Komponenten, die zur Gestaltung des Filmbildes beitragen oder all „das, was dem eigentlichen Vorgang des Filmes vorausgeht“[3]. Dazu zählen u.a. die Filmkulissen, Kostüme, Locations, Dialoge und Musik. Gaudréault benutzt hierfür auch den französischen Ausdruck le profilmique.

2.2 Mise-en-cadre

Die zweite Einheit besteht aus der technischen Umsetzung einer Szene oder einer Sequenz. Sie umfasst sowohl die Kameraaktivitäten, als auch die Tonaufnahme. Hier könnte auch der englische Begriff filming verwendet werden, allerdings müssten mise-en-scène und mise-en-cadre wie bei Bazin zusammengefasst werden. Im weiteren Sinne könnte dann sogar die mise-en-scène nochmal in pre-production und filming aufgegliedert werden. Denn in der pre-production legt das Filmteam fest, welche Dialoge, Kulissen, Score, usw. letztendlich für den Film verwendet werden.

2.3 Mise-en-chaîne

Bei dem letzten Begriff handelt es sich um die Montage nach Beendigung des Filmens, die in der post-production durchgeführt wird. Hier werden z.B. die einzelnen Einstellungen zu Szenen zusammengeschnitten oder zu leise gesprochene Dialoge in einem Tonstudio erneut aufgenommen. Am Ende soll der fertige Film stehen.

2. Plot

Plot: Ein Stockholmer Geschäftsmann findet während seines Mittagessens am Hafen einen Hilferuf in einer Flaschenpost. Nach Verständigung der Polizei, machen diese sich sofort auf den Weg, um die in Notgeratenen zu retten. Hierbei handelt es sich um sechs Freunde, die eigentlich nur gemeinsam auf der Insel Ensamholmen feiern wollten. Allerdings kommt es nie dazu, da die eine Hälfte der Protagonisten auf einem Boot festsitzt und die andere Hälfte vergeblich versucht erstere sicher an Land zu bringen. Nach mehreren Fehlversuchen, Aufbringung des Nachbarn gegen sich und Zerstörung sämtlicher Inselbehausungen sterben sowohl die Inselbewohner als auch die Bootsinsassen.[4]

3. 7-stufiges Spannungsaufbau-Schema und kurze Sequenzerläu-terung

In diesem Schema steht zu Beginn einer Stufe immer die jeweilige Bezeichnung. Die Stufe ist dann in ein oder mehrere Sequenzen aufgeteilt, die wiederum mehrere Szenen beinhalten können. Zuerst kommt die Zeitangabe und darauf folgt in Klammern die Sequenznummer. Die Filmdauer beträgt 1´37´00.

1. Opening/ Teaser:

00´00 (1) Ein Mann geht über den Riddarholmskaj in Richtung Wasser. Während seiner Essenspause bemerkt er eine Flasche die vor ihm auf dem Wasser treibt. Durch laute auffällige Musik wird die Wichtigkeit dieses Funds untermauert. Nachdem er die enthaltene Nachricht liest, rennt er zur Straße und berichtet der Polizei. Darauf folgt ein Setting-Wechsel aufs Polizeirevier und Polizeiwagen mit Sirenen, welche ebenfalls die Dringlichkeit des Funds wiederspiegeln, fahren los. Ein erneuter Ortswechsel. Auf der Seekarte, die noch vorher von der Polizei benutzt wurde, wird aus der Vogelperspektive die Insel Ensamholmen schnell herangezoomt. Daraufhin verwandelt sie sich in die reale Insel aus der gleichen Perspektive.

2. Exposition:

02´45 (2) Die Titelmusik beginnt und der Zuschauer befindet sich nun direkt auf der Insel. Die Bewohner Lennart und Berit treffen die letzten Vorbereitungen für ihr Fest. Währenddessen werden im Bild die Opening-Credits eingeblendet. Ihre Gäste Kalle, Mona, Walter und Direktor Olsson fahren bei ihrer Ankunft gegen den Bootssteg, was das Boot beschädigt, und können somit nun nicht mehr an Land. Ein missglückter Versuch von Berits Mutter Inez lässt den Direktor bewusstlos auf einem Teil des Stegs hinaus auf das offene Wasser treiben.

3. Vertiefung:

23´15 (3) Die Gäste sind immer noch auf dem Boot. Es ist Abend geworden und durch Einsatz von cross-cutting werden zum einen die unterschiedlichen Abendessen der getrennten gezeigt und zum anderen spiegelt es den aufkommenden Konflikt zwischen den beiden Seiten wieder. Nach einer kurzen Auseinandersetzung kommt es zu einem „Tanz“ der Akteure miteinander und wieder setzt die Titelmusik ein. Aber diesmal ist sie Teil der Handlung und wird von Inez auf dem Akkordeon als musikalische Begleitung gespielt. Dies stellt auch die Versöhnung der zuvor streitenden dar. Kurze Zeit später trifft Fischer Garbo ein, der allerdings den Protagonisten nicht helfen möchte, was zu einem allmählichen Beginn eines Konflikts zwischen den hungernden Bootsinsassen führt.

38´50 (4) In ihrer Stuga planen Berit, Lennart und Inez die Rettung. Außerdem wird unter der Verwendung von einem unsichtbarem Schnitt Garbo in seiner Hütte gezeigt und ein erneuter Versuch den Fischer zum Helfen zu überreden schlägt wieder fehl.

47´24 (5) Die drei Inselbewohner treffen Vorbereitungen für eine weitere Rettungsaktion.

4. Point of no return

50´32 (6) Ziel ist es den Bootsschlüssel des Fischers zu klauen. Dies gelingt ihnen auch, aber im letzten Moment scheitern sie, weil das Boot ein Loch hat. Garbo ertappt sie und Berit, Lennart und Inez treten die Flucht an.

5. Verschärfung des Konfliktes

1´01´26 (7) Auf dem Boot artet der Konflikt zwischen den Hungernden aus. Berit und Mona fangen an zu halluzinieren, was durch eine innere Leinwand umgesetzt wird. An Land weist Garbo die Diebe zurecht. Hier kommt es auch dazu, dass Berit direkt in die Kamera guckt und Garbos „Kauderwelsch“ für die Zuschauer übersetzt. Die räumliche Barriere zwischen gedrehtem Film und Publikum ist somit für eine kurze Zeit unterbrochen. Am Ende werden die Diebe in ihrer Stuga eingesperrt.

1´18´51 (8) Immer noch getrennt voneinander und kaum Hoffnung auf eine Vereinigung, gestehen die Protagonisten ihre Liebe füreinander indem sie sich ihre Gefühle gegenseitig durch ein Fenster und vom Boot aus zu schreien.

1´23´40 (9) Aus der Ferne kommt der Direktor Olsson zurück und gelangt auf die Insel. Die Eingesperrten überzeugen ihn als Tonne getarnt Garbos Motorboot zu klauen. Vom Pech verfolgt, montiert er ausversehen den Motor des Boots ab und „fährt“ vom Motor angetrieben zurück aufs offene Meer. Derweil kommt es auf dem Boot zu erneuten Ausschreitungen. Außerdem bereitet Garbo seinen geplanten Aufbruch nach Hollywood vor, der durch das kaputte Motorboot allerdings zunichte gemacht wird.

6. Klimax

1´31´45 (10) Der aufgebrachte Garbo geht hinüber zu seinen eingesperrten Nachbarn und es kommt zu einem teils cartoonartig geschnittenem Kampf zwischen Inez und ihm. Durch mehrere Missgeschicke fängt die Stuga Feuer. Die Gäste auf dem Boot sind mittlerweile komplett verrückt geworden und steuern ihr Boot direkt auf die Insel.

7. Ausklang

1´27´31 (11) Zurück zum Anfang des Films. Das Bild ist wieder schwarzweiß. Die Polizisten und Journalisten kommen auf der Insel an. Sie finden nur noch die Skelette der Akteure, die auf dem Inselhügel posieren. In dieser letzten Einstellung wird noch das eingeblendet, was sich der Zuschauer womöglich schon während des gesamten Films gedacht hat, nämlich: „Detta hade aldrig hänt om de haft telefon“.

4. Szenenanalysen

4.1 Sequenz 1 Szene 1

Der Film ist im Bildformat 1,66:1 Breitwand und im Mono Sound-Mix aufgenommen. Sowohl die establishing sequence als auch die letzte Sequenz sind in schwarzweiß gehalten. Die folgende Szene dauert 01`48 Minuten.

Am Anfang der ersten Sequenz befindet sich der Zuschauer auf dem Riddarholmskaj in Stockholm. Die Kamera begleitet einen Mann mit Anzug, Hut und Stock (E1) durch einen parallel tracking und extreme long shot auf seinem Weg von der Straße auf der linken Bildseite zum gegenüberliegendem Ufer. Neben der Kleidung der Person gehören zu der mise-en-scène u.a. noch die im Vordergrund aufgereihten leeren Parkbänke. Im Hintergrund kann man des Weiteren einzelne Gebäude der Stadt erkennen. Der Mann ist von der Seite zu sehen und befindet sich in der Bildmitte. Obwohl keine Möwen zu finden sind, hört man ihr Geschrei.

In der nächsten Einstellungen (E2) schlendert er am Ufer entlang und setzt sich schließlich auf eine mitgebrachte Zeitung, was mit einem Kameraschwenk nach links in einer Totalen gezeigt wird. Im Hintergrund sind weitere Gebäude im Nebel zu erkennen. Womöglich ist es früher Morgen, was vielleicht erklärt warum man keine anderen Personen sieht. Der Protagonist dieser Sequenz hat sich wahrscheinlich erst wenige Momente zuvor die Morgenzeitung und eine Kleinigkeit zu essen gekauft und frühstückt jetzt auf dem Kai.

Auffällige Flötenmusik tritt ein (E3) und zur selben Zeit macht die Kamera einen cut in mit einer Nahaufnahme im high-angle shot von einer im Wasser treibenden Flasche. Die Musik lässt darauf schließen, dass sie wohl eine wichtige Rolle in der Sequenz spielt und das lädierte Äußere, dass sie wohl entweder schon über einen längeren Zeitraum dort treibt oder sie einen weiten Weg hinter sich hat. Danach gibt es einen erneuten pan shot nach rechts zum Mann zurück, der die Flasche noch nicht bemerkt hat. Während dieser Bewegung verändert sich die Musik zu einer Art ungeduldigem Ticken, das den Augenblick dieses Bemerkens seitens des Mannes entgegensteuert. Kurz vor dem Schnitt zur Einstellung 4 setzt die Musik vom Anfang (wie E3) wieder ein und es kommt zur selben camera position wie zuvor. Jetzt (E5) bemerkt auch der Mann sie und die Musik wird ruhiger aber durch die Geigenmelodie immer noch etwas dringlich.

Die Aktion des Mannes die Flasche aus dem Wasser zu fischen (E6) wird aus der Vogelperspektive aufgenommen und in der nächsten Einstellung sieht man ihn zurück auf dem Kai in einem mid shot. Er öffnet die Flasche, begleitet von sich steigernder Orchestermusik, und liest sich die Nachricht, die er in der Flasche gefunden hat, durch. Im selben Moment, in dem er herausfindet was sie beinhaltet, erreicht die Musik ihren Höhepunkt und der Mann guckt entsetzt und aufgeregt. Woraufhin er, verfolgt von einem Kameraschwenk nach rechts, zur Straße rennt. Die Kamera bleibt währenddessen an derselben Stelle stehen und die camera range in Bezug auf den weglaufenden Mann, verändert sich vom medium zu einem extreme long shot. Auch die Musik ist nun anders. Ein kräftiger Ton setzt ein und übertönt das Flötenspiel.

Durch den nächsten Schnitt befindet sich die Kamera an der Straßenseite und zeigt die anlaufende Person wieder als mid shot, aber diesmal nur hüftabwärts. Begleitet von einem kurzen tilt shot nach unten und einen darauffolgenden pan nach rechts rennt er weiter direkt vor die anfahrenden Autos auf der Straße. Während seines Laufs hat er einen Schuh verloren und jetzt (E9) in der amerikanischen Einstellung fuchtelt er wild mit seinen Armen, was darauf schließen lässt, wie wichtig sein Fund doch ist.

In der letzten Einstellung (10) wechselt die camera position zurück (wie E8). Der aufgebrachte Mann kann einen vorbeifahrenden Polizeiwagen anhalten und dem Polizisten Bericht erstatten. Zusammen fahren sie unter Blaulichtsirenen, gefolgt von einem Kameraschwenk nach rechts, in Richtung Bildhintergrund.

[...]


[1] Rotten Tomatoes: Docking the Boat (Att angora en brygga) (To Go Ashore) (1965). Rech. 2014-08-14.

[2] Horn, Eric: Glossar zur Filmanalyse. Rech. 2014-07-20.

[3] Beil, Benjamin et al.: Studienhandbuch Filmanalyse: Ästhetik und Dramaturgie des Spielfilms, München 2012, S. 18.

[4] Schultz Larsen, Ole: Checkliste Filmanalyse. <siten.google.com/site/danskfag>.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Filmanalyse de schwedischen Klassikers "Att angöra en brygga"
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Fennistik und Skandinavistik)
Veranstaltung
Skandinavische Filmklassiker
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V294203
ISBN (eBook)
9783656919148
ISBN (Buch)
9783656919155
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es sind Teile in Schwedisch und Englisch verfasst.
Schlagworte
filmanalyse, klassikers
Arbeit zitieren
Mareike Wendler (Autor), 2014, Filmanalyse de schwedischen Klassikers "Att angöra en brygga", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294203

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Filmanalyse de schwedischen Klassikers "Att angöra en brygga"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden