Einführung in die Entwicklungspsychopathologie und Substanzenmissbrauch in der Adoleszens


Hausarbeit, 2004

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Worte

2. Einführung in die Entwicklungspsychopathologie
2.1. Definition
2.2. Entwicklungseinflüsse
2.3. Forschungsfrage

3. Substanzenmissbrauch bei Jugendlichen
3.1. Begriffsklärung
3.2. Kleine Substanzkunde
3.3. Entwicklungspsychologische Perspektive des Problemverhaltens

4. Überlegungen zur Prävention
4.1. Einflüsse
4.2. Lebenskompetenzprogramme

5. Schlußwort

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitende Worte

Der Absatz von Alcopops im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist von 4,2 Mio. Flaschen im Jahr 2001 auf 35 Mio. Flaschen zu je 0,7 Liter gestiegen. Bekanntlich sind dabei die Hauptkäufer dieser alkoholischen Modegetränke die 14- bis 17-Jährigen. Auch im Bereich der illegalen Drogen ist ein rapides Anwachsen der Konsumentenzahl in dieser Altersgruppe zu verzeichnen. Insgesamt kann von einer alarmierenden Situation gesprochen werden, die sich erst langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drängt.

Weshalb nehmen unsere Kinder Drogen?

Wozu brauchen Sie das?

Was versuchen Sie zu erreichen?

Die folgende Arbeit widmet sich solchen Fragen von besorgten Müttern und Vätern, von Lehrern und Erziehern aus entwicklungspsychologischer Perspektive und möchte einführend auf die Teildisziplin der Entwicklungspsychopathologie eingehen, um die Blickrichtung dieser Arbeit besser verdeutlichen zu können.

Hauptsächlich basiert der Inhalt dieser Ausführungen auf dem Lehrbuch von Oerter & von Hagen, Röper & Noam,1999: Klinische Entwicklungspsychologie. Das Thema der psychoaktiven Substanzen und Drogen umfasst eine Fülle an wissenschaftlichen Arbeiten und wird von zahlreichen geistes- und naturwissenschaftlichen Strömungen beachtet, was eine Selektion der Literatur notwendig werden ließ. Letztendlich konnte nur eine kleine Auswahl die Recherche zu dem vorliegenden entwicklungspsychologischen Standpunkt ermöglichen.

2. Einführung in die Entwicklungspsychopathologie

2.1. Definition

Die Entwicklungspsychopathologie, im folgenden EPP genannt, beschäftigt sich mit „dem Ziel, Ursprung, der Entfaltung und Veränderung von Mustern gelingender und misslingender Lebensbewältigung“ (Cicchetti & Sroufe, 2000).

Folglich befasst sich diese junge Disziplin der Psychologie mit der entwicklungsangemessenen Beschreibung psychischer Störungen und deren Auftretenswahrscheinlichkeit, sowie der Betrachtung normaler Entwicklungsverläufe.

Die EPP stellt somit im weitesten Sinne die Integration von Entwicklungspsychologie und Klinischer Psychologie dar.

Im Vordergrund der EPP steht die Erforschung normativen und abweichenden Verhaltens unter Berücksichtigung der zeitlichen Komponente im Lebenslauf und den damit verbundenen Entwicklungsaufgaben (Havighurst ,1928). „Da jede Pathologie als Störung, Verformung oder Degeneration normaler Funktionen gesehen werden kann, folgt daraus, dass man „normales Verhalten“ verstehen muß, um das Auffällige in Abgrenzung dazu zu definieren.“1

Die psychopathologische Störung wird hierbei als ein multimodales und multikausales Geschehen interpretiert (Resch et al., 1999).

2.2. Entwicklungseinflüsse

Die EPP unterscheidet, unter Betrachtung der gesamten Lebensspanne (Kazdin, 1989), zwei Kategorien von Entwicklungseinflüssen, um die Bedingungen für das Entstehen von psychischen Störungen zu erklären:

1. distale vs. proximale Entwicklungseinflüsse
2. normative vs. nicht-normative Entwicklungseinflüsse

Distale Entwicklungsbedingungen liegen in einem früheren Lebensabschnitt als der Beginn einer psychischen Störung. Sie schaffen die individuelle Vulnerabilität, d.h. die Anfälligkeit eine psychische Störung auszubilden. Dementsprechend sind diese Einflüsse auch Grund für die individuelle Resilienz, d.h. der Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Störungen.

Proximale Entwicklungsbedingungen erleichtern akut die Entstehung einer psychischen Störung bzw. lösen diese aus.

Normative Einflüsse betreffen (mit Blick auf die Asdoleszens) die meisten Jugendlichen. Hier wird eine normale Entwicklung als Grundlage der Bedingung herangezogen.

Normative Entwicklungseinflüsse können nur mit proximalen Einflüssen gepaart zu einer psychischen Störung führen. So z.B. stellt die Entwicklung des Selbstkonzeptes in der Frühadoleszens einen normativen Einfluss dar, der aber zusammen mit Enttäuschung, wie Nichtversetzung in der Schule als proximalen Faktor, eine Depression herbeiführen kann. Diese Einflüsse erklären die Altersspezifität der Form und Häufigkeit psychischer Störungen.

Nicht-normative Entwicklungseinflüsse treten unerwartet bei einer Minderzahl von Personen auf. Diese können distal und/oder proximal zu einer psychischen Störung führen.

Nicht-normative distale Einflüsse erklären die individuelle Vulnerabilität bzw. Resilienz für psychische Störungen. Z. B. kann der frühe Tod der Mutter zu einer fundamentalen Verlustangst bei dem Kind führen.

Nicht-normative proximale Entwicklungseinflüsse verstärken die individuelle Vulnerabilität aktuell bzw. lösen eine psychische Störung aus. Um am obigen Beispiel der Verlustangst zu bleiben, kann eine aktuelle Beziehungskrise mit der ersten Liebe in der Adoleszens zu panischer Angst führen, die in krankhaftem Verhalten mündet.

2.3.Forschungsfrage

Rolf und Read (1984) verstehen unter EPP vordergründig das Studium abnormen Verhaltens, „im Kontext der Auswirkungen genetischer, ontogenetischer, biochemischer, kognitiver, affektiver oder sozialer Einflüsse auf das Verhalten“. Nur unter starker Betonung der Interdisziplinarität kann die Forschung einer solchen Bedeutung der EPP gerecht werden.

Die grundlegene Forschungsfrage ist demnach:

Warum entwickeln bestimmte Menschen eine psychische Störung, andere nicht?

Um dieser Frage umfassend nachgehen zu können, bedarf es prospektiver Studien, welche schon vor dem Einsetzen der interessierenden psychischen Störung beginnen. Dazu gibt es zwei Wege der Untersuchung.

Zum ersten betrachtet man Risikogruppen aus der Mehrgenerationenperspektive. Diese Untersuchungsmethode nutzt den Einfluss der genetischen Dispositionen auf psychopathologische Phänomene vgl. Resch et al., 1999). So werden z.B. bei der Frage nach Bedingungen für Alkoholismus unter Jugendlichen v.a. Kinder aus Elternhäusern beobachtet, in denen mindestens ein Elternteil alkoholabhängig ist.

Zum zweiten kann die subklinische Ausprägung einer psychischen Störung untersucht werden. Dies wäre der Fall, wenn man bei der Frage nach Bedingungen für Essstörungen im Jugendalter v.a. Jugendliche beobachtet, die angegeben haben, öfter Diäten zu halten.

Der Akzent der EPP liegt auf dem Erkennen von Risiko- und Schutzfaktoren, welche das Fundament für die sinnvolle Prävention psychischer Störungen darstellen. Hierzu werden Entwicklungsprognosen für pathologische Phänomene erstellt (Lewis 1990).

Interessant in diesem Zusammenhang ist die weiterführende Frage, „ob sich die normale Entwicklung nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten auf abweichendes Verhalten auswirkt, wie abweichendes Verhalten die normale Entwicklung beeinflußt.“2 Dabei wird in der Fachschaft bis dato diskutiert, wo die Grenze zwischen abweichendem und krankhaft abweichendem Verhalten zu ziehen sei. Offen ist die Entscheidung der Frage:

Wann ist ein Mensch einfach anders und ab wann ist dieser krankhaft anders?

Die Resultate der EPP liefern hierbei wesentliche Anhaltspunkte für die Differentialdiagnose, die Erfassung des Schweregrades, die Klassifikation und Interpretation psychischer Störungen, sowie die für die Entwicklung und Indikation angemessenen Therapieverfahren.

Nachdem ein kurzer Einblick in die EPP und deren Forschungsschwerpunkte gegeben wurde, folgt im nächsten Teil der Blick auf den Substanzenmissbrauch in der Adoleszens. Dieses Problemverhalten soll hier unter der Perspektive der EPP bzw. der Entwicklungspsychologie beleuchtet werden.

3. Substanzenmissbrauch bei Jugendlichen

Im weiteren werden unter „Substanzen“ alle psychoaktiven Substanzen verstanden, die zu einer Veränderung des Bewusstseinszustandes führen. Im engeren Sinne sind damit „Drogen“ gemeint, weshalb die beiden Begriffe im folgenden synonym verwendet werden.

Um die entwicklungspsychologischen Aspekte des Substanzen- missbrauches beschreiben zu können, sollen zu Beginn einige Begriffe geklärt werden, die zum weiteren Verständnis des Textes klar voneinander abgetrennt sein müssen, da diese in der Umgangssprache ineinander übergehen.

3.1. Begriffsklärung

In allen Kulturen der Welt werden psychoaktive Substanzen eingenommen. Der Unterschied liegt allein in der verschiedenen Bewertung des Gebrauchs einzelner Drogen in der jeweiligen Gesellschaft (Montagne & Scott, 1993). So ist in einigen Teilen Asiens der Gebrauch von Opium trotz harter Strafen weit verbreitet, während dieser in Westeuropa auf Subkulturen beschränkt ist. Folglich sind bei der Abgrenzung der folgenden Begriffe Kriterien zu suchen, die einfache Entscheidungshilfen für den beeinträchtigenden Gebrauch bieten und dabei unabhängig von der kulturellen Zugehörigkeit einer Person sind (American Psychiatic Association, DSM IV, 1994; Newcomb & Bentler, 1989).

Konsum:

ist die Einnahme einer psychoaktiven Substanz, die weitverbreitet (Tabak) und normativ (Alkoh ol) sein kann oder verpönt und illegal. Er unterliegt vielfältigen kulturellen und gesetzlichen Normierungen.

Der Gebrauch erfolgt oft in rituellem Kontext.

8

Missbrauch:

ist der Gebrauch über längere Zeit, v.a. in Situationen, die klares Bewußtsein verlangen. Missbrauch bezeichnet einen Konsum, der negative Auswirkungen auf das psychische, soziale und physische Funktionieren, sowie die persönliche Entwicklung hat,d.h. wenn die Gesundheit mittel- oder unmittelbar, soziale Beziehungen aber auch Sachen Schaden nehmen, Begleiterscheinungen, wie Delinquenz, Vernachlässigung der Schule oder verfrühte Sexualität auftreten (Jessor et al. 1991; Newcomb & Bentler, 1988). Der Gebrauch durch Personen ohne die psychischen und physiologischen Voraussetzungen wird ebenfalls als Missbrauch gesehen (American Psychiatic Association, DSM IV, 1994).

Abhängigkeit:

tritt ein, wenn eine gewisse Toleranz gegenüber der Substanz zu beobachten ist, welche zu Dosissteigerungen führt (American Psychiatic Association, DSM IV, 1994). Das Weglassen der Einnahme verursacht Entzugserscheinungen.3 Der Konsum wird immer weniger steuerbar und erst als Abhängigkeit erkannt, wenn versucht wird, den Gebrauch einzustellen. Insgesamt stellt die Abhängigkeit ein Syndrom von körperlichen, psychischen und Verhaltensphänomenen dar, bei dem der Substanzkonsum andere zuvor bedeutsame Lebensbereiche in den Hintergrund drängt.

3.2.Kleine Substanzkunde

Im Folgenden sollen die drei im aktuellen Zeitgeschehen am meisten in der Adoleszens konsumierten psychoaktiven Substanzen vorgestellt werden. Dabei werden nur ausgewählte Informationen behandelt & Entwicklungstendenzen der Gegenwart wiedergeben. Eine ausführliche Betrachtung der Wirkung und physiologischen Schädigung einzelner Drogen ist unter dem Blickwinkel dieser Arbeit nicht sinnvoll.

Alkohol (legal)

Das Einstiegsalter für psychoaktive Substanzen liegt im Durchschnitt bei 13 bis 14 Jahren. In der Seminarumfrage lag das Einstiegsalter von Alkohol bei 12,67 Jahren (vgl. Anhang A). 50% der 14-Jährigen hatten bereits einen Alkoholrausch.

[...]


1 Petermann / Kusch / Niebank. Entwicklungspsychopathologie - Ein Lehrbuch. 1998. BELTZ Psychologie Verlags Union. Weinheim

2 Petermann / Kusch / Niebank. Entwicklungspsychopathologie - Ein Lehrbuch. 1998. BELTZ Psychologie Verlags Union. Weinheim

3 Im Jugendalter fehlen selbst bei schweren Trinkern körperliche Abhängigkeitssymptome (Martin et al.,1995) aus Oerter/Montada 2002 S. 851

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Entwicklungspsychopathologie und Substanzenmissbrauch in der Adoleszens
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Psychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
28
Katalognummer
V29434
ISBN (eBook)
9783638309400
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einführung, Entwicklungspsychopathologie, Substanzenmissbrauch, Adoleszens
Arbeit zitieren
Konstanze Wolter (Autor), 2004, Einführung in die Entwicklungspsychopathologie und Substanzenmissbrauch in der Adoleszens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29434

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