Der Kampf für das Recht auf Erwerb, für die angemessene Anerkennung weiblicher Arbeit und ihre gerechte Entlohnung war von Anfang an eine zentrale Forderung der Frauenbewegung.
Schon die frühe Frauenbewegung hatte erkannt, dass es zur Gleichberechtigung der Frau nur einen Weg gibt: den über die berufliche Integration. So lautete auch Artikel 1 des gemeinsamen Beschlusses der ersten gesamtdeutschen Frauenkonferenz in Leipzig vor 150 Jahren: „Wir erklären die Arbeit für eine Pflicht und Ehre des weiblichen Geschlechts, nehmen das Recht der Arbeit in Anspruch und halten es für notwendig, dass alle der weiblichen Arbeit im Wege stehenden Hindernisse entfernt werden.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Anfänge der Frauenbewegung und das Recht auf Erwerb (1865-1908)
2.1 Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF)
2.2 Der Lette-Verein und die Haltung der Zeitgenossen
2.3 Einfluss von Sozialdemokratie und Frauenrechtlerinnen auf die Erwerbsfrage
3. Rechtliche Entwicklungen und gesellschaftliche Realität bis 1945
3.1 Das Recht auf Erwerb in der Weimarer Verfassung
3.2 Verdrängung der Frauen aus dem Erwerbsleben nach dem Ersten Weltkrieg
4. Frauenarbeit und Gleichberechtigung in der Bundesrepublik
4.1 Das Grundgesetz und der Artikel 3, Absatz 2
4.2 Rechtliche Fortschritte und die praktische Realität in den 1950er und 1960er Jahren
4.3 Die zweite Frauenbewegung und die Reform des Ehe- und Familienrechts (1977)
5. Ost-West-Unterschiede bei der Frauenerwerbstätigkeit
6. Status Quo: Die heutige Situation (bis 2015)
6.1 Ergänzung des Artikels 3 durch die Verfassungskommission (1993)
6.2 Die aktuelle Lohnlücke (Gender Pay Gap) und fortbestehende Nachteile
Zielsetzung & Themen der Publikation
Diese Arbeit untersucht die 150-jährige Geschichte des Kampfes um das Recht auf Frauenerwerb in Deutschland. Sie analysiert die rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Meilensteine von der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins 1865 bis hin zur modernen Situation des Jahres 2015 unter besonderer Berücksichtigung der bestehenden Lohnungleichheit.
- Historische Entwicklung der Frauenerwerbsbewegung seit 1865.
- Die Rolle zentraler Vordenkerinnen wie Louise Otto-Peters und Hedwig Dohm.
- Rechtliche Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz und BGB.
- Der Einfluss von politischen Systemen und gesellschaftlichen Krisen auf die Frauenerwerbsarbeit.
- Analyse der persistierenden Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern.
Auszug aus dem Buch
Die Forderung nach dem Recht auf Erwerb
Der Kampf für das Recht auf Erwerb, für die angemessene Anerkennung weiblicher Arbeit und ihre gerechte Entlohnung war von Anfang an eine zentrale Forderung der Frauenbewegung. Vor 150 Jahren, auf der ersten deutschen Frauenkonferenz in Leipzig 1865, gründete Louise Otto-Peters zusammen mit anderen Weggefährtinnen den „Allgemeinen Deutschen Frauenbund“ (ADF) unter dem Motto „Dem Reich der Freiheit werb’ ich Bürgerinnen!“ In ihrer Eröffnungsansprache forderte sie: „Menschen werden wollen die Frauen und teilnehmen am Kranz der Arbeit und des Sieges.“ Der ADF deklarierte die Erwerbsarbeit zur „Pflicht und Ehre des weiblichen Geschlechts“ und forderte die „Befreiung der weiblichen Arbeit von allen ihren der Entfaltung entgegenstehenden Hindernissen.“ Neben den Bildungsbestrebungen war die Erwerbsarbeit für Frauen das wichtigste Vereinsziel.
1866, ein Jahr nach Gründung des ADF, veröffentlichte Louise Otto-Peters ihre Abhandlung „Das Recht der Frauen auf Erwerb. Blicke auf das Frauenleben der Gegenwart“. Die politische Denkerin und Wegbereiterin der deutschen Frauenbewegung setzte sich in dieser Schrift vehement für das Recht der Frauen auf eigenen Erwerb und eine eigene Berufsausübung ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die historische Relevanz und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Frauenerwerbsfrage.
2. Die Anfänge der Frauenbewegung und das Recht auf Erwerb (1865-1908): Beleuchtung der Gründungsphase des ADF und der Widerstände gegen die Erwerbstätigkeit von Frauen durch bürgerliche und sozialistische Kreise.
3. Rechtliche Entwicklungen und gesellschaftliche Realität bis 1945: Analyse der Einführung des Wahlrechts und der massiven Verdrängung von Frauen aus dem Arbeitsprozess nach dem Ersten Weltkrieg.
4. Frauenarbeit und Gleichberechtigung in der Bundesrepublik: Darstellung des Kampfes um Artikel 3 im Grundgesetz und die rechtlichen Hürden der 1950er Jahre.
5. Ost-West-Unterschiede bei der Frauenerwerbstätigkeit: Vergleich der divergierenden gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen in der DDR und BRD.
6. Status Quo: Die heutige Situation (bis 2015): Kritische Betrachtung der fortbestehenden Lohnlücke und der heutigen rechtlichen Lage nach der Wiedervereinigung.
Schlüsselwörter
Frauenerwerbsarbeit, Frauenbewegung, Louise Otto-Peters, Gleichberechtigung, Grundgesetz, Lohnlücke, Gender Pay Gap, Emanzipation, Arbeitsmarktpolitik, Weimarer Verfassung, Berufsausübung, Sozialismus, Frauenwahlrecht, Hedwig Dohm, gesellschaftliche Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des Rechts auf Erwerb für Frauen in Deutschland über einen Zeitraum von 150 Jahren, von 1865 bis 2015.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Kampf um die berufliche Anerkennung, die rechtliche Gleichstellung in der Verfassung und die anhaltenden Unterschiede in der Entlohnung von Männern und Frauen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Meilensteine der Frauenbewegung bei der Erkämpfung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit darzustellen und aufzuzeigen, warum eine reale Gleichstellung bis heute nicht vollständig erreicht ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine historische Analyse von Primärquellen, politischen Schriften, statistischen Daten sowie juristischen Gesetzestexten aus den jeweiligen Epochen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die Anfänge im 19. Jahrhundert, die rechtlichen Umbrüche der Weimarer Zeit und der Nachkriegsära sowie die unterschiedliche Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit in Ost- und Westdeutschland detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Frauenerwerbsarbeit, Gleichberechtigung, Grundgesetz und Gender Pay Gap definiert.
Welche Rolle spielte Louise Otto-Peters für die Frauenbewegung?
Sie gilt als eine der wichtigsten Vordenkerinnen und Wegbereiterinnen, die 1865 den Allgemeinen Deutschen Frauenverein gründete und das Recht auf Erwerb zur zentralen Forderung erhob.
Warum war die "Frauenlohngruppe" verfassungswidrig?
Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 1955 verstießen spezifische Frauenlohngruppen gegen den Gleichheitsgrundsatz des Artikels 3 des Grundgesetzes.
Wie unterscheidet sich die Situation in Ostdeutschland historisch?
In der DDR war der gleichberechtigte Zugang zur Erwerbsarbeit nicht nur ideologisches Ziel, sondern aufgrund des Arbeitskräftemangels eine ökonomische Notwendigkeit.
Warum wird der "Gender Pay Gap" heute immer noch thematisiert?
Trotz formaler rechtlicher Gleichstellung verdienen Frauen im Durchschnitt noch immer deutlich weniger als Männer, was die Diskrepanz zwischen Gesetz und beruflicher Realität verdeutlicht.
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- Nicola Hille (Author), 2015, Das Recht der Frauen auf Erwerb. Die Geschichte von 150 Jahren Frauenerwerbsfrage, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294298