Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Risikomanagement deutscher Kreditinstitute im Bereich der Immobilienfinanzierung unter Berücksichtigung der US-Subprime-Krise. Die Subprime-Krise hat gezeigt, wie wenig sich die Verantwortlichen Banker in deutschen Banken mit den Risiken ihrer Geschäfte auseinandergesetzt haben. Während der Aufarbeitung der Hintergründe zur US-Subprime-Krise fielen im Zusammenhang mit deutschen Banken solche Stichwörter wie „inkompetent“ oder „Geld-hungrig“, oft traf auch beides zu. Obwohl jede Bank eine Art von Risikomanagement besessen hat, kann der Umgang der Wirtschaftsakteure mit diesem Management-Segment nur als eine Farce bezeichnet werden. Erst nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA und der hieraus folgenden Finanz- und Wirtschaftskrise rückte das Immobilien-Risikomanagement in den Fokus wissenschaftlicher und praxisrelevanter Untersuchungen. „Studien von ERNST & YOUNG, FUNK RMCE, RÖDL & PARTNER UND WEISS-MANN & CIE. belegen, dass die Notwendigkeit des Risikomanagement in der Praxis immer mehr Beachtung findet. Jedoch mangelt es an der Umsetzung und Etablierung in den Unternehmensstrukturen.“ In dieser Arbeit soll einerseits untersucht werden, wie deutsche Banken in Immobilien investieren und wie sie mit dem einhergehenden Risiko umgehen, andererseits soll untersucht werden, welche Rolle deutsche Banken im Rahmen der US-Subprime-Krise gespielt haben. Diese Arbeit geht der Forschungsfrage nach, inwieweit sich das Immobilien-Risikomanagement deutscher Banken seit der verheerenden Immobilienkrise vor ein paar Jahren verändert hat. Ein weiterer Fokus soll auf die momentanen Entwicklungen in China gelegt werden, da dort ein Pendant zur US-Subprime-Krise heranwächst. „Moody's warnte laut einem Bericht der Financial Times davor, dass der Zusammenbruch der chinesischen Immobilienbranche die Weltwirtschaft beeinträchtigen würde.“ An dieser Stelle kann schon vorweg genommen werden, dass sich in Hinsicht auf das Risiko im Bereich der Immobilienfinanzierung nur erschreckend verändert hat und dies soll im Zuge dieser Arbeit am Beispiel des chinesischen Immobilienmarktes aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Moderne Geldtheorie
2. Aktivitäten deutscher Kreditinstitute in der Immobilienfinanzierung
2.1 Tätigkeitsfelder
2.1.1 Private Immobilienfinanzierung
2.1.2 Gewerbliche Immobilienfinanzierung
2.1.3 Direktinvestitionen
2.1.3.1 Equity Joint Venture
2.1.3.2 Contractual Joint Venture
2.1.3.3 Wholly Foreign Owned Enterprise
2.1.3.4 Repräsentanzen
2.1.3.5 Companies Limited by Shares
2.1.3.6 Motive und Auswirkungen von Direktinvestitionen
2.2 Rendite und Risiko
2.2.1 Zielgröße Rendite
2.2.2 Zielgröße Risiko
2.3 Besonderheiten der Immobilienfinanzierung
3. Die US-Subprime-Krise
3.1 Ursachen
3.2 Verlauf
3.3 Die Rolle deutscher Banken in der Finanzkrise
3.3.1 Deregulierung des deutschen Finanzmarkts
3.3.2 Das Beispiel Sachsen LB
3.4 Folgen
3.4.1 Schuldner in den USA
3.4.2 Das Beispiel Pforzheim
4. Das Risikomanagement in der Immobilienfinanzierung
4.1 Risiko- und Chancenmanagement
4.1.1 Die Begriffe Risiko und Chance
4.1.2 Risikomanagement oder Chancenmanagement
4.1.3 Risiko- und Chancenkultur
4.1.4 Rechtliche Aspekte
4.1.5 Eine Analyse von Risiko- und Chancenkultur
4.2 Eigenheiten des Immobilien-Risikomanagements
5. Möglichkeiten zur Steuerung des Risikos
5.1 Unterschiedliche Arten der Ansätze
5.1.1 Die ursachenbezogene Risikoauffassung
5.1.2 Die informationsorientierte Risikoauffassung
5.1.3 Die entscheidbezogene Risikoauffassung
5.1.4 Die wirkungsbezogene Risikoauffassung
5.1.5 Kritische Betrachtung der Risikoauffassung
5.1.6 Formale Definitionen von Risiko und Chance
5.2 Tendenzen des Risiko- und Chancenmanagements in der Immobilienfinanzierung
6. Lehren aus der US-Subprime-Krise
6.1 Reformansätze
6.2 Wenige Veränderungen und neue Gefahren
6.2.1 China als potentielle Gefahr der Zukunft
6.2.2 China als Wirtschaftsstandort
6.2.3 Deutsche Direktinvestition in China
6.2.4 Direktinvestitionsrecht
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Risikomanagement deutscher Kreditinstitute bei der Immobilienfinanzierung vor dem Hintergrund der US-Subprime-Krise. Dabei wird analysiert, wie sich die Risikomanagement-Praktiken deutscher Banken seit der Krise verändert haben und welche Risiken aktuell aus den Entwicklungen auf dem chinesischen Immobilienmarkt resultieren.
- Risikomanagement deutscher Kreditinstitute in der Immobilienfinanzierung
- Ursachen und Auswirkungen der US-Subprime-Krise auf deutsche Banken
- Analyse von Risiko- und Chancenmanagement in Finanzstrukturen
- Formen und Motive von Direktinvestitionen in China
- Lehren aus vergangenen Finanzkrisen für die Zukunft
Auszug aus dem Buch
2.1.3.1 Equity Joint Venture
Joint Ventures bezeichnen die ersten Unternehmungsstrukturen, welche es ausländischen Investoren ermöglichten, auf dem chinesischen Markt zu agieren. Eine lange Zeit über war diese Möglichkeit der Investition sehr unbeliebt, jedoch hat sich dies in den letzten Jahren radikal verändert. Als Joint Venture werden Gesellschaften mit beschränkter Haftung bezeichnet, wobei der Begriff als Sammelbezeichnung für verschiedene Arten von projektbezogenen Unternehmenskooperationen auftritt. Es geht „bei einem Joint Venture zumeist um zwei oder mehrere rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmer oder Unternehmen (Joint Venture Partner), die auf der Basis vertraglicher Vereinbarungen gemeinschaftlich und gleichgerichtet für eine gewisse Dauer zusammenwirken, um ein bestimmtes unternehmerisches Ziel zu erreichen.“
Es gibt zwei verschiedene Formen von Joint Ventures, das Equity Joint Venture und das Contractual Joint Venture. EJV sind dadurch gekennzeichnet, dass sie von einem chinesischen und ausländischen Partner gemeinsam gegründet werden. Die entstehenden Gewinne, beziehungsweise Verluste, werden den Kapitalanteilen entsprechend verteilt. „Bei der Kapitaleinbringung ist zu beachten, dass der ausländische Partner sein immaterielles Vermögen maximal zu 20% des registrierten Kapitals anrechnen kann.“ Bei einem EJV muss der ausländische Investor einen Anteil von mindestens fünfundzwanzig Prozent besitzen. Ein derartiges Joint Venture haftet mit seinem Gesellschaftsvermögen und tritt als chinesische juristische Person auf. In der Fachliteratur wird das EJV als die riskanteste Kooperationsform der ausländischen Direktinvestitionen angeführt. „Somit wird das EJV in China wie ein eigenständiges Unternehmen geführt, wobei die Transaktionspartner durch ein „equity link“ verbunden sind, das eine hierarchische organisationsinterne Koordination […] aufweist und darüber hinaus auch eine Kooperationsform darstellt, da sich das EJV im gemeinsamen Eigentum von mindestens zwei Unternehmungen befindet.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Risikomanagements deutscher Banken in der Immobilienfinanzierung ein und erläutert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Aktivitäten deutscher Kreditinstitute in der Immobilienfinanzierung: Dieses Kapitel beschreibt die verschiedenen Tätigkeitsfelder von Banken bei der Immobilienfinanzierung sowie die Relevanz von Direktinvestitionen.
3. Die US-Subprime-Krise: Hier werden die Ursachen und der Verlauf der US-Subprime-Krise sowie die folgenschwere Rolle deutscher Banken und ihre Verwicklungen in diese Krise detailliert analysiert.
4. Das Risikomanagement in der Immobilienfinanzierung: Dieses Kapitel widmet sich den theoretischen Grundlagen des Risiko- und Chancenmanagements und beleuchtet die kulturellen und rechtlichen Aspekte innerhalb von Unternehmen.
5. Möglichkeiten zur Steuerung des Risikos: Hier werden verschiedene theoretische Ansätze der Risikoauffassung vorgestellt und aktuelle Tendenzen im Risikomanagement diskutiert.
6. Lehren aus der US-Subprime-Krise: Das Kapitel reflektiert über notwendige Reformansätze im Bankwesen und warnt vor neuen Risiken durch das Engagement deutscher Unternehmen auf dem chinesischen Markt.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass sich das Risikomanagement trotz der Krise nur unzureichend verbessert hat und politische Verantwortung weiterhin kritisch zu hinterfragen ist.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, Immobilienfinanzierung, US-Subprime-Krise, Chancenmanagement, Direktinvestition, China, Sachsen LB, Bankenkrise, Ratingagenturen, Risikokultur, KonTraG, Finanzinstrumente, Bad Banks, Finanzmarktaufsicht, Kapitalmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Risikomanagement deutscher Banken im Bereich der Immobilienfinanzierung und bewertet deren Rolle und Handlungsweise während der US-Subprime-Krise sowie in Bezug auf aktuelle Entwicklungen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Aktivitäten deutscher Banken in der Immobilienfinanzierung, der Analyse der US-Subprime-Krise, den theoretischen Ansätzen des Risiko- und Chancenmanagements sowie den Besonderheiten von Direktinvestitionen, insbesondere in China.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie sich das Immobilien-Risikomanagement deutscher Banken seit der US-Subprime-Krise entwickelt hat und ob daraus effektive Lehren für die Zukunft gezogen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, wertet Studien und Berichte aus, analysiert Fallbeispiele (wie die Sachsen LB oder die Stadt Pforzheim) und verknüpft diese mit theoretischen Modellen des Risikomanagements.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Bankenaktivitäten, die detaillierte Aufarbeitung der Subprime-Krise, die Erläuterung von Risikomanagement-Ansätzen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Lehren aus der Krise und dem aktuellen Engagement deutscher Unternehmen in China.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Risikomanagement, Subprime-Krise, Direktinvestitionen, Immobilienblase, Bankenaufsicht, Schattenbanking und Risiko-Chancen-Kultur.
Welche Rolle spielten deutsche Landesbanken bei der Verschärfung der Finanzkrise?
Laut der Arbeit agierten deutsche Landesbanken planlos und inkompetent, indem sie im großen Stil in risikobehaftete, intransparente Papiere aus den USA investierten, oft ohne ausreichende Eigenkapitalbasis und unter Ausnutzung von Steueroasen.
Warum wird das Beispiel der Stadt Pforzheim in der Arbeit angeführt?
Das Beispiel verdeutlicht, dass deutsche Banken nicht nur Opfer der Krise waren, sondern Kommunen aktiv dazu verleiteten, hochkomplexe und verlustreiche Zinswetten einzugehen, was bei der Stadt Pforzheim zu massiven finanziellen Schäden führte.
Wie bewertet der Autor die Reaktion der Politik nach der Krise?
Der Autor übt scharfe Kritik an der deutschen Politik, da er eine mangelnde politische Aufarbeitung feststellt und bemängelt, dass durch Deregulierung weiterhin Schlupflöcher für Spekulationen bestehen, anstatt das Risiko für Steuerzahler nachhaltig zu minimieren.
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- Dennis Ledwon (Author), 2015, Das Risikomanagement deutscher Kreditinstitute im Bereich der Immobilienfinanzierung. Die US-Subprime-Krise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294440