Liebe als Dialog bei Martin Buber. Eine Untersuchung Martin Bubers dialogischer Philosophie anhand der Begriffe Philia und Agape


Hausarbeit, 2014

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bubers Ich-Du Dialogik

3. Die Formen der Liebe Philia und Agape
3.1 Philia
3.2 Agape

4. Die Bedeutung von Reziprozität für Buber
4.1 Reziprozität innerhalb der dialogischen Beziehung
4.2 Reziprozität in der Liebe

5. Philia oder Agape? Liebe als Dialog bei Buber

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis
7.1 Primärliteratur
7.2 Forschungsliteratur

Liebe ist Verantwortung eines Ich für ein Du: hierin besteht, die in keinerlei Gefühl bestehen kann, die Gleichheit aller Liebenden

(Buber 15)

1. Einleitung

Die Liebe. Ein Thema, was alle von uns betrifft. Egal ob kulturell, philosophisch, geschichtlich oder einen selbst. Die Liebe ist unabhängig von Ort und Zeit. Auf der ganzen Welt spricht man über sie. Innerhalb der griechischen Mythologie wurde versucht, mittels der Begriffe Philia, Eros und Agape eine Definition für verschiedene Formen der Liebe zu finden. Als einer der größten Theologen des 20. Jahrhunderts wurde durch Anders Nygren der Begriff der göttlichen, bedingungslosen Agape Liebe verbreitet, was zu einem Großteil dazu beigetragen hat, dass mittlerweile Christen in der westlichen Welt den antiken Begriff der griechischen Agape kennen und wertschätzen (vgl. Oord 33). Doch inwiefern äußert sich selbstlose, uneigennützige Liebe? Generell ist der Begriff Liebe so vielschichtig, dass es sich als äußerst schwierig gestaltet, ihn mit nur einer konkreten Definition versehen zu können. In Bezug auf die Liebe gibt es die verschiedensten Interpretationsformen, jedoch haben wohl alle Menschen eines gemeinsam: Wir alle sind auf der Suche nach ihr. Laut Philosoph Martin Buber findet jegliche Form von Liebe im Dialog statt. Im 20. Jahrhundert proklamierte seine dialogische Philosophie humanistisches Denken bei den Menschen, wodurch der Mensch dazu angeleitet werden sollte, seinen Gegenüber, sein „Du“ mit Respekt und Wertschätzung im Ganzen zu betrachten. Miteinander in Respekt und gegenseitiger Akzeptanz im Dialog leben. Diese Maxime soll mit der dialogischen Philosophie verfolgt werden.

Daher soll in dieser Arbeit aus christlicher Perspektive heraus Bubers Verständnis von Liebe erläutert werden. Es soll dargelegt werden, dass Bubers dialogische Philosophie nicht eindeutig den Begriffen Philia und Agape[1] zuzuordnen ist, sowie soll herausgearbeitet werden, inwiefern Reziprozität essentiell für Bubers dialogisches Verständnis von Liebe ist.

2. Bubers Ich-Du Dialogik

Martin Bubers Ansatz der dialogischen Philosophie setzte im 20. Jahrhundert den Grundbaustein für ein neues Verständnis innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehung Laut Buber ist die Ich-Du Dialogik vor allem dadurch gekennzeichnet, dass Ich und Du nicht separat existieren, sondern, dass der Mensch sein Ich nur über den Dialog mit dem Gegenüber findet. Daher wird der Mensch am „Du zum Ich“ (Buber 25). Das Ich soll bei Buber nicht als Einzelnes erfasst werden, sondern als Konstrukt durch den Dialog mit dem Gegenüber.

Doch die Ich-Du Dialogik Bubers ist nicht nur auf die zwischenmenschliche Beziehung beschränkt, sondern der Mensch kann auch mit natürlichen Dingen, sowie spirituellen Entitäten in den Dialog treten (vgl. Buber 6). Als zentraler Begriff in Bubers dialogischer Philosophie steht die Begegnung (vgl. Buber 12). Sie ermöglicht dem Menschen, in den Dialog mit dem Gegenüber treten zu können. Neben der Ich-Du Welt unterscheidet Buber zudem zwischen der materiellen Ich-Es Welt. Jede Begegnung zwischen Ich und Du endet auch wieder, wodurch das Du wieder zum Es wird[2]. Die Begegnung, die der Mensch eingeht, verändert denjenigen jedoch soweit, dass das Potential, um mit dem Gegenüber in einen Dialog zu treten erhalten bleibt, wodurch das Ich jederzeit in den Dialog mit einem Gegenüber treten kann.

Obwohl Buber Anhänger des Chassidismus war, einer Frömmigkeitsbewegung des Judentums (vgl. Schulte 138), ist Bubers dialogische Philosophie unabhängig vom jüdischen Glauben auf die zwischenmenschliche Ebene übertragbar. Gott wird bei Buber als „ewiges Du“ (Buber 71) bezeichnet, was die Implikation hervorruft, dass nur Gott in der Lage ist, dauerhaft in einer Ich-Du Beziehung zu stehen, ohne in die Es-Welt überzutreten.

Die Beziehung des Menschen zum ewigen Du dient bei Buber als Erweiterung der Ich-Du Beziehung zwischen dem Menschen und der Natur. Auf spiritueller Ebene ist der Mensch zwar laut Buber angeleitet, eine Beziehung zum ewigen Du zu führen, jedoch steht bei Buber nicht die Anbetung Gottes im Vordergrund. Einen anzubetenden Gott bezeichnet Buber sogar pejorativ als „Gottes-Es“ (Buber 111). Für Buber existiert Gott nur in einer dialogischen Beziehung, „die alle anderen einschließt“ (Buber 72) und nicht als einzelnes Wesen, wodurch er andere Gottesvorstellungen, die jenen der Dialogik abweichen, ablehnt. Buber lässt hier bewusst offen, inwiefern er die Vorstellung eines adressierenden Gottes bzw. die Art und Weise wie der Mensch Gott adressiert, darstellt, um sich einer theologischen Definition der Mensch-Gott Beziehung entsagen zu können (vgl. Kaufmann 266).

3. Die Formen der Liebe Philia und Agape

3.1 Philia

Im Hinblick auf die griechische Mythologie gibt es insgesamt drei verschiedene Formen der Liebe: Eros[3], Philia und Agape. Von allen drei Liebesformen ähnelt Bubers dialogische Philosophie auf den ersten Blick sehr der sogenannten Philia. Generell wird Philia als die freundschaftliche Liebe angesehen. Sie ist gekennzeichnet durch „gemeinsames Schauen auf ein höheres Ziel, ein beglückendes Verbundensein in der Suche nach Tugend oder Weisheit und ein in der Freundschaft gesuchtes und durch sie bestärktes Zusammenwirken auf einen bestimmten Zweck hin“ (Düsing 8). Dennoch lässt es Raum zur Diskussion, ob Bubers dialogische Philosophie eindeutig auf die Philia als die freundschaftliche Liebe zu beziehen ist, wie es zum Beispiel von Evelin Lindner angenommen wird (150). Allgemein gesehen ist die Reziprozität innerhalb des Dialogs ein Merkmal, dass der Philia ähnelt. Dadurch, dass beide in einer reziproken Beziehung stehen, impliziert das auch, dass die Philia innerhalb der am Dialog Teilnehmenden ausreichend ist, um die Bedürfnisse beider in ausreichendem Maße zu erfüllen. Daher gesehen sollen innerhalb der Philia beide Personen als ganzheitlich betrachtet werden und wechselseitig auf die Bedürfnisse des anderen eingehen.

3.2 Agape

Die Agape Liebe hat sich durch das Neue Testament als Form der göttlichen oder göttlich inspirierten uneigennützigen Liebe als festen Begriff etabliert. Daher wird sie besonders innerhalb der christlichen Literatur thematisiert. Die Agape Liebe steht für die bedingungslose, selbstlose Liebe, ohne Motiv (vgl. Aertsen 192). Das eigentliche Verständnis von Agape beruht daher auf dem neutestamentlichen Verständnis von Liebe durch die Erlösung der Sünden der Menschheit durch den Tod Jesu. Nach der Definition von Anders Nygren wird die Agape Liebe anhand von vier essentiellen Eigenschaften charakterisiert. Sie wird als spontan und unmotiviert beschrieben. Zudem kategorisiert sie die Dinge nicht nach einer unterschiedlichen Wertebeurteilung, wodurch sie jeder in Empfang nehmen kann. Darüber hinaus ist sie kreativ schaffend, sowie wird jegliche Anhängerschaft Gottes durch sie initiiert (vgl. Oord 35). Oord konstatiert daher, dass Agape die Liebe Gottes als schaffende Aktivität charakterisiert (vgl. Oord 35).

Innerhalb Bubers dialogischer Philosophie findet sich die bedingungslose Agape Liebe in Form der Nächstenliebe, welche von Uneigennützigkeit gekennzeichnet ist. Nächstenliebe wird bei Buber zum Beispiel thematisiert, indem „Liebe […] Verantwortung eines Ich für ein Du [ist]“ (Buber 15), sowie sieht Buber die Liebe als „ein welthaftes Wirken“ an (Buber 15), was vor allem Bubers praktisches Verständnis von Liebe hervorhebt. Nach biblischem Verständnis wird die bedingungslose Liebe Gottes jedoch als Voraussetzung für das Empfinden von Nächstenliebe ausgelegt, da „wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1.Joh. 4:19). Nach Anders Nygren wird Gottes Liebe zudem als „entirely independent of external stimulus and motivation“ bezeichnet (Nygren ix). Diesbezüglich dient die Liebe Gottes dazu, die Liebe an andere Menschen weiterzugeben, was die Bereitschaft für den zwischenmenschlichen Dialog erfordert, der elementar für Bubers Philosophie ist. Buber sieht jedoch den zwischenmenschlichen Dialog mit der Liebe zu Gott auf gleicher Ebene, indem er behauptet, dass „die Beziehung zum Menschen […] das eigentliche Gleichnis der Beziehung zu Gott [ist]“ (Buber 99). Bezüglich der bedingungslosen Liebe wird die Agape Liebe trotz allem auch als die Liebe bezeichnet, die die reziproke Liebe initiiert, denn „nur wer von Liebe berührt ward, dann selbst in Eros, Philia und Agape [liebt]“ (Düsing 22). Um Aufschluss über Bubers Auffassung von Liebe zu geben und zu klären, inwiefern sich sein Verständnis auf die Begriffe Philia und Agape übertragen lässt, wird im Folgenden die Reziprozität als Grundlage von Bubers dialogischem Verständnis von Liebe näher erläutert.

[...]


[1] Anhand der zahlreichen Definitionen von Agape ist es hier zu erwähnen, dass sich diese Arbeit auf das christliche Verständnis der Agape bezieht, dass wir die Liebe Gottes erst durch den Tod von Jesus empfangen können (vgl. Oord 33; Nygren 113; 117).

[2] Bezüglich Bubers dialogischen Verständnisses der Liebe ist hier anzumerken, dass auch der Zustand der Liebe nicht dauerhaft in einer unmittelbaren Beziehung verharrt, sondern „im Wechsel von Aktualität und Latenz“ steht (Buber 17).

[3] Für diese Arbeit sind wesentlich die Begriffe Philia und Agape relevant, weshalb diese Arbeit nicht im Detail auf die Eros Liebe eingehen wird. Für interessierte Leser ist es jedoch sinnvoll, Nygrens Gegenüberstellung von Agape und Eros Liebe zu betrachten (vgl. Nygren 160ff.).

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Details

Titel
Liebe als Dialog bei Martin Buber. Eine Untersuchung Martin Bubers dialogischer Philosophie anhand der Begriffe Philia und Agape
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V294640
ISBN (eBook)
9783656924425
ISBN (Buch)
9783656924432
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liebe, Dialog, Martin Buber, Philosopie, Agape, Philia
Arbeit zitieren
Bachelor of Education Natalie Pehl (Autor), 2014, Liebe als Dialog bei Martin Buber. Eine Untersuchung Martin Bubers dialogischer Philosophie anhand der Begriffe Philia und Agape, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294640

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