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Das Nähe-Distanz-Dilemma an der Odenwaldschule. Begünstigt stark am Individuum orientierte Pädagogik sexuellen Kindesmissbrauch?

Title: Das Nähe-Distanz-Dilemma an der Odenwaldschule. Begünstigt stark am Individuum orientierte Pädagogik sexuellen Kindesmissbrauch?

Term Paper , 2013 , 15 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Manel Gasmi (Author)

Pedagogy - General
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Durch die rasante Industrialisierung und Modernisierung entwickelte sich im 20. Jahrhundert in der Gesellschaft der starke Wunsch nach einer Veränderung und einer Umgestaltung in jeglichen Bereichen des Lebens. Dies löste vor allem im Erziehungswesen und in der Bildungspolitik vehemente Kritik aus. Die daraus resultierenden Ansätze von unterschiedlichen Erziehungskonzepten, die auf die Verbesserung im Bildungs- und im Erziehungsbereich zielten, wurden unter dem Begriff „Reformpädagogik“ zusammengefasst.
Im Zuge der Reformpädagogik entstand unter anderem das Konzept des Landerziehungsheims, dessen Hauptziel die Entwicklung einer „Erziehungsgemeinschaft“ ist, in der Schüler und Lehrer im Laufe der Zeit ein familiäres Verhältnis miteinander aufbauen. Das sehr Individuums orientierte Konzept bringt jedoch auch seine Schattenseiten mit sich. Die Odenwaldschule in Ober-Hambach, die auch mit dem Konzept des Landerziehungsheims bedacht ist, zeigt uns weshalb das familiäre und enge Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern nicht immer pädagogisch wertvoll ist. Seit 1999 kamen immer mehr Missbrauchsfälle aus der Schule ans Tageslicht, nachdem sich zwei ehemalige Schüler der Odenwaldschule dazu entschieden mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit zu gehen.
Die Frage, mit der sich diese Hausarbeit beschäftigt ist, ob gerade diese stark am Individuum orientierten Institutionen, die durch die Reformpädagogik ausgelöst wurden, Formen von sexuellem Missbrauch begünstigen. Meine Aufgabe besteht darin das Erzieher-Zögling Verhältnis an ausgewählten Landerziehungsheimen zu analysieren und anschließend einen Zusammenhang zwischen dem Verhältnis der Schüler und Lehrer und dem sexuellen Kindesmissbrauch zu finden. Als Grundlage dient das Beispiel der Odenwaldschule, da diese durch die Vorfälle des sexuellen Missbrauchs bekannt geworden ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung & Fragestellung

2. Reformpädagogik in Schulen

2.1. Reformpädagogik und pädagogischer Eros

2.2. Konzept der Landerziehungsheime Bsp. Odenwaldschule

3. Das Nähe- Distanz Dilemma an pädagogischen Institutionen

3.1. Definition sexualisierte Gewalt

3.2. Nähe und Distanz- Dilemma an der Odenwaldschule

3.3. Das Schweigen der Schüler

4. Fazit

4.1 Zusammenhng zwischen Individuums orientierte Pädagogik und sexueller Missbrauch

5.Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob die reformpädagogisch geprägte, stark am Individuum orientierte Struktur der Odenwaldschule strukturelle Bedingungen geschaffen hat, die sexuellen Missbrauch an Schutzbefohlenen begünstigten. Im Fokus steht dabei die kritische Analyse des Erzieher-Zögling-Verhältnisses und der damit verbundenen Nähe-Distanz-Problematik.

  • Reformpädagogische Ansätze und deren pädagogische Ideale
  • Strukturen des Landerziehungsheims am Beispiel der Odenwaldschule
  • Die Problematik des Nähe-Distanz-Dilemmas in pädagogischen Kontexten
  • Faktoren, die zur Vertuschung und zum langjährigen Schweigen der Betroffenen führten

Auszug aus dem Buch

3.2. Das Nähe-Distanz Dilemma an der Odenwaldschule

Seit 1999 hat die Odenwaldschule durch die Veröffentlichung mehrere Berichte über 4sexueller Belästigung bis hin zur Vergewaltigung den Ruf als pädagogisch wertvolle Einrichtung verloren. Bis zur Veröffentlichung galt sie als die Vorzeigeschule der Reformschulen.20

Doch gerade in dieser Schule übten bereits seit 1960 Lehrer sexuelle Gewalt an Schülern aus. Der Hauptpeiniger von mehreren hundert Schülern ist Gerold Becker, der damalige Schulleiter der Odenwaldschule.21 Jürgen Dehmers wandte sich damals zum ersten Mal mit den Vorwürfen an die Öffentlichkeit, der Schulleiter habe ihn und andere Schüler mehrere Jahre missbraucht. Gerold Becker galt bis dahin als charismatischer Redner und Menschenversteher, der von seinen Schülern verehrt und gefeiert wurde und der sehr gut mir Kindern umgehen konnte.22 Doch laut mehreren Berichten von ehemaligen Schülern habe Becker die Schüler nachts im Schlaf überfallen, ihre Genitalien gestreichelt und in jeglichen Situationen sexuelle Gewalt an ihnen ausgeübt.23 2010 wurde ein Abschlussbericht über die sexuellen Übergriffe in der Odenwaldschule veröffentlicht. Es stellte sich heraus, dass nicht nur Becker sexuellen Missbrauch ausübte, sondern auch andere Lehrer. In diesem Bericht wurden fünf Stufen des sexuellen Missbrauchs festgelegt, die von Gewalt bis hin zu Vergewaltigung gingen.24 Der sexuelle Missbrauch ging so weit, dass manche Schüler als „sexuelle Dienstleister“ ernannt wurden, die den Lehrkräften an besonderen Tagen und an den Wochenenden zur Verfügung stehen mussten. 25 Auch in Form von Schlägen, mussten die Schüler Gewalt über sich ergehen lassen. Zu dem hatten die Schüler untereinander Gewaltrituale, sodass Gewallt und sexuelle Übergriffe in den Familien auf der Tagesordnung standen.26 Da in der Odenwaldschule die Noten mit Leistungsberichten ersetzt wurden, nahmen die Lehrer und vor allem Gerold Becker dieses als Druckmittel für die Schüler. So schrieb er in den Berichten über Schüler, die sich ihm entzogen haben, sie seien „asozial“ in ihrem Sozialverhalten.27

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung & Fragestellung: Diese Einführung erläutert den Hintergrund der Reformpädagogik, die Gründung der Odenwaldschule und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Zusammenhangs zwischen individuumszentrierter Pädagogik und sexuellem Missbrauch.

2. Reformpädagogik in Schulen: Das Kapitel skizziert die Entstehung der Reformpädagogik zwischen 1890 und 1933 und analysiert das Konzept des pädagogischen Eros sowie das spezifische Modell der Landerziehungsheime.

3. Das Nähe- Distanz Dilemma an pädagogischen Institutionen: Hier wird der Begriff der sexualisierten Gewalt definiert, das spezifische Nähe-Distanz-Dilemma an der Odenwaldschule analysiert und die Gründe für das langjährige Schweigen der betroffenen Schüler erörtert.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und betont, dass nicht der reformpädagogische Ansatz per se, sondern mangelnde professionelle Distanz und strukturelle Intimität den Missbrauch begünstigten, wofür abschließend Forderungen an Ausbildung und staatliche Kontrolle gestellt werden.

5.Literatur: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Quellen und weiterführende Literatur auf.

Schlüsselwörter

Odenwaldschule, Reformpädagogik, Landerziehungsheim, sexueller Missbrauch, pädagogischer Eros, Nähe-Distanz-Dilemma, Institutionelle Gewalt, Kindesmissbrauch, Machtmissbrauch, Erzieher-Zögling-Verhältnis, Jürgen Dehmers, Gerold Becker, Schweigen der Opfer, Schulreform, Pädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule und untersucht, inwiefern reformpädagogische Konzepte, die eine familiäre Nähe zwischen Lehrenden und Lernenden fördern, ungewollt Strukturen für sexualisierte Gewalt schaffen können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentral sind die Reformpädagogik, das Konzept der Landerziehungsheime, die Definition von sexualisierter Gewalt in Institutionen sowie die psychologischen und strukturellen Faktoren, die das Schweigen der Opfer ermöglichten.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen einer stark am Individuum orientierten Pädagogik und dem Auftreten von sexuellem Kindesmissbrauch zu analysieren, um kritische Risikofaktoren in pädagogischen Settings aufzudecken.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet Berichte, Abschlussberichte und Zeitzeugenaussagen (wie die von Jürgen Dehmers) aus, um die pädagogischen Hintergründe und die institutionellen Abläufe zu reflektieren.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Definition sexualisierter Gewalt, der detaillierten Beschreibung der Missbrauchsvorfälle unter Gerold Becker und einer Analyse der Dynamiken, die ein Aufdecken des Skandals über Jahrzehnte hinweg verhinderten.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die zentralen Schlagworte sind Odenwaldschule, Reformpädagogik, pädagogischer Eros, sexueller Missbrauch, Nähe-Distanz-Dilemma und Machtausübung.

Warum war das Schweigen der Schüler an der Odenwaldschule so langanhaltend?

Das Schweigen resultierte aus einem Geflecht von Abhängigkeit, der Angst vor dem Verlust der "Ersatzfamilie", Schuldgefühlen und der gezielten Machtausübung durch Täter, die sich als "Vaterfiguren" inszenierten.

Welche Rolle spielte der "pädagogische Eros" bei den Übergriffen?

Der pädagogische Eros wurde von Tätern wie Gerold Becker missbraucht, um physische Nähe und Grenzüberschreitungen als pädagogisch wertvoll oder als notwendigen Ausdruck einer "offenen" Sexualität zu legitimieren.

Welche Forderungen stellt die Autorin für die Zukunft?

Die Autorin fordert eine bessere Ausbildung von Lehrkräften hinsichtlich professioneller Distanz, eine strikte räumliche Trennung zwischen privatem und schulischem Raum sowie zwingende staatliche Kontrollen durch Schülerbefragungen.

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Details

Title
Das Nähe-Distanz-Dilemma an der Odenwaldschule. Begünstigt stark am Individuum orientierte Pädagogik sexuellen Kindesmissbrauch?
College
Ruhr-University of Bochum  (Erziehungswissenschaft)
Course
Schulkritik im 20. Jahrhundert
Grade
2,3
Author
Manel Gasmi (Author)
Publication Year
2013
Pages
15
Catalog Number
V294257
ISBN (eBook)
9783656919636
ISBN (Book)
9783656919643
Language
German
Tags
Odenwaldschule sexueller Missbrauch Reformpädagogik Individuum Kindesmissbrauch Institutionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Manel Gasmi (Author), 2013, Das Nähe-Distanz-Dilemma an der Odenwaldschule. Begünstigt stark am Individuum orientierte Pädagogik sexuellen Kindesmissbrauch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294257
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