Auswandererland Argentinien im Zweiten Weltkrieg. Eine neue Heimat?


Hausarbeit, 2012

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Flucht
2.1. Die Situation der Juden in der DDR

2. Die Flucht
2.1. Fluchtziel: Argentinien

3. Ankunft in Argentinien
3.1. Die Integration der deutsch-jüdischen Einwanderer

3. Ankunft in Argentinien
3.2. Probleme: Ja oder Nein?

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland im Jahre 1933 vollzog sich ein tiefgreifender Einschnitt für die deutsche Gesellschaft. Auf einmal drehte sich die Weltsicht zu einer rassistisch veranlagten Weltanschauung. Oppositionelle und ethnisch definierte Gegner wie Juden mussten unter den Folgen dieser neu orientierten Ideologie leiden. Viele von ihnen wurden durch Bedrängung und Verfolgung zur Emigration gezwungen. Für diese Menschen bedeutete die Flucht ein Wendepunkt in ihrem Leben. Sie mussten ihr derzeitiges Leben aufgeben und somit ihre Heimat, ihren Beruf, ihre Verwandten und Freunde zurück lassen. Doch auch wenn die Emigration zwangsweise eintrat, so ermöglicht sie immer auch neue Erfahrungen in den Zufluchtsländern.

In meiner Hausarbeit möchte ich genau auf diese Zufluchtsländer eingehen. Ich habe mich speziell für das Auswandererland Argentinien entschieden. Die Idee zu dieser Arbeit entstand durch ein Buch mit dem Titel „Michael M. irrt durch Buenos Aires“, von Paul Zech geschrieben. In diesem Buch geht es um einen Emigranten, der zur Zeit des Nationalsozialismus aus Deutschland flüchtet und sich in Argentinien eine neue Heimat aufbaut.

Zuerst möchte ich in meiner Arbeit darauf eingehen, wie die Situation der Juden - vor der Flucht nach Argentinien - in Deutschland aussah und welche Motive sie zur Flucht getrieben haben. Des Weiteren soll geklärt werden, warum manche Juden sich ausgerechnet für Argentinien entschieden haben, da dieses Land doch sehr weit von Deutschland entfernt liegt.

Ich möchte in meiner Arbeit auf die Beweggründe eingehen, die die Emigranten empfanden, als sie sich für das weit entfernte Ziel Argentinien entschieden haben.

Im Folgenden wird nun untersucht, ob und wie die deutschen Juden, die in den 30er Jahren nach Argentinien ausgewandert sind, sich dort in die Gesellschaft integrieren konnten. Gab es Probleme im Integrationsprozess? Wenn ja, welche?

Wie sah der Integrationsprozess aus? Verlief er langsam oder doch relativ schnell? Auch diese Fragen möchte ich in meiner Arbeit aufgreifen.

Ist Argentinien wirklich eine neue Heimat für die Juden gewesen? Das ist die Leitfrage meiner Hausarbeit und diese Frage möchte ich am Schluss dieser Seminararbeit beantwortet haben und zu ihr Position beziehen.

2. Die Flucht

2.1. Die Situation der Juden in der DDR

Im ersten Drittel unseres Jahrhunderts war Berlin eines der Weltzentren jüdischen Lebens.[1] 1925 standen der jüdischen Bevölkerung (ca. 172 672 Juden nur in Berlin) mehr als hundert Synagogen zur Verfügung.[2]

Die Phase der Veränderung trat mit der Machtübernahme Adolf Hitlers im Jahr 1933 ein. Die Anzahl der Juden in Berlin hatte sich in diesem besagten Jahr bereits auf 160 564 Seelen verringert.[3] Als man im Jahr 1941 mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung begann, gab es in Berlin schätzungsweise nur noch 65 000 Juden.[4] Dreieinhalb Jahre später, als der Krieg vorbei war und die Alliierten Berlin befreiten, waren von diesen 65 000 Juden nur noch 7000 übrig geblieben.[5]

Diese Rassenfeindlichkeit der Deutschen Nationalsozialisten bezeichnet man als Antisemitismus.[6] Er charakterisiert sich nur dich Enteignung, Vertreibung und Ermordung der Juden.

Der Höhepunkt des Antisemitismus und damit der Judenverfolgungen geschah in der Zeit des Dritten Reiches. Darunter fallen der Holocaust oder auch die Reichspogromnacht.

Als Holocaust bezeichnet man den Völkermord an ungefähr 6 Millionen Juden zur Zeit des Nationalsozialismus.[7]

Die Reichspogromnacht oder auch Reichskristallnacht geschah am 10. November 1938.[8] Auf das Gebot von Joseph Goebbels (Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda (1933 - 1945)[9] wurden jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, jüdische Menschen auf der Straße geschlagen oder gar getötet und jüdische Gotteshäuser (Synagogen) in Brand gesetzt.[10] Angehörige von Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) erniedrigten die Juden aufs Äußerste. 91 Tote, 267 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7 500 verwüstete Geschäfte – das war das Ergebnis des Terrors, das offiziell verkündet wurde.[11] Tatsächlich waren es aber mehr als 1300 Menschen, die starben. Mindestens 1400 Synagogen oder Gebetshäuser in Deutschland und Österreich wurden stark beschädigt oder ganz zerstört.[12]

Nicht nur Ermordungen und Zerstörungen gingen der Judenvernichtung der NS- Zeit voraus, auch Berufe und damit Existenzen wurden von den Nationalsozialisten zerstört. Durch das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933, hatten die Nationalsozialisten Juden vom Staatsdienst ausgeschlossen.[13]

Somit wurde den Juden alles verboten, was zu einem geregelten und schönem Leben gehört.

Viele der Juden beschlossen aufgrund dieser Vorfälle zu emigrieren. Ein Leben in Deutschland schien für sie nicht mehr möglich. Aber nicht einmal das war ihnen erlaubt.[14] Das NS-Regime hatte die Auswanderung von Juden aus Deutschland am 23. Oktober 1941 untersagt.[15] Dennoch gelang es noch schätzungsweise 300 000 Juden, über die Grenze zu entkommen.[16]

Niemand sorgte eifriger für die Entfernung der Juden aus deutschen Städten als Joseph Goebbels:

"Das öffentliche Leben in Berlin muss schleunigst von ihnen [den Juden] gereinigt werden [...] Berlin muss eine judenreine Stadt werden [...] Sie [die Juden] verderben nicht nur das Straßenbild, sondern auch die Stimmung [...] Wir müssen an dies[es] Problem ohne jede Sentimentalität herangehen [...] Ich habe den Kampf gegen das Judentum in Berlin im Jahre 1926 aufgenommen, und es wird mein Ehrgeiz sein, nicht zu ruhen und nicht zu rasten, bis der letzte Jude Berlin verlassen hat."[17]

Am 19. Mai 1943 behauptete Goebbels, Berlin von den Juden befreit zu haben. Er hatte aber nicht berücksichtigt, dass tausende Juden untergetaucht waren und von den Ariern („deutschblütig“) versorgt wurden.[18]

2. Die Flucht

2.1. Fluchtziel: Argentinien

Aufgrund des Nationalsozialismus und der Pogrome in Osteuropa und Deutschland flohen im 20. Jahrhundert viele osteuropäische und vor allem deutsche Juden und Jüdinnen nach Argentinien. Und heute befindet sich in Buenos Aires die drittgrößte jüdische Gemeinde der Welt.[19]

Nachdem sich die europäischen Nachbarländer Deutschlands nicht mehr in der Lage sahen noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen, beschlossen außereuropäische Länder wie Argentinien, Brasilien oder Uruguay die Emigranten einzubürgern.[20] In Argentinien fanden nahezu alle Juden Zuflucht.[21] Die argentinische Regierung hatte die Pflicht, die europäische Einwanderung zu fördern (gemäß Artikel 25 der argen­tinischen Verfassung).[22]

Artikel 20 der argentinischen Verfassung sagt außerdem:

„Die Ausländer besitzen auf dem Gebiet der Nation alle Rechte des Staatsbürgers. Sie können eine gewerbliche, kaufmännische und sonstige berufliche Tätigkeit aus­üben. Sie können Grund und Boden besitzen, ihn kaufen und sich seiner entäußern. Schifffahrt auf den Flüssen und an der Küste betreiben; frei ihren religiösen Kult aus­üben, als Zeuge fungieren und sich den Gesetzen entsprechend verheiraten."[23]

Dieser Artikel 20 der Verfassung war mit ein Aspekt, der die Deutschen Juden nach Argentinien lockte. Ihnen wurde es nicht verboten zu arbeiten oder ihrer Religion nachzugehen.

Es gab für die Einwanderung günstige Zeiten, an denen es besonders einfach war nach Argentinien zu emigrieren. Zum einen die ersten Jahre nach 1933 und zum anderen die Zeit der Präsidentschaft von Roberto Ortiz zwischen 1938 und 1940.[24] Dieser orientierte sich außenpolitisch vor allem an Großbritannien und zeigte eine klare Ablehnung gegenüber nationalsozialistischen Organisationen. Nach 1933 stieg der Anteil der Deutschsprachigen sprunghaft an.[25] Zu dieser Zeit erreichte die Einwanderung auch ihren Höhepunkt.[26]

Doch was war der genaue Hintergrund, warum Argentinien bei vielen Juden so beliebt als Einwanderungsland war?

Im Jahr 1821 fünf Jahre nach der argentinischen Befreiung von der spanischen Vorherrschaft, hatte man in Argentinien ein Gesetz zur Unterstützung der Immigration erlassen, damit das Land schnell an Bevölkerung zunahm und das wirtschaftliche Wachstum verbessert wurde[27]. Ab 1881 wanderten viele Jüdinnen und Juden aus Osteuropa auf der Flucht vor russischen Pogromen ein, denn die Türen standen ihnen in Argentinien ja offen.[28] Demnach war das Land schon vorher von vielen Juden besiedelt.

Nach der Reichspogromnacht setzte eine regelrechte Massenflucht ein. Viele flohen nach Israel, in die USA, nach Südafrika, ja sogar bis nach China – erst an letzter Stelle stand Südamerika.[29] Da Argentinien aber schon eine Vorgeschichte besaß, in der die Juden in dieses Land auswanderten oder flüchteten, stand es deshalb vielen Juden wieder zur Wahl. Und sie entschieden sich für das Land, dass ihnen Freiheit, Arbeit und geregelte Lebensverhältnisse versprach.

[...]


[1] Ostow, Robin: Jüdisches Leben in der DDR. Frankfurt am Main 1988. S. 11

[2] Ostow, Robin: Jüdisches Leben in der DDR. Frankfurt am Main 1988. S. 11

[3] Ostow, Robin: Jüdisches Leben in der DDR. Frankfurt am Main 1988. S. 11

[4] Ostow, Robin: Jüdisches Leben in der DDR. Frankfurt am Main 1988. S. 11

[5] Ostow, Robin: Jüdisches Leben in der DDR. Frankfurt am Main 1988. S. 12

[6] http://www.buchklub.at/magazine/gorilla/hoffnungsreich/cybertour/judentum1.htm

[7] http://www.info-magazin.com/?suchbegriff=Holocaust

[8] http://www.dhm.de/lemo/forum/kollektives_gedaechtnis/070/index.html

[9] http://www.dieterwunderlich.de/Joseph_Goebbels.htm

[10] http://www.dhm.de/lemo/forum/kollektives_gedaechtnis/070/index.html

[11] http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/antisemitismus/kristallnacht/index.html

[12] http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/antisemitismus/kristallnacht/index.html

[13] http://www.dieterwunderlich.de/judenverfolgung.htm

[14] http://www.dieterwunderlich.de/judenverfolgung.htm

[15] http://www.dieterwunderlich.de/judenverfolgung.htm

[16]. http://www.dieterwunderlich.de/judenverfolgung.htm

[17] http://www.dieterwunderlich.de/judenverfolgung.htm

[18] http://www.dieterwunderlich.de/judenverfolgung.htm

[19] http://www.iak-net.de/argentinien-judische-immigration-und-fluchtziel-der-nazis-militardiktatur-und-gedenkpolitik-neoliberalismus-krise-und-protest/

[20] http://www.kinofenster.de/film-des-monats/archiv-film-des-monats/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/

[21] http://www.lateinamerikanachrichten.de/index.php?/artikel/3269.html

[22] http://www.lateinamerikanachrichten.de/index.php?/artikel/3269.html

[23] http://www.lateinamerikanachrichten.de/index.php?/artikel/3269.html

[24] http://www.lateinamerikanachrichten.de/index.php?/artikel/3269.html

[25] http://www.lateinamerikanachrichten.de/index.php?/artikel/3269.html

[26] Hopfengärtner,Johanna, Zwischen Emigration und Immigration. Deutschsprachige jüdische Frauen in Argentinien In:Sandra Carreras (Hg.) Ibero-Online.de / Heft 3, II.Berlin 2005, S. 6.

[27] Dr. Kaiser, Thomas, Die jüdische Emigration aus Deutschland nach Argentinien. In : Deutsches Pfarrerblatt 8 ( 2009). S. 2.

[28] Dr. Kaiser, Thomas, Die jüdische Emigration aus Deutschland nach Argentinien. In : Deutsches Pfarrerblatt 8 ( 2009). S. 2.

[29] Dr. Kaiser, Thomas, Die jüdische Emigration aus Deutschland nach Argentinien. In : Deutsches Pfarrerblatt 8 ( 2009). S. 3.

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Details

Titel
Auswandererland Argentinien im Zweiten Weltkrieg. Eine neue Heimat?
Hochschule
Universität Paderborn
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V294562
ISBN (eBook)
9783656923206
ISBN (Buch)
9783656923213
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswandererland, argentinien, zweiten, weltkrieg, eine, heimat
Arbeit zitieren
Sabrina Vogelsang (Autor), 2012, Auswandererland Argentinien im Zweiten Weltkrieg. Eine neue Heimat?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294562

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