Mädchenerziehung und -organisation im ''Dritten Reich''


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Geschichte des BDM
2.1. Ursprünge
2.2. Kompetenzstreit zwischen BDM und NS-Frauenschaft
2.3. 1932: Verbot der SA und SS
2.4. Das Gesetz über die Hitler-Jugend

3. Aufbau der Mädchenorganisation
3.1. Aufbau des BDM und der Weg durch das Regime
3.2. Das BDM-Werk Glaube und Schönheit

4. Die Mädel im BDM
4.1. Arbeiten und Aufgaben der Mädel
4.2. Erziehung und Aktivitäten der Mädel
4.3. Ein 'neuer deutscher Mädeltyp' 1 und Erziehungsziele

5. Zwangsorganisation BDM

6. Emanzipation im Bund Deutscher Mädel?

7. Fazit

8. Literaturliste

1. Einleitung

Im Zuge dieser Arbeit werde ich mich mit dem Bund Deutscher Mädel beschäftigen. Ich möchte herausarbeiten, wie dieser organisiert wurde, welche Erziehungsziele die Organisation hatte und versuchen der Frage nachzugehen, ob es durch die Massenorganisation der Mädchen in den Bund Deutscher Mädel auch zu einer Emanzipation der Mädchen gekommen ist. Hierfür werde ich zunächst den geschichtlichen Verlauf aufzeigen, dann den erzieherischen Aspekt einbeziehen und dann der Frage nach einer Emanzipation der Mädchen nachgehen.

Um dieses Thema zu bearbeiten werde ich mich auf Texte von Ute Frevert (Zwischen Tradition und Moderne: Frauen im » Dritten Reich «), Lisa Kock („ Man war bestätigt und man konnte was! “ : Der Bund Deutscher Mädel im Spiegel der Erinnerungen ehemaliger Mädelführerinnen), Sabine Hering und Kurt Schilde (Das BDM-Werk „ Glaube und Schönheit “ : Die Organisation junger Frauen im Nationalsozialismus) und Dagmar Reese (Emanzipation oder Vergesellschaftung: Mädchen im » Bund Deutscher Mädel «) stützen.

Leider ist der Forschungsstand zu diesem Thema weniger gut als der zum Thema der männlichen Jugendorganisation im Dritten Reich. Dagmar Reese erklärt, dass dies unter anderem mit den meist positiven Erinnerungen der Zeitzeugen zusammenhängen würde. Dies lässt natürlich kein objektives Betrachten des Themas zu.

Aber auch die Quellenlage ist nicht besonders groß. Dies hänge mit der fast vollständigen Vernichtung der Akten der Reichsjugendführung zusammen, so Hering und Schilde. Daher habe man nun auch die schriftlichen Äußerungen ehemaliger Mitglieder des Bund Deutscher Mädel, wie zum Beispiel die der letzten Reichsreferentin Dr. Jutta Rüdiger, miteinbezogen.

2. Geschichte des BDM

2.1. Ursprünge

Lisa Kock erklärt, dass Mädchengruppen bereits ab 1923 nachweisbar wären, dass jedoch einige Abhandlungen die ersten Mädchengruppen auf 1927 datieren würden. Sie sagt, dass Quellenmaterial das vereinzelte Vorkommen im Jugendbund der NSDAP belegen würde. Sie seien aus dem Deutschen Frauen Orden Rotes Hakenkreuz hervorgegangen, aber bereits Ende 1923, als Folge des Hitlerputsches und der damit einhergehenden Auflösung der NSDAP, verboten worden.

Aufgrund der NSDAP-Neugründung, am 27. Februar 1925, seien auch wieder NS-Jugendgruppen entstanden. Kock führt an, dass unter den 1926 gegründeten NS-Jugendgruppen auch Mädchengruppen gewesen sein müssen, da »[...] Helene Kunold und Anna Bauer […] als Abteilungsleiterinnen in der HJ- Reichsführung/Plauen für die Mädchenabteilung genannt [wurden]« (Kock, S. 21).

Im Zuge des zweiten Reichsparteitages der NSDAP2, sei die Jugendorganisation Hitler-Jugend, kurz HJ, genannt worden. Die Autorin erklärt, dass zu jener Zeit uneingeschränkt Männer der HJ angehört hätten und sich daher als Gegenstück zu ihr die sogenannte Schwesternschaft gebildet hätte. »Die Schwesternschaft in Plauen wird erstmalig 1927 von der Hitler-Jugend-Zeitung öffentlich als erste Mädchengruppe der HJ bezeichnet.« (Kock, S. 21) Lisa Kock erläutert weiter, dass die Schwesternschaft 1930 in Bund Deutscher Mädel umbenannt worden sei.

2.2. Kompetenzstreit zwischen BDM und NS-Frauenschaft

Die Autorin Lisa Kock erklärt, dass neben dem BDM auch noch weitere nationalsozialistisch geprägte Mädchengruppen existiert hätten, diese seien jedoch am 6. Juli 1931 durch die NSDAP aufgelöst und am 6.Oktober 1931 zur NS-Frauenschaft vereint worden. Kock legt dar, dass es zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen BDM und NS-Frauenschaft gekommen sei, da die NS-Frauenschaft aus traditionellen Gründen die ''Erziehung'' der jugendlichen Mädchen nicht dem BDM überlassen wollte, welcher »[...] sich ''fortschrittlich'' [zeigte] und […] ein '' jugendliches Eigenleben'' auch für die Mädchen [forderte]« (Kock, S. 22). Dagmar Reese erklärt hierzu, dass die Differenzen zwei Bereiche betroffen hätten. Zum einen sei es um die Frage der Organisation und zum Anderen um die Frage der Arbeitsinhalte gegangen. Daher hätten die Frauen eine Angliederung der Mädchengruppen an die NS-Frauenschaft gefordert, die Hitlerjugend forderte jedoch » Jugend muss von Jugend geführt werden. « (Reese, S. 208).

Auch die Entwicklung der Frau innerhalb der Gesellschaft habe dazu geführt, so Reese, dass die Einstellungen der NS-Frauenschaft auf weiblichen Jugendlichen veraltet wirkten.

Diese während der zwanziger Jahre herangewachsenen Mädchen prägte nicht mehr die vorherrschende Dualität zwischen der auf die Intimität der Familie bezogenen und der in die gesellschaftliche Ö ffentlichkeit hinaustretenden Frau, sondern die sich selbstbewußt lebende und Geltung verschaffende » neue Frau « und die idealistisch verpflichtete » Kameradin « . (Reese, S. 208)

Dagmar Reese zeigt die inhaltlichen Abweichungen auf und erklärt, dass der Deutsche Frauen Orden im Frühling von 1931 die Mädchen zum Wäschewaschen für die SA aufgerufen habe. Im Gegensatz dazu, hätten die Aktivitäten des BDMs »[...] aus Fahrten, Sport, Heimabenden mit Basteln und Gesang [...]« (Reese, S. 209) bestanden.

Zur Beilegung dieser Kompetenzstreitigkeiten zwischen den beiden Organisationen führte der Wunsch Adolf Hitlers, dass die Mädchenerziehung dem BDM übertragen werden solle, so Lisa Kock. Die Autorin sagt weiter, dass am 7. Juli 1932 angeordnet worden sei, alle Mädchengruppen aufzulösen und in den BDM zu integrieren.

Dagmar Reese schreibt hierzu, dass im November 1932 eine Entscheidung zugunsten des BDMs getroffen worden sei und er nun die einzige NS- Mädchenorganisation gewesen sei. Dies deute wiederum darauf hin, dass sich der BDM »[...] als die attraktivere und leistungsstärkere Organisation im Sinne des massenpolitischen Konzeptes der NSDAP erwiesen [habe].« (Reese, S 209).

2.3. 1932: Verbot der SA und SS

Im Frühjahr 1932 sei es zu einem Verbot der SA und SS gekommen, so die Autorin Lisa Kock, dieses Ereignis habe auch Auswirkungen auf den BDM gehabt, welcher jedoch verdeckt weitergearbeitet habe. Im Juni des selben Jahres sei das Verbot aufgehoben worden und damit einhergehend sei die Hitler-Jugend aus der SA ausgegliedert worden.

Welch imposante Rolle die Hitler-Jugend und der Bund Deutscher Mädel im öffentlichen und politischen Leben Deutschlands eingenommen habe, sei, so Kock, am 1. und 2. Oktober 1932 in Potsdam deutlich geworden. Hier sei es zu einem Massenaufmarsch während des Reichsjugendtag der HJ gekommen.

Wie stark der Zulauf an Mädchen war kann man auch an den Mitgliederzahlen erkennen. Auch seien diese überproportional im Verhältnis zu den Jungen gestiegen, erklärt Lisa Kock3 und erwähnt eine Mitgliederzahl von Zehn- bis Fünfzehntausend Mädchen im BDM.

2.4. Das Gesetz über die Hitler-Jugend

Die Autorin Lisa Kock erklärt, dass 1932 zwischen Siebzig- und Achtzigtausend junge Deutsche zu den Mitgliedern der gesamten Hitler-Jugend gezählt worden seien, dass jedoch Fünf bis Sechs Millionen in anderen Verbänden organisiert gewesen seien. Die Autorin legt dar, dass es nach 1933 zu einer Einbindung dieser Jungen und Mädchen in die Hitler-Jugend kommen sollte, da das Dritte Reich einen Totalitätsanspruch gehabt hätte. Diese Einbindung in die HJ hätte sich jedoch nicht nur auf die bereits in anderen Verbänden organisierten Jugendlichen erstreckt, sondern es solle zu einer Organisation der gesamten deutschen Jugend kommen, so Kock. Sie zitiert hierzu Baldur von Schirach: »Wie die NSDAP nunmehr die einzige Partei ist, muß auch die Hitler-Jugend die einzige Jugendorganisation sein.« (Kock, S.24).

Die Grundlage hierfür habe das, am 23. März 1933 verabschiedete und am 24. März 1933 verkündete, Ermächtigungsgesetz gebildet.

Dieses "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich"überantwortete die gesamte Staatsgewalt der nationalsozialistischen Regierung und gab dieser somit die Möglichkeit, ein totalitäres Regierungssystem zu errichten. [ … ] Der allmählichen Gleichschaltung, also der erzwungenen einheitlichen Ausrichtung der Jugend in ideologischer, organisatorischer sowie politisch-gesellschaftlich- kultureller Hinsicht stand nichts mehr im Wege.(Kock, S. 24)

Lisa Kock erläutert, dass dies am 1. Dezember 1936 in dem ''Gesetz über die Hitler-Jugend'' gipfelte. Hier sei nun die Hitler-Jugend zur ''Staatsjugendorganisation" erklärt worden und damit sei sie auch die einzige zugelassene Jugendorganisation des Dritten Reiches gewesen. Nun seien andere Vereine, Verbände und Organisationen entweder aufgelöst oder in die HitlerJugend integriert worden, so Kock.

[...]


1 Vergl. Kock, S.59

2 4. Juli 1926

3 Ende 1931 bis Ende 1932 (vergl. Kock S. 23).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Mädchenerziehung und -organisation im ''Dritten Reich''
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V294706
ISBN (eBook)
9783656924296
ISBN (Buch)
9783656924302
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BDM, Dritten Reich, Hitler, Hitler-Jugend, Glaube und Schönheit, Mädel, Zwangsorganisation, Bund Deutscher Mädel
Arbeit zitieren
Anja Schweppe (Autor), 2012, Mädchenerziehung und -organisation im ''Dritten Reich'', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294706

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