Rope Skipping. Konzeptionelle Grundlegung und methodische Ausformung einer Unterrichtseinheit für eine achte Realschulklasse


Examensarbeit, 2012

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Begründung der Themenwahl
1.2 Erwartungen an die Unterrichtseinheit
1.3 Überblick über den weiteren Aufbau der Arbeit

2. Rope Skipping
2.1 Was ist Rope Skipping?
2.2 Rope Skipping und Gesundheit
2.2.1 Gesundheitsförderung im Schulsport
2.2.2 Physiologische Wirkung des Rope Skippings
2.2.3 Psycho-soziale Wirkung des Rope Skipping

3. Lernausgangslage
3.1 Fachbezogene Lernvoraussetzungen
3.2 Inhaltbezogene Lernvoraussetzungen

4. Didaktisch-methodische Überlegungen zur Unterrichtseinheit
4.1 Analyse der Vorgaben
4.2 Analyse der Thematik und ihrer Komplexität
4.3. Eingrenzung des Themas und didaktische Begründung
4.3.1 Begründung zur besonderen Berücksichtigung der Gesundheit
4.4 Auswahl der Thematik
4.4.1 Zum klassischen Verständnis des Lernfelds „Gymnastisches und tänzerisches Bewegen“
4.4.2 Didaktische Begründung für die Auswahl der Thematik
4.5 Anzustrebende inhaltliche und prozessbezogene Kompetenzen
4.6 Methodische Überlegungen
4.6.1 Aufbau der Unterrichtseinheit
4.6.2 Darstellung der Stundenthemen und der Stundeziele in der Übersicht
4.6.3 Differenzierende Maßnahmen

5. Anmerkungen zu einzelnen Unterrichtsstunden

6. Darstellung ausgewählter Unterrichtsstunden
6.1 Die 3. Unterrichtsstunde
6.1.1 Lernziel der 3. Unterrichtsstunde
6.1.2 Didaktisch-methodische Begründung der 3. Unterrichtsstunde
6.1.3 Geplanter Unterrichtverlauf der 3. Stunde
6.1.4 Reflexion der 3. Unterrichtsstunde
6.2 Die 10. Unterrichtsstunde
6.2.1 Lernziel der 10. Unterrichtsstunde
6.2.2 Didaktisch-methodische Begründung der 10. Unterrichtsstunde
6.2.3 Geplanter Unterrichtsverlauf der 10. Stunde
6.2.4 Reflexion der 10. Unterrichtsstunde

7. Gesamtreflexion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Begründung der Themenwahl

“Seilspringen ist out! – Es lebe Rope Skipping!“.1 Dieses Statement bildet die Überschrift eines Artikels über das Rope Skipping aus der Fachzeitschrift SportPraxis und stellt für einen außenstehenden Betrachter auf den ersten Blick möglicherweise einen Widerspruch dar. Bei einer intensiveren Beschäftigung mit dieser Thematik stellt sich jedoch heraus, dass dieser Widerspruch gar keiner ist. Auf der einen Seite das Seilspringen, welches seit Jahrzehnten bei Schulkindern mit einer erkennbaren Faszination der Pausen- und Freizeitgestaltung dient und beispielsweise vom Boxer als Mittel zur Erwärmung genutzt wird und auf der anderen Seite das Rope Skipping2, bei dem verschiedenste Sprungvariationen und akrobatische Tricks zu moderner Musik mit starkem Beat ausgeführt werden. Dieses wiederum bildete zunächst lediglich einen Trend und hat bei uns erst seit wenigen Jahren Einzug in Schule und Verein gehalten. Die Möglichkeit, etwas scheinbar Innovatives im Sportunterricht behandeln zu können, weckte bei mir ein erstes Interesse, zu dieser noch recht jungen Sportart eine Unterrichteinheit zu entwickeln. Hinzu kommt, dass das Thema Rope Skipping gerade im Sportunterricht der Schule momentan noch eher vereinzelten Erfahrungen unterliegt. Zwar gibt es durchaus methodische Hinweise, auf welche man bei seinem Vorgehen Rücksicht nehmen sollte, allerdings scheinen diese weitaus weniger festgelegt als bei anderen Sportarten. Dadurch wird einem meiner Meinung nach ein offener und unvoreingenommener Zugang zu der Thematik ermöglicht.

Ein nächster entscheidender Aspekt, sich mit dem Rope Skipping auseinanderzusetzen, lag in der Tatsache, dass es sich bei diesem Thema um das Erfahrungs- und Lernfeld „Gymnastisches und tänzerisches Bewegen“3 handelt. Ich selbst konnte mich bereits während meiner Schulzeit für das „modernere Bewegen zur Musik“ begeistern lassen und fand es generell motivierend, aktuelle Musik in den Sportunterricht integrieren zu dürfen. Jedoch war es auch für mich immer eher mit Vorurteilen behaftet, wenn es nach Auskunft der Lehrkraft um das Thema „Tanzen“ ging. Rope Skipping hat meiner Meinung nach das Potential, insbesondere bei den Jungen zu bewirken, dass dieses klassische Verständnis von Musik und Tanz im Sportunterricht ein wenig „aufgebrochen“ wird und ich erhoffe mir durch diese Unterrichtseinheit die Chance, sich diesem Themenbereich in gewisser Weise öffnen zu können (vgl. 4.4.1).

Wirklich entscheidend und letztendlich ausschlaggebend für die Wahl des Themas war jedoch, dass es mir aufgrund meines Interessenschwerpunktes an der Universität wichtig war, den Bereich Gesundheit bzw. die Gesundheitsförderung im Schulsport mit in diese Arbeit zu integrieren. Nach einer ersten Sichtung der frei zugänglichen Literatur über das Rope Skipping fiel mir dabei auf, dass dem Thema Gesundheit in nahezu jedem Artikel ausreichend Platz eingeräumt ist und diese neben den weiteren Faktoren, welche durch das Rope Skipping begünstigt werden, jedes Mal explizit aufgeführt ist. So tauchen in diesem Zusammenhang immer wiederkehrend die Begriffe Herz-Kreislauf-System, Kondition, Koordination, Ganzkörpertraining und Ausdauer auf. Diese physischen Komponenten als auch einige weitere psychische Aspekte scheinen somit laut Literatur in einem engen Zusammenhang mit dem Sport Rope Skipping und im Weiteren mit dem Bereich Gesundheit zu stehen. Dies zu klären stellt neben den beiden anderen Argumenten, das Thema Rope Skipping als Gegenstand dieser Arbeit zu wählen, ein zusätzliches Interesse dar, wobei aus Gründen des Umfangs eine Beschränkung auf nur wenige Teilaspekte erfolgen muss. So habe ich mich vor allem dafür entschieden, meine Aufmerksamkeit vermehrt dem physischen Aspekt „Ausdauer“ und dem psycho-sozialen Aspekt „soziale Beziehungen“ zu widmen.

1.2 Erwartungen an die Unterrichtseinheit

Zwei wesentliche Punkte, welche von mir bereits bei der Begründung der Themenwahl aufgeführt wurden, sind im Weiteren auch eng an die Erwartungen geknüpft, welche ich (unter anderem) an diese Unterrichtseinheit habe. Ich sprach in diesem Zusammenhang erstens von dem Potential, welches das Rope Skipping meiner Meinung hat, das momentane Verständnis der Schülerrinnen und Schüler4 vom Bewegen zur Musik im Schulsport ein wenig zu verändern. Hierauf soll an dieser Stelle auch nicht mehr näher eingegangen werden, da es neben der schon unter 1.1 formulierten Erwartung bzw. Hoffnung zusätzlich noch genauere Ausführungen unter 4.4.1 dazu geben wird.

Zweitens wurde von mir der Aspekt der Gesundheitsförderung angesprochen. Auch dieses Thema wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch genauer erläutert, es sollen an dieser Stelle trotzdem kurz meine Erwartungen angesprochen werden. Sicherlich kann es während der Unterrichtseinheit nicht darum gehen, den Schülern zu predigen, dass sie vermutlich nur durch ausreichend Bewegung gesund bleiben werden bzw. dadurch zumindest zusätzliche Risikofaktoren minimieren können. Solch eine Konfrontationsmethode würde wohl kaum zu einem befriedigenden Ziel führen und vor allem die Frage aufwerfen lassen, ob nur durch Rope Skipping gesundheitsförderende Maßnahmen im Sport zu integrieren sind, was mit Sicherheit von vornerein verneint werden kann. Vielmehr erhoffe ich mir, die SuS durch ein regelmäßiges Aufgreifen bewusster Faktoren ein wenig sensibilisieren zu können und ihnen dadurch positive Erfahrungen zu vermitteln, welche sonst eventuell eher unbemerkt bleiben würden. Hauptsächlich möchte ich zudem für mich selbst feststellen, inwieweit die von mir unter 1.1 genannten Schwerpunkte „Ausdauer“ und „soziale Beziehungen“ gesundheitsfördernde Effekte zur Folge haben können und ob das Rope Skipping dadurch zumindest eine weitere Perspektive darstellt, das Thema Gesundheit mit dem Schulsport sinnvoll zu verknüpfen. Die SuS werden mit diesem Vorhaben nicht direkt konfrontiert, sollen jedoch zum Ende der Unterrichtseinheit durch eine eigene Auswertung ihre Beobachtungen und Wahrnehmungen bezüglich eventueller gesundheitsfördernder Aspekte wiedergeben.

Bezogen auf den Lernprozess der SuS erhoffe ich mir im Laufe der Unterrichtseinheit, dass sie in der Lage sind, diesen zunehmend eigenständiger zu gestalten und sich methodische Vorgehens-weisen aneignen, die ihnen u.a. bei dem Erlernen neuer Skills (vgl. 2.1) behilflich sind. Weiterhin sollen ihnen diese Vorgehensweisen bei der Erstellung einer kleinen Rope Skipping Choreografie nützen, welche am Ende der Unterrichtseinheit von den SuS präsentiert werden soll. Diese Choreografie stellt neben den weiteren positiv erhofften Effekten, welche jedoch eher auf gedanklicher Ebene ablaufen, das eigentlich sichtbare Ziel dieser Unterrichtseinheit dar. Dabei dient die Kür auch mir letztendlich als Form der Überprüfung, inwieweit meine methodischen Überlegungen und Schritte sinnvoll durchdacht waren und den SuS die weitgehend eigene Steuerung ihres Lernprozesses dadurch auch vernünftig ermöglicht werden konnte. Eine der Voraussetzungen für eine hohe Eigensteuerung wird vor allem die Arbeit in den Gruppen sein (vgl. 4.6.1). Ich erhoffe mir dabei, dass zwischen den SuS eine intensive Kommunikation entsteht und sie sich dadurch stark mit ihrem Lernprozess auseinandersetzen. Der Grad der Kommunikation wird in diesem Zusammenhang stark von der Offenheit der Aufgabestellungen und der Ziele abhängen. Eines der auf lange Sicht zu erhoffenden Ziele des Sportunterrichts ist hierbei mit Sicherheit eine Erziehung zur Mündigkeit der SuS. Voraussetzung dafür ist allerdings ein gewisses Maß an Selbststeuerung des Lernprozesses durch die SuS und in diesem Zusammenhang auch die Arbeit in Gruppen. So stellen Hildebrand und Laging fest, dass der Sportunterricht die Schüler dazu befähigen muss, „innerhalb und außerhalb der Schule unter verschiedenen Handlungsintentionen mit sportlichen Inhalten so umzugehen, dass sie in der Lage sind, in aktuellen und zukünftigen Situationen allein oder zusammen mit anderen auf kritische Art und Weise selbstständig, selbst- und mitbestimmt sportliche Situationen zu erstellen. Der Schüler soll also innerhalb sportbezogener Wirklichkeit mündig werden.5

1.3 Überblick über den weiteren Aufbau der Arbeit

In der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst einen kurzen Überblick über die Sportart Rope Skipping geben. Es erfolgt eine Erläuterung zur Entwicklung, eine knappe Abgrenzung zum normalen Seilspringen und das benötigte Equipment wird angesprochen. Im Weiteren wird auf die Technik des Rope Skippings eingegangen und die Begriffe Tricks und Skills werden geklärt.

Mit in dieses Kapitel wurde die Bedeutung des Rope Skippings für die Gesundheit integriert, indem es zunächst um die Auswirkungen dieser Sportart auf den menschlichen Körper geht und anschließend ein Bezug zum Bereich der Gesundheitsförderung im Schulsport hergestellt wird.

In Kapitel 3 kommt es zu der Beschreibung der Lerngruppe, wobei sowohl die allgemeinen fachbezogenen als auch die rein für diese Unterrichtseinheit benötigten speziellen inhaltbezogenen Lernvoraussetzungen berücksichtigt werden.

In Kapitel 4 erfolgt zunächst eine Einordnung der Unterrichtseinheit nach den Vorgaben des Kerncurriculums des Landes Niedersachsen für das Fach Sport und es schließt eine Analyse an, welche das Rope Skipping in seiner vollen Komplexität darstellen soll. In diesem Zusammenhang wird nun die Eingrenzung des Themas auf das eigene Unterrichtsgeschehen dargestellt und es wird begründet, warum ich mich für die vorhandenen Reduktionen entschieden habe. Diese Begründung gilt im Weiteren auch für die besondere Berücksichtigung der Gesundheit im Zusammenhang mit dem Rope Skipping. Unter 4.4, der Auswahl der Thematik, soll einerseits die Relevanz des Unterrichtsgegenstandes für die SuS aufgezeigt werden, woraus eventuelle Chancen und der Nutzen solch einer Einheit geklärt werden können. Zusätzlich wird Bezug auf das Lernfeld „Gymnastisches und tänzerisches Bewegen“ genommen und in diesem Zusammenhang auf das bereits angesprochene Verständnis, welches die SuS von diesem Lernfeld häufig besitzen. Dabei soll es zu der Überprüfung kommen, ob und inwieweit dieses Verständnis bei dem Thema Rope Skipping gerechtfertigt ist bzw. erweitert werden kann.

Ab Punkt 4.5 liegt der Schwerpunkt jetzt auf der Durchführung der Unterrichtseinheit. Es kommt zu einer Thematisierung der anzustrebenden inhaltlichen und prozessbezogenen Kompetenzen und anschließend zum eigentlichen Unterrichtsaufbau. Dabei soll sowohl der konzeptionelle Aufbau der Unterrichtseinheit ersichtlich werden, als auch eine Auflistung der einzelnen Stundenthemen und der Stundenziele erfolgen. In diesem Zusammenhang kommt es dann auch zu den geplanten differenzierenden Maßnahmen und bereits zu Anmerkungen bezüglich einzelner Unterrichts-stunden.

Letztlich werden noch zwei Unterrichtsstunden genauer dargestellt und reflektiert und die Arbeit schließt mit einer Gesamtreflexion ab.

2. Rope Skipping

2.1 Was ist Rope Skipping?

Rope Skipping ist, geht man nach der deutschen Übersetzung, erst einmal nichts anderes als das klassische Seilspringen. Es hat seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten und wurde in erster Linie zum Zeitvertreib genutzt. Schnell erfolgte jedoch eine Etablierung im Bereich des Sporttrainings und so dient das Rope Skipping nun bereits seit Jahrzehnten der Vorbereitung und der Verbesserung konditioneller Fähigkeiten in diversen Sportarten6. Allerdings galt das Springen mit dem Seil nicht nur wie gerade erwähnt als Trainingsmittel, sondern stellte zudem eine eigenständige Bewegungsform dar, welche sich „ausschließlich mit dem Instrument Seil beschäftigte“7. Durch die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der unterschiedlichen Seil- und Sprungformen miteinander entwickelte sich letztendlich eine eigenständige Sportart, welchezunächst als Trend galt, mittlerweile jedoch in vielen Vereinen ihren festen Platz eingenommen hat. An dieser Stelle kommt es nun zu der Unterscheidung zwischen dem ursprünglichen „reinen“ Seilspringen und dem gesonderten Verständnis des Rope Skippings, welches in Vereinen als eigene Sportart verankert ist und nach welchem auch diese Unterrichtseinheit entwickelt wurde.

Charakteristisch für das Rope Skipping ist zunächst einmal, dass die Sprünge zu einem deutlich hörbaren Beat der Musik ausgeführt werden, welcher die Geschwindigkeit des Springens vorgibt und von der ausführenden Person somit Synchronität verlangt. Das Tempo der Musik kann dabei dem Können des Springers angepasst werden. Weiterhin besteht ein Unterschied zum klassischen Seilspringen darin, dass neben den verschiedensten Beinsprungbewegungen (Skills) auch freie Elemente ohne Seil (Tricks) bis hin zu akrobatischen Formen zum Einsatz kommen, welche letztlich in einer Kür präsentiert werden. Ein Skill wird dabei immer während der Landung ausgeführt, also in der Zeit eines Seildurchschlags. So werden beispielsweise bei dem Skill „X-Motion“ die Beine bei der Landung überkreuzt und anschließend wieder in die Ausgangsposition zurückgeführt. Hingegen können die oben erwähnten Tricks jeder Zeit auch ohne Einsatz des Seils stattfinden und dienen meistens eher der Verfeinerung einer Kür. All diese Formen werden vor allem in Partner- bzw. Gruppenformen erarbeitet und nicht „isoliert“ geübt bzw. trainiert. So kann insgesamt festgestellt werden, dass besonders die Eigenschaften Musik, Ausführung der Sprünge und das Arbeiten in Gruppen merklich zu einer Abgrenzung des Rope Skippings vom klassischen Seilspringen führen und dabei den Charakter einer eigenen Sportart unterstreichen.

Bezüglich der Ausrüstung benötigt man beim Rope Skipping lediglich ein Seil (Rope) pro Person, eine Fläche von ca. 2-3m2 zum Springen und die passende Musik. Diese sollte gerade bei Anfängern nicht schneller als 120bpm gewählt werden. Andererseits braucht das Seil jedoch eine gewisse Grundgeschwindigkeit, damit es vernünftig läuft und unter Spannung steht. Aus diesem Grund sollte das Tempo auch nicht viel langsamer als die oben genannten 120bpm sein. Im Gegensatz zu den gern verwendeten Hanfseilen benutzt man beim Rope Skipping so genannte Speed Ropes, welche zum einen aus Kunststoff sind und zum anderen einen frei beweglichen Griff haben, in dem sich die Seile beim Springen mit drehen. Daraus resultiert eine ruhigere Laufweise des Seils und es können bei Bedarf deutlich höhere Geschwindigkeiten realisiert werden. Vor dem ersten Springen ist es wichtig, das Sprungseil den persönlichen Körperverhältnissen anzupassen. „Hierfür platziert man die Fußspitzen auf die Mitte des Seilbauchs und führt die Seilenden bzw. Griffenden bis unter die Achselhöhlen. Das Seil sollte sich in einem straffen Zustand befinden“8. Neben den Speed Ropes kommt es häufig auch zum Einsatz von „Double Dutches“ (4-5m lange Seile), welche von zwei Personen geschwungen werden müssen und in denen man mit mehreren Personen springen kann. Diese eignen sich speziell für Darbietungen größerer Gruppen.

Bei den Springern selbst sollte neben einer funktionalen Sportkleidung unbedingt auf festes Schuhwerk geachtet werden, um für eine erhöhte Stabilität während der Sprünge zu sorgen. Gerade auf den Füßen liegt beim Rope Skipping eine der Hauptbelastungen und man sollte versuchen, eventuelle Sicherheitsrisiken so weit wie möglich zu reduzieren. Eben dieser Aspekt begründet im Weiteren, warum vor dem Beginn des Springens auf eine vernünftige Erwärmung zu achten ist. Der Körper muss auf die bevorstehenden Bewegungen vorbereitet werden, was insbesondere für die hauptbeanspruchten Muskelgruppen gilt. Wie bereits oben erwähnt, ist das Rope Skipping selbst schon eine gute Methode, um für eine vernünftige Erwärmung des Körpers zu sorgen. So kann auch in diesem Fall direkt mit dem Springen begonnen werden und es bedarf im Prinzip keiner gesonderten Erwärmung. Jedoch sollte es zusätzlich zu einer Dehnung der Muskulatur kommen, was vor allem für die Muskulatur der unteren Extremitäten gilt und als auch für die Rumpfmuskulatur, da diese für die Absorption sprungbedingter Belastungen zuständig ist9. Anschließend kann mit dem eigentlichen Vorhaben begonnen werden.

2.2 Rope Skipping und Gesundheit

2.2.1 Gesundheitsförderung im Schulsport

Bevor überprüft werden kann, ob und wenn ja auf welche Weise Rope Skipping mit einer gesundheitsfördernden Wirkung in Zusammenhang steht, bedarf es zunächst einer Klärung der Frage, wie wir Gesundheit definieren und was in der Sportwissenschaft unter einer Gesundheits-förderung im Schulsport verstanden wird.

Auf den ersten Blick wird dabei eines sofort deutlich: Geht es darum, die Notwendigkeit des Schulfaches Sport zu begründen, greift man fast immer auf das Argument zurück, dass der Schulsport die Möglichkeiten zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit bereitstellt.10 Besonders wenn es um die Diskussion bezüglich mangelnder Bewegung gerade in der heutigen Kindheit und der daraus resultierenden defizitären Verfassung (Adipositias, Rückenprobleme, Herz-Kreislauf Erkrankungen, etc.) geht, soll durch Maßnahmen wie Fitnesstraining und Funktionsgymnastik, eventuell sogar durch eine Konfrontation mit den Folgen mangelnder Bewegung der Schulsport der Prävention dienen. „Sportlichkeit steht für Gesundheit und Wohlbefinden, gutes Aussehen, soziale Kompetenz, u.a. Fitnessübungen werden zunehmend als attraktive Bewegungsformen auch für den Schulsport neu entdeckt.“11 Würde man allerdings nach diesem Zitat gehen, dürfte prinzipiell wohl jedes Kind, welches aktiv am Sportunterricht teilnimmt gesund sein und dadurch keine Gesundheitsförderung benötigen. Jedoch kann es übertriebener Maßen ja auch nicht darum gehen, in der schulischen Bewegungserziehung „kraftstrotzende und ausdauernde Kinderkörper zu produzieren und krumme Rücken wieder gerade zu biegen.“12 Hier würde es um ein einseitig reduziertes Gesundheitsverständnis gehen, welches lediglich die körperlich-medizinische Komponente der Gesundheit betrachtet und wie man mittlerweile weiß, bedeutende Faktoren außer Acht ließe. Konnte Gesundheit so in den 70er Jahren noch schlicht als „Schweigen der Organe“ definiert werden, wird sie heutzutage viel differenzierter als „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur (als) das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“13 betrachtet. Sie ist bereits dann beeinträchtigt, wenn sich in einem oder mehreren dieser Bereiche Anforderungen ergeben, die von der Person nicht erfüllt oder nicht bewältigt werden können. Die Grundlagen für diese neue, ganzheitliche Sichtweise der Gesundheit eines Menschen gehen dabei vornehmlich auf Antonovsky zurück. Er wandte sich von der Pathogenese, also von der Frage nach dem Entstehen von Krankheiten ab und rückte die Salutogenese in den Vordergrund, die Frage nach dem Entstehen von Gesundheit. Für u.a. Brodtmann scheint genau dieser Weg sinnvoll. Es soll nicht darum gehen, danach zu suchen, wie wir „Risikofaktoren vermeiden oder wie wir sie – auch mit Hilfe des Schulsport – kompensieren könnten.“ Richtig wäre es, „wenn wir nach den Schutzfaktoren fragen, die uns gesund bleiben lassen könnten, obwohl wir tagtäglich einer Vielzahl von Risikofaktoren ausgesetzt sind.“14 Solch eine Bewältigung für die Gesundheit meint dabei allerdings nicht nur, bereits existierende Belastungen zu minimieren oder auszugleichen. Im Vordergrund geht es darum, diese Schutzfaktoren präventiv wirken zu lassen, so dass sich eventuelle Stressoren gar nicht erst gesundheitsgefährdend auswirken können. Aus diesem Grund macht eine Prävention bei der Gesundheitsförderung allemal Sinn, „da nicht früh genug mit vorbeugenden Maßnahmen begonnen werden kann“.15 Vor allem existiert genau hier eine sinnvolle Verbindung mit dem Sport, da dieser für Kinder und Jugendliche zumeist eine freudvolle Beschäftigung darstellt.

Im Zusammenhang mit der Gesundheitsförderung im Schulsport können wir nach den bisherigen Ausführungen davon ausgehen, dass ein ausgewogenes Zusammenspiel physischer Faktoren auf der einen Seite, sowie psychosozialer Faktoren auf der anderen Seite zumindest dazu beitragen müsste, die Gesundheit der SuS positiv zu beeinflussen und die Schutzfaktoren auch präventiv zu stärken. Was aber genau sind nun diese Schutzfaktoren? Bei den physischen Faktoren erfolgt meistens zunächst eine grobe Aufteilung in die Bereiche Koordination und Kondition, welche dann genauer aufgegliedert werden. Insbesondere im Bereich der Kondition kommt es häufig zu der Feststellung, dass ein gesundes Herz-Kreislaufsystem in Verbindung mit einer angemessenen Ausdauer eine wichtige Grundlage für die Gesundheit darstellt. So halten es auch Woll und Bös für durchaus sinnvoll, „wenn durch spezifische Gestaltungen der körperlich-sportlichen Aktivität (…) auf ein funktionstüchtiges Herz- Kreislaufsystem geachtet wird.“16 Aus gesundheitlicher Sicht ist es hierbei allerdings unbedingt notwendig, keine Überbelastungen zu verursachen und in diesem Falle den SuS immer wieder Pausen und Entspannungsphasen zu ermöglichen. Diese Forderung ist insbesondere durch das Kerncurriculum vorgeschrieben, in dem es darum geht, „bewusst und verantwortlich mit dem eigenen Körper umzugehen sowie selbst für die Erhaltung und Stärkung des eigenen Wohlbefindens sorgen zu müssen und zu können.“17 Weiterhin geht es in den Kompetenzbereichen explizit um den Wechsel von Anspannen und Entspannen. Aufgrund der vorangegangenen Ausführungen werde ich bei den physischen Faktoren des Rope Skippings unter Punkt 2.2.2. den Schwerpunkt auf die Ausdauer und der daraus resultierenden positiven Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem legen.

Die psychischen bzw. die psycho-sozialen Schutzfaktoren werden von Beutel als personale Ressourcen bezeichnet.18 Hierbei handelt es sich um so genannte Persönlichkeitsfaktoren, welche die Einstellung des Individuums zur Sache, in diesem Fall zum Sport, betreffen. Diesbezüglich wird davon ausgegangen, dass all das, was die SuS aus ihrer eigenen Überzeugung tun und worin sie einen Sinn sehen ihr Selbstwertgefühl stärkt, ihre soziale Integration und ihre soziale Anerkennung fördert und ihnen zu einem positiven Selbstkonzept verhilft. Dies wiederum dient unmittelbar ihrer Gesundheit.19 Jene Art der körperlichen Selbsterfahrung, welche mit einer Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit einher geht, ist ebenfalls im Kerncurriculum verankert. Deutlich gemacht werden muss hierbei, dass solche salutogenetisch begründeten Einsichten zur Bedeutung der „personalen Ressourcen“ dann auf Schwierigkeiten stoßen, wenn sich die Auswahl der Themen im Schulsport lediglich auf ein „Überbietung/Gegeneinander“ beschränken. Das gemeinsame Handeln und Erleben ist daher von wichtiger Bedeutung. Aus diesem Grund soll bei den psycho-sozialen Faktoren des Rope Skippings das soziale Miteinander näher untersucht werden.

Betrachtet man einmal das neue Verständnis von Gesundheit, wird deutlich, dass nur ein vernünftiges Zusammenspiel der physischen und psychischen Faktoren dazu beitragen kann, die Gesundheit angemessen zu fördern. Allerdings sollte einem bei dieser Komplexität der Thematik bewusst sein, dass wir als Lehrkraft lediglich die Ressourcen der Kinder stärken können und durch unsere Hilfe Voraussetzungen schaffen können und müssen, welche eine Gesundheitsförderung auch ermöglichen. Es wird uns jedoch nicht möglich sein, die Kinder durch unser alleiniges Handeln gesund zu machen bzw. die Gesundheit der SuS auf Dauer zu erhalten. Hierzu spielen sowohl die außerschulischen als auch die weiteren schulischen Bedingungen der Kinder eine zu große Rolle. Hinzu kommt, dass wir als Sportlehrer unsere Möglichkeiten auch optimal nutzen müssen. Dafür nehmen „in einem salutogenetisch orientieren Sportunterricht die Vermittlungsprozesse eine Schlüsselstellung ein.“20 Aufgrund der hohen Bedeutung der Stärkung der personalen Ressourcen sollen die Vermittlungsverfahren so angelegt werden, dass sie solch eine Stärkung auch bewirken. Daher sollen die SuS möglichst viel Gelegenheit dazu bekommen, sich mit Bewegungs- und Spielsituationen selbstständig auseinandersetzen zu können und entdeckend und problemlösend zu lernen. Aus diesem Grund zielt das Konzept dieser Unterrichtseinheit auch darauf ab, den SuS möglichst viel Freiraum zu geben und ihnen dadurch eine möglichst hohe Eigensteuerung ihres Lernprozesses zu ermöglichen.

2.2.2 Physiologische Wirkung des Rope Skippings

Bereits in der Einleitung wurde erwähnt, dass das Rope Skipping oft als eine Art Ganzkörpertraining angesehen wird, welches sich positiv auf die Bereiche Ausdauer, Kraft und Koordination auswirkt. So werden im Bezug auf die Kraft beim Springen vor allem die Muskeln der unteren Extremitäten angesprochen und trainiert. Auch die Rumpfmuskulatur erfährt eine Stärkung, was sich positiv auf den Stützapparat auswirkt. Zusätzlich verbessert sich die Koordination erheblich, da bei der Vielzahl an Sprung- und Armbewegungen ständig neue Anforderungen an die Bewegungen des Springers gestellt werden.21 Der Schwerpunkt soll an dieser Stelle jedoch auf den Bereich Ausdauer und das Herz-Kreislaufsystem gelegt werden und es soll nochmals auf die gesundheitsförderlichen Aspekte hingewiesen werden.

Für Friedrich stellt u.a. das Ausdauertraining nach subjektivem Belastungsempfinden im Bereich des gesundheitssportlich orientierten Trainings eine interessante Alternative dar, „da es den Schüler für sein Belastungsempfinden sensibilisiert und damit seine Handlungskompetenz fördert und unterstützt.“22 Ausdauer definiert sich dabei als die Fähigkeit, „eine bestimmte Leistung über einen möglichst langen Zeitraum aufrecht erhalten zu können.“23 Positive Folgen einer sich steigernden Ausdauer sind die Beeinflussung des Muskelstoffwechsels und die Verbesserung der Leistungen des Herz-Kreislaufsystems. Zusammengefasst kann es hier zu folgenden Veränderungen kommen:

Es kann zu einer Vergrößerung des Herzvolumens und dadurch der Blutmenge, die das Herz in einer Minute in Umlauf bringt, kommen. Infolge dessen vergrößert sich die Aufnahme der Sauerstoffmenge und dem Körper kann mehr Energie zur Verfügung gestellt werden. Zudem kann die Ruhepulsfrequenz dadurch erheblich verringert werden.24 Neben noch weiterer Auswirkungen sind dies zunächst die meiner Meinung nach wichtigsten. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften ist das Ausdauertraining sowohl aus gesundheitlichen als auch aus präventiven und regenerativen Gründen ein gern genommenes Mittel und dient vielen Menschen zudem der Kompensation von Stress und den daraus entstehenden Belastungen. Inwieweit hat nun allerdings das Rope Skipping eine Schulung der Ausdauer zur Folge? Vermutlich wird jeder, der schon einmal Seil gesprungen ist, bemerkt haben, dass dies mit teilweise sehr hoher Anstrengung verbunden ist und man als Anfänger relativ schnell eine Pause einlegen muss. Springt man allerdings über einen längeren und regelmäßigen Zeitraum, erhöhen sich die Intervalle der Sprungphasen und wir können unsere Leistung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten. Wir haben also laut obiger Definition unsere Ausdauer gesteigert. Beim Rope Skipping kommt hinzu, dass die SuS aufgrund der Musik, zu der gesprungen wird, und einem gern genommenen Anfangstempo von ca. 120bpm ein erhebliches Grundtempo aufweisen. Das Seil kreist somit 120-mal in der Minute um ihren Körper, was für diesen schon eine recht hohe Belastung darstellt. So kommt es im Rahmen der Erlernung und Beherrschung der Sprünge wie erwähnt zu einer Ausdauerschulung, welche jedoch nicht mit einer Überbelastung einhergeht. „Die Intensität des Trainings unterliegt der Determinante mangelhafter Beherrschung der Sportart und verhilft somit während des Lernprozesses zu automatischen Unterbrechungen, um dem Herz- Kreislaufsystem zu Erholungspausen zu verhelfen.“25 Auch Böttcher spricht in diesem Zusammenhang von einem Intervallcharakter der Sprünge und meint, dass durch ein Hängenbleiben im Seil ein Belastungsintervall beendet wird und man dadurch zu gezwungenen Ruhepausen kommt. Werden dagegen die Sprünge beherrscht, ist auch ein regelmäßiges Training vorangegangen und ein längeres Sprungintervall wird vom Körper dementsprechend besser kompensiert. Trotz alledem ist es auch bei zunehmend besserem Gelingen der Sprünge und der daraus resultierenden längeren Sprungphasen zwingend notwendig, den SuS immer wieder kurze Ruhe- und Entspannungsphasen zu gönnen bzw. diese von ihnen einzufordern. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass die Ausdauerschulung auch den Anspruch an die gesundheitsfördernden Aspekte erfüllt. Zudem ist dieser Wechsel von Anspannung und Entspannung bzw. Aktion und Ruhephase, wie schon unter 2.2.1 erwähnt, durch das Kern-curriculum begründet.

Betrachten wir abschließend die Ausdauer als eine der wichtigen physiologischen Komponenten, welche insbesondere durch ihre positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem einen Beitrag für die Gesundheit liefert, kann festgestellt werden, dass das Rope Skipping auf jeden Fall eine Möglichkeit darstellt, diese zu trainieren. Vor allem besteht durch das Rope Skipping die Chance, die Ausdauer eher als positiven Nebeneffekt zu generieren und die SuS somit nicht mit dem Stundenziel „Ausdauer steigern“ eher zu demotivieren. Zudem kann dadurch eine Verknüpfung zu der Sinnhaftigkeit des Tuns der SuS erstellt werden, da die Primärmotivation beim Rope Skipping weniger die Schulung der Ausdauer ist, sondern eher Beweggründe wie bspw. die Freude am kreativen und gemeinsamen Springen eine Rolle spielen. Weiterhin kann die Meinung, eine Ausdauerschulung würde sich inhaltlich vor allem auf Ausdauerläufe konzentrieren und dadurch einer ständigen Monotonie unterliegen, durch das Rope Skipping zumindest ein wenig entkräftet werden.26

2.2.3 Psycho-soziale Wirkung des Rope Skipping

Dass die psycho-soziale Komponente bei der Förderung und der Erhaltung der Gesundheit neben den physiologischen Faktoren einen enormen Stellenwert einnimmt, wurde bereits an anderer Stelle ausführlich erklärt. In diesem Abschnitt soll es nun vor allem um die sozialen Beziehungen gehen, welche die SuS beim Rope Skipping miteinander eingehen und darum, wie diese zustande kommen.

Nach Brodtmann wird der Bereich der sozialen Beziehungen von vielen Wissenschaftlern, „wenn man von der grundlegenden Bedeutung der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens einmal absieht, als der vielleicht wichtigste potentielle Schutzfaktor überhaupt angesehen.“27 Es geht dabei allerdings nicht nur darum, solche sozialen Beziehungen in ausreichendem Maße zu besitzen und sie lediglich zu pflegen. Vielmehr müssen soziale Beziehungen in neuen Situationen auch immer wieder neu eingegangen werden und weiterhin in eventuellen Problemsituationen bestehen. Zusätzlich kann ein solcher Zusammenhalt bei gemeinsam zu lösenden Aufgaben gestärkt werden und dadurch erheblich zu einem erhöhten Wohlbefinden und der Erweiterung der Sozialkompetenz beitragen. Das Kerncurriculum nennt hier vor allem unter dem Kompetenzbereich „Beziehungen entwickeln“ die wesentlichen Aspekte, die sich auf einen sozialen Umgang miteinander beziehen. Dabei spielt allerdings nicht nur ein Miteinander eine wichtige Rolle, sondern auch ein Gegeneinander kann dazu beitragen, die soziale Kompetenz zu stärken. Wie jedoch bereits angesprochen wurde, sollte der Sportunterricht nicht in zu hohem Maße konkurrierende Situationen veranlassen und von dem „Gegeneinander / Überbietung“ etwas abrücken.

Beim Rope Skipping spielt vor allem das Miteinander eine tragende Rolle. Dadurch, dass die SuS am Ende dieser Unterrichtseinheit in Kleingruppen eine kleine Choreografie präsentieren sollen, müssen sie sich aufeinander einlassen. Zum einen geht es darum, ein gemeinsames Tempo beim Springen zu finden und die SuS müssen sich zudem zusammen überlegen, wie sie synchron starten können (vgl. 4.6.2, Std. 4). Auch beim Erlernen der verschiedenen Sprünge gibt man sich gegenseitig Hilfestellung und muss eventuell aufeinander warten, denn nur selten wird man im gleichen Tempo lernen. Also kommt es in diesem Fall darauf an, eine gemeinsame Grundlage zu finden, die eine bestmögliche Zusammenarbeit ermöglicht. Geht es dann abschließend um die Zusammenstellung der Choreografie bedarf es wiederum Einigkeit, für welche Sprünge und für welche Reihenfolge man sich entscheidet. Neben dem Spaß an der eigenständigen Entwicklung und der vermehrt eigenen Steuerung seines Lernprozesses ist es dann vor allem der Erfolg am Endprodukt, auf den man gemeinsam stolz sein kein. Wichtig ist hierbei, dass jedes Gruppenmitglied gleichwertig an dem Gesamterfolg beteiligt ist und sich auch bei Misserfolgen keiner der Verantwortung entziehen kann. Aus diesem Grund nehmen die sozialen Kontakte und auch die affektiven Lernziele einen breiten Raum ein.

Zusammenfassend sollte auch bei den psycho-sozialen Faktoren, in diesem Falle schwer-punktmäßig der sozialen Beziehungen deutlich werden, dass diese im Rope Skipping eine große Rolle spielen und auch hier die Voraussetzungen für einen gesundheitsfördernden Sportunterricht gegeben sind. Allerdings muss diesbezüglich ergänzt werden, dass obwohl der Sportunterrichtbesonders gut für das Eingehen sozialer Beziehungen geeignet ist, diese nicht immer automatisch und wie selbstverständlich entstehen. Auch hier ist es Aufgabe der Lehrkraft, durch ein geplantes Vorgehen günstige Situationen und Voraussetzungen zu erschaffen, die es den SuS ermöglichen, diese Beziehungen auch eingehen zu können.

3. Lernausgangslage

3.1 Fachbezogene Lernvoraussetzungen

Die Lerngruppe der 8xx besteht aus 14 Schülern und 13 Schülerinnen im Alter zwischen 13 – 15 Jahren und wurde von mir im Februar 2010 eigenverantwortlich übernommen. Ich empfinde das Verhältnis zwischen mir und der Klasse als sehr angenehm und es macht Spaß, in der Klasse zu unterrichten. Das Arbeitsverhalten der SuS ist insgesamt als positiv zu bewerten. Die SuS sind die meiste Zeit stark motiviert und treiben offensichtlich gerne miteinander Sport. Von mir gegebene Arbeitsaufträge werden in der Regel schnell und problemlos umgesetzt und erfordern nur in seltenen Fällen ein Eingreifen der Lehrkraft. Gelegentlich kommt es allerdings vor, dass die SuS vorschnell loseilen, bevor ich einen Arbeitsauftrag zu Ende erklärt habe, woraus im Weiteren Unstimmigkeiten resultieren. So habe ich in letzter Zeit besonders darauf geachtet, meinen Redeanteil noch stärker zu minimieren und zudem immer wieder auf die Einhaltung der Regel zu bestehen, dass mit der Hauptphase des Unterrichts erst auf ein von mir gegebenes Zeichen begonnen wird. Dieses teilweise voreilige Verhalten, welches meiner Meinung nach bei dieser Klasse als eine Art Übermotivation angesehen werden kann, führt auch bei schriftlich gegebenen Arbeitsaufträgen oder Visualisierungen gern dazu, dass diese von einigen SuS anfänglich nur unzureichend beachtet werden. Stattdessen wird häufig versucht, den als eigentliches Stundenziel gewünschten Endzustand direkt zu erreichen. Auch in solchen Fällen muss ich das vorschnelle Agieren der SuS ein wenig bremsen, damit ich meine methodischen Schritte wie geplant umsetzen kann. Allerdings bemühe ich mich, dabei den eigentlich wünschenswerten Bewegungsdrang nicht zu unterdrücken.

Das Sozialverhalten der Klasse ist bis auf wenige Ausnahmen absolut wünschenswert. Es herrscht ein freundlicher Umgang miteinander und es wird aufeinander Rücksicht genommen. So sind besonders das Bilden von Mannschaften und jegliche weitere Art der Gruppenbildung kein Problem. Auch das gegenseitige Unterstützen scheint für die SuS selbstverständlich zu sein, wobei gerade bei Problemstellungen im Unterricht eine gute Kommunikation untereinander festzustellen ist. Gespräche mit der Klassenlehrerin haben zudem bestätigt, dass in der Klasse ein starker Zusammenhalt besteht und diese Atmosphäre nicht nur im Sportunterricht vorherrscht. Als bereits erwähnte Ausnahmen müssen XXXX, XXXX und XXXX genannt werden. Diese fallen zunehmend durch ein negatives Verhalten sowohl gegenüber den Mitschülern als auch gegenüber der Lehrkraft auf. Einerseits weisen sie generell ein hohes adoleszentes Verhalten auf und sind auf der anderen Seite zudem häufig provokant bzw. „hinterlistig“. Sie sticheln gerne und versuchen immer wieder, eine gewisse Unruhe in den Unterricht zu bringen. Ich habe aus diesem Grund bereits einige Einzelgespräche mit ihnen geführt und sie auf das unerwünschte Verhalten hingewiesen. Häufig werden die drei sogar von den Mitschülern selbst für ihr Verhalten ermahnt. Der Lehrkraft gegenüber kommt es gelegentlich zu einer Andeutung von Respektlosigkeit, welche jedoch nur „getestet“ wird und durch konsequentes Auftreten meinerseits nicht weiter zugelassen wird.

Das Leistungsniveau der Klasse ist durchaus als leistungsstark zu betrachten. Die meisten der SuS treiben auch außerhalb der Schule viel Sport. Nicht wenige von ihnen üben nach eigenen Angaben sogar zwei, teilweise auch drei Sportarten aus. Besonders XXXX, XXXX, XXXX, XXXX, XXXX, XXXX, XXXX, XXXX, XXX und XXX gehören zu den Leistungsträgern der Klasse und bringen den Unterricht in den Praxisphasen voran. Sie besitzen sehr gute konditionelle und koordinative Fähigkeiten und setzen Bewegungsaufgaben schnell und sicher um. XXXX, XXXX, XXXX und XXX dagegen weisen insbesondere motorische Defizite auf und versuchen regelmäßig, sich aus dem eigentlichen Geschehen herauszuhalten und sich eher zu verstecken. Sie müssen daher immer wieder gesondert motiviert werden.

Das Gesprächsverhalten der Lerngruppe ist überwiegend aktiv. Die SuS äußern in Reflexionsphasen ihre Ideen und Gedanken frei und verständlich. Zudem gelingt es ihnen zunehmend besser, Bewegungserfahrungen bzw. beobachtete Bewegungsabläufe konkret zu verbalisieren und sie benötigen nur selten von mir vorgegebene Formulierungshilfen. Bezüglich verschiedener Methoden im Unterricht ist den SuS das Lernen an Stationen bzw. das Arbeiten an einer Lerntheke bekannt und sie sind es gewohnt, in Partner- oder Gruppenarbeit Themen zu bearbeiten und nach Lösungen für vorher gestellte Bewegungsaufgaben und –probleme zu suchen.

Als Besonderheit in der Klasse ist XXXX zu nennen, welcher es aufgrund einer rheumatischen Erkrankung laut Arzt nur möglich ist, Sport auf freiwilliger Basis durchzuführen. Gerade in den letzten Wochen konnte XXXX wegen ihres Befindens nicht am Sportunterricht teilnehmen und hat wenn möglich von mir kleine Beobachtungsaufgaben bekommen.

3.2 Inhaltbezogene Lernvoraussetzungen

Rope Skipping ist eine sehr komplexe Sportart und setzt sich aus einer Vielzahl von Anforderungen zusammen (vgl. 4.2). Aus diesem Grund werden die Vorkenntnisse und Voraussetzungen, welche die SuS in diese Unterrichtseinheit mitbringen, deutlich voneinander abweichen.

Die meisten SuS sind sowohl in ihrer Freizeit als auch in der Schule schon Seil gesprungen und ihnen werden dadurch grundlegende technische Aspekte des Springens bekannt sein. Allerdings wird es aufgrund motorischer Defizite einiger SuS bereits bei der korrekten und sauberen Ausführung der Seilsprung-Technik zu ersten Unterschieden innerhalb der Lerngruppe kommen. Besonders bei X erwarte ich diesbezüglich Probleme und gehe davon aus, dass sie zu Beginn der Unterrichtseinheit noch häufig im Seil hängenbleiben werden. Aus diesem Grund werde ich gerade bei solchen SuS vermehrt auf eine korrekte Ausführung der Technik achten, da diese für den weiteren Verlauf eine wichtige Rolle spielt. X hingegen werden in diesem Bereich vermutlich nur geringe Probleme haben und bereits am Anfang sehr effizient und sauber springen. In Bezug auf verschiedene Sprungvariationen bzw. die Skills (vgl. 2.1) ist nach einem ersten Erfahrungs-austausch mit den SuS zu erwähnen, dass ihnen zwar der Grundsprung (Easy Jump) und vereinzelt auch ein oder zwei weitere Sprünge bekannt sind, ich jedoch prinzipiell davon ausgehen kann, dass alle SuS auf einem ähnlichen Level beginnen und sie die Skills zunächst erlernen müssen.

Im Hinblick auf den konditionellen Aspekt lässt sich feststellen, dass dieser bei den bereits o.g. SuS in Bezug auf den Unterschied am ausgeprägtesten ist, woraus verschieden lange Sprungzeiten resultieren und die in diesem Bereich schwächeren SuS vermehrt Pausen zwischen den Übungen bzw. Sprungphasen benötigen werden. Bereits zu Beginn der Unterrichtseinheit muss es daher zu differenzierenden Maßnahmen kommen, damit es weder zu einer Unter- noch zu einer Überforderung einzelner SuS kommt (vgl. 4.6.3). Da die Klasse jedoch wie schon unter 3.1 beschrieben als sehr leistungsstark einzuschätzen ist, erwarte ich bezüglich der konditionellen Voraussetzungen allerdings keine so gravierenden Probleme, dass darunter der Lernprozess im Hinblick auf ein entstehendes Leistungsgefälle zu sehr variieren würde.

Der Bereich, in welchem die unterschiedlichen Vorerfahrungen der SuS am größten sind und der eines der Hauptprobleme bei der Ausführung des Rope Skippings darstellen wird, ist das Tanzen bzw. das rhythmische Bewegen zur Musik. Vornehmlich die Mädchen haben hier bereits außerschulische Erfahrungen sammeln können und bewegen sich generell gerne zur Musik. Mehrere Mädchen der Klasse waren bzw. sind in verschiedenen Tanzgruppen und können so gerade ihr Rhythmusgefühl vorteilhaft nutzen und ohne größere Probleme den Takt der Musik erkennen und sich zu diesem bewegen. Diese Vorerfahrungen werden zudem durch das Aufgreifen der Thematik „Tanzen“ in der Schule noch erweitert und verbessert. Die Jungen hingegen kennen das Bewegen zur Musik meistens nur aus der Schule und besitzen häufig sehr viel weniger Rhythmusgefühl als ihre Mitschülerinnen. So kommt es auch in dieser Klasse dazu, dass sonst eigentlich starke SuS wie X bei dem Aspekt Rhythmus größere Probleme aufweisen. Sie besitzen zwar im Allgemeinen eine gute Rhythmisierungsfähigkeit im Sportunterricht, können diese jedoch in Verbindung mit Musik nur wenig nutzen. Unterschieden werden muss hier zwischen der inneren Rhythmisierung und der damit verbundenen Fähigkeit, Bewegungen zeitlich aufeinander abzustimmen und einer äußeren Rhythmisierung (Rhythmusgefühl) bei der es eher darum geht, sich einem anderen (äußeren) Rhythmus anzupassen (vgl. 4.2). Besonders die äußere Rhythmisierung stellt in diesem Falle das größere Problem dar und es bedarf daher bestimmter methodischer Entscheidungen, um die große Komplexität des Rope Skippings anfänglich aufzugliedern und zu vereinfachen (vgl. 4.6.1).

[...]


1 Uhrmeister (2006), S. 14f.

2 Rope Skipping bedeutet übersetzt Seilspringen

3 Vgl. Niedersächsisches Kerncurriculum Fach Sport

4 Im Weiteren nur SuS

5 Hildebrand/Laging (1981), S. 15f.

6 Vgl. Böttcher (2009), S. 13

7 Vgl. ebd.

8 Böttcher (2009), S. 28

9 Böttcher (2009), S. 28

10 Vgl. Brodtmann (1998), S. 15

11 Noack, Messer (2004), S. 11

12 Brodtmann (1996), S. 6

13 Definition von Gesundheit nach WHO

14 Brodtmann (1996), S. 6

15 Lange / Sinning (2008), S. 211

16 Woll / Bös (2001), S. 300

17 Niedersächsisches Kerncurriculum Fach Sport

18 Vgl. Brodtmann (1998), S. 16

19 Vgl. Woll / Bös (2001), S. 302

20 Brodtmann (1998), S. 26

21 Vgl. Böttcher (2009), S. 17f.

22 Friedrich (2006), S. 7

23 Martin / Carl / Lehnertz (1991), S. 173

24 Vgl. ebd.

25 Uhrmeister (2006), S. 15

26 Vgl. Herz / Zeuner (2005), S. 263

27 Brodtmann (1998), S. 18f.

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Rope Skipping. Konzeptionelle Grundlegung und methodische Ausformung einer Unterrichtseinheit für eine achte Realschulklasse
Veranstaltung
Seminar Sport
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
59
Katalognummer
V294812
ISBN (eBook)
9783656939528
ISBN (Buch)
9783656939535
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rope, skipping, konzeptionelle, grundlegung, ausformung, unterrichtseinheit, realschulklasse
Arbeit zitieren
Carsten Römer (Autor), 2012, Rope Skipping. Konzeptionelle Grundlegung und methodische Ausformung einer Unterrichtseinheit für eine achte Realschulklasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294812

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