Konzept zur Ersetzung einer schriftlichen Klassenarbeit durch eine mündliche Prüfung in einer 8. Klasse im Fach Englisch


Examensarbeit, 2011
79 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Genese des Themas
2. Anliegen der Referendarin
3. Verknüpfung der Lehrerfunktionen

II. Thematisierung des Handlungsbedarfs
1. Legitimation des Konzepts
2. Beobachtung der Lerngruppe
3. Fokus und Zielformulierung

III. Planung des Konzepts und praktische Umsetzung
1. Bedingungen und Voraussetzungen zur Durchführung des Konzepts
2. Organisation und Ablauf der mündlichen Prüfung
3. Aufgabenformate und -inhalte
4. Bewertungskonzept

IV. Dokumentation
1. Einblick in die Prüfungsvorbereitung
2. Prüfungsergebnisse
V. Evaluation
1. Reflexion der Ziele
2. Reflexion der planerischen Entscheidungen

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

VIII. Anhang

I. Einleitung

1. Genese des Themas

Da Sprache von Sprechen kommt und nicht von Schreiben (vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München S. 9) ist gerade der Erwerb der Sprechkompetenz die klassische Motivation, eine Sprache lernen zu wollen (vgl. Nadorf S. 15). Bedenkt man, dass die Voraussetzung, in einer Fremdsprache erfolgreich zu kommunizieren vor allem in der Fähigkeit besteht, diese sprechen zu können, erscheint diese Annahme einleuchtend. Da die mündliche Sprachkompetenz entscheidend für den Erfolg in vielen Lebensbereichen ist, sollte der Erwerb und die Förderung von kommunikativen Kompetenzen ein übergeordnetes Ziel des modernen Fremdsprachenunterrichts sein, vor allem im Hinblick auf den beruflichen Kontext, in dem Heranwachsende besonders dann Erfolg verzeichnen werden, wenn sie in der Lage sind, in der Fremdsprache mündlich sach- und adressatengerecht zu kommunizieren. Auf Grund der besonderen Stellung des Englischen als Weltsprache und den damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen sieht der Kernlehrplan Englisch für den verkürzten Bildungsgang des Gymnasiums - Sekundarstufe I (G 8) Nordrhein-Westfalen1 den Aufbau kommunikativer Kompetenzen, insbesondere der mündlichen Kommunikationsfähigkeit zusammen mit der interkulturellen Handlungsfähigkeit, als ein Leitziel des Englischunterrichts an (vgl. KLP S. 11).

Vergleicht man diese Zielsetzungen jedoch mit der Realität, so sind die Ergebnisse aus der Unterrichtspraxis erschütternd. Denn „ein Drittel aller Schüler macht in einer Englischstunde kein einiges Mal den Mund auf“ (vgl. Kieweg S. 14), sodass sogar von einer Sprachlosigkeit im Klassenzimmer die Rede ist. Die Ergebnisse der DESI Videostudie2 belegen, dass vor allem die Sprechanteile der Lehrkräfte und der Lerner der oben genannten Zielsetzung nicht gerecht werden. Häufig unterschätzen Lehrkräfte ihren eigenen Sprechanteil im Englischunterricht, obwohl dieser im Durchschnitt mehr als doppelt so hoch ist wie der aller Schülerinnen und Schüler zusammen3. Da die Sprechzeit der Lernenden somit eindeutig zu gering ist, können der progressive Aufbau und die Förderung der Sprechkompetenz nicht gewährleistet werden. Betrachtet man zudem, dass bei der bereits geringen mündlichen Sprachproduktion der Schülerinnen und Schüler4 kaum zusammenhängende Äußerungen, die über die Satzgrenze hinausgehen, festgestellt werden, erscheinen die Ergebnisse der DESI-Studie noch schockierender (vgl. Helmke et al. S. 40f). Ist es nun Ziel eines modernen, kommunikativen Fremdsprachenunterrichts die mündliche Sprachproduktion der Lernenden zu schulen, liegt eine Aufwertung der Mündlichkeit im Englischunterricht nicht nur nahe, sondern ist zwingend nötig. Dieser Erkenntnis wurde bereits in einigen Bereichen Rechnung getragen und zeigt sich u.a. in der Möglichkeit, in den modernen Fremdsprachen eine schriftliche durch eine mündliche Leistungsüberprüfung zu ersetzen, welche einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zur Aufwertung der Mündlichkeit darstellt.

2. Anliegen der Referendarin

Um der Forderung nach mehr Mündlichkeit im Englischunterricht gerecht zu werden, macht sich diese wissenschaftliche Arbeit diese Möglichkeit zu nutze und stellt ein Konzept vor, welches es erlaubt, in einer 8. Klasse eine schriftliche Leistungsüberprüfung durch eine mündliche Prüfung zu ersetzen, mit dem Ziel, die kommunikativen Kompetenzen der Lernenden im Bereich Sprechen nachhaltig zu schulen. Die sprachliche Handlungskompetenz schließt eine Dynamik von Interaktionen mit ein und zeigt sich vor allem im überlegten Einsatz von Diskursstrategien sowie im Gebrauch bestimmter funktionaler Wendungen zur Sicherung des gegenseitigen Verstehens, zum Auffüllen von Gesprächslücken und zur Erhöhung des Redeflusses (vgl. Vollmer S. 237). Ein übergeordnetes Anliegen des hier vorgestellten Konzepts besteht in der Förderung einer solchen interaktiven Gesprächsfähigkeit, die im Englischunterricht nach obigen Ergebnissen immer noch eine zu untergeordnete Rolle spielt. Auch die Tatsache, dass die englische Sprache im privaten und im beruflichen Bereich zu 95 % mündlich und lediglich zu 5 % schriftlich gebraucht wird (vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München S. 9), legitimiert das Anliegen dieses Konzepts und entspricht somit den Anforderungen der Berufswelt, auf welche die SuS im schulischen Fremdsprachenunterricht primär vorzubereiten sind.

3. Verknüpfung der Lehrerfunktionen

Die Entwicklung eines Konzepts zur Ersetzung einer schriftlichen Klassenarbeit durch eine mündliche Prüfung in einer 8. Klasse im Fach Englisch besitzt einen innovativen Charakter an der Ausbildungsschule, welche bisher nicht über ein derartiges Konzept in diesem Fach verfügt. Die Vorbereitung und Planung der mündlichen Prüfung stellt die Referendarin vor eine organisatorische Herausforderung, was den Aufbau und den Ablauf der Prüfung sowie die Bewertung der mündlichen Leistungen betrifft. Zudem müssen lerngruppengerechte Prüfungsformate ausgewählt, passende Aufgabenformate konzipiert, ein Kriterienkatalog zur Bewertung mündlicher Kompetenzen erstellt und entsprechende Instrumente zur Evaluation der mündlichen Prüfung, ihrer Vorbereitung und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Lerngruppe erstellt werden. Neben der Lehrerfunktion Organisieren und Verwalten5 spielt somit auch die Funktion Leistung messen und beurteilen eine übergeordnete Rolle. Da diese Art der Leistungsüberprüfung für die Lerngruppe eine völlig neue Erfahrung darstellt, müssen die SuS sorgfältig und gezielt im Unterricht auf die mündliche Prüfung vorbereitet werden um mögliche Sprechhemmungen abzubauen und eventuellen Ängsten vor einer derartigen Prüfungssituation entgegenzuwirken. Dazu empfiehlt sich zum einen die regelmäßige Integration von authentischen Sprechaufgaben in den Alltagsunterricht, die die individuelle Sprechzeit aller Lernenden erhöhen, zum anderen das gezielte Trainieren der in der mündlichen Prüfung beurteilten Teilkompetenzen mündlicher Sprachproduktion. Letzteres erfolgt mit Hilfe von diversen kommunikativen Methoden, u.a. auch in Form einer Prüfungssimulation, in welcher den SuS der Prüfungsablauf verdeutlicht wird. Zudem nehmen sie selbst eine kriteriengeleitete Bewertung der Prüflinge vor und werden somit für die Voraussetzungen erfolgreicher mündlicher Sprachproduktion sowie für eventuelle Mängel sensibilisiert. Es finden zahlreiche schüleraktivierende und interaktionsfördernde Methoden im Alltagsunterricht Anwendung, aber auch Methoden, die auf konkrete Teilbereiche der Prüfung abzielen. Aus diesen Gründen spielt auch die Lehrerfunktion Unterrichten eine wichtige Rolle.

II. Thematisierung des Handlungsbedarfs

1. Legitimation des Konzepts

Basierend auf den Forderungen des Schulministeriums NRW ergibt sich die Legitimation des vorgestellten Konzepts wie folgt: Da die mündliche Ausdrucksfähigkeit, die Präsentationskompetenz und die Diskursfähigkeit für die Vorbereitung der SuS auf Beruf und Studium einen hohen Stellenwert haben, muss die Stärkung der mündlichen Ausdrucksfähigkeit auch Schwerpunkt der Weiterentwicklung des Fremdsprachenunterrichts sein.6 Wenn es die Aufgabe des schulischen Fremdsprachenunterrichts ist, die funktionale Sprachverwendung der Lernenden soweit zu entwickeln, dass eine Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs ermöglicht wird, bedeutet dies konkret, dass dieser eine authentische Kommunikation ermöglichen, motivierende Aufgabenformate integrieren, die mündliche Interaktion fördern und den SuS Gelegenheit bieten sollte, kommunikative Strategien in unterschiedlichsten thematischen Bereichen systematisch aufzubauen.

Die Erkenntnis dieser Notwendigkeit spiegelt sich bereits in den detaillierten Kompetenzerwartungen der fremdsprachlichen Kernlehrpläne, Richtlinien und Lehrpläne in Nordrhein-Westfalen für alle Schulformen und Klassenstufen wider, welche die Entwicklung einer funktionalen Kommunikationskompetenz fordern.7 Um den Stellenwert der im Unterricht zu fördernden mündlichen Sprachkompetenz zu verdeutlichen, muss diese jedoch auch zum Bestandteil von Leistungsüberprüfungen werden. Dies ist beispielsweise mit den mündlichen Prüfungen des Zentralabiturs nur ansatzweise gewährleistet, da diese zum einen den Abschluss der gymnasialen Laufbahn darstellen und sich zum anderen häufig auf die reine Abfrage von Textinhalten beschränken. Sie fordern die Lernenden kaum dazu auf, situativ angemessen zu reagieren und eigene Standpunkte zu vertreten, eine Fähigkeit, die gerade für die weitere Verwendung der englischen Sprache im beruflichen und privaten Kontext von hoher Bedeutung ist (vgl. Nadorf S. 15).

Aus diesen Gründen erscheint es äußerst sinnvoll, die Sprechfertigkeit der Lernenden frühzeitig zu trainieren und eine Überprüfung dieser mündlichen Kompetenzen bereits in der Sekundarstufe I, beispielsweise in Form einer mündlichen Prüfung, einzuführen. Gemäß Paragraph 6 Abschnitt 8 der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I8 kann einmal im Schuljahr pro Fach eine Klassenarbeit durch eine andere, in der Regel schriftliche, in Ausnahmefällen auch gleichwertige nicht schriftliche Leistungsüberprüfung ersetzt werden.9 Die Einräumung dieser Möglichkeit stellt einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Mündlichkeit dar. Da sie jedoch nicht verpflichtend ist und auf Grund des häufigen Fehlens dezidierter Konzepte zu deren Durchführung kaum genutzt wird, ist sie noch längst kein fester Bestandteil von Leistungsüberprüfungen. Ohne eine Überprüfung der mündlichen Gesprächsfähigkeit wird dieser somit noch lange nicht die Rolle zuteil, die sie für einen modernen Fremdsprachenunterricht spielt.

Das hier vorgestellte Konzept macht sich diese in der APO-S I eingeräumte Möglichkeit zu nutze und stellt eine mögliche mündliche Leistungsüberprüfung für die Jahrgangsstufe 8 vor. Da an der Ausbildungsschule bisher kein derartiges Konzept zur Durchführung einer mündlichen Prüfung in der S I vorliegt, besteht hier laut der Fachschaft Englisch ein Innovationsbedarf, der mit Hilfe dieser wissenschaftlichen Arbeit gedeckt werden soll und somit einen Beitrag zur Schulentwicklung leisten kann. Die hier vorgestellte mündliche Prüfung ist zwar zunächst speziell auf die Bedürfnisse der beschriebenen Lerngruppe zugeschnitten, kann jedoch durch entsprechende Modifikation der Prüfungs- und Aufgabenformate auf weitere Lerngruppen und Jahrgangsstufen übertragen und somit vielseitig eingesetzt werden.

2. Beobachtung der Lerngruppe

Nach genauer Beobachtung der Lerngruppe, in welcher dieses Konzept erprobt werden soll, kann folgende Diagnose gestellt werden: Es handelt sich um eine 8. Klasse mit 29 SuS, in welcher ich im Rahmen des Bedarfsdeckenden Unterrichts seit Beginn des Schuljahres 2010/2011 mit vier Wochenstunden Englisch unterrichte. Die Lerngruppe ist als Problemklasse mit Disziplinproblemen und Spannungen innerhalb ihres sozialen Gefüges bekannt. Da es gerade in einer solchen Lerngruppe wichtig ist, die Interaktion und das gegenseitige Zuhören im Sinne eines positiven Klassenklimas zu verbessern, liegt der Schwerpunkt des Konzepts auf dem Kriterium Interaktion. Es fällt zudem auf, dass sich einige SuS im Englischunterricht nicht oder nur nach Aufforderung mündlich beteiligen, darunter vor allem zurückhaltende SuS, die sich nicht trauen, sich in Plenumsphasen in der Fremdsprache zu äußern, was u.a. auf die etwas angespannte Situation in der Lerngruppe zurückzuführen sein könnte. Diese Annahme wurde teilweise in Elterngesprächen bestätigt. Zudem ist festzustellen, dass eine große Mehrheit der SuS bei Wortschatzdefiziten relativ schnell in die Muttersprache ausweicht, anstatt Ausgleichs- bzw. Umschreibungsstrategien anzuwenden, um die Kommunikation in der Fremdsprache aufrecht zu erhalten. Auch hier zeigt sich somit ein notwendiger Entwicklungsbedarf.

Im ersten Halbjahr dieses Schuljahres wurden im Sinne eines kommunikativen Englischunterrichts regelmäßig Methoden angewandt um die Sprechkompetenz der SuS zu erhöhen. Die Ergebnisse einer Unterrichtsevaluation des ersten Schulhalbjahres durch die Lernenden legt nahe, dass diese durchaus Freude am Sprechen der englischen Sprache empfinden und sich zunehmend Unterrichtsmethoden wünschen, die das Sprechen fördern, darunter beispielsweise Rollenspiele, Diskussionen und Präsentationen. Die Förderung der mündlichen Kompetenzen stellt somit in dieser Lerngruppe nicht nur einen Entwicklungsbedarf dar, sondern wird zudem den Interessen der SuS gerecht.

3. Fokus und Zielformulierung

Anliegen dieses Konzepts ist somit, gemäß der im KLP ausgewiesenen Ziele des Englischunterrichts, die Förderung der kommunikativen Kompetenz Sprechen in dieser Lerngruppe, welche sich besonders auf Verwendungssituationen im Alltag sowie in der Aus- und Weiterbildung bezieht (vgl. KLP S. 11). Die Sprechkompetenz setzt sich dabei aus unterschiedlichen Teilkompetenzen zusammen. Die konkrete Zielsetzung dieses Konzepts ergibt sich aus den im KLP angegebenen Kompetenzerwartungen für die Jahrgangsstufe 8. Entsprechend ist das monologische sowie das dialogische Sprechen der Lernenden zu schulen, d.h. die Fähigkeit der Teilnahme an einfachen themenorientierten Gesprächen (vgl. ebd. S. 29) sowie die Fähigkeit, zusammenhängend sach- und problemorientiert über vertraute Themen zu sprechen und dabei eigene Standpunkte und Wertungen auszudrücken (vgl. KLP S. 30). Ein übergeordnetes Ziel der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung und schließlich deren Durchführung ist dabei die Verbesserung der Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit der SuS in der englischen Sprache, welches dem Hauptziel des Englischunterrichtes, der interkulturellen Handlungsfähigkeit (vgl. ebd. S. 11), Rechnung trägt und zudem dem Entwicklungsbedarf der Lerngruppe entspricht.

Hinzu kommt, dass sich mündliche Prüfungen im Fremdsprachenunterricht in lernpsychologischer Hinsicht besonders eignen, um kommunikative Kompetenzen nachhaltig zu schulen, da nach deren Vorbereitung und Durchführung in der Lerngruppe mit günstigen Begleiterscheinungen zu rechnen ist. Die Fachliteratur geht von einem sogenannten backwash effect aus, d.h. mündliche Prüfungen können einen günstigen Effekt mit sich ziehen, da diese sich auf den gesamten Englischunterricht vorteilhaft auswirken können (vgl. Lassen S. 18). „Per backwash-Effekt wird der Stellenwert des Mündlichen im Unterricht verändert, denn was auch geprüft wird, wird auch im Unterrichtsalltag wichtiger.“ (Mösel S. 20). Werden Phasen und Methoden, die das Sprechen aller SuS fördern zum integrativen Bestandteil des Englischunterrichts und werden diese mit einer mündlichen Leistungsüberprüfung entsprechend gemessen, ist eine natürliche Aufwertung der Mündlichkeit und deren Bedeutung im alltäglichen Unterricht anzunehmen. Man geht davon aus, dass die SuS mit der Einführung einer mündlichen Prüfung die englische Sprache als kommunikatives Medium viel unmittelbarer und für sich als bedeutender wahrnehmen. Sie erfahren zudem, dass bei einer mündlichen Prüfung weniger die sprachliche Korrektheit als die Verständlichkeit im Vordergrund steht, was Sprechhemmungen reduziert und auf die gesamte Spracharbeit motivierend wirkt (vgl. Bächle S. 42).

Um der Sprachlosigkeit im Klassenzimmer entgegenzuwirken, scheint die Einführung einer mündlichen Prüfung inklusive einer gezielten Vorbereitung auf Grund der angenommenen positiven Auswirkungen auf den Englischunterricht in dieser Lerngruppe äußerst sinnvoll. Dabei verfolgt das hier vorgestellte Konzept nicht nur die Förderung der mündlichen Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit der SuS, sondern auch die Erhöhung der Motivation und des Selbstbewusstseins beim mündlichen Gebrauch der englischen Sprache.

III. Planung des Konzepts und praktische Umsetzung

1. Bedingungen und Voraussetzungen zur Durchführung des Konzepts

Laut APO-S I kann eine schriftliche Klassenarbeit nur durch eine mündliche Prüfung ersetzt werden, wenn im Laufe des Schuljahres die Zahl von vier schriftlichen Klassenarbeiten nicht unterschritten wird (vgl. KLP S. 47). Da an der Ausbildungsschule die Anzahl der schriftlichen Klassenarbeiten in der Jahrgangstufe 8 im Fach Englisch fünf beträgt, ist diese Forderung erfüllt. Im Fall der beschriebenen Lerngruppe bietet es sich an, die vierte schriftliche Klassenarbeit zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres durch eine mündliche Prüfung zu ersetzen. Nach Absprache dieses Vorhabens mit der Schulleitung und der Fachkonferenz Englisch empfiehlt es sich, auch die SuS und deren Erziehungsberechtigen frühestmöglich darüber zu informieren und, wenn möglich, bereits zu Beginn des Schulhalbjahres mit einer gezielten Prüfungsvorbereitung zu beginnen. Zu diesem Zweck wurde ein Informationsschreiben an die SuS dieser Klasse und deren Erziehungsberechtigen verfasst, das dieses Konzept legitimiert und seine Ziele offenlegt (siehe Anhang 2.1 S. 56).

2. Organisation und Ablauf der mündlichen Prüfung

Da eine mündliche Leistungsüberprüfung von 29 SuS eine organisatorische Herausforderung mit beträchtlichem Zeitaufwand darstellt, wird diese nicht in Form von Einzelprüfungen, sondern in Form von zeitökonomischen Partnerprüfungen vorgenommen. Vorteile dieses Prüfungsformats bestehen zudem darin, dass es den Prüflingen eine Interaktionsmöglichkeit bietet und sie in ein Szenario versetzt, das einer real life communication verhältnismäßig nahe kommt (vgl. Schnitter S. 6). Sie ermöglicht der Lehrkraft die simultane Überprüfung mehrerer unterschiedlicher Teilbereiche der Sprechkompetenz, speziell jedoch die Bereiche Interaktion und Strategie, auf denen der Schwerpunkt liegt. Die Findung der Paare wurde den SuS überlassen. So konnten besonders motivierte SuS sich auch außerhalb des Unterrichts mit dem Partner auf die Prüfung vorbereiten und diese gegebenenfalls selbstbewusster und mit weniger Nervosität in Angriff nehmen. Bei starken Leistungsgefällen sind leistungsstärkere Prüflinge dazu angehalten, ihrem Gegenüber ggf. Hilfestellung zu leisten, gezielt nachzufragen und somit eine passgenaue Anwendung von Kommunikationsstrategien zur Aufrechterhaltung eines Diskurses unter Beweis zu stellen. Zudem ist in einer Partnerprüfung die Asymmetrie zwischen den Gesprächspartnern merklich geringer, wodurch die gesamte Gesprächssituation realistischer wird (vgl. Schnitter S. 6). Außerdem steigt die Kommunikations- und Interaktionsbereitschaft der SuS, wenn sie mit einem vertrauten Partner in einer natürlichen Gesprächssituation geprüft werden (vgl. ebd.). Die Lehrperson tritt in den Hintergrund, fungiert lediglich als Beobachter und kann sich somit stärker auf die Beurteilung der mündlichen Leistungen konzentrieren. Aus diesem Grund eignet sich das Format der Partnerprüfung mit von den SuS selbstbestimmten Partnern besonders für die Erprobung des Konzepts in dieser Lerngruppe.

Um die mündlichen Leistungen der Prüflinge objektiv zu bewerten, empfiehlt es sich dennoch einen Zweitprüfer bzw. Prüfungsbeisitzenden zu Rate zu ziehen oder aber die Prüfung mit Hilfe einer Videoaufnahme zu dokumentieren. Da die SuS der Jahrgangsstufe 8 pubertätsbedingt eher gehemmt sind, gefilmt zu werden, wird auf Letzteres verzichtet. Sollte man diese Möglichkeit jedoch vorziehen, ist es ratsam, die SuS mit der Situation des Sprechens vor einer Kamera vertraut zu machen. Die hier vorgestellte mündliche Leistungsüberprüfung wird mit Hilfe einer Mitreferendarin durchgeführt, die ebenfalls in der Lerngruppe unterrichtet und zudem Lehramtsanwärterin für das Fach Englisch ist. Dabei übernehme ich als Englischfachlehrerin die Rolle der Prüferin und führe Protokoll zur Erstellung einer globalen Eindrucksnote, die Kollegin übernimmt die detailliertere Evaluation und füllt während der Prüfung die entsprechenden Bewertungsbögen beider Prüflinge aus. Kurze Prüfpausen in regelmäßigen Abständen, die in den Prüfungsablauf integriert sind, dienen dem Abgleich der Einschätzung der individuellen Prüfungsleistungen sowie der gemeinsamen Notenfindung. Das Protokollieren individueller Stärken und Schwächen eines jeden Prüflings dient zudem als hilfreiche Grundlage für das Verfassen eines persönlichen Kommentars in der Endbewertung.

Aus Organisationszwecken empfiehlt es sich, die Terminierung der mündlichen Prüfung frühzeitig vorzunehmen, um einen geeigneten Termin zu finden, die notwendigen Räumlichkeiten zu organisieren und gezielt mit den Vorbereitungen zu beginnen. Die hier geplante Prüfung kann vormittags innerhalb der ersten drei Unterrichtsstunden inklusive der ersten großen Pause stattfinden und bedarf somit keiner Unterrichtsverlagerung, lediglich der Verschiebung der Pausenzeit für einige SuS. Die gesamte Prüfungsphase inklusive der Notenbesprechungen findet zwischen 07:45 Uhr und 10:55 Uhr statt und wird auf insgesamt 190 Minuten angesetzt. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, empfiehlt es sich, einen Zeitplan zu erstellen und diesen allen Prüfungsbeteiligten auszuhändigen. Zur Transparenz wird dieser Prüfungsplan während der gesamten Prüfungsdauer ebenfalls für die SuS auf Folie visualisiert (siehe Anhang 2.2 a) - b) S. 57f).

Alle SuS werden während der gesamten Prüfzeit mit einem Workplan (siehe Anhang 2.4 S. 60) in Still- bzw. Partnerarbeit mit dem Tandempartner beschäftigt und von einer weiteren Lehrkraft beaufsichtigt, um einen Austausch über die Prüfungsinhalte zu vermeiden. Die Aufsichtsperson händigt den Prüflingen gemäß des Prüfplans die Unterlagen zu Aufgabenbereich A aus, welche die SuS in einer 10-minütigen Vorbereitungsphase stichwortartig bearbeiten dürfen. Dies findet unbeaufsichtigt in einem blinden Flur des Schulgebäudes in unmittelbarer Nähe des Prüfungsraumes statt. Die SuS in der Vorbereitung betreten den Prüfungsraum unmittelbar nachdem das zuvor geprüfte Paar diesen verlässt und in den Klassenraum zurückkehrt. Dort erhält das nächste Paar die Arbeitsaufträge und wird in die Prüfungsvorbereitung entlassen, sodass ein koordinierter Wechsel erfolgt und Überschneidungen bzw. Wartezeiten vermieden werden. Die Prüfungsaufgaben sind bis auf die Fragestellung im monologischen Teil für alle Prüflinge einheitlich. Nach Beendigung von Aufgabenbereich A werden die bearbeiteten Aufgabenblätter zur Wahrung der Diskretion eingesammelt, sie sind für die Bewertung allerdings nicht relevant. Auf Grund der ungeraden Zahl von SuS, durchläuft eine Schülerin die Prüfung freiwillig zweimal, wobei nur der erste Durchlauf bewertet wird. Bei der Abwesenheit von Prüflingen stellt die Konzeption einer Nachprüfung keinen hohen Aufwand dar, da die Aufgabenformate lediglich mit neuen Inhalten gefüllt werden müssen. Eine Nachprüfung ließe sich auch ohne großen Organisationaufwand mit nur einer Prüferin durchführen, da in diesem Fall ausschließlich die Sprachkompetenz eines einzigen Prüflings bewertet werden müsste. Diese sollte jedoch ebenfalls in Form einer Partnerprüfung geschehen.

3. Aufgabenformate und -inhalte

Um der Vielschichtigkeit der mündlichen Sprachkompetenz gerecht zu werden, besteht die Prüfung aus unterschiedlichen Teilprüfungen, die verschiedene Kompetenzen abdecken, welche im KLP S I gefordert werden, d.h. sowohl das dialogische als auch das monologische Sprechen werden geprüft. Die Aufgabenstellungen sind so konzipiert, dass sie mit den zentralen Aspekten einer authentischen Kommunikationssituation übereinstimmen. So deckt Aufgabenbereich A (siehe Anhang 2.5 a) S. 61f) der mündlichen Prüfung die Kompetenz des dialogischen Sprechens bzw. der Fähigkeit, an Gesprächen teilzunehmen ab (vgl. KLP S. 29f). In einer authentischen Diskussion sollen in Form eines Rollenspiels Vor- und Nachteile des Vorhabens Moving to the American West? diskutiert und ein nachvollziehbarer Kompromiss gefunden bzw. eingegangen werden. Die SuS haben die Gelegenheit, in einer 10-minütigen Vorbereitungsphase überzeugende Argumente entsprechend ihrer Position stichwortartig auf den Aufgabenblättern zu notieren. In der Diskussion geht es vor allem darum, die Position der zugewiesenen Rolle zu vertreten, gefundene Argumente überzeugend zu äußern, in die Diskussion situationsgerecht einzubringen und dabei auf die Argumente des Gesprächspartners angemessen einzugehen. Gegen Ende der Diskussion soll eine für beide Parteien zufriedenstellende Lösung gefunden werden.

Aufgabenbereich B (siehe Anhang 2.5 b) S. 63f) erfordert ebenfalls die Fähigkeit der Teilnahme an Gesprächen, jedoch sehr spontan ohne Möglichkeit der Vorbereitung. Die Prüflinge schlüpfen in authentische und gleichberechtigte Rollen und sollen spontan in einer real life situation kommunizieren. Die Fähigkeit, einen polite small talk zu führen, erfordert ein hohes Maß an Spontanität und zeigt, in wie weit die Prüflinge in der Lage sind spontan Gespräche zu beginnen, fortzuführen und situationsgerecht zu beenden (vgl. KLP S. 29f). Auf Grund der Anforderungen dieser Aufgabe erhalten die Prüflinge zur Anschauung der Aufgabenstellung eine Minute Zeit. Zur Hilfestellung sind mögliche Gesprächsthemen in der Aufgabenstellung angegeben, lassen aber dennoch einen gewissen Freiraum. Die Methode des Rollenspiels eignet sich besonders gut für die Aufgabenbereiche A und B, da es den Lernenden dieser Altersgruppe erfahrungshalber leicht fällt, in eine Rolle zu schlüpfen und in dieser ihr dialogisches Sprechen unter Beweis zu stellen. Denn Mittelstufenschüler verstecken sich gerne hinter einer fiktiven Rolle und wollen pubertätsbedingt nicht zu viel von ihrem wahren Ich preisgeben (vgl. Taubenböck S. 6). Zudem lässt diese Methode den SuS einen bedeutenden kreativen Spielraum. Ein weiterer Grund für die Auswahl dieser Methode ist, dass diese den SuS laut Evaluation des Unterrichts im ersten Halbjahr und Beobachtung der Lerngruppe große Freude bereitet und ausdrücklich gewünscht wird.

Aufgabenbereich C (siehe Anhang 2.5 c) S. 65) überprüft die Fähigkeit des zusammenhängenden Sprechens wie folgt: Ohne Vorbereitung sollen die Prüflinge spontan ihre persönliche Meinung zu einem aus dem Unterricht bekannten Themengebiet in überzeugender Form abgeben. Hier ist die Kompetenz des monologischen Sprechens unter Äußerung der persönlichen Meinung zu vertrauten Themen inklusive der Einbringung eigener Werte und Standpunkte gefordert (vgl. KLP S. 30). Zur Fairness werden den Prüflingen bezüglich der Inhalte unterschiedliche Aufgaben mit vergleichbaren Ansprüchen gestellt.

Da derzeit mit dem Lehrwerk Green Line10 gearbeitet wird, werden konkrete Inhalte zu den bereits behandelten Units 1 bis 3 ausgewählt, die thematisch den Anforderungen des schulinternen Curriculums der Ausbildungsschule entsprechen, z.B. die Themenbereiche Arbeitswelt, Freizeit, Reisen, ausgewählte Regionen der USA sowie das Einüben themenorientierter und problemorientierter mündlicher Kommunikation in Alltagssituationen. Die Legitimation der Aufgabeninhalte ergibt sich ebenfalls aus dem Bezug zum KLP, vor allem im Bereich der interkulturellen Kompetenzen. Die SuS müssen über ein grundlegendes Orientierungswissen im Bereich Ausbildung, Schule und Berufsorientierung sowie im Bereich der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verfügen, um die Aufgaben zu meistern. Zu diesem Zweck bedarf es auch eines kulturspezifischen Basiswissens zu nationalen und regionalen Aspekten zweier Regionen der USA. Der direkte Vergleich zwischen der Metropole New York City und dem Amerikanischen Westen in Task A impliziert kulturelle und ökonomische Besonderheiten der USA und verweist zudem auf kontrastive Lebensweisen in Städten und auf dem Land (vgl. ebd. S. 32). Task B deckt den Bereich Handeln in Begegnungssituationen ab, da die SuS wie in einer authentischen Situation auf Reisen kulturspezifische Verhaltensweisen in Form von Höflichkeitsformeln simulieren müssen (vgl. ebd.). In Task C äußern die SuS ihre persönliche Meinung mit der Möglichkeit der Integration eigener Erfahrungen zu den Themen Vor- und Nachteile eines einjährigen Schulaustausches in den USA sowie zu Vor- und Nachteilen von Nebenjobs von Teenagern. Somit sind die im KLP vorgeschriebenen Inhalte für diese Jahrgangsstufe in Task C integriert.

Weitere Kompetenzen, die durch die Konzeption der Aufgaben abgedeckt werden, ergeben sich wie folgt: Im Bereich Sprache zeigen die SuS die Beherrschung eines Wortschatzes im Sinne des interkulturellen Lernens und im Bereich Grammatik ihr Wissen über den Ausdruck von höflichen Aufforderungen, Bitten, Wünschen und Erwartungen (vgl. KLP S. 33). Besonders in der Vorbereitungsphase wird das selbständige und kooperative Sprachenlernen der SuS geschult, da diese lernen, das Englische als Arbeitssprache anzuwenden sowie durch die Evaluation anderer für Methoden des selbstständigen Lernens sensibilisiert werden (vgl. ebd. S. 35). Da das Ziel der mündlichen Prüfung die Förderung der Sprechkompetenz ist, steht in allen Aufgabenbereichen die Verwendung von Kommunikationsstrategien zur Aufrechterhaltung der Konversation, beispielweise bei defizitärem Wortschatz oder Strukturwissen, im Vordergrund. Mit der Abfolge der Prüfungsaufgaben ist zudem eine logische Progression gegeben: Aufgabenbereich A darf in Partnerarbeit vorbereitet sowie die notierten Stichpunkte in der Diskussion als Gedächtnisstütze verwendet werden, Aufgabenbereich B verlangt von den SuS eine spontane Unterhaltung mit dem Partner. In Aufgabenbereich C gilt es zu beweisen, dass die SuS sich ohne Vorbereitung monologisch zu im Unterricht angesprochenen Themen begründet und strukturiert äußern können. Dies erfordert spontane sprachliche Äußerungen in der Fremdsprache ohne jegliche Hilfe und stellt somit den höchsten Schwierigkeitsgrad dar. Die Möglichkeit, sich in den vorhergehenden Rollenspielen warmzusprechen, soll zur Bewältigung dieser Aufgabe beitragen. Die Prüfungsaufgaben inklusive Erwartungshorizonte befinden sich zur Einsicht im Anhang (siehe Anhang 2.5 a) - c) S. 61ff).

4. Bewertungskonzept

Um den Forderungen nach Objektivität, Validität und Reliabilität einer Leistungsbewertung gerecht zu werden, bedarf auch eine mündliche Prüfung eines kriteriengeleiteten Bewertungskonzeptes. Das Bewertungskonzept der vorgestellten Prüfung orientiert sich an bereits vorhandenen Bewertungskonzepten mündlicher Prüfungen, schwerpunktmäßig an der vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München vorgestellten mündlichen Prüfung, welche an bayrischen Schulen bereits ein fester Bestandteil von Leistungsüberprüfungen und somit bereits erprobt ist. Das hiesige Konzept wird allerdings entsprechend der Bedürfnisse der Lerngruppe adaptiert. Laut KLP erreichen die SuS am Ende der Jahrgangsstufe 8 die Kompetenzstufe A2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen,11 mit Anteilen der Kompetenzstufe B1 (vgl. KLP S. 29). Unter Berücksichtigung dieser Vorgaben sowie der Lerngruppe wird ein Bewertungsschema konzipiert, welches diese beiden Niveaustufen miteinander kombiniert. Der Kriterienkatalog zur Bewertung der mündlichen Prüfung nimmt dabei Bezug auf folgende vier Bereiche der mündlichen Sprachproduktion: 1. Aussprache/Intonation, 2. sprachliche Mittel/Sprachrichtigkeit, 3. Interaktion/Kommunikationsstrategie sowie 4. Inhalt/Aufgabenerfüllung (vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München S. 10f). Die SuS können in allen Aufgabenbereichen in den vier oben genannten Kategorien zwischen 0 und 5 Punkte erreichen. Da zur erfolgreichen Bewältigung einer Gesprächssituation vor allem strategische Fertigkeiten gehören, wie die Fähigkeit, mit einem Gesprächspartner situationsangemessen zu interagieren und zu kooperieren, ggf. das Gespräch zu steuern und aufrecht zu erhalten (vgl. ebd. S. 10), wird das Kriterium Interaktion/Kommunikationsstrategie in allen Aufgabenbereichen doppelt bewertet und entspricht damit dem Fokus des Konzepts. Dazu zählen ebenso die Beherrschung kompensatorischer Strategien wie das Ausgleichen von Wortschatzlücken durch Paraphrasierung, die Umformulierung von Äußerungen und Fragen, dem konkreten Nachfragen sowie dem Gewinnen von Zeit zum Nachdenken, um ein Stocken oder womöglich ein Ende der Konversation zu vermeiden. Diese Fähigkeiten können in allen drei Aufgabenbereichen überprüft werden.

Da sich die Kriterien Aussprache und Intonation sowie sprachliche Mittel und Sprachrichtigkeit beide auf die Kategorie Sprache beziehen, wird dieser Bereich zwar ebenso stark bewertet wie das Kriterium Strategie, allerdings steht bei der Beurteilung der Aussprache und Sprachrichtigkeit weniger die Häufigkeit von Fehlern als deren kommunikative Relevanz im Vordergrund und entspricht somit dem für den modernen Fremdsprachenunterricht geforderten Konzept Message before accuracy12 . Auf diese Weise erhalten auch leistungsschwächere SuS die Möglichkeit, die mündliche Prüfung erfolgreich zu meistern. Das Kriterium Inhalt/Aufgabenfüllung tritt demzufolge leicht in den Hintergrund, da das hier vorgestellte Konzept schwerpunktmäßig auf die Förderung und Beurteilung oben genannter kommunikativer Kompetenzen abzielt. Dieses Bewertungskonzept orientiert sich zudem am fachschaftinternen Konsensus der Ausbildungsschule zur Bewertung von Klassenarbeiten in der S I, welches vorsieht, die Kategorie Sprache höher zu werten als Inhalt. Demnach ergibt sich eine pro Aufgabenbereich zu erreichende Punktzahl von 25 Punkten und dementsprechend eine maximale Gesamtpunktzahl von 75 Punkten. Die Zuordnung der Noten basiert auf dem Bewertungssystem der Ausbildungsschule für die S I. An dieser Stelle ist zu betonen, dass die Bewertungskategorien nach Lernjahr bzw. GeR-Niveaustufe und der Aufgabenstellung unterschiedlich gewichtet werden können.13 So steht in den ersten Lernjahren beispielsweise eine korrekte Aussprache und Intonation im Vordergrund und kann in mündlichen Prüfungen der Unterstufe stärker gewichtet werden, wohingegen sich die Leistung im Bereich Kommunikationsstrategie/Interaktion nur auf einen begrenzten Umfang von großteils bekannten Kontexten beziehen kann.14

Auf Grund der begrenzten Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsfähigkeit der Prüfer während der Prüfungssituation bietet es sich an, den Bewertungsbogen mit den vier Bewertungskriterien relativ einfach zu halten. Um eine für die SuS transparente Bewertung und nachvollziehbare Benotung zu gewährleisten, wird zusätzlich eine Art Erwartungshorizont (siehe Anhang 2.7 S. 69) zur Punkteverteilung konzipiert, welcher unter Verwendung der Determinanten des GeR in einer Kombination der Niveaustufen A2 und B1 die Punktevergabe von 0 bis 5 in den vier Bewertungskategorien entsprechend der Aufgabenbereiche genau definiert. So können die SuS ihre in den verschiedenen Bereichen erreichte Punktzahl genau nachvollziehen und ihren individuellen Entwicklungsstand und -bedarf feststellen. Dieser Erwartungshorizont wird zudem um einen persönlichen Kommentar erweitert, der die individuellen Stärken einzelner SuS hervorhebt sowie auf ausbaufähige Elemente und ausgleichbare Schwächen hinweist. Auf Grund ihrer Komplexität werden die Unterlagen zur Bewertung und Evaluation der mündlichen Prüfung in der deutschen Sprache verfasst um das Verständnis für SuS und deren Erziehungsberechtigten zu gewährleisten. Ausgewählte Exemplare befinden sich im Anhang (siehe Anhang 2.6 S. 66ff).

IV. Dokumentation

1. Einblick in die Prüfungsvorbereitung

Im Folgenden soll die Erprobung des entwickelten Konzepts in der pädagogischen Praxis und dessen Ergebnisse konkret dargestellt werden. Entsprechend der Konzeption der Prüfungsaufgaben ergibt sich der Aufbau der Vorbereitungsphase. Nachfolgend sollen Einblicke in diese gegeben und exemplarische Methoden zur Prüfungsvorbereitung erläutert werden. Dabei finden nicht nur zielführende Methoden im Unterricht Anwendung, sondern es werden auch Methoden zur allgemeinen Förderung der mündlichen Interaktion in den alltäglichen Lehrwerksunterricht integriert. Ziel aller verwendeten Methoden ist nach dem Prinzip „ The more you teach, the less pupils learn “ (Kieweg S. 14) die Verminderung der Sprechzeit der Lehrkraft sowie die Erhöhung der individuellen Sprechzeit aller SuS und damit die Möglichkeit der Schulung der Kommunikationskompetenzen. Da die Lernenden gemäß eines modernen Fremdsprachenunterrichts im Allgemeinen mit Methoden zur Förderung des Sprechens vertraut sind, werden hier lediglich ausgewählte Methoden zur Prüfungsvorbereitung vorgestellt. Sie sind meist mit geringem Aufwand abzuwandeln, alltagstauglich, sorgen vermehrt für Bewegung im Klassenraum und können konzentrationsfördernd wirken.

Die Mehrheit der Methoden zielt auf die Verbesserung der Kooperation und Interaktion zwischen den Lernenden ab. Mit dem Ziel, bestehende Sprachhemmungen abzubauen, werden den SuS häufig Phasen der Kommunikation im geschützten Raum geboten. In vielen Fällen übernehmen die SuS auch die Rolle der Beobachter hinsichtlich der in der mündlichen Prüfung zu bewertenden Kriterien. Somit erfolgt nicht nur eine Sensibilisierung für erfolgreiche und weniger erfolgreiche mündliche Sprachproduktion, sondern auch ein Einüben der Vergabe von konstruktivem Feedback. Die dazugehörigen Evaluationsbögen sind kriteriengeleitet und räumen darüberhinaus die Möglichkeit ein, den evaluierten Personen Verbesserungstipps zu geben. Bei der Evaluation wird zudem darauf geachtet, dass zunächst Stärken hervorgehoben, und erst im Anschluss ausbaufähige Aspekte aufgegriffen werden, um das Selbstwertgefühl der evaluierten Personen zu schützen. Exemplarische Evaluationsbögen befinden sich im Anhang (siehe Anhang 1.10 S. 54f).

Eine wichtige Vorrausetzung zur Verbesserung mündlicher Kompetenz besteht zunächst in der Erarbeitung entsprechender sprachlicher Mittel, die notwendig sind, um bestimmte authentische monologische und multilogische Sprechaufgaben zu meistern und die strategischen Fähigkeiten der SuS zu schulen. Dazu zählen neben einem thematischen Wortschatz vor allem die Erarbeitung und Aneignung von useful phrases für eine erfolgreiche Teilnahme an Diskussionen, Regeln für höfliche Unterhaltungen mit Fremden, sprachliche Strukturen für den Ausdruck der eigenen Meinung und Strategien zum Aufrechterhalten einer Konversation oder eines Monologes. Die Vorbereitungsphase verfolgt zudem vor allem das Ziel, Ausgleichsstrategien zu fördern, die es den SuS erlauben, Gespräche aufrecht zu erhalten, Zeit zu gewinnen und bei Unverständnis gezielt und adressatengerecht nachzufragen. Zu diesem Zweck werden gemeinsam mit den SuS konversationelle Schmiermittel (vgl. Vollmer S. 246) zum Thema How to keep a conversation going und Verzögerungsstrategien erarbeitet und deren Verwendung eingeübt. Die sprachlichen Mittel können im Anhang eingesehen werden (siehe Anhang 1.1 S. 33f).

Zwecks einer zielgerichteten Prüfungsvorbereitung wird die Prüfung eine Woche vor dem Prüfungstermin mit Hilfe einer Mock Exam mit der Lerngruppe im Plenum simuliert. Dabei stimmen die Aufgabenformate der Mock Exam in Struktur und Ablauf mit denjenigen der mündlichen Prüfung überein, beziehen sich jedoch auf andere Inhalte. Zwei freiwillige SuS erklärten sich bereit, die Prüfung im Plenum zu durchlaufen. Dem Rest der Lerngruppe werden differenzierte Beobachtungsaufträge zugeteilt. Die Bewertung erfolgt mit vergleichbaren Evaluationsbögen sowie Erwartungshorizonten der tatsächlichen Prüfung. Dies erlaubt den SuS, sich konkret mit dem Bewertungskonzept vertraut zu machen. Auch die Notenvergabe geschieht durch die SuS. Um alle SuS an der Mock Exam sinnvoll zu beteiligen, werden detaillierte und differenzierte Beobachtungsaufträge erteilt, die auch der Vergabe von konstruktivem Feedback dienen. Sämtliche Unterlagen zur Mock Exam können im Anhang eingesehen werden (siehe Anhang 1.2 - 1.5 S. 35ff).

Zur Prüfungsvorbereitung wurden ebenfalls Fishbowl Diskussionen durchgeführt, in welcher mehrere SuS in einem Innenkreis ihre Argumente zu einem bestimmten Thema austauschen, während die übrigen SuS als Beobachter in einem Außenkreis die Diskussion verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, SuS im Innenkreis abzulösen um selbst an der Diskussion teilzunehmen (vgl. Grieser-Kindel 2006: S. 65). Hier werden ebenfalls Beobachtungssaufträge vergeben. Nach gemeinsamer Findung und dem Austausch von Argumenten in Partner- oder Gruppenarbeit wurden kontroverse Sachthemen z.B. Should there be more sports competitions between different schools, like American schools?, Should students be allowed to give their teachers grades? sowie Moving away from your home town, yes or no? in der Lerngruppe diskutiert, mit dem Ziel, die Kommunikationsfähigkeit zu trainieren. Mit der Möglichkeit die Diskussion beliebig zu verlassen, wird auch stilleren SuS die Gelegenheit gegeben, daran teilzunehmen und Sprachhemmungen abzubauen, da sie sich langsam in die Diskussion einhören können (vgl. ebd. S. 65).

Eine Variante der Fishbowl Diskussion stellt die durchgeführte TV-Talk Show zum Thema Tourist attractions in National Parks? dar (siehe Anhang 1.6. S. 42ff), in der sechs Gäste über diese Thematik diskutieren. Dabei nehmen drei Gäste die Proposition ( business man, local politician, Native American ) sowie drei weitere Gäste die Kontraposition ein ( environmentalist, park visitor, Native American ). Die Grundidee dieser TV-Talk Show basiert auf einer vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München vorgestellten mündlichen Gruppenprüfung, die entsprechend modifiziert wurde.15 Ein Moderator übernimmt die Leitung der Diskussion. Dessen Aufgabe ist es, die Diskussion zu eröffnen, die Gäste vorzustellen, wenn notwendig auf die Gesprächsregeln zu verweisen, stillere Diskussionsteilnehmer zum Ausdruck ihrer Meinung aufzufordern, dafür zu sorgen, dass es nicht zu einer Abschweifung vom Thema kommt und schließlich die Diskussion zu beenden. Auf Grund ihres hohen Anspruchs wird diese Rolle von leistungsstärkeren SuS übernommen. Die SuS erarbeiten in 4er Gruppen zunächst die Argumente entsprechend ihrer zugewiesenen Rolle. Die Gruppe des Moderators erarbeitet Ausdrücke zur Moderation der Diskussion. In der sich anschließenden Diskussion wird die Rolle aller Diskussionsteilnehmer doppelt vergeben, d.h. jeweils zwei SuS einer Gruppe nehmen an der Diskussion teil. Dies hat den Vorteil, dass sich schüchterne Diskussionsteilnehmer ablösen lassen können und zudem von einer Rückenstärkung profitieren. Ein weiteres Gruppenmitglied übernimmt die Evaluation der Diskussionsteilnehmer mit Hilfe eines kriteriengeleiteten Evaluationsbogens (siehe Anhang 1.6 c) S. 49f).

[...]


1 Kernlehrplan Englisch für den verkürzten Bildungsgang des Gymnasiums - Sekundarstufe I (G8) Nordrhein-Westfalen wird nachfolgend mit KLP abgekürzt.

2 Deutsch-Englisch-Schülerleistungen-International: eine im Schuljahr 2003/2004 vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung durchgeführte Leistungsstudie an 220 Schulen zu Beginn und Ende der 9. Klasse zur Untersuchung der Entwicklung sprachlicher Fähigkeiten.

3 vgl. Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Bildungsforschung und Bildungsentwicklung, DESI / Deutsch-Englisch-Schülerleistungen-International, Zusammenfassung zentraler Ergebnisse der DESI-Studie. http://www.dipf.de/de/projekte/pdf/biqua/DESI_Ausgewaehlte_Ergebnisse.pdf/view [27.04.11].

4 Schülerinnen und Schüler werden nachfolgend mit SuS abgekürzt.

5 vgl. Schulministerium NRW, Rahmenvorgabe OVP . http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Lehrerausbildung /Rahmenvorgabe_OVP.pdf [21.05.2011].

6 vgl. Schulministerium Nordrhein-Westfalen, Standardsicherung , Mündliche Kompetenzen entwickeln und prüfen . http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/cms/muendliche_pruefungen/angebot-home/angebot-home.htm [28.04.11].

7 vgl. ebd.

8 Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I wird nachfolgend mit APO-S I abgekürzt.

9 vgl. Schulministerium NRW, Schulrecht, Ausbildungs- und Prüfungsordnungen : APO-SI. http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/APOen/APO_SI.pdf [28.04.11].

10 Harald Weisshar (Hrsg.), Green Line 4 , Stuttgart: Klett, 2008.

11 Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen wird nachfolgend mit GeR abgekürzt.

12 vgl. Kultusministerkonferenz, KMK Format für Fremdsprachen, Fortbildungskonzepte und -materialien zur kompetenz- bzw. standardbasierten Unterrichtsentwicklung, Sprachwissenschaft für den Sprachunterricht, Einige Hinweise für Englischlehrer. http://www.kmk-format.de/material/Fremdsprachen/1-4-1_Umgang_mit_Fehlern.pdf [28.04.11].

13 vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München, Die mündliche Prüfung gemäßGSO § 5, Erläuterungen zu BE-Verteilung und -Gewichtung. http://www.isb-gym8- lehrplan.de/contentserv/3.1/g8.de/index.php?StoryID=26786 [24.02.11].

14 vgl. ebd.

15 vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München, Die mündliche Prüfung gemäßGSO § 54. http://www.isb-gym8-lehrplan.de/ contentserv/3.1/g8.de/index.php?StoryID=26786 [24.02.11].

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
Konzept zur Ersetzung einer schriftlichen Klassenarbeit durch eine mündliche Prüfung in einer 8. Klasse im Fach Englisch
Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Jülich  (Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen, Jülich)
Veranstaltung
Zweites Staatsexamen
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
79
Katalognummer
V294817
ISBN (eBook)
9783656945277
ISBN (Buch)
9783656945284
Dateigröße
10494 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
46 Seiten Anhang!
Schlagworte
konzept, ersetzung, klassenarbeit, prüfung, klasse, fach, englisch
Arbeit zitieren
Jenny Kallenborn (Autor), 2011, Konzept zur Ersetzung einer schriftlichen Klassenarbeit durch eine mündliche Prüfung in einer 8. Klasse im Fach Englisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294817

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