Die Zukunft der Zeitung. Bedeutet die rasante Entwicklung digitaler Informationen in Onlinemedien das Ende des Printmediums Zeitung?


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erklärung des Medienwandels
2.1 Aktuelle Situation
2.2 Trends und statistische Entwicklungstendenzen

3 Das Gesetz der Komplementarität der Medien

4 Die Zukunft liegt im Netz

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Können Medien aussterben? Und wenn ja könnte die Zeitung das Nächste Medi- um sein? Mit dieser Frage beschäftigen sich fortlaufend immer mehr Menschen. Ob private Personen, Journalisten, einzelne Verleger oder ganze Verlagshäuser. Sie alle blicken der Zukunft des Printmediums Zeitung mit einer Mischung aus Neugierde und Ungewissheit entgegen. Ist das Internet nun bloß eine technische Möglichkeit oder ein Universalmedium, das alle existierenden Medien vereint? Während das herkömmliche Printmedium Zeitung mit einem wachsenden Aufla- genrückgang zu kämpfen hat nimmt die Nachfrage am neuen Medium Internet und dessen Attraktivität mindestens genauso stark zu. (Statista 2014) Online verliert der Journalismus seinen Anspruch als Gatekeeper, denn die Frage wel- che Inhalte die Öffentlichkeit erreichen und welche nicht wird überflüssig. Ein Jeder kann ohne große Mühen Inhalte produzieren und publizieren. Stehen wir dadurch aber automatisch vor einer Flut aus Informationsmüll? Und wenn ja, wer sortiert ihn aus? Es wird deutlich: das Internet nötigt mehr als die anderen Medi- en dazu, sich über Möglichkeiten und den sinnvollen Einsatz ausreichend Ge- danken zu machen. (Neuberger, 2009, S. 7) Mit Bezug auf die aktuelle Situation und auf die simultane Entwicklung der Zeitung als Printmedium und webbasierte Informationsquelle werden Vergleiche zu verschiedenen Entwicklungstendenzen in dieser Hausarbeit angestellt. Wolfgang Riepls „Unverdrängbarkeitsgesetz“ (Riepl, 1913, S.4) der Medien, sowie die spätere Kritik an diesem Gesetz, durch den Medienwissenschaftler Werner Faulstich, bilden dabei den Ausgangspunkt für den Vergleich verschiedener Standpunkte zu der eigentlichen Frage: Bedeu- tet die rasante Entwicklung digitaler Informationen in Onlinemedien das Ende des Printmediums Zeitung? Der angestrebte Vergleich bezieht sich unter anderem auf ökonomische und soziale Entwicklungen des Wandels. Ein weiterer wichtiger Zielkonflikt ergibt sich in Bezug auf die Inhalte des Mediums Zeitung, da es zu einer Verschiebung im Bereich der Qualität und Quantität bei den verschiedenen Medienangeboten kommt. Der folgende Inhalt beschäftigt sich mit der gegenwär- tigen Entwicklung der Zeitung als Printmedium, sowie der parallelen Entwicklung von Informationsangeboten im Internet. Die verschiedenen Ansichten von Wis- senschaftlern und anderen Medienakteuren, sowie faktenorientierte Hintergrund- informationen bilden die Grundlage der folgenden Analyse.

2 Erklärung des Medienwandels

Um die entwickelte Fragestellung: Bedeutet die rasante Entwicklung digitaler Informationen in Onlinemedien das Ende des Printmediums Zeitung? hinreichend beantworten zu können ist es zunächst einmal wichtig die Begriffe „Medien“ und „Digitalisierung“ zu definieren, zu verknüpfen und vor dem Hintergrund des Medi- enwandels einzuordnen.

Medien im Allgemeinen sind Transporteure von Informationen. (Giesecke, 1998, S. 37-38) Sie ermöglichen eine Übermittlung von Informationen zwischen den beteiligten Kommunikationsteilnehmern. Im weiteren Sinne kann man Medien auch als Kanäle verstehen. Nach Saxer sind Medien sogar komplexe institutionalisierte Systeme um Kommunikationskanäle von speziellem Leistungsvermögen, was in der modernen Gesellschaft bedeutet, dass die Kommunikationsteilnehmer nicht zwanghaft Einzelpersonen sind, sondern auch Institutionen, die in einem sozialen Kontext zueinander stehen. (Saxer, 1987, S. 75-78)

Mit der Digitalisierung von Medien wird die Umwandlung von Informationen: Text, Bild und Ton in Zahlenwerte zur weiteren, elektronischen Speicherung, Bearbei- tung oder Übertragung bezeichnet. (Hasebrink, 2006, S. 95) Man spricht nun auch von „digitalen Medien“, die als Teil des heutigen Medienwandels verstan- den werden. Die Aufgabe der Medien ist es die Flut an Informationen vor zu sor- tieren um dem Bürger ein neutrales Bild zu liefern. Das Internet als neues Medi- um des Wandels ermöglicht die Einflussnahme, wobei verschiedene Perspektiven und Sichtweisen berücksichtig werden müssen. (Rhomberg, 2009, S. 26) Das Internet hat die Kommunikation grundlegend verändert. Durch die Eigenschaften des freien Netzwerkes kann die Verfügbarkeit, Aktualität und der Verknüpfungen von Informationen zu einer verbesserten Kommunikation der Bürger in einem direkteren Weg untereinander ausgetauscht werden. (Seifert, 2006, S. 49)

2.1 Aktuelle Situation

Die größte Plattform digitaler Medien und Inhalte im 21. Jahrhundert ist das Internet, im Jahr 2014 wird es von mehr als 2,9 Milliarden Menschen weltweit genutzt. (Statista, 2014)

Schon in der Vergangenheit stellte das Hinzukommen neuer Massenmedien eine Gefahr für die bereits bestehenden Massenmedien dar, wie im Falle des Fernse- hens. Die Printmedien sorgten sich damals um die Einnahmen aus der Werbung und damit verbunden um die Zukunft dieses Mediums. (Theis-Berglmair, Mayer, & Schmidt, 2009, S. 51) Die Besonderheit der aktuellen Entwicklung mit dem Internet als Plattform digitaler Medien und Inhalte liegt bei genauerer Betrachtung an einer ganz anderen Stelle. Das Internet an sich, ist nämlich zunächst kein neues Massenmedium, sondern eine technische Möglichkeit. (Theis-Berglmair, Mayer, & Schmidt, 2009, S. 52) Die Bedienung des Internet ist einfach und ermöglicht das Bereitstellen und Abrufen von Inhalten in jeder Alltagssituation für eine breite Masse an Nutzern. (Becker, 2013, S. 189)

Das Internet als neue technische Möglichkeit, als Plattform für Medien aller Art bedeutet besonders im Zusammenhang mit dem Medium Zeitung die Auslage- rung und teilweise Verschiebung der ökonomischen und journalistischen Prozes- se ins World Wide Web. Die statischen Inhalte der Printmedien stehen nun digita- len, schnell wandelbaren und somit flüchtigen Inhalten der Onlinemedien gegenüber. (Becker, 2013, S. 143) Mit dieser Entwicklung geht seit den letzen Jahren ein prägnanter Strukturwandel im Zeitungsgeschäft einher. Einige Schlüsselprobleme für die Verlage werden omnipräsent: der Auflagenrückgang, weniger Anzeigenschaltung und damit verbunden der allgemein sinkende Um- satz. (Schröder, & Schwanebeck, 2005, S. 11)

2.2 Trends und statistische Entwicklungstendenzen

Als Beispiel ging 2003 im Vergleich zum Vorjahr der Gesamtumsatz aus Anzeigen, Beilagen und Vertrieb der Zeitungen um 5,4% von 9,42 Milliarden Euro auf 8,90 Milliarden Euro zurück. (Pasquay, 2004)

Unabhängig von diversen Prognosen und Aussichten einzelner Wissenschaftler, in Bezug auf die Zukunft der Printmedien, gibt es bereits zahlreiche Studien, die aktuelle Trends und Entwicklungshinweise für die Entwicklung des Printmediums Zeitung aufzeigen. Eine Statistik der statistaGmbH aus dem Jahr 2014 zeigt eine negative Kaufentwicklung der täglich verkauften Tageszeitungen in Deutschland von 2003 bis 2014 von rund -24,6%. Während im Jahr 2003 täglich noch ca. 22,6 Millionen Exemplare verkauft wurden, sind es 2014 nur noch rund 17 Millionen täglich verkaufte Exemplare. Schenkt man den Prognosen derselben Statistik Glauben, werden im Jahr 2018 in Deutschland nur noch 15,7 Millionen Zeitun- gen, täglich verkauft. (Statista, 2014)

Neben der quantitativen Regression der Zeitungen in Form des Verkaufs- und Auflagenrückgang ist zudem eine weitere Entwicklung auf ökonomischer Ebene 3 zu beobachten. Im Zeitraum von 2009 bis 2012 haben sich die weltweiten Aus- gaben für Zeitungswerbung von 98 Milliarden US-$ auf weniger als 93 Milliarden US-$ reduziert. Dies ist ein Rückgang um mehr als 5% in drei Jahren. Dem ge- genüber steht auf der anderen Seite eine positive Entwicklung auf dem Internet- werbemarkt. In dem gleichen Zeitraum von drei Jahren kam es zu einem Finan- zierungszuwachs bei der Internetwerbung von rund 34%. Waren es 2009 noch 54,2 Milliarden US-$ sind es 2012 bereits 82,7 Milliarden US-$ an Ausgaben für Internetwerbung. (Statista, 2014)

Diese beiden Entwicklungen der letzten Jahre: der Auflagenrückgang, sowie die Abnahme an Werbeinvestitionen - haben unmittelbare Auswirkungen auf die Fi- nanzierung und im speziellen auf die Refinanzierung der Zeitungen. Zeitungen werden zum einen aus Verkaufserlösen finanziert und zum anderen aus Wer- bung, die auf dem Medium platziert ist. (Meyer, 2005, S. 1-2) Betrachtet man den aktuellen Stand des fortlaufenden Medienwandels: die Digitalisierung und der Gang ins Netz der Printmedien werfen sich viele Fragen auf, in Bezug auf die Zukunft der Medienlandschaft auf. Mit Hilfe der Leitfrage: Bedeutet die rasante Entwicklung digitaler Onlinemedien das Ende des Printmediums Zeitung? werden im Folgenden verschiedene Standpunkte von Wissenschaftlern, Journalisten und weiteren Akteuren untersucht.

3 Das Gesetz der Komplementarität der Medien

Schon frühere Wissenschaftler und Journalisten beobachteten den Prozess von Veränderungen im Nachrichtenwesen und nahmen Stellung in Bezug auf Ängste und Vermutungen über das Aussterben und den Ersatz älterer Medien durch neuere. Wolfgang Riepl, war deutscher Altphilologe, Journalist und Chefredakteur der Nürnbergischen Zeitung. Auch er beobachtete den Wandel der Medien und formulierte seine Stellung in dem von ihm 1972 veröffentlichten Buch: Das Nachrichtenwesen des Altertums wie folgt:

„Trotz aller solchen Wandlungen ist indessen festzustellen, daß neben den höchstentwickelten Mitteln, Methoden und Formen des Nachrichtenverkehrs in den Kulturstaaten auch die einfachsten Urformen bei verschiedenen Na- turvölkern noch heute im Gebrauch sind […]. Andererseits ergibt sich gewis- sermaßen als Grundsatz der Entwicklung des Nachrichtenwesens, daß die einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommensten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und au- ßer Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur daß sie genötigt werden können, andere Aufgaben und Verwertungsge- biete aufzusuchen.“ (Riepl, 1972, S. 4 -5)

Riepl stellt mit seiner Aussage fest, dass fest etablierte Formen, Mittel und Me- thoden des Nachrichtenwesens nicht durch Neuerungen oder höhere Entwick- lungen ersetzt werden, sondern es nur zu einer Verschiebung der Funktionalität und Anwendungsgebiets kommen kann. (Riepl, 1972, S. 4-5) Auch der Journalist Jonathan Landman, Deputy Managing Editor der New York Times kritisiert ein vorschnelles Urteil in Bezug auf die zukünftige Entwicklung des Printmediums Zeitung. Für ihn tendieren alle Medien zu einer Koexistenz. Bereits in der Vergangenheit wurde immer wieder prophezeit, dass die scheinbar alten und überholten Medien aussterben. Doch nichts der Gleichen ist Gesche- hen. Das Radio verdrängte nicht die Zeitungen und das Fernsehen nicht das Ra- dio. (Landman, 2009, S. 143) Fallbezogen auf die gegenwärtige Entwicklung, der Digitalisierung und dem Wandel der Printmedien wird Riepl’s Standpunkt von anderen Autoren gestützt. So behauptet Anna Maria Theis-Berglmair in ihrem Buch, dass z.B. Onlineversionen von Zeitungen individualisierter abrufbar sind und geographisch eine größere Reichweite leisten, sich jedoch bei längerem Le- sen nicht eigenen, da der Rezipient einen viel höheren Aufwand an Konzentrati- on für digitale Medien benötigt. (Theis-Beglmair, 2009)

Eine weitere Auffassung ist, dass der Leser im Internet oftmals abgelenkt wird, durch die auffälligen Hyperlinks zu anderen digitalen Inhalten und sich nicht so gut auf komplexe Argumentationslinien fokussieren kann wie beim Lesen von Printmedien. Bei den Printmedien kommt es auf den Inhalt an sich an. Es beste- hen kaum Möglichkeiten zur „Flucht“ vor dem Prozess des Lesens. Das Web hingegen versucht den Besucher der Seite mit nur einem „Klick“ auf die nächste, interessant wirkende Seite zu locken. Auf ökonomischer Ebene stellt sich also zu Recht die Frage nach dem Mehrwert der Onlinemedien. Viele User haben keine Zahlungsbereitschaft für die digitalen Inhalte, für Printmedien schon. (Göldi, 2011, S. 38-40) Die eigentliche Funktion von Massenmedien bzw. Kommunikati- on geht ebenfalls verloren in Anbetracht der Situation, dass die Inhalte den Rezi- pienten nur noch abhängig von seinen individuellen Interessen und somit selektiv erreichen. Die Meinungsbildung wird nicht erweitert sondern immer mehr ge- schmälert. Der Leser konfrontiert sich selbst nur noch mit den von ihm ausge- wählten Inhalten und isoliert sich somit von dem breiten Informationsspektrum und dem damit verknüpften facettenreichen Meinungspool anderer Inhalte und Quellen.

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Details

Titel
Die Zukunft der Zeitung. Bedeutet die rasante Entwicklung digitaler Informationen in Onlinemedien das Ende des Printmediums Zeitung?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Kommunikationswissenschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V294412
ISBN (eBook)
9783656921387
ISBN (Buch)
9783656921394
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitungszukunft, Zeitung, Medienzukunft, Zukunftszeitung, Medien, Medien in der Zukunft, Zeitungssterben, Aussterben der Zeitung, Ende der Printmedien, Zukunft der Medien
Arbeit zitieren
Julian Lebeirf (Autor), 2014, Die Zukunft der Zeitung. Bedeutet die rasante Entwicklung digitaler Informationen in Onlinemedien das Ende des Printmediums Zeitung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294412

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