Diese Arbeit beinhaltet eine Auseinandersetzung mit der Frage, in welcher Form und Intensität pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz Kompetenzen für die Inklusion von Kindern mit Beeinträchtigungen entwickeln und erweitern können.
Ziel ist eine erste, vorsichtige Feststellung des „Ist - Zustandes“ hinsichtlich der Möglichkeiten zur Kompetenzentwicklung und -erweiterung sowie die Identifikation von möglichem Fort- und Weiterbildungsbedarf in diesem Bereich.
Nach einer Begriffsbestimmung und der Darlegung ausgewählter Rahmenbedingungen erfolgt eine Auseinandersetzung mit in der Fachliteratur als für die Inklusion von Kindern mit Beeinträchtigungen in Kindertagesstätten notwendig beschriebenen inklusiven Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte. Im Anschluss werden sowohl das Curriculum der Erzieherausbildung als auch das Curriculum des landesweiten Fortbildungsprogramms für pädagogische Fachkräfte auf Möglichkeiten von Erwerb und Erweiterung der beschriebenen inklusiven Kompetenzen untersucht.
Anschließend erfolgt die Auswertung und Interpretation der Ergebnisse einer Umfrage zum Thema, die von 42 an der Hochschule Koblenz studierenden Erzieherinnen und Erziehern aus Rheinland-Pfalz beantwortet wurde.
Die Arbeit endet mit einem Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Theoretischer Hintergrund
1.1 Homogenität und Heterogenität
1.2 Behinderung und Beeinträchtigung
1.3 Exklusion und Segregation
1.4 Integration
1.5 Inklusion
2. Rahmenbedingungen der Inklusion
2.1 Rahmenbedingungen weltweit
2.2 Rahmenbedingungen in Deutschland
2.2.1 Das deutsche Grundgesetz
2.2.2 Die Resolution der deutschen UNESCO-Kommission (2009): Frühkindliche Bildung inklusiv gestalten: Chancengleichheit und Qualität
2.2.3 Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (2011)
2.2.4 Das neunte Buch Sozialgesetzbuch zur Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen (SGB IX)
2.2.5 Der gemeinsame Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertagesstätten (KMK, 2004)
2.2.6 Das Achte Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII)
2.3 Rahmenbedingungen in Rheinland-Pfalz
2.3.1 Das Landesgesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen
2.3.2 Inklusion im Kindertagesstättengesetz Rheinland-Pfalz
2.3.3 Inklusion in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen in Rheinland-Pfalz
2.4 Regelungen zur Finanzierung der Inklusion
2.5 Zahlen und Fakten
2.6 Resümee
3. Inklusive Kompetenzen
3.1 Was sind Inklusive Kompetenzen?
3.2 Inklusion im Curriculum der Erzieherausbildung in Rheinland-Pfalz
3.3 Inklusion im Curriculum des Landesweiten Fortbildungsprogramms für pädagogische Fachkräfte in Rheinland-Pfalz
3.4 Resümee
4. Umfrage
4.1 Fragestellung
4.1.1 Inhaltsbereiche des Fragebogens
4.1.2 Fragen
4.2 Konstruktion des Fragebogens
4.3 Stichprobe, Rekrutierung und Datenerhebung
4.4 Angaben zur Person und Tätigkeit
4.5 Ergebnisse
4.5.1 Die einzelnen Fragestellungen
4.5.2 Freie Antworten
4.6 Interpretation und Resümee
Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen in Rheinland-Pfalz inklusive Kompetenzen entwickeln und erweitern können, um Kinder mit Beeinträchtigungen professionell zu bilden, zu betreuen und zu erziehen. Ziel ist eine Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands sowie die Identifikation von Fort- und Weiterbildungsbedarfen.
- Theoretische Grundlagen von Inklusion, Exklusion, Segregation und Integration
- Analyse gesetzlicher Rahmenbedingungen auf internationaler, nationaler und Landesebene
- Bestimmung notwendiger inklusiver Kompetenzen (Fach-, Analyse-, Kooperations-, Team-, Methoden- und Planungskompetenzen)
- Untersuchung der Curricula von Erzieherausbildung und Fortbildungsprogrammen hinsichtlich Inklusion
- Empirische Erhebung unter pädagogischen Fachkräften zu ihren Kompetenzen und deren Erwerbsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
1.1 Homogenität und Heterogenität
Das Wort Homogenität leitet sich aus griechisch homós = „gleich, gleichartig, entsprechend“ und griechisch genos „Geschlecht, Art, Gattung“ ab (vgl. Duden.de/ Homogenität). Menschen werden im Sinne der Homogenität nach Kategorien eingeteilt, in denen sie sich gleichen bzw. in denen man ihnen eine gewisse Übereinstimmung unterstellt (z. B. nach Lebensalter, Geschlecht, Herkunft, Verdienst, Bildungsniveau, Entwicklungsstand usw.). So werden beispielsweise Gruppen der Kleinkinder, Schulkinder, Jugendlichen, Menschen mit Beeinträchtigung, Alleinerziehender oder die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund zusammengefasst. Die Tradition der Bildung möglichst homogener Gruppen geht auf die historische Entwicklung zurück, den Zugang zu Bildung nicht nach Stand, sondern nach Leistung zu ermöglichen (vgl. Sturm, 2011, S. 101) und soll nach M. Kron einen gemeinsamen Lernstand der Kinder herstellen, der einheitliches Lernen und Lehren ermöglicht und legitimiert (vgl. Kron, 2010, S. 32).
Dementsprechend gibt es Klassenstufen, Schulformen wie Gymnasium oder Förderschule, Kindertageseinrichtungen für Kinder mit Beeinträchtigungen oder auch Kindergartengruppen in Regelkindergärten für Kinder einer Altersstufe (z. B. „Nestgruppen“ für Kinder von zwei bis drei Jahren, Krippengruppen, Vorschulgruppen, gesonderte „Sprachgruppen“ etc.). T. Sturm führt altersbedingte, sozialkulturelle, leistungsbedingte, sprachliche, migrationsbedingte, geschlechtliche sowie gesundheits- und körperbezogene Homogenitätskategorien auf, die eine hohe Relevanz haben, da sie mit Bewertung verknüpft sind (vgl. Sturm, 2011, S. 101). Diese Kategoriebildung findet nicht nur im Bildungskontext, sondern gesamtgesellschaftlich statt (vgl. ebd.). M. Kron konstatiert: „In den meisten europäischen Systemen der Erziehung und Bildung versucht man bis heute, die Komplexität heterogener Gruppen durch die Bildung angeblich homogener Einheiten (Institutionen, Klassen, Gruppen) zu bewältigen.“ (s. Kron, 2010, S. 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretischer Hintergrund: Definitorische Abgrenzung von Begriffen wie Homogenität, Heterogenität, Behinderung, Inklusion und Integration.
2. Rahmenbedingungen der Inklusion: Überblick über internationale, nationale und rheinland-pfälzische rechtliche Grundlagen sowie Finanzierungsmodelle und statistische Daten zur Inklusion.
3. Inklusive Kompetenzen: Darstellung der in der Fachliteratur geforderten Kompetenzen für pädagogische Fachkräfte und deren Verankerung in den Curricula der Erzieherausbildung und Fortbildung.
4. Umfrage: Auswertung der Online-Befragung von 42 pädagogischen Fachkräften zu deren inklusiven Kompetenzen und den Erwerbsmöglichkeiten in Ausbildung, Fortbildung und Praxis.
Schlüsselwörter
Inklusion, Kindertageseinrichtungen, pädagogische Fachkräfte, inklusive Kompetenzen, Erzieherausbildung, Fortbildung, Rheinland-Pfalz, Behinderung, Beeinträchtigung, Teilhabe, Heterogenität, Frühpädagogik, Teamkompetenz, Analysekompetenz, Methodik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Inklusion von Kindern mit Beeinträchtigungen in Kindertageseinrichtungen in Rheinland-Pfalz mit Fokus auf die benötigten Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Inklusionsgrundlagen, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die geforderten pädagogischen Kompetenzprofile und die Analyse der Aus- und Weiterbildungssituation für Erzieher.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine Bestandsaufnahme ("Ist-Zustand") der Kompetenzentwicklung pädagogischer Fachkräfte in Rheinland-Pfalz sowie die Identifikation von Fortbildungsbedarfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturrecherche zu den theoretischen und rechtlichen Grundlagen sowie eine Online-Umfrage unter 42 pädagogischen Fachkräften, um empirische Daten zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse relevanter Gesetze und Curricula sowie die detaillierte Auswertung und Interpretation der durchgeführten Umfrage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Inklusion, inklusive Kompetenzen, pädagogische Fachkräfte, Frühpädagogik, Erzieherausbildung und Teilhabe charakterisieren.
Wie ist die aktuelle Situation der Kompetenzvermittlung zur Inklusion?
Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema Inklusion in der Ausbildung und in Fortbildungen der befragten Fachkräfte bisher nur in geringem Umfang oder gar nicht thematisiert wird.
Welcher Handlungsbedarf ergibt sich aus den Ergebnissen?
Es besteht ein signifikanter Bedarf an gezielten Fort- und Weiterbildungsangeboten, da die meisten Fachkräfte ihre Kompetenzen in den Bereichen Planung, Kooperation und Analyse als unzureichend einschätzen.
- Quote paper
- Angelika Chevalier (Author), 2014, Inklusion in Kindertageseinrichtungen des Landes Rheinland-Pfalz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294736