Die Glaubensprüfung des Hiob. Exegetische Untersuchung von Hiob 6-7


Quellenexegese, 2014

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gegenrede Hiobs
2.1 Hiob 6, 1-30
2.1.1 Analyse
2.1.2 Interpretation
2.2 Hiob 7, 1-21
2.2.1 Analyse
2.2.2 Interpretation

3 Komposition der Episoden

4 Vergleich zu Jeremia 15, 15-18

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Das Werk Ijob, eines der Hauptwerke der Weltliteratur ist nach seiner zentralen Gestalt benannt, da uns sein Verfasser unbekannt ist.“1

Das Buch Hiob zählt zu den Lehrbüchern des biblischen Alten Testamentes. Es ist unterteilt in 42 Kapitel. Bereits im Seminar stellten alle Beteiligten fest, dass das Hiobbuch im Kern ein Streitgespräch verkörpert. Doch wer ist dieser Hiob?

Hiob, auch „Ijob“, ist ein reicher, angesehener und gottesfürchtiger Mann; dies lässt sich dem ersten Kapitel entnehmen (Hiob 1f). Er besitzt Haus, Hof, Knechte und Tiere und ist außerdem Ehemann und Vater von 10 Kindern. Des Weiteren handelt er moralisch richtig und bringt auch Opfer dar. Gott sieht ihn als einen Mann an, den es so nicht noch einmal gibt. Der Teufel rät Gott Hiob alles zu nehmen, um zu prüfen, ob er auch dann noch am Glauben festhält. Gott lässt dem Teufel freie Hand, jedoch mit der Absicherung, dass Hiobs Leben geschont bleibt. Obwohl sodann der Teufel ihm nahezu alles bis auf seine Frau und ein paar Knechte nimmt, bleibt Hiob in seiner festen Gottesbeziehung. Der fromme Hiob nimmt sogar seine auftretende schwere Krankheit einfach hin und lästert Gott keineswegs.

Hiobs Schicksal und Krankheit ist eine Prüfung, welche Gott gewährt. Auch wenn uns Menschen im 21. Jahrhundert ein Schicksal oder eine Krankheit trifft, stellen wir uns sicherlich die Frage, warum dies gerade uns passiert und warum Gott so etwas zulässt.

In meinen anstehenden Ausführungen mit dem Titel: „Exegetische Untersuchung von Hiob 6-7“ möchte ich auf die Rede Hiobs in Kapitel sechs und sieben eingehen. Zuerst analysiere ich diese jeweils, um sie im Anschluss daran interpretieren zu können. Hierfür ziehe ich zwei Kommentare hinzu. Jedoch können die Interpretationen nur in Ansätzen erfolgen, da die Untersuchungspunkte in sich sehr komplex sind und der Hausarbeitsrahmen nur so für mich einhaltbar ist. Im Nachfolgenden gilt es die alttestamentlichen Reden zu entfalten, um sie so hinsichtlich ihrer Gesamtwirkung als Komposition zu untersuchen.

Des Weiteren ist es erforderlich Hiobs Gegenrede und die Textpassage Jeremias´ im 15. Kapitel hinsichtlich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu betrachten.

Ich erhoffe mir durch die Arbeit an den alttestamentlichen Texten ein noch tieferes Verständnis über das Buch von Hiob sowie eine Verinnerlichung der exegetischen Methodenschritte.

2 Gegenrede Hiobs

Das zu betrachtende sechste und siebte Kapitel Hiobs setzt sich „[…] aus verschiedenen Teilen mit unterschiedlichen Inhalten zusammen.“2 Beide Kapitel beziehen sich gewissermaßen auf die vorherige Rede Elifas in Hiob vier und fünf. Die Texte haben somit zueinander eine unmittelbare Nachbarschaft: Hiob antwortet Elifas bzw. er erwidert Elifas Rede. Unter dem Hinzuziehen der Rede Elifas, auch Eliphaz genannt, fällt auf, das die Hiobtexte nicht explizit auf die vorgetragenen Punkte und Thesen von Elifas eingehen. Lediglich einige Themen greift Hiob in seiner Gegenrede auf. Meinem Erachten nach fungieren die Texte der beiden Kapitel daher als selbstständige Einheiten.

Nur Hiob selbst kommt in beiden Kapiteln zu Wort, seine Stimmung schwankt. Durch die wörtliche Rede Hiobs fühlt sich der Leser näher am Geschehen, man kann sich so seine Situation sowie seine Gedankenwelt besser vorstellen. Außerdem kann der Leser anhand der Rede Hiobs seine Reaktionen und Einstellungen verstehen. Hiob wird zur Identifikationsfigur. Ihm ist so viel Schlimmes wiederfahren, doch er weiß nicht wieso und verhält sich aber dennoch vorbildlich. Die Freunde sehen ihn jedoch als schuldig an, denn sonst hätte Gott ein solches Schicksal für ihn nicht zugelassen. Hiob scheut nicht die Widerrede und vertritt beständig seine Meinung. Er sieht demnach keine Schuld bei sich, da er auch nicht gesündigt hat. Hiob ist gottesfürchtig, glaubt nur an den einen Gott und handelt immer moralisch rechtsschaffend. Jedoch möchte er auch weiterhin mit den Freunden über seine Situation reden und ist zudem bereit, sich belehren zu lassen. Dies allerdings nur, wenn die Freunde für ihn einsichtige und schlüssige Argumente vorweisen können. In beiden Kapiteln erhält der Leser keine Antwort darauf, ob Gott gerecht ist; was m.E. eine Lücke darstellt. Im Folgenden gilt es die einzelnen Texte zu analysieren und mit Hilfe von Kommentaren zu interpretieren.

2.1 Hiob 6, 1-30

2.1.1 Analyse

Hiobs Gegenrede des sechsten Kapitels lässt sich inhaltlich in zwei große Teile untergliedern. Im ersten Abschnitt redet er über sich und sein Schicksal, im zweiten spricht er hingegen über seine Freunde. Analysiert man den Kontext der beiden Abschnitte, wird deutlich, dass diese nicht kontextabhängig sind. Der Gang des sechsten Kapitels ist für mich erst nach mehrmaligem Lesen nachvollziehbar geworden.

Teilt man den Text des ersten Abschnittes Hiob 6,1-13 nach dem Redehinhalt ein, sind zwei Gliederungspunkte sinnvoll. Bis zum siebten Vers erklärt Hiob nach Meinung von Franz Hesse, sein Leiden als von Gott verursacht (vgl.3 ). In Hiob 6,8-13, der zweite Gliederungspunkt, spricht Hiob den Wunsch aus, bald sterben zu dürfen. „Das Recht seines Aufschreis macht Hiob mit Hilfe von Vergleichen deutlich.“4 Diese bildhaften Vergleiche mit Tieren sowie anderen Bildworten vom zweiten bis zum siebten Vers stellen ein Motiv dar, spezieller gesehen Metaphern, welche bildhafte Assoziationen bewirken. Hierbei sind Klagemotive ersichtlich. Formanalytisch betrachtet stellt Hiob außerdem viele rhetorische Fragen, welche mit Verben ausgeschmückt sind, um seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Hiob klagt sein Leid, den Ausdruck „Leiden“ sehe ich als Schlüsselwort an. Die Stimmung des Redners ist aufgebracht. Zentrales Thema des ersten Abschnittes ist somit das Leiden Hiobs; als Gattung ist hier deutlich die Klage zu erkennen.

Der zweite Abschnitt Hiob 6,14- 30 lässt sich in drei sinnvolle Teile untergliedern. Von Vers 14 bis 21, meinen ersten Gliederungspunkt, spricht Hiob darüber, wie sehr er von seinen Freunden enttäuscht ist. „Dann wendet sich Hiob direkt an seine Freunde (6,22-27), indem er sie anredet.“5 Er sagt, was er von ihnen mindestens erwartet hat und fordert sie auf, Argumente die für seine Schuld sprechen, hervorzubringen. Als dritter und letzter Gliederungspunkt des zweiten Abschnitts sehe ich die Verse 28 bis 30 an, in denen er behauptet, schuldlos zu sein. Formanalytisch gesehen nutzt der Verfasser auch hier viele Bildworte bzw. Metaphern. Das zentrale Thema des zweiten Abschnittes ist meiner Meinung nach ein Appell an die Freunde, Hiob als von Gott zu Unrecht bestraft, anzusehen. Auch möchte er laut Vers 24, dass die Freunde Argumente hervorbringen, die seine Schuld beweisen. Können sie das nicht, so ist er im Recht. Als Gattung sehe ich hierbei gleichermaßen wie Franz Hesse die Streitrede an: Hiob „streitet“ mit seinen Freuden (vgl.6 ).

Hiob 6,1 stellt einen Einleitungssatz dar. Dieser beantwortet anfängliche Fragen des Lesers nach dem „Wer“ und „Was“. Der Ort spielt im sechsten und siebten Kapitel keine wichtige Rolle. Hiobs Freunde kamen, so wie es in Hiob 2,11 geschrieben steht: „[…] jeder aus seiner Heimat […]“, um ihn zu besuchen. Der Ort der zu betrachtenden Texte geht somit auf die ersten beiden Kapitel zurück: Hiob redet bei sich in seinem Haus in Uz.

Sachanalytisch betrachtet setzen die Texte des sechsten Kapitels die Kenntnis über das Leben und Schicksal Hiobs, den Besuch der Freunde sowie die vorherige Rede Elifas voraus. Ohne das Wissen, dass vorher ein Freund zu Hiob gesprochen hat, wird für den Leser nicht ersichtlich, warum er explizit seine Freunde erwähnt und über diese enttäuscht zu sein scheint. Hiobs Rede verweist nicht explizit auf etwas Kommendes, außer auf den Wunsch des baldigen Sterbens und die Aufforderung an die Freunde, Argumente hervorzubringen, die seine Schuld beweisen könnten. Doch was ergibt sich für ein Gottesbild und welche Gottesbeziehung hat Hiob in diesem Kapitel? Die soeben durchgeführte Analyse gilt es im Folgenden für die Interpretation zu nutzen.

2.1.2 Interpretation

Die Rede des sechsten Kapitels beginnt mit dem Worten: „Da antwortet Ijob und sprach […]“ (Hiob 6,1). Dieser Anfang klingt nicht einleitend, sondern wirkt wie eine Weiterführung, eben eine Antwortrede, welche Hiob nun vollzieht. Die Rede beginnt bei Hiob 6,2-3 mit der Aussage, dass man das ihm Auferlegte und seinen Zorn einmal wiegen und dann mit dem Gewicht des Meeresstandes vergleichen soll (vgl.7 ). Hiob belastet sein Schicksal, „[…] mit Zorn bezeichnet er hier die Niedergeschlagenheit [...]“8. Er gibt an, dass sein Leid und seine Schmerzen schwerer wiegen, als der Sand vom Meeresufer. Das Wort „schwerer“ ist eine adjektive Steigerung und leitet den Vergleich ein. Hiob bringt damit zum Ausdruck, dass die Freunde ihn bemitleiden sollten, stattdessen sehen sie sein Unglück als Beweis seiner Gottlosigkeit an. „Das geht auf den Ausspruch, den Eliphaz getan hatte: ‚Bedenke, ob Wahrhaftige mit samt der Wurzel vernichtet wurden‘ (Hiob 4,7).“9 Nach Aussagen von Franz Hesse stellen die Bildworte, wonach Pfeile des Allmächtigen in ihm stecken dar, dass Gott der Verursacher seines Leidens ist (Hiob 6,4). Diese Auffassung teile ich, denn Gott hat ihn mehrfach mit seinen Pfeilen getroffen, körperlich aber auch seelisch; Gott gibt ihm kein gerechtes Urteil. Das Gottesbild Hiobs wird hier hervorgehoben. Er fühlt sich von Gott zu Unrecht bestraft und verleiht seiner Enttäuschung und seinem Zorn Ausdruck. In Hiob 6,3b entgegnet er, wirr zu reden und entschuldigt seine unbedachten Worte aus Hiob 3,2f. Doch was meint er damit genau? Meiner Meinung nach entschuldigt er sich zwar, zugleich aber ist er davon überzeugt nicht aus Schlechtigkeit, sondern aufgrund seiner schlimmen Schmerzen den Tag und seine Geburt verflucht zu haben. Dies müsste ihm Gott unter diesen Umständen ja verzeihen können. Es folgen die im Punkt 2.1.1 bereits erwähnten bildhaften und tierischen Vergleiche. So wie auch Elifas in seiner Rede Tiere heranzog, macht das nun auch Hiob. Er erklärt, dass Tiere nur schreien, wenn sie hungrig sind und er somit auch nicht klagen würde, wenn er „satt“ wäre. Nach Aussagen von Hagedorn kommt Hiob hierbei vom Entlegenen auf das Näherliegende, also vom Esel auf das Brot (vgl.10 ). Diese Erkenntnis, auf die ich nicht allein gestoßen wäre, finde ich faszinierend. Hiob bezieht seine Argumente vom tierischen Lebewesen auf das menschliche und begründet sodann damit anschaulich sein Verhalten. In Hiob 6,6 erklärt er anhand einer ungesalzenen Suppe, dass er nicht stumm sein Leiden hinunterschlucken kann, vielmehr muss er „[…] seine Klage hinausschreien“11. Im darauffolgenden Vers sieht Hesse diese Suppe als eine bildliche Speise an, die er vorgesetzt bekommt, obwohl sie ungenießbar ist. Meiner Meinung nach ist es jedoch vorher schon eine bildhafte Speise. Vers sieben verstärkt lediglich die Aussage des vorherigen Verses und lässt vielleicht auch auf seine Krankheit rückschließen. Selbst Essen ist demnach in seiner Verfassung eine Qual für ihn.

Nach der Auffassung von Franz Hesse ist Vers acht durch einen Umbruch gekennzeichnet, denn Hiob bringt einen Wunsch zum Ausdruck, von dem er hofft, dass Gott ihm diesen erfüllt. Diese Meinung teile ich, denn in Hiob 6,8-13 geht es um seinen Tod. Hiob springt in seinen Gedanken. Auffällig ist, dass er erst allgemein von einem Wunsch spricht, anstatt gleich direkt wie in Vers neun zu sagen, dass Gott ihn sterben lassen soll. Darüber hinaus macht er deutlich, dass wenn Gott ihn zermalmt oder seine Hand gegen ihn erhebt, um ihn „abzuschneiden“, er vor Freude aufhüpfen würde (Hiob 6,9-10). Hiob „[…] spricht vom todbringenden Handeln Gottes“12. Er sieht seinen Tod als Erlösung an, denn seinem Leiden würde so ein Ende gesetzt werden. Hesse interpretiert das Abschneiden so, dass Gott den Lebensfaden von Hiob abschneidet (vgl.13 ). Hierbei ist Hesse d.E. beizupflichten. Hiob 11-13 „[…] fa[ss]t die ganze Hilf- und Hoffnungslosigkeit Hiobs noch einmal zusammen und gibt so seinem Wunsch zu sterben die letzte Begründung“.14 Hierbei nutzt er des Öfteren den Begriff „Kraft“ und fragt, ob seine eigene mit der Felsenkraft gleich ist und sein Fleisch aus Erz ist. Damit verbildlicht Hiob noch einmal die Schwere seines Leidens, er kann sein jetziges Leben nicht mehr ertragen.

[...]


1 Katholische Bibelanstalt GmbH, Die Bibel, S.582.

2 Hesse, Hiob, S.64.

3 Hesse, Hiob, S.65.

4 ebd.

5 ebd.

6 ebd.

7 Hesse, Hiob, S.66.

8 Hagedorn, Johannes Chrysostomos, S.75.

9 ebd.

10 ebd., S.77.

11 Hesse, Hiob, S.66.

12 ebd.

13 ebd.

14 ebd., S.67.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Glaubensprüfung des Hiob. Exegetische Untersuchung von Hiob 6-7
Hochschule
Universität Erfurt  (Martin- Luther- Institut)
Veranstaltung
Exegese des Alten Testaments
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V294661
ISBN (eBook)
9783656924784
ISBN (Buch)
9783656924791
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Hiob
Arbeit zitieren
Trine Wenzel (Autor:in), 2014, Die Glaubensprüfung des Hiob. Exegetische Untersuchung von Hiob 6-7, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294661

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