Mit Gott auf Du. Überlegungen zur Personalität Gottes


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2015
27 Seiten

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Mit Gott auf Du – Überlegungen zur Personalität Gottes

Hans Alfred Stricker

Auf die Frage „Sind Sie religiös?“ bekannte der BallonpionierBertrand Piccard, der als erster die Erde mit einem Ballon umflogen hatte: „Ich glaube an den Gott, der die Menschen erschaffen hat. Aber ich glaube nicht an den Gott, den die Menschen erschaffen haben.“[1] Piccard rechnetalso mit der Möglichkeit, dass die Menschen imstande sind, sichselbst einen Gott zu schaffen, das heissteinen Gott, der ihren Bedürfnissen entspricht und ihre Wünsche erfüllt. Der biblische Satz: „Gott schuf den Menschen, nach seinem Bilde schuf er ihn“würde dann umgekehrt lauten: „Der Mensch schuf Gott, nach seinem Bilde schuf er ihn.“

Dieser Verdacht, Gott sei ein Produkt menschlicher Wunschvorstellungen, hat Tradition.In den griechischen Göttergestalten, in ihrem Tun und Lassen („Stehlen, Ehebrechen und sich gegenseitig Betrügen“) sah bereits der griechische Philosoph Xenophanes (um 570 – 470 v.Chr.) Abbilder der Menschen und ihres Menschseins:

„Doch wenn die Ochsen, die Rosse und Löwen Hände hätten oder malen könnten mit ihren Händen und Werke bilden wie die Menschen, so würden die Rosse rossähnliche, die Ochsen ochsenähnliche Göttergestalten malen und solche Körper bilden, wie (jede Art) gerade selbst das Aussehen hätte.“ [2]

Ein neuzeitlicher Philosoph, Ludwig Feuerbach (1804-1872), hat diesen Verdacht zum Dogma erhoben, davon bis heute viele Zeitgenossen überzeugt sind: Die Gottesvorstellungen, die Gottesbilder seien Projektionen der Menschen, Ausdruck ihrer Sehnsucht nach der Unendlichkeit des Lebens. Demnach projiziertder endliche Mensch seinen Wunsch nach Unsterblichkeit und Vollkommenheit auf die von ihm erdachten himmlischen Figuren, auf Gott und die Götter. Solcher Glaube gibt also nicht Auskunft über die Wirklichkeit und das Wesen Gottes, sondern über das, was den Menschen zu tiefst bewegt. Theologie, die Lehre von Gott, muss als Anthropologie interpretiert werden, als Lehre des Menschen über sein Menschsein.„Die Religion ist die Reflexion, die Spiegelung des menschlichen Wesens in sich selbst.“ – „Gott ist der Spiegel des Menschen.“ – „Gott ist das offenbare Innere, das ausgesprochene Selbst des Menschen .“ [3] Wie aus Feuerbachs Hauptwerk „Das Wesen des Christentums“ hervorgeht, willerdie Religion aber nicht zerstören, sondern positiv ihren wahren Kern aufdecken. Der biblische Glaubenssatz „ Gott ist die Liebe“ sagt dann aus: „Das Höchste ist die Liebe des Menschen“.[4] Oder anders ausgedrückt: Die Liebe ist Subjekt, Gott dasPrädikat, die Vokabel „Gott“beinhaltetdas eigentliche, innerste Wesen des Menschen , das jedem Menschen eigene Liebespotential.

Es versteht sich, dass im Zeichen dieses Verdachtes, Theologie sei Anthropologie, die Vorstellung von Gott als Person abzuweisen ist. Mussalsodas Bild eines personalen Gottes als Projektion dessen, was das Wesen des Menschenausmacht - seinPersonsein, interpretiert werden?Oder - im Gegenteil - äussert sich in dieser Vorstellungeine Aussage, die nach christlichem Glaubensverständnis unaufhebbar ist?

Der anthropologische Urgrund des Gottesbildes

Für die meisten Menschen, die in einem christlich geprägten Milieu aufgewachsen sind, liegen die religiösen Wurzeln in einem Elternhaus, das der religiösen Bildung einen wichtigen Wert zugemessen hat. Am Abend vor dem Einschlafen hat Mutter oder Vater mit ihnen gebetet, eine Geschichte erzählt, ein Lied gesungen oder aus einer Kinderbibel vorgelesen. Zum ersten Mal hörten sie in solcher Grenzsituation von Tag und Nacht das Wort „Gott“. Im Gebet wurde dieser „Gott“ angesprochen: „Lieber Gott“, „Vater im Himmel“, „Grosser Gott“. Offenbar meint esdieser Gott gut mit uns Menschen: Er schickt nachts einen Engel ans Bettchen, der die kleinen Kinder behütet und in ihnen die Angstvor der Dunkelheit nimmt, der „morgens früh, wenn Gott will, uns wieder geweckt“.Wie ein verständnisvoller Vater nimmt Gott denfortgelaufenen Sohn bei dessen Rückkehr mit offenen Armen auf. In der Vorstellungskraft des Kindes formiert sich Gott zu einer Person, einer männlichen Gestalt, die man mit den Augen zwar nicht sieht, aber genau so eine reale Figur ist wie es die Engel, Feen, Zwerge und alle Märchengestalten sind. In eine Zeichnung umgesetzt, sitzt dann Gott auf einer Wolke hoch oben im Himmel und schaut zu, dass es den Menschen, den Tieren und auch dem Teddybär gut geht.

In dieses Gottesbild sind zweifelsohne Erfahrungen mit dem leiblichen Vater eingemalt. Sowohl die Erfahrung eines gütigen, klugen Vaters, der dem Kind den Raum zu Selbständigkeit und Verantwortung öffnet, wie jene eines strengen Erziehers, welcher autoritärGehorsamund Willensverzicht verlangt, beide Vatererfahrungen können sich im Gottesbild niederschlagen. Insofern trifft es zu, dass sich in den religiösen Vorstellungen Projektionen oder „Übertragungen“ der Kindheitserfahrungen manifestieren. Vereinfacht lässt sich sagen: Positive Vatererfahrungen führen zu einem positiven Gottesbild, negative, problemreiche Vaterbeziehungen erschweren den Zugang zu einem lebensbereichernden, lebensstärkenden Gottesglauben.Wer beispielsweiseals Gottesbild einen Satan, einen Henker oder einen Buchhalter aufs Papier malt, ist, wie die Psychologin Jolande Jacobi aufgezeigt hat, primärgefordert, seinen komplexen Vaterkonflikt zu bearbeiten.[5] Denn die negativen Vatererfahrungen versperren den Weg zu lebensstärkenden Gotteserfahrungen. In gegenwärtigerZeit, wo infolge von Scheidung viele Kinder ohne Vaternähe aufwachsen oder Väter infolge grosser Distanz von Wohn- und Arbeitsort zu Randfiguren der Familie werden, besteht die Gefahr, dass auch das Gottesbild verblasst, Gott als väterliche Figur sich im konturlosen Nebel auflöst undso auch der Glaube an Gottes fürsorgerische Nähe verdunstet. Freilich, andere Menschen wiederum erleben, wie sich im Glauben an Gott-Vater ihrebiographische Leerstelle, die fehlende oder die konfliktreiche Vaterbeziehung, kompensatorisch äussert: Gott steht da als Ersatz für jene Fürsorge und emotionale Nähe, dieder irdische Vater nicht zu geben vermochte. - Wie auch immer, die positiven wie die negativen Vatererfahrungen formieren bei den meisten Menschen, sowohl bei den Religiösen wie bei den Areligiösen, den Urgrund der Gottesbeziehung. In die Gottesfigur flossen und fliessen viele emotionale Erfahrungen der Nähe oder Ferne zu den Eltern ein, vor allem zum Vater.[6] Die emotionalen Übertragungen vom irdischen auf den himmlischen Vater sind aber nicht, wie atheistisch gesinnte Religionskritiker kurzschliessend behaupten, der Beweis der Nichtexistenz Gottes, sondern der Nachweis, dass immanente biographische Erlebnisse zu Gefässen für dieErfahrung einer anderen, dertranszendentenWirklichkeit werden, zu Gefässen, die das Leben bereichern oder von denen man sich lieber verabschieden möchte.

Im Prozess der Selbstfindung macht es Sinn, die eigene Glaubensgeschichte nach solchen psychischen Mechanismen wie Projektion, Übertragung und Kompensation abzufragen. Die Befürchtung, der Gottesglaube könnte dabei auf der Strecke bleiben, erweist sich als unbegründet. Denn wer um diese Zusammenhänge von Gottesbild und Vaterbild weiss, dessen Glaube kann an Klarheit und Reife nur gewinnen.

Gott als väterliche Figur begegnet uns schliesslich auch in der abendländischen Bildkunst, die sich nicht gescheut hat, gegen das biblische Bilderverbot Gott als männliche Himmelsfigur darzustellen, so im bekannten Wandbild von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, wo sich Schöpfergott und geschaffener Mensch mit dem Zeigefinger beinahe berühren. Die in der alten Kirche und im Zeitalter der Romanik noch vorhandene Scheu, Gott als Person im Bild festzuhalten, ging in der Gotik- und Renaissancekunst verloren. Bis in die Neuzeit war die Darstellung der Dreieinigkeit ein beliebtes Sujet der Kirchenmaler: der himmlische Vater,dargestellt im Porträt zuoberst auf der Altarwand, darunter der Heilige Geist als Taube, die auf Jesus, der von Johannesim Jordan getauft wird, herabfliegt.[7] Dieses Bild von Gottvater als männliche, ältere Figur, schwebend auf einer Wolke, fand schliesslich Eingang in manche Kinderbibel und hat das Gottesbild von Generationen mitgeprägt.[8]

Einsicht 1: Die biographischen Grunderfahrungen von Vertrauen und Misstrauen, von Geborgenheit wie emotionaler Leere bilden das Grundmaterial zur Entstehung und Entwicklung eines eigenen Gottesbildes.

Gott – der oder die oder das Gott?

Die meisten Erwachsenen haben sich freilich von der kindlichen Vorstellung, Gott sitze auf einer Himmelswolke, verabschiedet, die einen, indem sie den Gottesglauben ganz über Bord geworfen, die anderen, indem sie den Schritt von der ersten zur „zweiten Naivität“ (P. Ricoeur) gewagt und die Bedeutung der symbolischen, metaphorischen Sprache entdeckt haben. Dabei löst sichdas Bild Gottes als männliche Figur auf und macht häufig abstrakten Vorstellungen und Begriffen Platz. Statt von der Person Gottes spricht man von der „höheren Macht, die es doch irgendwie geben muss“, von der „universalen kosmischen Energie“, die den Makrokosmos wie den Mikrokosmos bewegt, vom„Schicksal“, dem man ausgeliefert ist, von der „bedingungslosen Liebe“, die „imInnersten die Welt zusammenhält“. Für den Philosophen Karl Jaspers ist Gott jene Klammer, die alles „umgreift“, vor allem die für das immanente Denken charakteristische Subjekt-Objekt-Spaltung. Aus philosophischer Sicht beschreibt Volker Gerhardt Gott als „Sinn des Sinns“[9]. Während der naive Glaube Gott zu einem innerweltlichen Objektmacht, das es neben allen anderen Objekten auch gibt, transzendiert der philosophische Glaube die Bedingungen von Raum und Zeit und umgreiftalles, was die vorfindliche empirische Welt beinhaltet.Für den Theologen Paul Tillich ist Glaubedas, „was uns unbedingt angeht“, ist Gott „die unendliche Tiefe“des Lebens, „der unerschöpfliche Grund des Seins“. „Wer um die Tiefe weiss, weiss auch um Gott.“[10] Diese Gottes-Interpretationdes neuprotestantischen Theologenkommtderjenigen des mittelalterlichen, katholischen Mystikers Meister Eckhart nahe, der das Einswerden von Gott und Seele, die „uniomystica“, nicht als ein Zusammenkommen zweier Wirklichkeiten versteht, sondern „dass etwas in der Seele ist, das Gott so verwandt, dass es eins ist und nicht vereint“.[11] Zwischen tiefstem Seelengrund und Gott besteht also eine Identität, die Kluft zwischen Schöpfer und Geschöpf schliesst sich.

Apersonale oder „transpersonale“ Gottesbilder und Gottesbegriffe haben den Vorzug, dass sie Gott nicht aufdasmenschliche Vorstellungsvermögen eingrenzen, ihn nicht „definieren“ (Lateinisch: finis gleich Grenze), sondern für das Unsagbare, das alle Grenzen der Sprache und des Verstehens übersteigt, öffnen, um dem göttlichenGeheimnis Raum zu geben.Zu oft sind personale Gottesbilder – z.B. Gott als Herrscher und König - zur Legitimierung individueller und gesellschaftlicher Interessen missbraucht worden, beispielsweise im Herrschaftsverständnis des Absolutismus, der die unterschiedlichen gesellschaftlichen Stände als Ausdruck des göttlichen Willens interpretierte, aber auch im bürgerlichen Kulturprotestantismus des 19. Jahrhunderts, der den fortentwickelten menschlichen Geist in Kultur und Philosophie dem göttlichen gleichsetzte. Dagegen richtete sich der frühe Protest der Dialektischen Theologie mit der Parole: „Gott, der ganz Andere“, der nicht Abbild unserer Wünsche und Sehnsüchte ist,der sich nicht vereinnahmenund vor den Karren der eigenen Interessen spannen lässt.Diese Gefahr bestandund besteht seit der „Konstantinischen Wende“, als die christliche Religion kaiserliche Unterstützung erfuhr und am Ende des 4. Jahrhunderts zur Staatsreligion erhoben wurde mit der Folge,dass politische Macht und Religion bis in die Neuzeit immer wieder ein Bündnis eingegangen sind.[12]

In der feministischen Gesellschaftkritik, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch theologisch äusserte, wird das überlieferte, männlich geprägte Gottesbild als Ausdruck patriarchaler Herrschaftsverhältnisse verstanden und darum verworfen, zugleichaber ersetzt durch Gottesbilder (Mehrzahl), die auch weibliche Attribute einschliessen.So steht für Gott in der „Bibel in gerechter Sprache“ auch das feminine Personalpronomen „Sie“ oder heisst es: „ die“ Gott, denn „Gott soll nicht auf ein Geschlecht eingeengt werden“.[13] Pfarrerinnen beginnen heute den Gottesdienst gerne mit der Formel: „Im Namen Gottes, der unser Vater und unsere Mutter ist“. Schon bei Jesaja heisst es von Gott: „Wie einen seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten“ (66,13).[14]

Schliesslich lässt sich in der Gottesfrage sowohl in der evangelischen wie der katholischen Theologie eine grundsätzliche Verschiebungdes Interesses feststellen. Fragen wie: Wer ist Gott? Wie ist Gott? Welche Gottesattribute sind angemessen? treten zurück und machen existenziellen Fragen Platzwie:Wann, wo, wie erfahre ich Gott? Welche Lebensrelevanz kommt dem Glauben an Gott zu? Die Frage nach dem Personsein Gottes ist darumnur insofern von Interesse, alssie die Frage nach dem Personsein des Menschen einschliesst und beantwortet. Wann, wo und wie offenbaren sich dem Menschen in dessenExistenzerfahrungen religiöse Dimensionen, diehin zur Begegnung mit dem lebendigen Gott führen?„Erfahrungen mit der Erfahrung“[15] – lautet die Kurzformel.Das heisst:In den Existenzerfahrungen, in den Höhen und Tiefen des Lebens öffnen sich die Chancen, Gott zu erfahren.

Sollte es zutreffen, dass die „theistische Theologie“ mit ihrem personalen Gottesverständnis, das zwischen Schöpfer und Geschöpf grundsätzlich unterscheidet, tatsächlich an ihr Ende gekommen ist[16], so wäre dannfreilich weiter zu fragen, ob die Sprache der Theologie, der Frömmigkeit und Liturgie neu geschrieben werden müsste. Die Aussagen von Gott als Herr, Schöpfer, Erlöser und Erhalter, die Bilder von Gott als König, Hirt, Vater u.a. wären dann durch die genannten apersonalen Begriffe und Bilderzu ersetzen. Das Gebet Jesu, das Unser Vater, könnte zum Beispiel so beginnen:

„Kosmische Energie,

sei uns heilig,

walte im ganzen Universum,

durchwirke den Makro- wie den Mikrokosmos,

nimm Wohnung in uns zur Stillung der täglichen Bedürfnisse…..“.

Auch die Bibel wäre neu zu schreiben, ist sie doch „ein durch und durch personales Buch – in der ganzen Religionsgeschichte gibt es kein personaleres“[17].

Interessant sind in diesem Zusammenhang die Erkenntnisse der religionssoziologischen Milieuforschung, die aufzeigt, dass in den verschiedenenMilieus, die sich in wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, Bildung, Kulturverhalten und Lebensstilvoneinander unterscheiden, auch divergierende Gottesbilder präferiert werden. Johannes Röser[18] fasst sie so zusammen: Sie(die Milieuforschung) „hat unter anderem nachgewiesen, dass traditionsorientierte Christenmilieus ein Gottesbild bevorzugen, das stark personal den Schutz betont. Gott ist die mächtige Autorität, eine Art ‚Vater‘. Doch bereits in den bürgerlichen Hauptströmungen und familienorientierten Milieus hat diese Glaubenssicht an Überzeugungskraft eingebüsst. Autorität wirkendeGotteszuschreibungen wie König, Richter, Hirte werden energisch abgelehnt, stattdessen ‚gleichrangige‘ Bilder bevorzugt. Gott ist in diesen Bevölkerungsschichten ‚der gute ‚Freund‘, der verlässliche Partner, der einen beständig und treu begleitet. Personen, die sich in modernen Milieus bewegen, betrachten ‚Gott‘eher apersonal als ‚Göttliches‘. Sowohl hierarchische als auch egalitärepersonale Gottesbilder finden da wenig Anklang. Vielmehr geht es um Versenkung, Spiritualität, Innerlichkeit. Dazu dienen Umschreibungen, Bilder und Begrifflichkeiten, die den Klassikern der Mystik nahe kommen: Das Göttliche wird als Licht in der Nacht, als Feuer, als Flamme, auch als Traum im Herzen des Menschen gedeutet und ‚veranschaulicht‘. Interessant ist die Beobachtung von Ebertz, dass in postmodernen-experimentierfreudigen Milieusin Anknüpfung an die ‚negative Theologie‘ die Abwesenheit Gottes unterstrichen wird – entsprechend der Lebenswelt dieser Menschen, wo auf feste, tragende Beziehungen wenig Verlass ist, beruflich Mobilität und Flexibilität verlangt werden. Solche Menschenersetzten gerne überkommene Gottesbilder durch Symbole wie ‚Quelle‘, ‚Energie‘, ‚im Fluss sein“(soweit Röser, Kursivdruckvon H.A.S.). Schliesslich: Sogenannte „Konsum-Materialisten“ finden kaum mehr einen Bezug zur religiösen Symbolwelt. Wenn überhaupt, bleibt nur noch der magische Glaube an einen Schutzengel, an das Maskottchen, das im Auto hängt, oder das Küssen des Bodens beim Betreten des Fussballfeldes.

Dieser Zusammenhang zwischen Gottesvorstellung und Lebenswelt verdient besondere Beachtung. Die Zeit, wo in geschlossenen konfessionellen Milieus allgemein anerkannte Gottesbilder die Gläubigen von Geburt bis Tod begleiteten, ist vorbei. Die genannten religionssoziologischen Erkenntnisse sind hilfreich, die Lebenswelten heutiger Menschen zu verstehen und in der Weitergabe des Glaubens, in Verkündigung, Seelsorge und Unterricht zu berücksichtigen. Das heisst aber nicht, dass sie zur Richtschnur („Kanon“) dessen werden, was inhaltlich den christlichen Glauben ausmacht. Massstab des christlich verstandenen Glaubens bleibt dessen Wurzel, die biblische Botschaft, genauer „der Kanon im Kanon“, d.h. das Herzstück des Evangeliums, der Angelpunkt, der sich zwar nicht biblizistisch oder dogmatisch ein für alle Mal definieren lässt, sondern in jeder Zeit neu zu entdecken ist.

Einsicht 2: Ob sich jemand für ein personales Gottesbild (ein maskulines oder feminines)oder für ein apersonales(neutrales) entscheidet, hängt auch von seiner Lebenswelt ab. Beide Gottesbilder haben je ihre Stärken und Schwächen. Für Gottesbilder, die Leben zerstören – eigenes und fremdes, ist aber nur eines richtig: Sie sind zu löschen.

Biblisches Bilderverbot undbiblische Gottesbilder

Befragen wir das 3. Gebot des Dekalogs, das Bilderverbot, welches für das Gottesverständnis des jüdischen wie christlichen Glaubens von zentraler Bedeutung ist, ob personale oder apersonale Bilder zur Beschreibung der Wirklichkeit Gottes eher angemessen sind.

Die Historiker nehmen an, dass das Bilderverbot von den Nomaden oder Halbnomaden, die in der Wüste lebten, bei der Landnahme mitgebracht worden ist. Wie sich aber aus verschiedenen Texten innerhalb und ausserhalb des Alten Testaments ergibt und wie die Archäologie bestätigt, vermischte sich bald der ursprünglich bilderlose Jahweglaube mit kanaanäischen Fruchtbarkeitskulten, welche die Verehrung von Götterbildern kannten, von Bildern, die in Holz geschnitzt, in Stein gehauen oder in Erz gegossen waren (Masseben, aufgerichtete kultische Steinmale, und Aschera, ein Kultpfahl der gleichnamigen Göttin, die auch als Frau von Jahwe galt). Von König Jerobeam I., der 926-907 v. Chr. regierte, wird berichtet, er hätte in Bethel und Dan Stierbilder aufstellen lassen, um das Nordreich gegenüber dem Südreich mit seinem politischen und religiösen Zentrum in Jerusalem zu verselbständigen. Erst der Untergang des Nordreiches, 732 von Assyrien einverleibt, und das Ende des Südreiches, 586 von den Babyloniern endgültig unterworfen, führten zu einer theologischen Neuorientierung. Wollte Israel seine Identität bewahren und nicht in den Kulturen und Religionen der Nachbarvölker aufgehen, musste es die kanaanäischen Einflüsse ausscheiden und zu einer bilderlosen Jahweverehrung zurückkehren. Bilder- und Fremdgötterverbot - das Festhalten an dem einen Gott, der sich nicht in Bildern fassen lässt - wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. zum Grundbekenntnis des Glaubens und formiert seither die Identität Israels als Volk Gottes im Unterschied zur nichtjüdischen Umwelt. Der Sinn des Bilderverbotes: Der Schöpfer von Himmel und Erde darf nicht in die Hände des geschaffenen Menschen fallen (Götterbilder werden ja gereinigt, bekleidet und gepflegt), er darf nicht zum Spielball menschlicher, politischer oder religiöser Interessen werden. Gott, der am Sinai für das Volk nicht sichtbar, sondern nur hörbar war (Dt 4,12), begegnet dem Menschen im Wort bzw. in der Thoraund nicht im Bild.

Das Bilderverbot bezieht sich primär auf geschnitzte und gegossene Götterbilder. Gilt es auch für die sprachlichenGottesbilder, die der Bibelleser vor allem im Alten Testament in einer Vielfalt findet, die ihresgleichen sucht?

Zahlreich sind die Attribute, die Gott zugesprochen werden: Er ist König, Herrscher, Richter, Vater, Mutter, Amme, Arzt, Kriegsherr, Kämpfer, Retter, Anwalt, Töpfer, Schöpfer, Zerstörer. Auch in nicht-personalen Bildern wird auf Gott verwiesen: Er ist Kraft, Macht, Energie, Quelle, Burg, Fels, Glucke, Löwe, Licht, Sturm, Wind, Logos (Wort/Tat/Geheimnis) u.a. Personale und apersonale Gottesbilder stehen nebeneinander. In ihnen haben sich spezifische Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben, verdichtet. Sie meinen nicht, Gott ist ein König, Herrscher etc., sondern er handeltwie ein König, Herrscher, er schützt uns wie eine Burg, er gibt dem Lebenshaus ein sturmsicheres Fundament, er – oder sie - befruchtet unser Leben wie die Quelle frischen Wassers usw. Unsere Alltagswelt, das soziale Umfeld bietet das Material an, das uns ermöglicht, in Sprachbilder zu fassen, wie wir Gott erfahren.

Einerseits also verbietet die Bibel, „handfeste“ Gottesbilder zu schaffen undsie zu verehren, andererseits sind die biblischen Texte reich an sprachlichen Bildern, Metaphern, Gleichnissen, die alle auf Gott hinweisen. Der Einwand, bildliche Darstellungen von Gott, ob gemalte, geschnitzte oder gegossene, verführen eher zum Götzendienst als sprachliche Bilder, trifft nicht zu. Wie aus der Zeitgeschichte fast täglich zu vernehmen ist, verleiten gerade die aggressiv geistigenGottesbilder, die sich in die Köpfe der Menschen eingebrannt haben, zu Gewalt, Terror und Krieg.

Die Vielfalt sprachlicher Gottesbilder in der Bibel widerspricht also nicht dem Bilderverbot, Gottesbilder und Bilderverbot korrigieren sich gegenseitig und verhindern so Einseitigkeit und Engstirnigkeit. Dank dem reichhaltigen Angebot an Gottesbildern öffnet sich der Bibelleserin, dem Bibelhörer die Freiheit, nach jenem Bild zu greifen, das der augenblicklichen Lebenssituation am ehesten entspricht, das die gegenwärtigen Sorgen und Ängste aufnimmt und verwandelt, sie dem liebenden Vorzeichen Gottes unterstellt und die Ressourcen Mut und Hoffnung aktiviert. Und da sich die Situationen von Mensch zu Mensch, von einem Lebensalter zum anderen unterscheiden, braucht es unterschiedliche Gottesbilder. Eines der meist gewählten Bilder ist nach wie vor jenes vom guten Hirten, dem man sich anvertraut(C.G. Jung würde von einem archetypischen Bild sprechen). Andere Menschen bevorzugen das Bild von der sorgenden Mutter, die ihren Säugling nie vergisst, wieder anderen ist die Stimme des Richters wichtig, welcher die Menschen auf Stolpersteine und Einbahnstrassen aufmerksam macht. Aber auch die apersonalen Gottesbilder, wie siein den genannten, von der Milieuforschung beschriebenen Lebenswelten bevorzugt werden, habenihre biblischen Vorbilder.

Gefährlich wird es für den Glaubenden, wenn Lebenswelt und sprachliche Bilder auseinanderbrechen, wenn Erwachsene zum Beispiel immer noch das Gottesbild eines Kindes in sich tragen und erwarten, dass Gott wie der griechische Deus ex Machina vom Himmel herabsteigt und alle unangenehmen Probleme auf der Lebensbühne wegzaubert. DannfallenAlltagsleben und Kinderglauben auseinander. Hier erfüllt das Bilderverbot seine Funktion, indem es davor warnt, ein dem Leben nicht mehr entsprechendes Gottesbild zum Fetisch, zum Götzenbild zu erheben.Es fordert auf, die Delete-Taste zu drücken und das überlebte Gottesbild zu löschen – etwa jenes vom alten, bärtigen Gottvater oder vom Deus ex Machina, dem „Nothelfergott“, der wie ein Automat funktioniert, wo man oben ein Münze einwirft und unten die gewünschte Süssigkeit herausfällt. Gleichzeitig sind wir eingeladen, aus dem vielfältigen Angebot an alten und neuen Gottesbildern jenes oder jene zu wählen, die dem jetzigen Leben kongruent sind, selbst wenn sie uns zunächst befremden und provozieren.Es wächst der Mut – oft angeregt von der Kunst - persönliche Gotteserfahrungen in eigene Sprachbilder zu kleiden als Resonanz auf dieim Heute erfahrene Lebenswirklichkeit. So könnte das Fallen der Blätter im Herbstlied von R. M. Rilke[19] oder die geordnete Zufälligkeit in demvon Gerhard Richter geschaffenen Glasfenster im Kölner Dom[20] zu einem neuen Gottesbild und einem lebensnahen Gottesverständnis hinführen.

Einsicht 3: Das Bilderverbot des Alten Testaments verbietet Israel, Gott und dessen Namen für gottwidrige Ziele zu missbrauchen. Aber dasselbe Buch bietet uns eine Fülle von sprachlichen Gottesbildern an – von personalen und apersonalen, die uns ermutigen, überlebte Gottesbilder zu löschen und Gott in einem Bild zu verstehen, das unserer heutigen Lebenswirklichkeit entspricht.

Was heisst „Person-Sein“?

Das eingedeutschte Wort „Person“ geht zurück auf das lateinische Wort „persona“, welches die Maske bezeichnet, die der antike Schauspieler im Theaterspiel trägt. Im Griechischen lautet der entsprechende Begriff „prosopon“. Die Maske zeigt den Zuschauern an, welche Rolle der Schauspieler spielt, die einer Frau, eines Gottes, eines Königs, eines Kriegers etc. In der Rolle drückt sich die soziale Stellung der Figur aus, aber auch die Charaktereigenschaft, die zu ihrer Rolle gehört. Die Maske hat auch den Vorteil, dass sie im offenen Theaterraum die Stimme des Schauspielers hörbarer macht. „Persona“ wird auf das Verb „personare“ gleich „hindurchtönen“ zurückgeführt.

Bereits in der Spätantike gewinnt der Personbegriff eine erweiterte Bedeutung. Boethius definiert persona als „rationalisnaturaesubstantia“[21], als „Wesen der vernünftigen Natur“, als „Geistwesen“. Diese Bestimmung behält ihre Gültigkeit über Humanismus,Aufklärung und Idealismus bis in die Gegenwart:Charakteristikum der Person ist ihr „Selbstbewusstsein“,das den Menschen als freiheitliches und verantwortliches Subjekt auszeichnet.Als „natürliche Person“ ist der Mensch nach heutigem Recht Rechtssubjekt, d.h.Träger von Rechten und Pflichten. (Die Sklaven der Antike waren nach römischem Recht nicht Rechtssubjekte, sie hatten den Status von Sachen).Gemäss der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ durch die UNO hat „jede Person Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand“ (Artikel 2).DieWürde jedes Menschenist, wie dasdeutsche Grundgesetzin Artikel 1 festhält, „unantastbar“und steht in keinem Fall zur Diskussion. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Ebenso heisst es in Artikel 7 der Schweizerischen Bundesverfassung: „Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen“.

Die individuelle Realisierung dieser personalen Grundbestimmungdes Menschseins lässt sich mit demBegriff der „Persönlichkeit“ beschreiben. „Person ist jeder Mensch kraft seiner Bestimmung. Persönlichkeit muss jeder erst werden … durch die Antwort, die er mit seinem Leben auf die Frage seiner Bestimmung gibt“.[22]

Im heutigen Sprachgebrauch hat der Personbegriff viel von seinen Konturen verloren und steht einfach für „Mensch“ als einzelner einer Menge da. So kann es in einer Nachrichtenmeldung heissen; „Beim Anschlag wurden zehn Personen getötet.“ Oder: „Der Betrieb beschäftigt 80 Personen“, die dem „Personalchef“ unterstehen und morgens im „Personenzug“ oder in einem „Personenwagen“ (PW) zur Arbeit fahren, in der Tasche einen „Personalausweis“ mit sich führend.

Auf die ursprüngliche Bedeutung von Person als Maske hat der Psychologe C.G Jung zurückgegriffen. Persona ist die nach aussen gezeigte Seite des Menschen, so wie er von aussen gesehen werden möchte. Siezeigt die Rolle an, die er in im gesellschaftlichen Umfeld spielt oder auch spielen muss, die aber darauf tendiert, die Innenseite, das „wahre Wesen“zu verbergen.

Einsicht 4: Der Personbegriff lässt sich nicht eindeutig und zeitlos gültig definieren, im Lauf der Jahrhunderte wandelt sich dessen Bedeutung. In theologischer Sicht ist jene Deutung von Interesse, welche die Einmaligkeit, die Subjektivität, die Freiheit und Verantwortlichkeit – eben die Würde des Menschen unterstreicht.

Personbegriff und Bibel

Weder das hebräischeAlte noch das griechischeNeue Testament kennt den Begriff Person, der, wie gesagt, in der lateinischen Sprache wurzelt. Eingang in die theologische und religiöse Sprache der Christen fand der Personbegrifferst im 3. Jahrhundert im Rahmen der trinitarischen Diskussion, welche sich der Aufgabe stellte, das Verhältnis von Gott, Sohn und Heiligem Geist zu klären. Erstmals sprach der Kirchenvater Tertullian (um 150 bis 220) von drei göttlichen Personen, um das Unterscheidende hervorzuheben, ohne dass er sagen wollte, es gebe drei Gottheiten. Die Lösung, welche sowohl das Unterscheidende als auch Verbindende beinhaltet, fand das Konzil von Nizäaim Jahr 325 mit der dialektischen Formulierung: „trespersonae, unasubstantia“, eine Formel, die bis heute in der römisch-katholischen Kirche, den orthodoxen Kirchen undden Kirchen der Reformation anerkanntes Bekenntnis ist.

Der Personbegriff fand also erst in nachbiblischer Zeit Eingang in den christlich theologischen Sprachgebrauch.In den griechischen Texten des Neuen Testaments (1.-2. Jahrhundert) kommt - im Anschluss an das alttestamentliche „panim“ - das Wort „prosopon“ dem Personbegriff am nächsten. Seine Bedeutung ist mehrfach[23]:Es bezeichnet wörtlich das „Gesicht“, „Antlitz“ des Menschen, derals Zeichen der Ehrerbietung „aufs Angesicht fällt“(Mt 17,6). Prosoponverweist auf das „Ansehen“ eines Menschen (Mk 12,14: Jesus schaut nicht auf„das Ansehen der Person“ – die Maske!), es steht einfach auch fürMensch (2 Kor 1,11), bezeichnetsowohl das Gesicht der Erde, den Erdboden(Lk 21,35), wiedas Aussehen des Himmels (Mt 16,3 bezüglichGewitter). Theologisch schwergewichtig verweist Prosoponvor allem- wie das hebräische panim(Num 4, 24-26, aaronitischer Segen) - auf das Gesicht Gottes (Mt 18,10, Hebr 9,24), dessen Herrlichkeit „im Antlitz Christi“ erschienen ist (2 Kor 4,6, Mt 17,2). Daher wird „im Angesicht Christi“ (Vulgata um 400: „in persona Christi“) Vergebung möglich (2 Kor 2,10).Noch lebendie Glaubenden, denen zwar die Gesichtsdecke des Mose (Ex 34,33) abgenommen wurde (2 Kor 3,16), nicht im Schauen (2 Kor 5,7), aber der Tag wird kommen, wo sie Gottes „Angesicht“sehen werden (Offbg 22,4), von Angesicht zu Angesicht“[24] (1 Kor 13, 12).

Das heisst also: Zwischen dem Gesicht des Menschen, dem Gesicht Gottes und dem Gesicht Christi bestehen vielerlei Arten der Beziehung. Prosopon ist das Brückenwort, das verbindet, das auch Erde und Himmel einschliesst. Alles und Jedes hat sein Gesicht und steht so miteinander in Beziehung. Wer sein Gesicht verliert – wie Adam und Eva, als sie sich „vor dem Angesicht Gottes“ verbargen (Gen 3,8) -, dem droht, aus diesem Beziehungsnetz, dem Paradies herauszufallen.

Einsicht 5: Der in nachbiblischer Zeit in die Theologie eingeführte Personbegriffnimmt die biblischeErkenntnis auf, dass Beziehungen ein „Gesicht“ haben, dass sich Gott – Mensch – Welt im „Gesicht“ begegnen - das heisst für den Menschen: in dessen Mitte, im Kern seinerPerson, in dem, was ihn als Menschenauszeichnet - in seiner Gabe, Begabung undseinem Auftrag, in Beziehung zu leben und diese zu gestalten – als „Ebenbild“, Abbild, Eikon (Ikone!) Gottes.

Die unmögliche Möglichkeit von Gott zu reden

Dass wir Menschen, die in unserem Denken und Verstehen durch Raum und Zeit begrenzt sind, von Gott, der alle Grenzen übersteigt, reden dürfen und reden können, hat jene, die ihr Lebensvertrauen auf Gott gründen, immer schon erstaunt und andere, die nur auf Wissen und Verstand setzen, zum Widerspruch provoziert.Tatsächlich ist solches Redenkönnen nicht selbstverständlich. Den philosophischen Materialisten, die bekennen: „Ich glaube nur, was ich sehe“,erscheint es als unmögliches Unterfangen. Ihnen ist nur jene Welt Wirklichkeit, die sie mit den Sinnen wahrnehmen und die sich naturwissenschaftlichnachweisen lässt. Phänomenologisch gesehen,existiert zwar auch für sie die Welt der Religionen, der religiösen Rituale und der religiös Gläubigen, aber derer gemeinsamer Bezugspunkt – die Transzendenz – istin ihrer Sicht bestenfalls ein kulturell interessantes Gedankenkonstrukt, dessen Entstehung sich hirnphysiologisch, psychologisch oder soziologisch, also empirisch erklären lässt. Viele Philosophen unserer Zeit haben jenes Kapitel, das in der Geschichte der Philosophie – zum Beispiel bei Plato – eine geradezu zentrale Funktion inne hatte, aus ihrem Denken gestrichen – die „Metaphysik“, also jene Wirklichkeit, welche die empirisch vorfindliche Welt – die „Physik“ – übersteigt, sie „transzendiert“. Sie sind der Überzeugung, als Menschen, deren Denken und Verstehen an Raum und Zeit gebunden ist, können wir keine Aussagen über eine Wirklichkeitmachen, die nicht den Bedingungen von Raum und Zeit unterworfen ist. Der Philosoph Markus Gabriel, der mit seinem Buch „Warum es die Welt nicht gibt“ Aufsehen erregt hat, geht sogar einen Schritt weiter: Nicht einmal über die Welt lässt sich eine objektiv gültige Aussage machen, da wir Menschen immer Teil dieser Welt sind, sie darum nicht von aussen objektiv ansehen können, sondern Welt nur subjektiv miterleben, miterleiden oder mitgestalten. Die Welt gibt es für uns nicht, sondern nur Welten, nur subjektive Welt-Einblicke und Welt-Erkenntnisse. Wenn also schon die richtige objektiveWeltschau subjektiv umstritten ist, um wie viel mehr ist es die Gottesschau. Nur ein Gott, der ausserhalb dieser Welt stünde, könnte letztgültige Aussagen machen. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat diese Einsicht auf den bekannten Satz gebracht: „Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen“.[25] Deshalb schweigen heute viele Philosophen in dieser Sache.[26]

Aber auch von anderer Seite her, aus der Sicht tief religiöser Menschen, findet der Satz von Wittgenstein Zustimmung. Aus ihrer lebendigen Gotteserfahrung ergibt sich die Einsicht: Schweigen ist angemessener als alles Reden. Ihnen fehlen die Worte, ihrer innersten Erschütterung verbalen Ausdruck zu geben. Denn das Reden von Gott verführt zum Reden über Gott, macht Gott zu einer Sache, die es neben all den anderen Sachen im Leben und in der Welt auch noch„gibt“[27]. Der protestantische Mystiker und Liederdichter Gerhard Teerstegen (1697-1769) fasste diese unmögliche Möglichkeit, von Gott zu reden, im Lied „Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten…“in die Verszeile: „Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge“[28]. Im Schweigen erfährt der Mystiker die intensivste Nähe Gottes. Mancher hat daraus die theologische Konsequenz gezogen, über Gott nur negative Aussagen zu machen, die festhalten, was Gott nicht ist. Bekanntester Vertreter dieser „theologianegativa“ war der um 500 lebende Pseudo-Dionysios Areopagita.

Einsicht 6: Unmöglich ist es darum von Gott zu reden, weil Denken, Verstehen und Reden immer an die Bedingungen von Raum und Zeit gebunden sind, Gott aber diesen Bedingungen nicht untersteht und so von uns her nicht erreichbar ist– sonst wäre er ein Teil unserer empirischen Welt, wäre er nicht Gott.

Die mögliche Option von Gott zu reden

Trotz all dieser Bedenken und Einwände, trotz der genannten Unmöglichkeit lassen auch heute religiöse Menschen, darunter manche Naturwissenschaftler, welcher Religion und Konfession sie auch angehören, nicht davon ab, von Gott zu reden, ihn zu bekennen in der Gewissheit, diese Rede sei möglich, sinnvoll und nötig. Wie wird aus Unmöglichkeit - Möglichkeit?

Religiöse Menschen, die von Gotteserfahrungen erzählen, bekennen, sie haben Gott als „Widerfahrnis“ erlebt. Sie haben Gott auf ihrem Lebensweg, auf ihrer Gottsuche nicht entdeckt, sondern er, Gott, hat sie gefunden und angesprochen:„Quo vadis?“ – „Wohin gehst du?“, fragt er den fliehenden Petrus, Gott hat ihn zurückgerufen wie Paulus, der deswegen, wie eine spätere Legende erzählt,vom Pferde gefallen sei. Er hat ihnen die Augen und Ohren geöffnet, das Herz erfüllt, die Hände bewegt, die Füsse in Gang gesetzt. So geschah es bei Abraham, Mose, den Propheten, den Aposteln, bei Jesus selbst. Auch von Mohammed ist erzählt, wie er vom Engel Gabriel den Auftrag erhalten hat, Rasul, Botschafter Gottes für das arabische Volk zu werden. Gemeinhin nennt man ein solches Erlebnis eines Gott-Widerfahrnisses „Offenbarung“ oder „Selbstmitteilung Gottes“: Gott offenbart, zeigt sich einem Menschen oder einem ganzen Volk und übermittelt ihm einen Auftrag. Gott spricht, der Mensch hört und gehorcht. Der Glaube kommt, wie Paulus sagt, aus dem Hören – „fidesex auditu“ (Röm 10,17).

Der Skeptiker, der nur glaubt, was er sieht, wird in solchen Offenbarungserlebnissen nur Hirnproduktionen ohne Aussenrealität erkennen, nicht Widerfahrnis, sondern Selbsterfahrung. Tatsächlich ist der auferstandene Christus im Zeugnis derOstererzählungen nur jenen Jüngern und Frauen erschienen, die zum Glauben gekommen sind, aber nicht denungläubigen Volksführern Kajaphas und Pilatus oder wenigstens einem aussenstehenden, neutralen Beobachter. Zwischen dem „Erscheinen“ Christi und dem Zum-Glauben-Kommen der Jünger und der Frauen am Grab besteht ein innerer Zusammenhang. Hätte es damals die Möglichkeit gegeben, den Ostermorgen am Grab zu filmen, würde sich wahrscheinlich auf der Leinwand nichts bewegen.[29] Haben sich also die Jünger und die Frauen getäuscht? Sind „Erscheinungen“, „Offenbarungen“ vergleichbarden pathologischen Halluzinationen, wie wir sie von Äusserungenschizophrener Patienten kennen?Dagegen spricht, dass Menschen, die solche „Widerfahrnisse“ bezeugen, radikal mit ihrem bisherigen Leben gebrochen haben. Aus dem Christenverfolger Saulus wurde nach demDamaskuserlebnis und seinem dreijährigen Rückzug in die Wüste der Christusbekenner Paulus, der sein physisches Leben aufs Spiel setzte und es als Zeuge Christi auch verloren hat. Und nicht nur er, sondern alle Zeugen des Ostereignisses erlitten diesen existenziellen Bruch und Neubeginn des Lebens. Diese „umwerfenden“ Erfahrungen auf Hirngespinste zurückzuführen, ergibt keine plausible Erklärung. Ob es wirklich Gott bzw. Christuswar, der den Menschen erschienen ist, sie angesprochen und ihnen eine neue Lebensaufgabe gestellt hat, das entscheidet sich auf der existentiellen Lebensebene. „An den Früchten werdet ihr sie erkennen“, sagte Jesus (Mt 7,16). Die Wahrheit der Offenbarung, der Grund des Glaubenskann nicht im naturwissenschaftlichen Sinn „bewiesen“ werden – übrigens die Prämissen der atheistischen Weltanschauung ebenso wenig, aber es lässt sich überprüfen, ob die Wahrheit glaubwürdig und der Glaube wahrhaftig gelebt wird, ob – mit einer beliebten Redewendung von heute gesprochen - nicht nur „Evangelium draufsteht“, sondern „Evangelium auch drin“ ist - wasja selbst Aussenstehenden auffällt. Der wesentliche Grund für die Ausbreitung des christlichen Glaubens im römischen Reich in den ersten 300 Jahren war, wie Tertullian festhielt, die Glaubwürdigkeit der christlichen Existenzweise, die auch den Einsatz des Lebens einschloss: „Sanguismartyrumestsemenecclesiae“[30] –„das Blut der Zeugen ist der Same der Kirche“. Der Historiker Jörg Lauster hält fest: „Die göttliche Zuwendung zum Menschen erlebte der antikeChrist als Berufung zu einer höheren Bestimmung seines Daseins, das wiederum setzte die Kraft zu einem neuen Lebenswandel frei“.[31] - Es ist wie in einer Liebesbeziehung: Liebe lässt sich nicht beweisen, ihr einziger Beweis ist die gelebte Liebe.

Das Reden von Gott ist also darum möglich, weil Gott selbst ins Leben der Menschen eingreift,sieanruft, herausruft und die Angesprochenen ihnals Widerfahrnis, als Stimme von aussen erfahren – extra nos. Widerfahrnisse werden zwar im Hirnregistriert und verarbeitet, gedeutet – in nobis, aber nicht produziert, sie sind von aussen angestossen, sei es auf Grund einer Begegnung, einer Kriegsverletzung (Ignatius von Loyola), einer Krankheit (Zwingli),einer Kinderstimme (Augustinus),des Liebesglücks, eines Liebesbruchs,eines Buches, eines biblisch-exegetischen Aha-Erlebnisses (Luther), eines religiösen Rituals, einermystischen Erfahrung (Dag Hammarskjöld[32] ), des Sinns, der sichaus der biographischen Rückschau erschliesst (des „roten Fadens“ im gemalten Lebenspanorama)[33] etc. Manche Widerfahrnisse sind nicht spektakulär, esgibt keine himmlische Stimmezu hören,keine Bekehrung, die sich wie bei John Wesleyauf die Minute datieren lässt[34], sondern Einsichten, die langsam heranwachsen, heranreifen und sich als Stimme des Gewissens äussern und zu einem Neuanfang führen.Über solche Widerfahrnisse wollen und können die Betroffenenaber reden, damals wie heute. So erweist sich gelebter Glaube als sinnvolle „Option“ (Hans Joas), als angemessene „Resonanz“ (Harmut Rosa).[35]

Einsicht 7: Möglich ist es von Gott zu reden, weil wir Gott von aussenals Widerfahrnis, als Einbruch in das Innere der Welt und des Menschen erleben –als „Offenbarung“.Sein Wort spricht uns innerhalb der Bedingungen von Raum und Zeit an, fordert uns heraus und erwartet von unserem Hirn und Mund, von unseren Händen und Füssen Antwort.

Wie lässt sich von Gott reden?

Von Paul Tillich stammt der berühmte Satz: "Das Symbol ist die Sprache der Religion. Es ist die einzige Sprache, in der sich die Religion direkt ausdrücken kann."[36] Das heisst, die religiöse Rede unterscheidet sich grundsätzlich vonrationalenAussagen, die sich wissenschaftlichverifizieren oder falsifizieren lassen, sie gleicht viel eher der Sprache der Poesie, der Musik, der bildnerischen Kunst. Oder vergleichbar lässt sich sagen: Über Liebe kann man rationalreden – etwa in der wissenschaftlichen Sprache der Psychologie, die Liebe selbst aber spricht sich in symbolischen Worten und Bildern aus, etwa so:

„Du bist minihbin din. des solt du gewis sin. du bistbeslossen in minem herzen. verlorn ist dazsluzzellin. du moust och immer dar inne sin.“ [37]

Die religiöse Rede, die gesprochene unddie schriftliche - wie jene der Bibel, spricht also in Bildern, Gleichnissen, Metaphern - in der Sprache der Symbole. Daher verfehlt der Streit um die Schöpfungsberichte, ob ihnenhistorisch-naturwissenschaftlicheRichtigkeit zukomme oder nicht, die Intention biblischer Texte. Die beiden – übrigens recht unterschiedlichen – Schöpfungsberichte in Genesis 1 und 2 rapportieren nicht Fakten, sondern deuten sie – nämlich die vorfindliche Welt - aus der Sicht des Glaubens, sie stellenden existentiellen Sinn auch für den heutigen Leserheraus, der zwar ein anderes naturwissenschaftliches Wissen besitzt als die Menschen des Altertums und des Mittelalters.[38]

Symbole zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

- Sie sind anschaulich, fühlbar, sie sind der Natur, dem Alltagsleben, dem, was jedermann kennt, entnommen, zum Beispiel dem Essen von Brot und dem Trinken von Wein.
- Sie verweisen aber über das hinaus, was anschaulich ist. Der Sinn liegt nicht in ihnen selbst, sie transzendieren das vorfindlich Greifbare, der Sinn liegt in dem, was sie übersteigt, worauf sie verweisen – etwain den Gleichnissen Jesu auf das kommende „Reich Gottes“. Sie beschreiben nicht, wie die Welt ist, sondern wie sie sein könnte.
- Zwischen dem Anschaulichen und dem, worauf verwiesen wird, besteht aber eine Beziehung: Wie das Brot nährt und der Wein erfreut, so bringt das Reich Gottes die „Fülle des Lebens“. Symbole sind also nicht zufällig, sie sind nicht austauschbar.
- Symbole repräsentieren das, worauf sie verweisen. So ist eineNationalfahne oder der Botschafter eines Landes Repräsentant eines Staates. Oder:Kirchliche Gebäude, Rituale, das kirchliche „Bodenpersonal“ repräsentieren, vergegenwärtigen das Höchste, also Gott - oder sollten es tun.[39]
- Symbole wurzeln in einem kulturellen Kontext, sie werden nicht bewusst gemacht (im Unterschied zu den „Zeichen“), sie werden geboren, sie sterben, wenn ihr Sinn verloren geht, sie können auch zu „Klischees“, z.B. zu Vorurteilen erstarren.Ursprung und Kontext der religiösen Symbole sind die geschichtlichen Religionen mit ihren Traditionen.
- Symbole sind identitätsstiftende Zeichen, sie zeigen Zugehörigkeit an, sei es zu einem Volk, einer Gruppe oder einer Kirche.
- Symbole sind ambivalent. Sie lassen sich auch für nationalistische, rassistische Ziele einsetzen, sie repräsentieren und rechtfertigen – je nach Gebrauch - auch Macht und Gewalt. Symbole unterstehen deshalb der kritischen Beobachtung und Beurteilung.

Was für die Symbole allgemein, für die religiösen Symbole im Besonderen gilt, trifft auch für das Reden von Gott zu. Wer von Gott als Vater, König, Herr, Hirte, Richter spricht, der wählt die symbolische Sprache, der greift auf einen „anschaulichen“, bildhaften Begriff zurück, den er seiner gesellschaftlichen, kulturellen Umwelt entnimmt. Der Begriff weist aber über sich selbst hinaus, er transzendiert das Anschauliche und verweist metaphorisch auf Gott. Gott „ ist “ nicht Vater, König etc., er ist „ wie “ ein Vater, wie ein König, der sich um die ihm anvertrauten Menschen kümmert. Entscheidend ist nicht das Bild, sondern die sich im Bild ausdrückende Funktion: Gottes Sorge, Fürsorge, sein Wille für Recht und Gerechtigkeit, für Liebe und Barmherzigkeit. Es ist einsichtig, solche personalen Gottesbilder eignen sich besser, diese Grundabsichten Gottes auszudrücken, als es abstrakte Begriffe wie „das Absolute“, „die höhere Macht“, „das Sein“, „der Sinn des Sinns“ vermögen.

Für den Glauben Israels war die Überzeugungzentral: Gott trägt einen Namen: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. „Ich bin JHWH, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter neben mirhaben“ (Ex20,2-3). Da im Judentum der Gottesname nicht ausgesprochen wird und im geschriebenenText die Vokale nicht gesetzt sind, lässt sich die ursprüngliche Aussprache nur rekonstruieren. Als wahrscheinlichste Lösung gilt der Wortlaut: Jahwe. In diesem Namen steckt das hebräische Verb „sein“ (hwh). Als Moses berufen wurde, das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten in das versprochene Land der Freiheitzu führen, fragte er Gott nachdessen Namen, auf den er sich vor dem Volk berufen könne. Er erhielt die Antwort:- ehyeh ’aʃer ’ehyeh,übersetzt: „Ich bin der ich bin“, oder futurisch: „Ich werde sein der ich sein werde“. Möglich sind auch Übersetzungen wie„Ich werde für euch da sein“; „Ich werde mich für euch hilfreich erweisen“; „Ich bin (für euch) da“.

Solche „Definitionen“ verlassennicht den symbolischenSprachraum, liegt doch dieser Namenserklärung eineanschauliche, unter liebenden Menschen alltäglich bekannte Erfahrung der Fürsorge zugrunde. Der Name Jahwe unterstreicht im besonderen den Repräsentanzcharakter dersymbolischen Rede,er repräsentiert die Heiligkeit Gottes in derart verdichteter Weise,dasses demjüdischenVorleserverboten ist, ihn in den Mund zu nehmen. Erersetzt den verschwiegenenJahwe-Namedurch ein profaneres Wort wie elohim oder adonai. In den deutschen Übertragungen der Bibel ist der Jahwe-Namen meistens mit „Herr“ oder „HERR“ wiedergegeben. Das Verbot, den Namen Gottes in den Mund zu nehmen, hat den Sinn,ihn vor Missbrauch zu schützen, so dass er nicht magisch als Zauberwort (wie im Märchen vom Rumpelstilzchen) oder als Deckmantel für eigene Interessen missbrauchtwerden kann. „Dein Name werde geheiligt“ – erbleibe dem menschlichen Zugriff, auch dem frommen, entzogen. „Gott – der ganz Andere“.

Einsicht 8: Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen der rational wissenschaftlichen und der symbolischen Sprache, in der sich Religion authentisch ausdrückt,etwa in Gebet, Liturgie, Predigt, Riten. Die religiöse Rede spricht in Gleichnissen, Metaphern, Bildern, verwendet als Sprachgestalten häufig Lieder, Gedichte, Legenden und Mythen [40] , weiss aber immer, alles Reden ist ein Verweisen, ein Transzendieren der empirisch vorfindlichen Welt auf ein Ziel hin, das sich dem Zugriff, der Definitionentzieht: auf Gott, den Heiligen.

Ich und Du

Die anthropologische Grundaussage, die besonders der jüdische Denker Martin Bube hervorgehoben hat, heisst: Der Mensch ist ein Beziehungswesen: „Ich werde am Du, ich werdend spreche ich Du, jedes Leben ist Begegnung .“ [41] Dieser Prozess beginnt spätestens im Augenblick der Geburt, der Abnabelung vom Mutterleib und endet mit dem letzten Händedruck in der Todesstunde. In der Begegnung mit dem Du formiert sich mein Ich, wächst und verändert sich mein Ich, durch Begegnung mit dem Du von Mutter, Vater, Geschwister, Freund, Liebespartner u.a.werde ich zum Ich, finde ich mich selbst. Indem sich das Ich zum Du hinbewegt und sich gleichzeitig vom Du abgrenzt, findet es seine Identität – ein Prozess, der nicht nur in der Kindheit, sondern lebenslang andauert.

Anders als die Ich-Du-Beziehung ist die Bedeutung der Ich-Es-Beziehung, also der Beziehung zu einem Objekt, sei es zur Natur, zur Kunst, zur Wissenschaft, zur Politik, zum Sport etc. Sie ist keine Person-, sondern eine Sachbeziehung, die durchaus wertvoll, anregend, lebensbereichernd sein kann, die oft auch mit Gefühlen besetzt ist, wenn sie mit Engagement und Leidenschaft betrieben wird. Besonders die Mensch-Tier-Beziehung, etwa die Beziehung zu einem Hund, einem Pferd, erreicht eine Intensität, die der Bedeutung der Ich-Du-Beziehung nahe kommt, sie da oder dort sogar ersetzen will. Und doch verharrt selbst in dieser Beziehung das Gegenüber, also das Tier, auf der Objekt-Stufe, was sich darin zeigt, dass sich der„Besitzer“ im Fall schwerer Erkrankung des Tieres in fürsorglicher Verantwortung entscheidet, es töten zu lassen. In der „Ich-Du-Beziehung“ hingegen gibt es keine Besitzer–darf es keine geben, gibt es auch keine legitimen Entscheide über Leben und Tod. (Darum sind Fremd- wie Selbsttötungen Begegnungsverweigerungen, -abbrüche und so Verstösse gegen die Menschlichkeit des Menschen). Authentische Begegnung zwischen Ich und Du geschieht auf gleicher Augenhöhe, in gegenseitiger Achtung und in Respektierung der Würde und Freiheit des anderen. „Das Ich des Grundworts Ich-Du ist ein andres als das des Grundworts Ich-Es“.[42]

Beziehungen, die zu Ich-Du-Begegnungen werden, äussern sich in verschiedenen Sprachformen, den nonverbalen wie der Körpersprache, in spontanen Gefühlen, sexuellen Verbindungen, aber vor allem auch und zentral in der verbalen Sprache. Sie ist als Mittelder Kommunikation zwischen Ich und Du nur in Ausnahmefällen (wie Taubheit) ersetzbar. „Man kann nicht nicht kommunizieren“ (Watzlawick). Selbst Kommunikationsverweigerung ist eine sehr ausdrucksstarke Kommunikationsform, so das „Anschweigen“.Die Fähigkeit, sprachlich zu kommunizieren, ist nicht nur die Voraussetzung und Bedingung der Ich-Du-Begegnung, sie ist geradezu lebenswichtig, ohne Kommunikation stirbt jede Beziehung, stirbt das Leben.Vom Stauferkönig Friedrich II. wird berichtet, er hätte herausfinden wollen, welches die Ursprache der Menschengewesen sei, ob Griechisch oder Hebräisch oder eine andere Sprache. Deshalb gebot er, einigen Mütternihr neugeborenes Kind wegzunehmen undes an Ammen zu übergeben, denen untersagt war, nur ein Wort mit dem Kind zu sprechen inder Erwartung, es würde so auf die Ursprache der Menschheit zurückgreifen. Das Experiment misslang, alle Kinder sind gestorben. »Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen“.[43]

Einsicht 9:Der Mensch ist ein Beziehungswesen: Ohne Du gibt es kein Ich, ohne Ich kein Du.

Du - Gott

Seit je, und nicht nur in der jüdischen und christlichen Religion, sprechen glaubende Menschen Gott mit Du an. „ O Gott, Du hast in dieser Nacht so väterlich für mich gewacht“ (Morgengebet). Oder:

Du heiliges Feuer

Brenn in unseren Herzen

Du heiliges Wasser

Fliess in unsere Beziehungen

Du heiliger Geist

Beflügle unsere Gedanken

Du heiliger Fürsprecher

Sprich in unserem Innern

Du heilige Taube

Flieg durch unsere Welt

Du heilige Liebe

Begeistere alle Menschen [44]

Oderim Psalter:

HERR, Du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weisst du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.… (Psalm 139, 1-2)

Beispiele aus nichtchristlichen Religionen:

Islam: „ O Allah, Du bist der Friede und der Friede ist von Dir. Gesegnet bist Du, o Herr von Erhabenheit und Ehre“ (Bittgebet, gesprochen nach dem „Fard“-Gebet, das zu beten für den Muslim „Pflicht“ ist).

Hinduismus: „ Ehre sei Dir, O Herr der Welt! Ehre sei dem ewigen Herrn! …Du bist meine Mutter, mein Vater bist du. Wo sonst finde ich Zuflucht, O Herr?“ (populäres Jay Jagadish HareGebet, das Hindus täglich singen, besonders zur täglichen Lichtkreis-Zeremonie, dem Arati).

So unterschiedlich in den verschiedenen Religionen und Konfessionen die Formen und die Deutungen des Betens auch sind, gemeinsam ist ihnen die Überzeugung,das Gebet ist Ausdruck einer personalen Ich-Du-Beziehung. Der Betendewählt eine Ausdrucksform, welche sich, wie oben im Anschluss an Martin Buber gesagt wurde, aus der Grundbedingung des Menschseins ergibt: der Mensch- ein Beziehungswesen. Betenzeigt an, dass die Gottesbeziehung nicht ein dem Menschen fremdes, aufgepfropftes oder aufgezwungenes Verhalten ist, sondern aus seinem Innersten fliesst. Gott – „die unendliche Tiefe des Seins“[45]. Beten ist Reden mit Gott, im Gebet spreche ich Gott als Du an, bin ich mit Gott auf Du. Wer einen grundsätzlichen Gegensatz zwischen Religion und Humanismus behauptet, verkennt das Wesen der Religion, das zu tiefst dem Humanum, der Menschlichkeit des Menschen entspricht. (Nicht zu leugnen ist freilich, dass sich Vertreter der Religion früher wie heute immer wieder gegen denhumanen Urgrundihres Glaubensvergangen haben oder vergehen, besonders wenn sie mit dem Mantel der Religion ihre persönlichen, ethnischen, nationalistischen Machtinteressen kaschieren[46] oder wenn sie Gefangene ihres eigenen dogmatischen Systems sind). „Religio“, übersetzt „Rückbindung“,gibt der Menschlichkeit des Menschen, eine letzte, unlösbare Verankerung in der Transzendenz. Deshalb stehen aus christlicher Sicht die Menschenrechte, wie sie in der UNO-Charta verankert sind, zu keiner Zeit, an keinem Ort der Welt, in keiner Kultur und Religion zur Disposition.

Diese personale Ich-Du-Beziehung zwischen Gott und Mensch äussert sich nach biblischem Zeugnis vorwiegend – nicht ausschliesslich – im Wort. Die Formel „Und Gott sprach“ gehört zu den häufigsten Redewendungen. So beginnt der Schöpfungsakt: Und Gott sprach: Es werde Licht!“ Gott sprach weiter– zu Noah, Abraham, Mose, Jesaia, Jeremia etc. Gottfragt„Adam, wo bist du?“, fragt Kain: „Wo ist dein Bruder ?“ Der Engel lässt in der Weihnachtsgeschichte Josef ausrichten: „Flieh nach Ägypten“, bzw. nach dem Tod des Herodes: „Geh ins Land Israel“.Saulus, unterwegs nach Damaskus, wo er die Christenverfolgung organisieren will, wird gefragt: Saul, Saul, was verfolgst du mich?“Die Evangelisten des Neuen Testaments sind insgesamtüberzeugt, dass sich in den Worten Jesu die Stimme Gottes äussert. So Johannes, der Jesus sagen lässt: „Die Worte, die ich euch sage, rede ich nicht aus mir: Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke“ (14,10).

Und umgekehrt: Der Mensch spricht Gott an: Mose fragt ihn nach seinem Namen, der Psalmist klagt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

So geht das Gespräch hin und her, Gott wie Mensch stellen Fragen, Gott wie Mensch geben Antworten. Glauben ist ein „Wortgeschehen“ (G. Ebeling), Gott begegnet uns im Wort und Menschen suchen, fragen, ant-worten im Wort. Der Evangelist Johannes fast das Wesen des Glaubens in dasBekenntnis:„Im Anfang war das Wort, der Logos, und der Logos war bei Gott, und von Gottes Wesen war der Logos“(Joh 1,1).Und den Abschnitt schliesst er: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir schauten seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie sie ein Einziggeborener vom Vater hat, voller Gnade und Wahrheit“(Joh 1,14 ).Die Barmer Theologische Erklärung von 1934, die sich von den Stimmenabgrenzte, welche christlichen Glauben und nationalsozialistische Ideologe vermischten, hielt fest: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. - Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung ausser und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“[47] So ist, wie besonders die protestantische Theologie hervorhebt, das Wort „ die Gestalt der Selbsterschliessung Gottes“[48]. Dieses eine Wort begegnet uns dreifach als das geschehene (1), das bezeugte (2) und das verkündigte Wort (3).[49] In unterschiedlichen Formen, aber immer in Gestalt des Menschenwortes spricht uns Gott an. Menschen (Väter, Propheten und Apostel) bezeugen, sie seien von Gott angesprochen worden (1. Stufe), sie haben das gehörte Wort in den biblischen Berichten schriftlich festgehalten (2. Stufe) und es wird heute in verschiedenen Formen der Verkündigung weitergegeben (3. Stufe). Ob das Menschenwort, das immer zeitgebunden ist und darum der historisch-kritischen Auslegung bedarf, zum Gotteswort, zur Anrede Gottes an mich wird, lässt sich aber nicht absichern, weder durch kirchlich unfehlbare Beschlüsse, noch durch den Glauben an die Unfehlbarkeit der Schrift (Verbalinspiration), noch durch historische Vergewisserung[50].Es liegt am hörenden Menschen, ob er sich persönlich ansprechen lässt, ob ihm das Menschenwort als Zuspruch und Anspruch zum Gotteswort wird. „Das Wort Gottes steht zwischen Ich und Du. Es ist nie ein Es“.[51] Es schafft Relation zwischen dem Ich Gottes und dem Du des Menschen - und umgekehrt: zwischen dem Ich des Menschen und dem Du Gottes.

Diese Fokussierung auf das Wort als Selbsterschliessung Gottes war und ist vielen Christinnen und Christen zu eng, zu ausschliesslich, zu rational, zu protestantisch. Sie schätzen es, dass in den katholischen und orthodoxen Gottesdiensten auch weitere Sinne angesprochen werden, der Farbsinn, der Geruchs- und Geschmackssinn. Im Zentrum der Messfeier steht traditionsgemäss nicht das Wort der Predigt, sondern das Ritual der Eucharistie, welches das mystische Geheimnis des Glaubens feiert und auf diese Weise den Glaubenden verspricht, die Nähe Gottes zu erfahren.[52]

Gewiss, das Ergriffenwerden vom Wort Gottes kann sich in verschiedenen Modi ereignen: im privaten und gottesdienstlichen Beten, im Hören, im sakramentalen Feiern, im Staunen und Schweigen, im Nach-Denken und Nach-Schreibenüber „Gott und die Welt“[53]. Gottes Wege, den Menschen zu berühren und zu bewegen, sind viele.

Andere Zeitgenossen, die sich der Kirche entfremdet haben, denen der „Osterspaziergang“ (Faust I) mehr bedeutet als der Ostergotttesdienst, verweisen besonders gerne auf die Natur als Ort ihrer bevorzugten Gotteserfahrung. Ihre Naturfrömmigkeit drückt sich zum Beispiel in dem von Männerchören gerne gesungenen Lied „Der liebe Gott geht durch den Wald“aus. Auch den Philosophen Kant erfüllt „der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ mit religiöser Ehrfurcht und Dankbarkeit. Es ist gewiss theologisch nicht auszuschliessen, dass Gott viele, unterschiedliche Kanäle braucht, um sich den Menschen kundzutun. Kunsterlebnisse (die Lektüre eines Buches, das Hören eines Musikstückes, die Auseinandersetzung mit einem Bild), spezifische Zeiterfahrungen (Fastenzeit, Aus-Zeit, Jahreszeit, Kirchenjahr), biographische Einbrüche, Umbrüche wie Aufbrüche, die Erfahrungen menschlicher Liebe – sie alle tragen in sich die Chance, die vorfindliche Welt, das eigene Leben zu hinterfragen, zu transzendieren und dieempirische Welterfahrung in eine Gotteserfahrung zu transformieren. Soziologen bezeichnen solche Möglichkeiten als kontingente Optionen, deren Notwendigkeit sich zwar wederrational beweisen noch bestreiten lässt, die sich aber als mögliche und sinnvolle Einsichten undEntscheide entpuppen können.[54]

Dennoch, empirische, also innerweltliche Wege zu Gott[55] ersetzen nicht die Selbstkundgabe Gottes im Wort der Bibel. Sie ist nötig als Massstab, Korrektur und Wegweisung. Denninnerweltliche Erfahrungen sind ambivalent. Naturerlebnisse, z.B. Naturkatastrophenkönnen genausovon Gott wegführen, hin zu Zweifel und Verzweiflung oder zum sich empörenden Unglauben: „Und ich weigere mich bis zum letzten Atemhauch, eine Schöpfung zu lieben, in der die Kinder so grausam gemartert werden“,gesteht der Arzt Rieux dem JesuitenpaterPanelouxim Roman „La peste“ von Albert Camus[56]. Natur lässteben nicht nur Leben erblühen, sondern Leben, auch Kinderlebenzugrunde gehen. Natur heisst auch Fressen und Gefressenwerden. Krankheit wieSterben undTod sind Naturerscheinungen. Erst im Glauben an Gott wandelt sich Natur zu Schöpfung, die Leben bejaht und nicht zerstört. „Schöpfung ist, von Gott her gesehen, Verwandlung, Heiligung, Segnung von Welt und Natur…, ein Liebesakt, der alles zum Guten, zum Heil verwandeln will.“[57] Das Wunder solcher Verwandlung lässt sich aber nicht an den Bäumen und Blumen, den Bienen und Schmetterlingen ablesen, eserschliesst sich aus dem Wort Gottes, der Offenbarung seines Liebeswillens, wie er im Evangelium bezeugtist. Freilich, im Licht dieser Botschaft können Naturerscheinungen (Bäume, Blumen, Dornen, Sand und Fels, Acker und Ähren, Sonne, Sturm und Regen[58] ) zum Gleichnis für die Wirklichkeit und Wirksamkeit Gottes werden. Aber ohne „das Wort“, den Logos, bleibt die Natur wie die Geschichte stumm, bleiben sie widersprüchlich, erfüllensie den Menschen nicht nur mit Ehrfurcht und Dankbarkeit, sondern lassen ihn auch allein in Trauer, Schmerz und Einsamkeit.Während der Blick in den „bestirnten Himmel“ bei Kant Ehrfurcht und Dankbarkeit auslöst, führt derselbe Blick ins Universum beim Dichter Jeau Paul zur Erfahrung trostloser Leere:„Wie ist jeder so allein in der weiten Leichengruft des Alls! Ich bin nur neben mir – OVater! oVater! wo ist deine unendliche Brust, dass ich an ihr ruhe? – Ach, wenn jedes Ich sein eigner Vater und Schöpfer ist, warum kann es nicht auch sein eigner Würgengel sein?“[59] Das Universum, der „bestirnte Himmel über mir“ – eine Leichengruft! Anders auch als der hinduistische Glaube an Shakti, die Göttin, die Leben schafft und Leben zerstört, versteht der christliche Glaube Gott ausschliesslich als lebensschaffende, -erhaltende und –erlösende Kraft. Gott ist nicht Ja und Nein, sondern letztgültiges, eindeutiges Ja. Gottes Liebe ist nicht an Bedingungen gebunden, sondern ist, wie besonders die Reformatoren hervorgehoben haben, bedingungslos. Diese Bindung des christlichen Glaubens an das Wort Gottes ist also unabdingbar.

Einsicht 10:In den vielfältigen Möglichkeiten, sich vom Wort Gottes ansprechen zu lassen, äussert sich eine Grundbedingung des Menschseins – seine Beziehungsfähigkeit. Glauben heisst: mit Gott in Beziehung, mit Gott auf Du sein.

Gott – wie eine Person

Die angesprochenen Überlegungen führen zur Einsicht:

1.Gott ist nicht eine Person

Wer die Aussage, Gott sei eine Person, zu einem unabdingbaren christlichen Glaubenssatz erhebt, übersieht, dass der Personbegriff nicht in der biblischen Sprache beheimatet, sondern, wie gesagt, im 3. und 4. Jahrhundert aus der römisch-heidnischen Theaterkultur übernommen worden ist. Daher ist die Fragedurchaus legitim, ob diese Begriffsübernahme glücklich gewesen sei, ob sie angemessen auszudrücken vermag, was der christliche Glaube unter Gott versteht.

Die Schwierigkeit ist die, dass sich mit dem Personbegriff fast unweigerlich die Vorstellung einstellt, Gott besitze einemenschenähnliche Gestalt, vielleicht eine grössere, erhabenere, schönere,habealso jenesanthropomorphe Aussehen, wie esin der religiösen Kunst oft dargestellt worden ist. Damit aber verliert Gott den Status des Schöpfers, er wird selbst zum geschaffenen Objekt, zu jenem Bildnis, davor der Dekalog warnt. Wesentliche Attribute, die das Personseindes Menschen ausmachen wie die individuelle Einmaligkeit, die interpersonelle Abgrenzung oder die Endlichkeit, eignen sich nicht, das Gottes Geheimnis[60] besser zu verstehen.

Dieser Kritik untersteht aber nicht nur der Personbegriff. Ob wir personale Aussagen über Gott machen (Vater, König, Hirt etc.), ob wirPersonalpronomenfür Gott (Ich, Du, Er/Sie/Es) oder apersonalephysikalische oder philosophische Begriffe einsetzen (Licht, Energie, das Absolute, das Umgreifende, das Sein, der Sinn des Sinns) – immer sind sie dem menschlichen Erfahrungsbereichund dem menschlichen Denkvermögen entnommen. Die einzig echte Alternative zum Reden von Gott wäre das mystische Verschweigen Gottes, nicht aus Unglauben, sondern aus der Überzeugung, dass es menschlicher Begrenztheit nicht möglich ist, Gott zu fassen und vom Unfassbarenin Worten Zeugnis abzulegen.

2. Gott wird Person

Im Zentrum des christlichen Glaubens steht die Überzeugung, in den Worten und im Leben Jesu habe Gott gesprochen, sei Gott Mensch geworden (Inkarnation). Wollen wir wissen, wer Gott ist, wie Gott ist, so haben wir als Christen in den Evangelien und in den Apostelbriefen nachzuschlagen. IhrZeugnislässt sich mit einem einzigen - alttestamentlichen- Wort zusammenfassen: „Immanuel“ – Gott ist mit uns.[61] Jesus von Nazareth, die historische Person, geboren um 4 vor Christus, mit etwa 30 Jahren zum Boten Gottes berufen, Wanderprediger in Galiläa, einige Zeit später als Unruhestifter angeklagt und am Kreuz gestorben, er verstand sich als Botschafter Gottes auf Erden und ist es für seine Nachfolger noch heute.In seinen Worten, wie sie in der Bergpredigt zusammengefasst sind, in seinen Gleichnissen, in den Streitgesprächen mit den Gesetzesvertretern, aber auch in den heilenden Worten, die er zu den Kranken, gesellschaftlich Geächteten, den Frauen und Kindern sprach, in der Weise, wie er ihnen begegnete –kurz: in seinem Verhalten undin seinen Wortenredete und redet uns Gott an, hören wir, wiees Gott mit uns meint. Dabei versteht sich Jesus als Vertreter einer Tradition, die weit in die Geschichte seines Volkes zurückgreift, injene der alttestamentlichenPropheten. Einer von ihnen sagte das Gotteswort: „So spricht der Herr: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“(Jes 43,1). Und in den Aposteln und Jüngerinnen hat JesusNachfolger gefunden, von denen einer geschrieben hat: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes“ (Röm 8,38 ).

Damit ist das Entscheidende, was sichvon Gott sagen lässt, auf den Nenner gebracht,ein Mehr darüber wäre Spekulation. Theologinnen und Theologen, die zum Teil tausende von Buchseiten geschrieben haben, taten nur das Eine: Sie legten das Wort „Immanuel“ aus, versuchten es auszudeutschenund seine Relevanzfür die jeweilige Zeit zu ergründen.

Ob die Worte der Propheten, Jesu und der Apostel wirklich von Gott gesprochene Worte und nicht bloss in ihrem Hirn entstanden sind, dafür gibt es nur einen einzigen überzeugenden Beweis: ihre Lebenstauglichkeit. Wenn sie sich im Leben bewähren, den Menschen Kraft und Zuversicht schenken, dann sind es wahre Worte, Gottes Worte. Es ist nicht eine Frage des Wissens, des Intellekts, sondern des Vertrauens, ob ich mich auf diese Worte und Verheissungen einlasse, ob sie zu Koordinaten meines Lebens werden, ob sie, wie der Heidelberger Katechismus sagt, „mein einziger Trost im Leben und Sterben“ sind.

Viele Diskussionen, die etwa in den Social Mediazwischen Glaubenden und Nichtglaubenden heftig ausgetragen werden, führen nicht weiter. Ob die Welt in 6 Tagen geschaffen worden ist, ob die ägyptischen Soldaten im Roten Meer ertrunken sind, ob die Posaunen Jericho zu Fall gebracht haben, ob Jesus vom heiligen Geist gezeugt, ob er in Bethlehemoder in Nazareth geboren worden ist, ob er über das Meer gelaufen ist unddie fünf Brote und die zwei Fische5 000 Leute ernährt haben – all diese Fragen mögen interessant sein, aber den Nerv des Glaubens treffen sie nicht. Glaubensentscheidungen sind in solchen Fragen nicht gefordert. Hier geht es um historisches, archäologisches, philologisches und literarisches Wissen und setzt entsprechende Kompetenz, die man sich zum Beispiel im Theologiestudium erwerben kann, voraus. Aber ob es Gott mit mir und meinen Mitmenschengrundsätzlich gut meint, ob ich ihm, dem Immanuel, mein Leben anvertrauen kann und will, das ist die einzige herausfordernde Glaubensfrage, die jeder nurfür sich ganz persönlich beantworten kann. Glauben ist nicht das Für-wahr-Halten eines Dogmas, einer bestimmten Lehre, eines Wunderberichtes, sondern ausschliesslich Urvertrauen.

Gott wird Person – Gott wird Mensch. Wie Gottin den Worten und Werken Jesu menschliche Gestalt, historische Persongeworden ist, so will er auch in uns als seinen Söhnen und Töchtern Mensch, Person werden – gemäss dem gerne zitierten Gebet aus dem 14. Jahrhundert:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.
[62]

Das heisst nicht, glaubende Menschen sind bessere, sozialere, glücklichere Menschen als Agnostiker und Atheisten, selbst wenn sie bei soziologischen Befragungen oft eine Spur besser abschneiden. Ihnen ist es fremd, das Menschenleben nachreligiösen Qualitätskategorienzu unterscheiden, wie sie von den Gnostikern im Altertum und manchenEsoterikern der Gegenwart vorgenommen werden, in Stufen, die von der materiellen Gebundenheit bis zur vollkommenen Geist- und Gottwerdung führen.[63] Glaubende wissen um ihre Grenzen, Schwächen, Ängste und Zweifel, verdrängen sie nicht durch Überforderungen an sich und andere, etwa in der Art: „Du musst nur glauben“. Sie sehen sich nicht als „Perfecti“[64], die im eigenen Selbst, in der eigenen Religiosität oder SpiritualitätHalt suchen,[65] sondern in jener Stimme, die ihnen persönlich zuruft: „Du gehörst mir“ –eben in der Stimme desImmanuel. Ihr gegenüber aber wissen sieaber auch verpflichtet: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Tatsächlich: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände…“.

3. Gott spricht uns an – wie eine Person

Die Sprache der Religion ist, wie gesagt, die Sprache der Symbole –die metaphorische Sprache. Darum wird die Seins-Aussage „Gott ist eine Person“ der Besonderheit der religiösen Sprache nicht gerecht. Bekenne ich hingegen: Gott spricht uns an wie eine Person, dieuns anspricht, dann begebe ich mich auf die metaphorische Ebene, dann ist die Aussage vergleichbar den genanntenSprachbildern: Gott ist wie ein König, wie ein Hirte, wie ein Richter etc. Gott, der nichteine Person ist, aber wie eine Person mit uns redet, begegnet unsauf der personalen Ebene, wir nehmen ihn wie eine Person wahr. So grenzen wir Gott, der alle unsere metaphorischen Bilder übersteigt, der alles in allem ist, nicht ein, sondern bezeugen bloss, wie wir ihn erleben – personal, persönlich.

Daher ist es ein Fehlschluss, der dem Weltraumfahrer und ETH-Professor Claude Nicollier unterläuft, wenn er auf die Frage, ob er religiös sei, antwortet: „Ich glaube an eine Kraft im Universum, die uns langfristig in eine bestimmte Richtung zieht… Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott, denn dafür gibt es schlicht zu viele Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Wenige Menschen, die viel besitzen, und viele Menschen in Armut.“[66] Hätte Nicollier mehr Einsicht indas Wesen des christlichen Glaubens,würde er bekennen, er glaube an jene universale Kraft, die uns persönlich mahnt – so wie eine Person uns mahnt -, unseren Beitrag dafür zu leisten, dass jene Ungerechtigkeit einer gerechten Güterverteilung weicht.

In einem Gespräch mit dem Theologen Friedrich W. Graf erklärte der Philosoph Volker Gerhardt, warum es für denkende Menschen sinnvoll und nötig sei, an Gott zu glauben. Dabei bejahte er die Option, von Gott personal zu reden: „Aber genau in dem Masse, in dem wir das Göttliche der Welt insgesamt als eine uns personal entsprechende Macht wahrnähmen und uns selbst als Person begriffen, dürften wir es als ein ‚persönliches Gegenüber‘, eben als Gott ansprechen.“[67] Diesen Wandel von einem apersonalen zu einem personalen Gottesverständnis dokumentiert das posthum herausgegebene Tagebuch des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld (1953-1961).[68] Vor seinemeinschneidenden mystischen Gotteserlebnis, das im gleichen Jahr wie seine Wahl zum Generalsekretär stattfand, sprach er von Gott in abstrakten Bildern und Begriffen („das Unerhörte“, etwas, „was mehr ist als ich“, „das Schicksal“, „ein Anderes)“, nach seinem Erlebnis, dem Wendepunkt seines Lebens, gebrauchte er,oft im Anschluss an einen Psalmvers, personale Gottesbezeichnungen. Nun spricht er Gott mit „Du“ an. „Einmal packtest du mich, Schleuderer, jetzt in deinem Sturm. Jetzt gegen dein Ziel“.[69]

Die gestellt Frage, ob der Gebrauch des Personalbegriffs für Gott angemessen sei, ist, wie gesagt, legitim. Die Bedenken sind genannt worden. Aber auch die Vorzüge sollen beachtet werden: Anders als die Begriffe König, Hirt und Richter inhäriertdem Personbegriff kein hierarchisches Gefälle. Wird hingegen Gottes Handeln wie das eines Königs, Hirten oder Richters beschrieben, dann befindet sich der Mensch in der Stellung eines Untertanen, eines blökendenSchafes[70], eines vor Gericht Angeklagten – nach dem Schema: Gott ist der Allmächtige, der Mensch der Ohnmächtige, Gott ist „Alles in allem“, der Mensch der „Nichtige“. Selbst in der Gottesbezeichnung Vater zeigt sich ein Gefälle an, wir Menschen sind Kinder und alsoUnmündige.[71] Demgegenüber drückt sich im Personbegriff eine Gleichwertigkeit aus. Personen begegnen sich auf gleicher Augenhöhe. Indem Gott wie eine Person mir als Person gegenüber tritt, anerkennt er meine Würde, meine Freiheit, meine Fähigkeit, verantwortlich zu handeln. Wenn Boethius das Wesen des Menschen mit Hilfe desPersonbegriffsals Geistwesen beschreibt[72], dann kommt er heutigen Wortzuschreibungen wie Würde, Identität, Freiheit und Verantwortung nahe. Das heisst: Die theologische Übertragung des Personbegriffsauf Gott,die im 3. und 4. Jahrhundert erfolgte, erweist sich nicht als theologischer Fehlgriff, sondern als durchaus angemessener Versuch, die Nähe des menschgewordenen Gottes auszudrücken. Könige, Hirten und Richter werdennicht mit Duangesprochen, sondern mit „Majestät“, „Exzellenz“, „Magnifizenz“, „Herr Richter“. Werhingegen sagt, Gott ist wie eine Person, spricht ihn mit Du an und erwartet von ihm, mit Du angesprochen zu werden, Du – Hans, Franz oder Annelies. Der biblischeAusdruck „von Angesicht zu Angesicht“ [73] drückt in bildlich schöner Weise diese personale, persönliche Begegnung aus. Gott in seiner Würde, Identität und Freiheit anerkennt und würdigt mich als autonomen, einmaligenund verantwortlichen Menschen. Ihm gegenüber bin ich Subjekt und nicht Objekt,zwischen Gott und mir besteht ein Freundschaftsverhältnis: „Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht , wie jemand mit seinem Freund redet“ (Ex 33,11). Jesus nennt seine Jünger „Freunde“ („ich nenne euch nicht mehr Knechte“, Joh 15,14f). So wird unterstrichen, was mit einem anderen biblischen Begriff gemeint ist: die Ebenbildlichkeit des Menschen. „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild“. Gott ist das Urbild, wir sein Abbild. Und nach seinem Vorbild haben wir unser Leben kreativ zu gestalten („die Erde zu bebauen“), die Beziehungen human zu leben, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und die Würde jedes Menschen zu achten, denn sie ist – auch von Gott her gesehen -„unantastbar“.Gibt es eine höhere Würdigung des Menschen als die, Gottes Ebenbild sein zu dürfen? Im Licht dieser Auszeichnung erweist sich die Verwendung desPersonbegriffs für Gott als mögliches und angemessenes Sprachmittel symbolischer Art, das mir hilft, Gott, das unergründliche Geheimnis, als Du zu hören und mich zu wundern, dass ich mit ihm„auf Du“ sein darf,dass ich würdig bin, mit ihm wie mit einem Freund zu verkehren.[74] Selbst wenn mein Gottesbild zerbricht, wenn ich ihn nicht mehr verstehe, weil der Lasten zu viele sind, die mir zugemutet werden, Gott bleibt mein Gegenüber, mit dem ich auf Du bin. So anvertraute Dag Hammarskjöld seinem Tagebuch wenige Wochen vor seinem gewaltsamen Tod, als er infolge der Kongokrise am Ende seiner physischen und psychischen Kräfte war, das Gebet[75]:

„Du,

den ich nicht kenne,

demich doch zugehöre.

Du,

den ich nicht verstehe,

der dennoch mich weihte

meinem Geschick.

Du -“

Einsicht 11: Soll das Verhältnis von Gott und Mensch in Worte gefasst werden, so erweist sich der Personbegriff als angemessene Ausdrucksmöglichkeit, sofern er nicht als Seins-Aussage, sondern als symbolischeRede verstanden wird. Das Verhältnis von Gott und Mensch vollzieht sich auf der personalen Ebene, Gott spricht unsmit Du an wie eine Person, die uns mit Du anredet, und wir antworten ihm mit Du, als ob er eine Person wäre – „von Angesicht zu Angesicht“. In dieserZuhilfenahme des Personbegriffs für die Beschreibung derGott-Mensch-Beziehung drückt sich jene unantastbare Würde des Menschen aus, die in Jesus, dem Christus, Person geworden ist – des Menschen Gottebenbildlichkeit.

Ich

Stehen Gott und Mensch miteinander in dialogischer Beziehung, dann bringt der Glaubende seine individuelle, einmalige und einzigartige Persönlichkeitso ein,wie sie sich in seiner Lebensgeschichte ausgebildet hat. In diesem Gespräch kommen eingelöste Perspektiven wieerlebte Krisen und Umbrüche zurSprache. Wünsche und Hoffnungen, Ängste und Nötewurzeln oft,wie erwähnt[76], tief in der Lebensgeschichte, sie könnenbis in die Kindheit zurückreichen.Glaubens- und Vertrauenshaltung sind mitgeprägt vom Milieu, in dem dasIch aufgewachsen ist, in der Art und Weise, wie die Eltern und andere Erzieher die Gretchenfragebeantwortet haben, mitbeeinflusst vom konfessionellen Umfeld, dem man ausgesetzt war, später dann angereichert durch die Einsichten und Erfahrungen der erwachsenen Lebensjahre, die sowohl „hohe Zeiten“ kannten wie möglicherweise Lebensabschnitte, die durch finstere Täler führten.

Alle individuellen Ausprägungen der Persönlichkeit haben ihren Raum im Gespräch mit dem Du Gottes.Keine kirchliche oder theologische Zensurinstanz braucht sich einzuschalten, die definiert, was erlaubt und was unangebracht ist (wobei es freilich Sinn macht, mit anderen Menschen und Überzeugungen auch bezüglich Glaubensfragen im lernbereiten Gesprächzu bleiben). Der Dialog mit Gott hat Ähnlichkeiten mit dem Gespräch zwischen Psychotherapeut und Klient: Alles darf zur Sprache kommen, auch die unguten, die unmoralischen, die verdrängten Seelenteile, die Projektionen und Übertragungen. Wie befreiend, dass selbst Psalmisten sich nicht scheuten, ihren glühenden Hass gegen ihre Feinde ins Gespräch mit dem Du Gottes einzubringen.

Aber im Laufdieseslebenslangen Dialogs, in der Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes - in seiner dreifachen Gestalt- gibt es auch Veränderungen, Fortschritte, gibt es religiösen und theologischen Erkenntnisgewinn. Das Bild Gotteserhält neue Konturen, die Schwerpunkte des Glaubens werden anders gesetzt. „Als ich ein Kind war, dachte ich wie ein Kind, überlegte ich wie ein Kind, redete ich wie ein Kind. Als ich erwachsen war, hatte ich das Wesen des Kindes abgelegt“ (1Kor 13,11).

Der Sinn des Gesprächs mit dem Du Gottes liegt in der Absicht, den subjektiv richtigen Lebensweg zu suchen und einzuschlagen, die erhaltenen und vielleicht erst entdeckten Begabungen, die Ressourcenzu entfalten in Achtung und Anerkennung der Menschen, die mit mir solidarisch unterwegs sind, die jenenWeggehen, der für sie der richtige ist.

Einsicht 12: Wer mit dem Du Gottes unterwegs ist, dem wird die Chance zuteil, das eigene Ich besser kennenzulernen, sich mit ihm und seiner Geschichte anzufreunden, den übersehenen Schatten wahrzunehmen und die Ressourcen zu leben. „Und fröhlich zieht er seine Strasse“ (Apg 8,39). Fröhlich und dankbar.

[...]


[1] Solothurner Zeitung 3.2.2014, S.3

[2] Xenophanes: Fragmente, in: Hermann Diels (Hrsg.): Die Fragmente der Vorsokratiker, Bd. 1, Berlin 41922, S. 54 – 65, Fragmente 14 – 16, 23 – 26d

[3] Gesammelte Werke 5, S. 127 und 166, hrsg. von Werner Schuffenhauer, Berlin, Akademie Verlag. Den Begriff der Projektion hat Feuerbach selbst nicht verwendet.

[4] GW 5, S. 116.

[5] Jolande Jacobi, Vom Bilderreich der Seele, Olten, 21985, S.202-242

[6] Entsprechende Zusammenhänge zwischen den Erfahrungen mit der leiblichen Mutter und dem Bild von Maria, der Mutter Jesu, lassen sich bei katholisch Gläubigen aufzeigen.

[7] Zum Beispiel: „Taufe Christi“ von Joachim Patinir, um 1515-20, Kunsthistorisches Museum Wien

[8] Zum Beispiel die Kinderbibel von Julius Schnorr von Carolsfeld

[9] Volker Gerhardt: Der Sinn des Sinns. Versuch über das Göttliche, C.H. Beck, 2 2015

[10] Paul Tillich, Ges.Werke, Bd.VIII, Stuttgart, S.172, siehe auch S.142f

[11] Bernhard Welte: „Meister Eckhardt entfaltet seine Vorstellung einer gelungenen Gott-Mensch-Beziehung als das ‚Zwei-Eine‘, Differenz und Identität zugleich“ (Meister Eckhart, Freiburg i.Br., 1979, S.48). Wenn wir von Gott reden, besteht eine Differenz, wenn wir Gott erleben, verschmelzen Seele und Gott. „Gott und die Seele sind nämlich so völlig eins, dass es kein Gegenüber mehr gibt“ (Dietmar Mieth, Meister Eckhardt, 2014, München, S.46).

[12] Das jüngste Beispiel zeigt sich in Russland, wo die orthodoxe Kirche, während Jahrzehnten von den kommunistischen Machthabern aufs blutigste verfolgt, zur Stütze des jetzigen Regimes geworden ist.

[13] Bibel in gerechter Sprache, München, 22006,Einleitung S. 19

[14] Weibliche, vor allem mütterliche Bilder von Gott finden sich in: Hiob 38,29/ Psalm 123,2/ 131,2/ Jes 42,14/ Hos 11,3f/Mt 13,33/ Lk 15,8-10.

[15] Eberhard Jünger, Erfahrungen mit der Erfahrung, Stuttgart, 2008

[16] So Hubertus Halbfas, Der Glaube, Patmos-Verlag, 2010, S. 214-219

[17] Heinz Zahrnt, Gotteswende, München, 1992, S.85

[18] Christ in der Gegenwart, Nr.11, 16.3.2014, S.120 mit Verweisauf Michael N. Ebertz, Theologisch- praktische Quartalschrift“ (1/2014)

[19] Rilke schliesst seine Beobachtung der fallenden Herbstblätter mit dem Vers:

„Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“ - Text: www.rilke.de/gedichte/herbst

[20] Richter-Fenster, Wikipedia. – Interessant und hilfreich sind die neuzeitlichen Christusbilder in der Kunst, die Zugänge zu heutigem Gottesverständnis erschliessen. Vgl. Gunter Rombold/Horst Schwebel, Christus in der Kunst des 20. Jahrhunderts, 1983, Herder Freiburg

[21] MPL 64,1343C

[22] W. Pannenberg 3 RGG 5, S. 233

[23] Theolog. Begriffslexikon zum NT, hgg von L. Coenen, E. Beyreuther, H. Bietenhard, 1967, 20ff

[24] Die Begegnung des Menschen mit Gott „von Angesicht zu Angesicht“ kann gemäss at-lichem Zeugnis präsentisch geschehen, so besonders in den Mose-Erzählungen (Ex 33,11, Dt 5,4.34,10). Jakob hat mit dem Engel Gottes „von Angesicht zu Angesicht“ gekämpft (Gen 32,31), ihm ist auch Gideon so begegnet (Richt 6,22). Futurisch: 1 Kor 13,12 (im NT singulär): Jetzt erkennen wir Gott nur „mittels eines Spiegels in rätselhafter Gestalt“, in der eschatologischen Vollendung der Zeit aber „von Angesicht zu Angesicht“.

[25] Wittgenstein Ludwig, Tractatuslogico-philosophicus. Logisch-philosophische Abhandlungen, Frankfurt a.M. 9 1973, S.115, Satz 7

[26] Buchverlage diagnostizieren freilich: „Auf dem Markt der Deutungsangebote haben die Religionen sogar Hochkonjunktur“ (C.H.Beck Verlag). Als Beispiel wird das Buch„Der Sinn des Sinns. Versuch über das Göttliche“ genannt, verfasst von Volker Gerhardt, Philosophieprofessor an der Berliner Humboldt-Universität, wieder eingetretenes Mitglied der evangelischen Kirche. Auch Holm Tetens, Berliner Philosoph und Wissenschaftstheoretiker, zeigt in seinem Buch „Gott denken. Ein Versuch über Rationale Theologie“, Reclam, Stuttgart 2015, die sinnvolle Möglichkeit eines rationalen Zugangs zur Gottesfrage auf.

[27] Dietrich Bonhoeffer: „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“Widerstand und Ergebung, DBW 8, S.514f

[28] Evang. Kirchengesangbuch der Schweiz Nr. 162,1

[29] Die Geschichte von den Wächtern, die es beim Grab am Ostermorgen buchstäblich umgehauen hat und die später die Lüge verbreiten, der Leichnam Jesu sei von den Jüngern nachts gestohlen worden (Mt28,4.11-14), wird von den Exegeten als später entstandene Erzählung verstanden (siehe z.B. Hans Kessler, Was kommt nach dem Tod?, 22014, S.164-167. „Das leere Grab ist ein nachträgliches, aber ungemein starkes Bildzeichen dafür, dass Jesus nicht vom Tod verschlungen ist, dass vielmehr gerade dort, wo nach menschlichem Ermessen alles zu Ende und durch den Grabstein besiegelt ist, von Gott her etwas ganz Neues geschieht: die neue, nicht wieder sterbliche Lebendigkeit Jesu in und aus Gott; der Tod ist tot, das Leben lebt“ S.166f).

[30] Apologeticum 50. -K. D. Schmidt (Grundriss der Kirchengeschichte, Göttingen, 1960,S.56ff) nennt unter den Gründen, welche die heidnische Bevölkerung des römischen Reiches zum Übertritt in die christliche Religion bewog, das sittliche Verhalten der Christen, besonders ihre Liebestätigkeit zugunsten der Armen, Gefangenen, Sklaven und die Bereitschaft, für den Glauben das Martyrium auf sich zu nehmen.

[31] Jörg Lauster, „Die Verzauberung der Welt“, München, 22015, S.86 zur Frage: Warum hat das Christentum in der Antike überlebt? (S. 84-89)

[32] Siehe Anmerkung 68

[33] Hans Alfred Stricker, Religiöse Erfahrungen in spontan gemalten Bildern, Bern, 1998, S.307ff, bes. 441-570

[34] So erlebte der Begründer der Methodistenkirche am 21. Mai 1738, 20.45 Uhr, im Kreis von Bibelfreunden eine Augenblicksbekehrung.

[35] Hans Joas, „Glaube als Option“, Freiburg i.Br., 22013. Hartmut Rosa, Soziologe, in einem Vortrag auf dem Stuttgarter Deutschen Evangelischen Kirchentag 2015.

[36] Gesammelte Werke V,S. 237 – Dieser Satz selbst ist keine religiöse, also symbolische, sondern eine rational-wissenschaftliche Aussage. Theologie ist keine Religion, sondern eine Geisteswissenschaft, welche den Glauben einer Religion zum Gegenstand der möglichst objektiven Untersuchung macht. Das schliesst nicht aus, sondern setzt eher voraus, dass ein guter Theologe, eine gute Theologin die wissenschaftliche Arbeit in existentieller Betroffenheit betreibt, gleich dem Philosophen, Kunsthistoriker, Literatur- und Musikwissenschaftler.

[37] Anonym, Ende 12. Jahrhundert (siehe Seidel/Schophaus, Einführung in das Mittelhochdeutsche, Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, Wiesbaden 1979)

[38] Falsch wäre die populäre Folgerung, die Bibel sei demnach ein Buch der Märchen und Mythen. Auf Grund der biblischen Texte und mit Hilfe der altorientalischen wie griechisch-römischen Geschichtswissenschaft inklusive der Archäologie lässt sich die Geschichte Israels wie die Anfänge des Christentums recht genau rekonstruieren, vgl. „Geschichte Israels“ und „Urchristentum“ in Wikipedia.

[39] Die konfessionelle Differenz zwischen katholischem und protestantischem Glaubensverständnis äussert sich in der unterschiedlichen Gewichtung der Symbol-Merkmale. In katholischerSicht wird besonders der repräsentative Charakter der Symbole betont – also die Gegenwart Gottes in den Sakramenten und in den sie verwaltenden geweihten Amtspersonen, in der protestantischen Tradition wird der Verweischarakter unterstrichen. Deshalb wird z.B. die nicht aufgezehrte Hostie vom kath. Priester im Tabernakel aufbewahrt, vom protestantischen Kirchensigrist entsorgt, weil das Heilige dem Brot ausserhalb der Feier nicht inhärent ist ; „geheiligt“ sind die Menschen, die am Abendmahl teilgenommen haben.

[40] Siehe Anmerkung 38

[41] Martin Buber, „Ich und Du“, Werke Band 1, Gütersloh 2001, S. 85

[42] Martin Buber a.a.O. S.79

[43] Nach einem Bericht des Geschichtsschreibers Salimbene von Parma, Zeitgenosse des Kaisers, siehe Heinrich Klaus J. (Hrsg), Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit, 1968, S.85

[44] Anton Rotzetter, Gott der mich atmen lässt, Herder 1994, S. 89

[45] Anm. 10

[46] Daher ist es richtig und wichtig, zwischen friedliebenden Muslims und gewaltbereiten Islamisten zu unterscheiden. Den Zeitgenossen, die gerne in Leserbriefen oder in Kommentaren in Social Media den Religionen allgemein und grundsätzlich die Schuld an vergangenen Kriegen und gegenwärtigen Konflikten zuweisen, fehlt leider diese Gabe der Unterscheidung.

[47] http://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/barmer_theologische_erklaerung.html

[48] Otto Weber, Grundlagen der Dogmatik, Bd 1, Neukirchen, 1959, S. 195

[49] Weber a.a.O.S.195-214

[50] Zum Beispiel macht der Versuch, den sogenannten „historischen Jesus“ zu rekonstruieren,zwar Sinn, gibt aber keine Glaubensgewissheit.

[51] Weber a.a.O. S.197

[52] Das 2. Vatikanische Konzil hat dieses tradierte Verhältnis von Wort und Sakrament korrigiert und spricht von den beiden Tischen der Eucharistiefeier, dem „Tisch des Wortes“ und dem „Tisch des Brotes“, die gleichwertig sind. Dennoch: Der katholische Laientheologe darf zwar heute eine Predigt halten, aber keine Eucharistiefeier leiten, der geweihte Priester darf beides. Oder: In manchen Gemeinden sind ökumenische Wortgottesdienste möglich, aber nicht gemeinsame Eucharistiefeiern. Also doch eine unterschiedliche Gewichtung von Wort und Sakrament?

[53] Peter Bichsel, Über Gott und die Welt, Suhrkamp, 2009

[54] So Hans Joas, Glaube als Option, Freiburg i.Br., 22013 ,S.121ff

[55] Sie werden unter dem Begriff „Natürliche Theologie“ zusammengefasst, deren Berechtigung besonders von Karl Barth bestritten wurde, verführt sie dochleicht zu selbstgeschaffenen Göttern.

[56] Albert Camus, Die Pest, 1947

[57] Franz Eckert, Schöpfungsglauben lernen und lehren, Göttingen, 2009, S.10f

[58] Jesus illustriert, bebildert in seinen Gleichnissen das Kommen des Reiches Gottes immer wieder mit Naturobjekten und Naturphänomenen. Die vorfindliche Welt, alles wird ihm zum Gleichnis.

[59] „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei“, Jean Paul Siebenkäs, Reclamausgabe Nr. 274, Stuttgart 1983, S.299f

[60] Zum Unterschied von Geheimnis und Rätsel: „Wenn ich das Rätsel gelöst habe, dann hat es seine Rätselhaftigkeit verloren. Je mehr ich aber von einem Geheimnis verstehe, desto geheimnisvoller wird es. Das gilt erst recht für Gott“.So Eberhard Jüngel, Autor des Buches "Gott als Geheimnis der Welt", in einem Interview (www.jesus.de/blickpunkt/.../liebe-ist-noch-steigerungsfaehig).

[61] Der Verweis auf den alttestamentlichen Immanuel zeigt an, dass bereits im jüdischen Glauben die personale Gott-Mensch-Beziehung von fundamentaler Bedeutung ist. Gottes „Angesicht“ (panim) ist dem Angesicht des Menschen zugewandt (siehe Anm. 24). Die Inkarnation Gottes in Christus hat also eine bedeutungsvolle Vorgeschichte.

[62] Verfasser unbekannt. Als Zeit der Entstehung wird das 4. Jahrhundert wie das 14. Jahrhundert genannt, vielleicht als Kommentar zu einem beschädigten „Corpus Christi“, etwa jenem aus spätgotischer Zeit aus dem Kloster Volkenroda in Thüringen.Oder auf G. Bernanos wird verwiesen: „Le Christ n'a pas de mains, il n'a que nos mains pour faire son travail d'aujourd'hui…» Eine Erweiterung am Schluss, die gewiss der Neuzeit entstammt, lautet: „Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest.“ –Zu fragen wäre, ob das viermal wiederkehrende Wort „nur“ die Freiheit Gottes nicht allzu sehr eingrenzt.

[63] Die Gnostiker unterschieden zwischen den Hylikern, die an die materiellen Bedürfnisse gebunden sind, den Psychikern, den Aufsteigern, und den Pneumatikern, den Vollkommenen, die sich auf der dritten und höchsten Stufe ganz der geistigen Welt hingeben und so die Gottwerdung realisieren.

[64] So nannten sich die Gläubigen der Katharerbewegung, entstanden im 12. Jahrhundert.

[65] Die neue Wertschätzung der Religion, wie sie sich heute selbst bei atheistisch gesinnten Denkern zeigt – so beim amerikanischen Rechtsphilosophen Ronald Dworkin in seinem Buch „Religion ohne Gott“, Berlin, 2014, oder beim französischen Philosophen André Comte-Sponville, verkennt, dass glaubende Menschen ihren Halt nicht in ihrer eigenen Religiosität suchen und finden, sondern im Gegenüber ihres Glaubens, im Du Gottes. Eine „Religion ohne Gott“ entspricht nicht dem christlichen Glaubensverständnis. R. Dworkin müsste seinem Buch den Titel setzen: Religiosität oder Spiritualität ohne Gott.

[66] Schweiz am Sonntag, 2015, Nr.9, S.14

[67] Zitiert in „Das ganz grosse Ganze“, DIE ZEIT Nº 52/2014,17. Dezember 2014

[68] FridolinWechsler, Menschen von Gottes Farbe, Luzern, 2015, Dag Hammarskjöld, S. 128-147, bes. S.140

[69] A..a.O. S.139.

[70] Die oft vorgenommene Übertragung des Bildes vom guten Hirten und den Schafen auf die kirchliche Ebene (der Pfarrer als Hirte, lat. pastor, die Gläubigen als Schafe) beleidigt die Würde der Gemeindeglieder. Schafe gelten als dumme Herdentiere.

[71] Das Wort „Abba“, das Jesus für Gott-Vater verwendet, drückt die intime Nähe zwischen Vater und Kind aus, es korrigiert das autoritäre Vaterbild der damaligen Zeit. Jesu spricht den „Vater im Himmel“ mit Du an.

[72] Siehe Anmerkung 21

[73] Siehe Anmerkung 24.

[74] Diese Schlussfolgerung könnte auf Widerspruch dieser Art stossen: Dass Gott, der ein Universum mit Milliarden von Sternen geschaffen hat, und der Mensch, dessen Leben mit einem Staubkörnchen vergleichbar ist, sich „von Angesicht zu Angesicht“ begegnen, sei eine blasphemische Aussage. Aber schon der Psalmist hat sich darüber verwundert: „Wenn ich schaue deine Himmel, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du hingesetzt hast: Was ist doch der Mensch, dass du seiner gedenkst?“ (Psalm 8). Nach dem nt-lichen Glauben wurde und wird der Graben zwischen Schöpfer und Geschöpf durch die Menschwerdung Gottes überbrückt (ohne dass die Differenz zwischen Gott und Mensch aufgehoben ist). So heisst es in einem der frühesten Bekenntnisse der Christenheit: „Er (Christus Jesus) , der doch von göttlichem Wesen war, hielt nicht wie an einer Beute daran fest, Gott gleich zu sein, sondern gab es preis und nahm auf sich das Dasein eines Sklaven, wurde den Menschen ähnlich, in seiner Erscheinung wie ein Mensch…“ (Phil 2, 5-11). Im Gesicht Christi begegnet uns das Gesicht Gottes, in ihm sehen wir Gott "von Angesicht zu Angesicht“ – „sodass wir erleuchtet wurden durch die Erkenntnis von der Herrlichkeit Gottes auf dem Angesicht Christi“ (2 Kor 4,6). Diese Inkarnation des unendlichen, ewigen Gottes im Leben eines einzelnen historischen Menschen, der am Kreuz erst noch einen schändlichen Tod erlitt, war immer schon ein Stein des Anstosses, „den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit“ (1 Kor 1,13).

[75] F. Wechsler a.a.O., S. 146

[76] Einsicht 1

27 von 27 Seiten

Details

Titel
Mit Gott auf Du. Überlegungen zur Personalität Gottes
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V294396
ISBN (Buch)
9783656922759
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Personalität Gottes personales Gottesbild Gott als Du
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Hans Alfred Stricker (Autor), 2015, Mit Gott auf Du. Überlegungen zur Personalität Gottes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294396

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