Nero, ein beherrschter Herrscher. Die ersten Jahre der Herrschaft Kaiser Neros im römischen Reich


Seminararbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Herrschaftswechsel

3. Ein Überblick über die ersten Regierungsjahre
3.1. Seneca und seine Reden
3.2. Regierung unter Agrippina?
3.3. Die Einflüsse der Berater

4. Nero und sein Amt

5. Abschließendes Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob Nero in seiner anfänglichen Amtszeit wirklich die volle Kontrolle über sein Handeln gehabt hat, oder die Fäden der Regierungsführung von anderen gezogen wurden. Die Veränderung seiner Person durch die neue Machtposition soll ebenso beleuchtet werden, wie die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Regierungsgeschäfte. Im Zuge dieser Forschung spielen natürlich Neros direkte Bezugspersonen eine bedeutende Rolle, da ihn diese durch ihr Tun beeinflussten. So stellt die Zeit nach der Regierungsübernahme einen wichtigen Abschnitt für Neros Berater dar. Welche besondere Rolle die Lenker des Staates hatten, wird in der Arbeit näher betrachtet werden. Die Texte von Sueton und Tacitus über das Leben des Kaisers geben dafür eine gute Grundlage und bieten einen Einblick in diese Zeit. Neuere Forschungsliteratur findet man vor allem zur Gesamtbiographie Neros, jedoch nur spärlich zu einzelnen Punkten seines Lebens. Diese bezieht sich größtenteils auf dieselben Quellen der Autoren Seneca, Cassius Dio und Tacitus, welche auch für diese Arbeit herangezogen werden, um sich persönlich ein Bild der Inhalte machen zu können. Jedoch muss vor allem bei den Schriften Senecas von vorne herein darauf geachtet werden, dass dieser als Neros Erzieher einen speziellen persönlichen Bezug zu seinem Schützling hatte. So wird ein bestimmtes Bild von Nero vermittelt, weshalb die Inhalte unter Beachtung dessen abermalig kritisch betrachtet werden.

Beginnen möchte ich mit der Grundlage für die Beschäftigung mit dem Herrscher Nero, der Herrschaftsübernahme. Diese gut eingefädelte Vorgehensweise von Neros Mutter und deren Begleiter bildete die Basis für die folgende sichere Regierung des Prinzeps. In diesem Zusammenhang wird hier auch die Frage nach der Miteinflussnahme Neros wieder aufgeworfen. Denn diese Planung scheint nicht von ihm zu stammen. Weiterführend wird ein kurzer Überblick über die ersten Regierungsjahre gegeben, um eine bessere Einordnung der Vorkommnisse zu ermöglichen und eine Veränderung Neros erkenntlich zu machen. In diesem Zusammenhang stellen die von Seneca geschriebenen Reden einen wichtigen Punkt in der Herrschaft Neros dar. Diese vom Prinzeps vorgetragenen Schriftstücke, welche ihm die Zustimmung des Senats und des Volkes sicherten, bieten eine gute Gelegenheit den Einfluss Senecas näher zu beleuchten. Auch die Leitung der Regierungstätigkeiten Agrippinas, Neros Mutter, sollen näher untersucht werden. Ohne genauer auf die Aufgabenverteilung zu achten, lässt sich die Vermutung anstellen, dass eigentlich sie, zumindest für eine gewisse Zeitspanne die Herrscherin des römischen Staates war. Deshalb wird den Einflüssen der Berater Neros ein großer Teil dieser Arbeit zugestanden, bevor auf den eigentlichen Standpunkt des Prinzeps in seinem Amt eingegangen wird. Dieser scheint in den Jahren seiner Regierungszeit ein unterschiedlicher Charakter gewesen zu sein, was sich auch in dessen Entscheidungen widerspiegelt. Am Ende der Arbeit werden die Veränderungen in der Machtaufteilung vor dem zuvor behandelten Hintergrund im Leben und Wirken des Kaisers untersucht.

2. Der Herrschaftswechsel

Zur Mittagszeit des 13. Oktobers 54 wurde der herrschende Imperator Claudius für tot erklärt. Laut seiner Gattin Agrippina und dem Arzt Xenophon erlag er einer Pilzvergiftung, die er sich beim Abendessen zuvor geholt haben sollte. Auffallend hierbei ist jedoch ist, dass sich alle anderen Teilnehmer des Essens bester Gesundheit erfreuten. Claudius wurde nach ersten gesundheitlichen Anzeichen in seine Gemächer gebracht und erlag dort, in Abwesenheit weiterer Angehöriger dem Gift, welches ihm im Auftrag Agrippinas verabreicht wurde.1 Auf Anraten der gerufenen Astrologen sollte der Tod des Herrschers bis zum nächsten Mittag geheim gehalten werden, da das die Beste Gelegenheit laut den Sternen sein sollte, um den künftigen Prinzeps vorzustellen. So begaben sich Nero und der Prätorianerpräfekt Sextus Africanus Burrus gemeinsam mit einer Sänfte zum 12 Kilometer entfernten Lager der Prätorianergarde.2 Der Zug mit der Sänfte, einigen höheren Offizieren und treuen Hofleuten ging unter Zurufen beauftragter Prätorianer, welche Nero als Kaiser bezeichneten, zum Lager.3 Dort hielt der 17 jährige Nero eine kurze, von Seneca verfasste Rede, welche die Gunst des Militärs für die Übernahme der Herrschaft sichern sollte. Denn schon vor der offiziellen Verkündigung vom Tod des Kaisers Claudius gab es geheime Absprachen zwischen Agrippina, Pallas, Seneca und Burrus, welche beinhalteten, dass jeder Soldat ein Geschenk von 15.000 Sesterzen, ca. fünf Jahreslöhne, bei Antritt Neros als Imperator erhalten sollte.4 Denn er „versprach ihnen alles, was auch schon Claudius ihnen gegeben hatte“5, um sich den Rückhalt des Militärs zu sichern. Bestätigt durch den Jubel der Soldaten folgte nun ein Besuch in der Kurie, denn nur der Senat hatte nach dem Staatsrecht die Befugnisse den neuen Herrscher einzusetzen. Die Vorgabe der Prätorianer war für den Senat zwar nicht bindend, jedoch blieb nicht viel Zeit für eigene Überlegungen, oder einem Widerstand, sodass Nero dank der militärischen Unterstützung unverzüglich zum Imperator ernannt wurde. Ihm wurden alle Befugnisse und Titel des Herrschers übertragen, wobei er den Titel Vater des Vaterlandes wegen seines geringen Alters erst später annahm. Diese Sitzung des 13. Oktobers dauerte mehrere Stunden an, sodass Nero erst abends aus dem Senat heraus kam, „nachdem er alle Ehrungen entgegengenommen hatte, mit denen man ihn überschüttete.“6

3. Ein Überblick über die ersten Regierungsjahre

„Das erste, was er nach der Regierungsübernahme tat, war, ein Verhalten zu demonstrieren, wie es für einen Sohn geziemend war“7, sicher auf Anraten seiner Berater veranstaltete er „ für Claudius ein Begräbnis mit Prunk und Pracht, hielt die Leichenrede und erhob ihn unter die Götter.“8 In den ersten Jahren der Regierungszeit Neros zeigte sich, dass das Regierungsprogramm, welches Nero in seiner ersten Rede vor dem Senat präsentierte, auch durchgesetzt wurde. Denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger hielt er seine Versprechungen dem Senat gegenüber. Denn die senatorische Zustimmung zu seiner Herrschaftsübernahme war für eine sichere Amtsübernahme nötig.9

Nicht vernachlässigt werden sollte aber auch der Aspekt, dass in Großteil der Senatoren erleichtert war einen neuen Prinzeps begrüßen zu dürfen, welcher zwar noch sehr jung, aber durch seine Berater, „Burrus jedoch und Seneca seien als Männer von vielseitiger Erfahrung bekannt,“10 in vielerlei Hinsicht besser geeignet war einen Staat zu leiten. Denn das Vorhaben Neros seine Nachfolge nach dem Vorbild des Augustus anzutreten und die Kooperation zwischen ihm und dem Senat zu fördern erhielt Anklang bei der römischen Führungsschicht. Die letzten Skeptiker am neuen Imperator sollten durch die vielfältigen Zugeständnisse Neros an den Senat überzeugt werden, worüber auch Tacitus schrieb: „Darauf entwarf er ein Bild des künftigen Prinzipats, wobei er insbesondere von den Verhältnissen abrückte, über die in jüngster Zeit die Erbitterung hell aufloderte.“11 So bekamen die Senatoren ihre unter Claudius verloren gegangenen Befugnisse zurück, welche die Verwaltung der inneren Provinzen beinhaltet, sowie die Mitsprache bei der allgemeinen Verwaltung. Zudem sollte wieder zwischen dem privaten Vermögen der Herrscherfamilie und dem Staatseigentum unterschieden werden und die Kontrolle über die Judikative sollte nicht mehr durch die willkürliche Einmischung des Kaisers negativ beeinflusst werden, sondern wieder dem Senat unterliegen.12 Auch die Eindämmung der unter Claudius zunehmend gewonnenen Freiheiten der Freigelassenen stand auf dem Programm und erhielt breite Gutheißung aus der Senatorenschicht.13

3.1. Seneca und seine Reden

L. Annaeus Seneca, Neros Erzieher und Berater nahm schon in frühen Jahren eine prägende Position in dessen Leben ein. Er lehrte dem späteren Prinzeps die Feinheiten der Redekunst und sorgte für eine allgemeine Bildung. In der Amtszeit Kaiser Neros stand Seneca ihm als persönlicher Berater zur Seite und bestimmte die politische Richtung mit.14 Auch ließ er die Öffentlichkeit erkennen, welche Schwerpunkte er in seiner Position als Erzieher und Berater setzte, wobei er stets versuchte nach den Maßstäben der Stoa zu handeln. Im Jahr 56 war er sogar als Konsul tätig, jedoch soll er wohl zu keinem Zeitpunkt eine Senatssitzung besucht haben. Vermutlich entzog er sich so auch dem öffentlichen Interesse an ihm, wegen seinem direkten Kontakt zum Kaiser. Zudem bildete Seneca gemeinsam mit dem Prätorianerpräfekten Burrus einen Gegenpol zur Herrschsüchtigkeit Agrippinas, welcher von der römischen Oberschicht begrüßt wurde.15 So blieben wohl die beiden Morde kurz nach der Regierungsübernahme die einzigen, da dieses Morden nicht mit den moralischen Vorstellungen Senecas zu vereinbaren war. In den meisten Schriften antiker Autoren wird Seneca weitgehend positiv beschrieben, vor allem sein besonnenes Handeln bei der Erziehung mit Nero und der Regierungsführung mit dessen Mutter Agrippina. Gerade seine Rolle als Vermittler zwischen Senat und dem Hofstaat stellte eine besondere Grundlage in einer einvernehmenden Staatsführung dar.16 Hervorzuhebend sind ins besonders die von Seneca offensichtlich verfassten Reden, welche Nero in etlichen Senatssitzungen und in der Öffentlichkeit gehalten hat. Dies blieb auch nicht lange unbekannt, so schrieb Tacitus: „unter denen, die zur Macht gekommen seien, habe Nero fremder Redegabe bedurft“17. Vor allem die erste Rede vor dem Senat sollte die politische Zukunft sichern und die Senatoren zur Übertragung der kaiserlichen Befugnisse bringen. „Um seine Grundeinstellung noch eindeutiger zu demonstrieren, legte er das Bekenntnis ab, er werde ganz nach den Regeln des Augustus regieren.“18 Ebenfalls versprach er die Achtung der senatorischen Aufgaben, der Wiederherstellung des Justizsystems und der Beseitigung von Missständen der claudischen Regierung. Darüber hinaus wurde auf die Vorteile des jungen Herrschers hingewiesen, der ohne alte Feinde das Amt antreten konnte. Genauso, wie die nahe Verwandtschaft zu Germanicus, der große militärische Erfolge in Germanien erzielte sprach für sich. Durch den perfekten Vortrag des dafür geschulten Nero und „den sehr gepflegten Stil“19 der Reden Senecas wurden auch die letzten Skeptiker im Senat der Herrschaft Neros nicht mehr abgeneigt gewesen sein.20

3.2. Regierung unter Agrippina?

Schon vor dem Tod des Kaiser Claudius legte Agrippina die Basis für die spätere Machtübernahme ihres Sohns. Vertraute wurden in wichtige Positionen gebracht, um ihr als loyale Mitglieder des hohen Hauses den Erfolg zu sichern. Nachdem der Plan Agrippinas ihren Sohn Nero auf den Thron des römischen Reichs zu befördern erfolgreich war, war ihr Ziel, die mächtigste Frau im Staat zu sein, erreicht.21 Schon ein Relief im Sebasteion in Aphrodisias zeigte, dass es eigentlich seine Mutter war, die Nero zum Kaiser gemacht hat.22

Nach dem Tod ihres Mannes und dessen Vergöttlichung erhielt Agrippina selbst den Vorsitz über die Priesterschaft des Claudiuskults. Sie nutzte ihre Macht gleich für den Auftrag zweier Morde, welche verhindern sollten, dass ihre politischen Gegner einen anderen legitimierten Nachfolger für den Kaiserthron einsetzten. „Die erste Mordtat unter dem neuen Prinzipat wurde an Iunus Sileanus, dem Proconsul von Asia, ohne Wissen Neros durch Agrippinas Hinterlist verübt“23 Der Grund dafür war seine Abstammung, er war mit dem gleichen Grad wie Nero mit dem damaligen Kaiser Augustus verwandt und zudem ein hochadeliger und erfahrener Mann, der für die Führung eine Staates eher in der Lage gewesen wäre.24 Ebenfalls wurde Narcissus der Privatsekretär von Claudius und ein Gegner Agrippinas gefangen genommen und in den Selbstmord getrieben. Gleichermaßen sollen jegliche Widersacher der Regierung Neros, sowie Befürworter des Britannicus aus wichtigen Positionen entlassen worden und somit unschädlich gemacht worden sein.25 Durch diese Veränderte Lage stand ihr nichts mehr bei der Ausübung ihrer Macht entgegen. Schon in der ersten Regierungswoche bestätigte Nero die mächtige Position seiner Mutter und übertrug ihr die oberste Aufsicht über alle privaten und öffentlichen Geschäfte durch die Losung „die allerbeste Mutter“26 am Abend seiner Inthronisation für die Prätorianergarde. Ein ausgefallenes Vorrecht hatte sie schon kurz nach dem Tod des Claudius erhalten, denn von nun an standen ihr zwei Lictoren bei öffentlichen Auftritten zur Seite, die ihr vorangingen. Normalerweise besaßen dieses Recht auf Amtsdiener nur Magistrate und die oberste Vestalin. Überdies wurden Gold- und Silbermünzen im Dezember 54 mit dem Portrait von Nero und Agrippina in Gegenüberstellung geprägt, welche unterstrichen durch die Inschrift die Machtposition Neros Mutter verdeutlichen.27 Ebenso zeigt sie sich häufig gemeinsam mit ihrem Sohn bei öffentlichen Auftritten und leitete kurzzeitig alleine die Regierungsgeschäfte Neros. Unter diesen Gesichtspunkten bestätigt sich die Frage nach einer Regierung Agrippinas, denn sie führte selbstständig, zwar offiziell im Auftrag und mit dem Einverständnis des Kaisers, die Aufgaben eines Imperators aus.

[...]


1 Vgl. Malitz, J.: Nero, S. 56.

2 Vgl. Suet.Nero 8.

3 Vgl. Malitz, J.: Nero, S. 57.

4 Vgl. Waldherr, G: Nero, S. 61.

5 Cass. dio, 61.3.1

6 Suet. Nero 8.

7 Suet. Nero 9.

8 Suet.Nero 9.

9 Vgl. Waldherr, G: Nero, S.67.

10 Tac.ann. 8.6.3.

11 Tac.ann. 8.4.1.

12 Vgl. Tac.ann. 8.4.

13 Krüger, J: Nero, S.36.

14 Vgl. Cass. dio 61.4.1.

15 Vgl. Malitz, J.: Nero, S.26.

16 Vgl. Waldherr, G.: Nero, S. 65.

17 Tac.ann.8.3.2.

18 Suet.Nero 10.

19 Tac.ann.8.3.1.

20 Vgl. Tac.ann. 8.7.

21 Vgl. Tac.ann. 7.68.

22 Elbern, Stephan: Nero, Kaiser – Künstler – Antichrist, Mainz, 2010, S. 39.

23 Taci.ann. 8.1.1.

24 Vgl. Tac.ann.8.1-3.

25 Vgl. Waldherr, G: Nero, S.66.

26 Vgl. Sueton: Nero 9.

27 Vgl. Malitz, J.: Nero, S.23.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Nero, ein beherrschter Herrscher. Die ersten Jahre der Herrschaft Kaiser Neros im römischen Reich
Hochschule
Universität Regensburg  (Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V294368
ISBN (eBook)
9783656920175
ISBN (Buch)
9783656920182
Dateigröße
2219 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nero, Rom, Antike, Agrippina, Seneca, Kaiser Nero, Römisches Reich, Herrschaft Nero, Römer
Arbeit zitieren
Nathalie Lutz (Autor), 2013, Nero, ein beherrschter Herrscher. Die ersten Jahre der Herrschaft Kaiser Neros im römischen Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294368

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