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Fantastik und Spuk im literarischen Realismus. Das Spuk-Motiv und dessen Funktionen in Storms "Schimmelreiter" und Fontanes "Effi Briest"

Titel: Fantastik und Spuk im literarischen Realismus. Das Spuk-Motiv und dessen Funktionen in Storms "Schimmelreiter" und Fontanes "Effi Briest"

Hausarbeit , 2014 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Mia Dumont (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Realismus und Fantastik – diese beiden Begrifflichkeiten bilden auf den ersten Blick ein Paradoxon, sie widersprechen sich. Inwiefern kann etwas Fantastisches zugleich realistisch sein? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.

Im literarischen Realismus, einer Epoche, in welcher die möglichst genaue Wiedergabe der Wirklichkeit zur Programmatik gehört, tauchen unübersehbar immer wieder fantastische Elemente in der Literatur auf.
Auch wenn dieses Phänomen im Vergleich zur Romantik im Realismus stark marginalisiert ist und die fantastischen Elemente eher eine untergeordnete Rolle innerhalb der realistischen Literatur spielen, so ist die Fantastik im literarischen Realismus doch unbestreitbar präsent.

Diese Arbeit soll überprüfen, inwiefern Fantastik und Realismus vereinbar sind und noch einen Schritt weitergehen, indem sie speziell den Fragen nachgehen wird, inwiefern fantastische Elemente zu einer realistischen Erzählweise beitragen können und wie Übernatürliches funktionalisiert wird um realistisch zu erzählen.
Zur Beantwortung dieser beiden Fragen werden in der vorliegenden Arbeit zwei der prominentesten Beispiele realistischer Fantastik untersucht: Theodor Storms Novelle "Der Schimmelreiter" und Theodor Fontanes Gesellschaftsroman "Effi Briest".
In beiden Texten sind fantastische Elemente in Form von Spuk ausgeprägt, deshalb wird sich diese Arbeit präziser mit der Spuk-Motivik im literarischen Realismus auseinandersetzen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Fontanes Effi Briest und Storms Schimmelreiter als Musterbeispiele für Fantastik und Spuk-Motivik im literarischen Realismus

2. Die Bedeutung von fantastischen Motiven für den literarischen Realismus

3. Die fantastischen Elemente in Storms Schimmelreiter

4. Der Chinesen-Spuk in Fontanes Effi Briest

5. Übergreifende Thesen: Wie kann Fantastisches zu einer realistischen Erzählweise beitragen?

5.1. Fantastische Elemente als Teil der programmatischen „ideellen Durchdringung“

5.2. Fantastische Elemente als „die Verklärung, das Poetische“

5.3. Fantastik als realistische „Moraldidaxe über die Verderblichkeit des Aberglaubens“

5.4. Auslagerung und Historisierung der fantastischen Motive

5.5. Das Irreale als Bewusstseinsrealität: Traum, Wahnsinn oder Halluzination

6. Zusammenfassung der Ergebnisse

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das vermeintliche Paradoxon, wie fantastische Elemente innerhalb der Epoche des literarischen Realismus funktionalisiert werden können. Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Fantastik und Realismus vereinbare Konzepte sind und das Übernatürliche gezielt zur Stärkung einer realistischen Erzählweise eingesetzt wird.

  • Analyse der Funktion von Spuk-Motiven in Theodor Storms "Der Schimmelreiter" und Theodor Fontanes "Effi Briest".
  • Untersuchung der Vereinbarkeit von fantastischer Literatur und realistischer Programmatik.
  • Ableitung von fünf Thesen zur Funktionalisierung des Fantastischen im Realismus.
  • Betrachtung psychologischer, gesellschaftskritischer und erzähltechnischer Aspekte der Spukerscheinungen.
  • Diskussion des Verhältnisses von Aufklärung und Aberglaube als Charaktermerkmal.

Auszug aus dem Buch

5.5. Das Irreale als Bewusstseinsrealität: Traum, Wahnsinn oder Halluzination

Laut Winfried Freund überteigt die Fantastik nur in ihrer Darbietung die Grenzen empirischer Wahrnehmung, „[…]der dargebotene Gegenstand selbst, das menschliche Bewußtsein, ist höchst real.“ Versteht man die fantastische Fiktion als Bewusstseinsrealismus, so trägt sie in besonderer Weise zu einer realistischen Erzählweise bei, „[…]indem sie die psychischen Abgründe ausleuchtet und die verdrängte Wirklichkeit, die Sehnsüchte wie die Ängste, zutage fördert.“ Sie ergänzt die Charakteristik des Menschen sozusagen um eine entscheidende Dimension, wodurch die Textgestaltung umso realistischer wird.

Diese These lässt sich auf Der Schimmelreiter anwenden: Beispielweise die Begegnung des zweiten Erzählers mit dem Schimmelreiter auf dem Deich kann auch als Halluzination interpretiert werden. Der Erzähler beschreibt die Begegnung folgendermaßen:

Jetzt aber kam auf dem Deiche etwas gegen mich heran; ich hörte nichts; aber immer deutlicher, wenn der halbe Mond ein karges Licht herabließ, glaubte ich eine dunkle Gestalt zu erkennen, und bald, da sie näher kam, sah ich es, sie saß auf einem Pferde; einem hochbeinigen hageren Schimmel; ein dunkler Mantel flatterte um ihre Schultern, und im Vorbeifliegen sahen mich zwei brennende Augen aus einem bleichen Antlitz an. (DS, S. 5)

Die Tatsache, dass der Erzähler auch weder Hufschlag, noch Keuchen des Pferdes vernimmt (vgl. ebd.) sprechen neben den „brennenden Augen“ (ebd.) für eine Halluzination bzw. Sinnestäuschung. Auch die äußeren Umstände, die „heulenden Böen“ (DS, S. 4), die Nachtdämmerung sowie das „Toben von Wind und Wasser“ (ebd.) könnten für eine Halluzination sprechen. Unter diesen Umständen wäre es durchaus denkbar und realistisch, dass sein Bewusstsein dem verängstigten Reiter einen Streich spielt und er eine Sinnestäuschung in Form des Schimmelreiters erlebt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Fontanes Effi Briest und Storms Schimmelreiter als Musterbeispiele für Fantastik und Spuk-Motivik im literarischen Realismus: Einführung in die Thematik und Fragestellung zur Vereinbarkeit von Fantastik und Realismus anhand der beiden Hauptwerke.

2. Die Bedeutung von fantastischen Motiven für den literarischen Realismus: Erörterung der theoretischen Einordnung fantastischer Elemente innerhalb einer Epoche, die eigentlich die genaue Wirklichkeitswiedergabe anstrebt.

3. Die fantastischen Elemente in Storms Schimmelreiter: Analyse der vielschichtigen Spukerscheinungen um den Schimmelreiter und deren Bedeutungsoffenheit.

4. Der Chinesen-Spuk in Fontanes Effi Briest: Untersuchung der Chinesen-Figur als psychologisches, gesellschaftskritisches und erzähltechnisches Motiv im Roman.

5. Übergreifende Thesen: Wie kann Fantastisches zu einer realistischen Erzählweise beitragen?: Aufstellung und Prüfung von fünf Thesen zur Funktionalisierung des Fantastischen zur Unterstützung der mimetischen Darstellung.

6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Resümee der Arbeit, das bestätigt, dass sich Fantastik und Realismus sinnvoll ergänzen können.

Schlüsselwörter

Literarischer Realismus, Fantastik, Spuk, Der Schimmelreiter, Effi Briest, Theodor Storm, Theodor Fontane, Ideelle Durchdringung, Mimesis, Aberglaube, Bewusstseinsrealismus, Halluzination, Außenseitertum, Motivik, Erzählweise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von fantastischen Elementen und dem literarischen Realismus. Sie hinterfragt, warum fantastische Motive in einer Epoche vorkommen, die sich eigentlich der exakten Darstellung der Realität verschrieben hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Funktionalisierung von Spukmotiven in den Werken "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm und "Effi Briest" von Theodor Fontane.

Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist der Nachweis, dass Fantastik kein Fremdkörper im Realismus ist, sondern durch gezielte Funktionalisierung (z.B. als Psychogramm oder Gesellschaftskritik) zu einer besonders tiefgründigen realistischen Erzählweise beitragen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation der Primärtexte unter Einbeziehung und kritischer Auseinandersetzung mit existierender Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Spukmotive in den beiden Werken einzeln analysiert. Anschließend werden fünf allgemeine Thesen aufgestellt, wie Übernatürliches im Rahmen einer realistischen Erzählweise eingesetzt werden kann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie literarischer Realismus, Fantastik, Spuk, Mimesis, Bewusstseinsrealismus und gesellschaftskritische Funktion charakterisiert.

Wie unterscheidet sich der Umgang mit dem Spuk in "Effi Briest" von dem in "Der Schimmelreiter"?

Während der Schimmelreiter-Spuk stark historisiert und oft in Rahmenhandlungen ausgelagert ist, dient der Chinese in "Effi Briest" vorwiegend als psychologisches Instrument, um Effis innere Ängste und ihre Außenseiterrolle zu spiegeln.

Welche Rolle spielt die "ideelle Durchdringung" bei der Integration des Fantastischen?

Das Fantastische wird als Ausdruck gesellschaftlicher Unordnung oder als poetisches Element interpretiert, das laut Hugo Aust über das reine sachkundliche Material hinausgeht und somit die gesellschaftliche Kritik innerhalb des Romans unterstreicht.

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Details

Titel
Fantastik und Spuk im literarischen Realismus. Das Spuk-Motiv und dessen Funktionen in Storms "Schimmelreiter" und Fontanes "Effi Briest"
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,0
Autor
Mia Dumont (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V294626
ISBN (eBook)
9783656924098
ISBN (Buch)
9783656924104
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fantastik Spuk Realismus Effi Briest Der Schimmelreiter
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Mia Dumont (Autor:in), 2014, Fantastik und Spuk im literarischen Realismus. Das Spuk-Motiv und dessen Funktionen in Storms "Schimmelreiter" und Fontanes "Effi Briest", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294626
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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