Analyse von "Der Zweikampf" von Heinrich von Kleist


Essay, 2014

5 Seiten


Leseprobe

Analyse: Heinrich von Kleist – Der Zweikampf

Heinrich von Kleist (*18. Oktober 1777; †21. November1811[1] ) erhielt seine Inspiration bei dem Verfassen der Novelle Der Zweikampf durch die 1370 von Jean Froissart verfasste Cronique de France, d’Engleterre et des pais voisins. Der Zweikampf „erschien erstmals im 2. Teil der Erzählungen“ (im Jahr 1811, nachdem ein Jahr zuvor der 1. Teil der Erzählungen veröffentlicht worden war[2] ).[3]

Es handelt sich bei dem Zweikampf vornehmlich um „eine Prozeßgeschichte - und eine Kriminalgeschichte“, dies entspricht der von „Kleist bevorzugte[n] analytische[n] Technik“.[4] In der im vierzehnten Jahrhundert spielenden Novelle wird ein Herzog durch einen Pfeilschuss in der Nacht getötet. Mit letzten Kräften veranlasst dieser kurz vor seinem Tod, dass sein mit ihn in Konflikt stehender Halbruder Rotbart keine Chance auf den Titel des Herzogs bekommt. Um dies zu gewährleisten, besetzt er diesen Posten mit seiner Frau. Nachdem sich herausstellte, dass der Pfeil im Auftrag Rotbarts hergestellt worden war, verdichtet sich der Verdacht. Rotbart gibt als Alibi an, die Mordnacht mit Littegarde von Auerstein verbracht zu haben. Die eigentliche Leidtrage ist nun die Alibi gebende Littegarde, deren Vater durch die von ihr getriebene Unzucht zu Boden ging. Friedrich von Trota steht ihr jedoch zur Seite und will durch ein Gottesurteil gegenüber dem Kaiser Littegardes Unschuld beweisen. Hierfür fordert er Rotbart zu einem Zweikampf – ein Duell auf Leben und Tod – heraus. Obwohl Trota deutlich geschickter mit dem Schwert umgehen kann, gerät er durch einen Fehltritt ins Wanken und Rotbart nutzt die Chance ihn schwer zu verwunden – Friedrich von Trota verliert den Kampf. Da das Gottesurteil keinen Spielraum für Zweifel birgt, gesteht sich Littegarde selbst zu Unrecht die Schuld ein. Jedoch stirbt Rotbart wie durch ein Wunder an einer leichten Verletzung des Kampfes, währenddessen Trota seine schwere Verwundung überlebt. Das Gottesurteil liegt somit wieder richtig und Littegarde ist von ihrer Schuld befreit.

„Im Zweikampf verzögert sich die Hinrichtung des im Gotteskampf Unterlegenen und seiner Mandantin durch den rätselhaften Verlauf der Verwundungen des Siegers und des Verlierers, so daß in der Zwischenzeit die wahren Begebenheiten ans Licht kommen können und in der Folge der Kaiser das Rechtsmittel des Gottesbeweises eben der Skepsis anheim gibt und damit ad adsurdum führt[…].“[5]

[...]


[1] Walter Müller-Seidel: Daten zu Leben und Werk Heinrich von Kleists, in: Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe, herausgegeben von Helmut Sembdner, München 19705, S. 351-353.

[2] ebenda

[3] Walter Müller-Seidel: Zur Überlieferung der Texte, in: Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe, herausgegeben von Helmut Sembdner, München 19705, S. 350.

[4] Walter Müller-Seidel: Nachwort, in Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe, herausgegeben von Helmut Sembdner, München 19705, S. 366. Im Folgenden zitiert als: Walter Müller Seidel: Nachwort.

[5] Bernhard Greiner: Gewalt und Recht. Kleists juridische Genealogie der Gewalt, in: Ricarda Schmidt, Seán Allan u.a. (Hrsg.): Heinrich von Kleist. Konstruktion und destruktive Funktionen von Gewalt, Würzburg 2012, S. 46.

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Details

Titel
Analyse von "Der Zweikampf" von Heinrich von Kleist
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistik)
Veranstaltung
Übung: Heinrich von Kleist
Autor
Jahr
2014
Seiten
5
Katalognummer
V294663
ISBN (eBook)
9783656924487
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich von Kleist, Kleist, Erzählungen, Der Zweikampf, Zweikampf
Arbeit zitieren
Robin Kramme (Autor), 2014, Analyse von "Der Zweikampf" von Heinrich von Kleist, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294663

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