Die Figur der Jeanne d´Arc hat über die Jahrhunderte hinweg Literaten fasziniert. In dieser Arbeit werden drei Stücke des 20. Jahrhunderts über Johanna von Orleans anhand ihres Figurenpersonals untersucht und verglichen. Bei den drei Stücken handelt es sich um: Shaw, Die heilige Johanna. Brecht, Der Prozeß der Jeanne d´Arc zu Rouen 1431. Anouilh, Jeanne oder Die Lerche. Die Betrachtung der auftretenden Figuren und ihrer Bedeutungszuschreibungen erlauben einen Einblick in die vielfältigen Absichten und Ansichten, welche Dramatiker mit der Figur Johanna von Orleans verbunden haben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE STÜCKE
2.1 GEORGE BERNARD SHAW, DIE HEILIGE JOHANNA
2.1.1 ENTSTEHUNG UND AUFBAU
2.1.2. JOHANNA
2.1.3 DIE KIRCHE
2.1.4 DER ADEL
2.2 BERTOLT BRECHT, DER PROZEß DER JEANNE D´ARC ZU ROUEN 1431
2.2.1 ENTSTEHUNG UND AUFBAU
2.2.2. JOHANNA
2.2.3 KIRCHE UND ADEL
2.2.4 DAS VOLK
2.3 JEAN ANOUILH, JEANNE ODER DIE LERCHE
2.3.1 ENTSTEHUNG UND AUFBAU
2.3.2 JOHANNA
2.3.3 DIE KIRCHE
2.3.4 DER ADEL
3. SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Darstellung der historischen Figur Johanna von Orleans im 20. Jahrhundert anhand ausgewählter Dramen von Bernard Shaw, Bertolt Brecht und Jean Anouilh. Ziel ist es zu analysieren, welche neuen Facetten dieser Figur durch die Dramatiker hinzugefügt wurden und wie ihre Interaktion mit den gesellschaftlichen Gruppen von Kirche, Adel und Volk ihr Bild maßgeblich prägt.
- Literarische Transformation der historischen Figur der Jeanne d'Arc im 20. Jahrhundert.
- Vergleichende Analyse der Dramen von Shaw, Brecht und Anouilh unter Berücksichtigung von Entstehungskontext und Aufbau.
- Die Rolle und Darstellung der Personengruppen Kirche, Adel und Volk als Spiegel des jeweiligen Johanna-Bildes.
- Untersuchung der historischen Authentizität sowie der zeitgenössischen Intentionen der Dramatiker.
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Johanna
In seiner ausgesprochen aufschlussreichen Vorrede zur „heiligen Johanna“ widmet Shaw ein ganzes Kapitel der literaturgeschichtlichen Überlieferung – und geht mit seinen literarischen Vorgängern hart ins Gericht. Ihre Darstellung in „Heinrich VI.“ findet er von einer „grenzenlosen Infamie“ durchdrungen, und auch Schillers Jeanne kann er wenig abgewinnen: Wenn wir zwei Jahrhunderte überspringen bis hin zu Schiller, finden wir die Jungfrau von Orléans in einem Hexenkessel tobender Romantik ertrunken. Schillers Johanna hat nicht einen einzigen Berührungspunkt mit der echten Johanna, noch überhaupt mit irgendeiner sterblichen Frau, die jemals auf Erden wandelte.
Shaw legt ein beträchtliches Engagment an den Tag, alles was ihm an bisherigen „literarischen Darstellungen der Jungfrau [...] legendenhaft“ dünkt von seiner Johanna fernzuhalten. Dies beginnt schon bei der äusserlichen Erscheinung der Heldin. Für Shaw ist es „eine feststehende Tatsache, daß Johanna keine Schönheit war“ und dieser Tatsache zollt Shaw in der Beschreibung Johannas seinen Tribut: Sie ist ein kräftiges Bauernmädchen, siebzehn oder achtzehn Jahre alt, in einem anständigen roten Kleid. Sie hat ein ungewöhnliches Gesicht: weit auseinanderliegende Augen, wie es bei sehr phantasievollen Menschen oft vorkommt, eine lange, schöngeschwungene Nase mit weiten Nasenflügeln, eine kurze Oberlippe, einen energischen Mund trotz voller Lippen und ein hübsches, streitsüchtiges Kinn.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in den historischen und literarischen Kontext der Johanna-Figur sowie Definition des Untersuchungsgegenstandes der Arbeit.
2. DIE STÜCKE: Analyse der Dramen von Shaw, Brecht und Anouilh in Bezug auf deren Aufbau, die jeweilige Charakterisierung Johannas und das Zusammenspiel mit den gesellschaftlichen Gruppen.
3. SCHLUSSBEMERKUNG: Synthese der Ergebnisse und Reflexion darüber, warum die Dramatiker Johannas Ende individuell gestalteten, um die zeitlose Bedeutung der Figur hervorzuheben.
Schlüsselwörter
Johanna von Orleans, Jeanne d'Arc, Bernard Shaw, Bertolt Brecht, Jean Anouilh, Dramatik, 20. Jahrhundert, Literarische Figur, Kirche, Adel, Volk, Prozeß, Patriotismus, Historische Authentizität, Menschenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische Gestaltung der Johanna von Orleans in drei bedeutenden Dramen des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Johanna-Figur, ihrem Verhältnis zu Machtstrukturen wie Kirche und Adel sowie der literarischen Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll untersucht werden, welche neuen Bilder und Interpretationen der Johanna d'Arc im 20. Jahrhundert entstanden sind und wie die Dramatiker diese durch die Interaktion mit verschiedenen Personengruppen schärfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Analyse und einen Vergleich der Dramen von Shaw, Brecht und Anouilh durch, wobei auch der Entstehungskontext und zeitgenössische Quellen einbezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte, die sich jeweils einem der drei Dramatiker und seinem spezifischen Werk widmen, inklusive deren Entstehung, Aufbau und Charakterzeichnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Johanna von Orleans, Dramatik, Literaturgeschichte, 20. Jahrhundert, Interpretation, Machtstrukturen, Jeanne d'Arc.
Wie unterscheidet sich die Johanna-Figur bei Brecht von der bei Shaw?
Während Shaws Johanna als stolze Einzelne gezeichnet wird, betont Brecht die Geschundenheit und das Mitleiderregende der Figur, die als einfache Frau aus dem Volk agiert.
Welche besondere Fiktionsebene nutzt Anouilh in seinem Stück?
Anouilh arbeitet mit drei Ebenen: einer Schauspielerbühne, einer Prozeßbühne und einer "Innenspielebene", die dem Zuschauer den Theatercharakter des Geschehens fortwährend bewusst macht.
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- Mario Fesler (Author), 2004, Johanna von Orleans als Bühnenfigur bei Shaw, Brecht und Anouilh, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29441