Kaum ein sportliches Großereignis der letzten Jahre kam ohne Doping-Fälle aus, neben der Euphorie über neue Rekorde und Bestzeiten kommt zumeist unmittelbar der Verdacht von Manipulation auf. Geradezu überrascht sind Publikum und Presse, wenn der Doping-Test eines Olympia- oder Tour de France-Siegers negativ ausfällt. Sämtliche Olympiasieger im 100m-Sprint seit 1984 wurden (mit Ausnahme von Donovan Bailey und Usain Bolt) früher oder später mit Doping in Verbindung gebracht. Doping - so scheint es - ist in den meisten Sportarten trotz Verboten eher die Regel als die Ausnahme.
Vor dem Hintergrund von Doping-Verboten und der Tatsache, dass Doping in der öffentlichen Wahrnehmung als „unfair“, „unsportlich“ oder schlicht als „falsch“ empfunden wird, stellt sich die Frage, wie der Sachverhalt ethisch zu bewerten ist. Als Teilbereich der Angewandten Ethik ist es die Aufgabe der Sportethik die ethisch relevanten Dimensionen des Sports, sowie seine Moral zu reflektieren. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Zusatz „angewandt“: Es geht in den verschiedenen Bereichsethiken der Angewandten Ethik nicht allein um eine Betrachtung vorhanderer Situationen und deren ethische Bewertung „von außen“. Vielmehr ist Angewandte Ethik „wesensmäßig praxis- oder anwendungsbezogen“. „Ethik wird nach dem teleologischen Verständnis von »angewandt« folglich danach bemessen, inwiefern es ihr gelingt, moralische Normen in der Praxis fruchtbar zu machen und darin zu implementieren.“
In Bezug auf die die sportethische Reflexion des Dopings stellt sich also die Frage, inwieweit die Ergebnisse in eine praktische Anwendung überführt werden können und damit zur Verhinderung unerwünschter ethischer Konsequenzen im sportlichen Wettstreit beitragen.
So banal es zunächst klingen mag, halte ich es für notwendig zunächst zu klären, was unter den Begriffen Sport und Doping zu verstehen ist. Abhängig davon, was man unter dem Begriff Sport fasst, knüpfen sich an diese Vorstellung auch unterschiedliche Auffassungen der Ethik. In einem ersten Schritt meiner Arbeit werde ich daher den Versuch anstellen eine möglichst umfassende Definition von Sport zu finden. Anschließend halte ich einen kurzen sportphilosophischen Exkurs für sinnvoll. Die Frage nach der ethischen Bewertung des Sports knüpft sich nicht zuletzt auch an die Frage welchen gesellschaftlichen Stellenwert man dem Sport insgesamt zuschreibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sport
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Exkurs Sportphilosophie
3. Doping
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Ethische Bewertung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine sportethische Bewertung von Doping vorzunehmen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Doping ethisch zu beurteilen ist und inwieweit die Angewandte Ethik dazu beitragen kann, einen dopingfreien Sport zu fördern, indem sie das den Dopingpraktiken zugrunde liegende Menschenbild hinterfragt.
- Grundlagen der Begriffsbestimmung von Sport und Doping
- Sportphilosophische Einordnung des Leistungssports in der Gesellschaft
- Analyse gängiger ethischer Argumente gegen Doping (Gesundheit, Natürlichkeit, Regeln)
- Reflexion über das instrumentelle Menschenbild im Leistungssport
Auszug aus dem Buch
3.2 Ethische Bewertung
Die Methoden des Dopings sind äußerst verschieden, ebenso wie die verwendeten Substanzen. Die technische Entwicklung trägt zudem dazu bei, dass es immer neue Möglichkeiten gibt. Eine Aufschlüsselung der verschiedenen Methoden übersteigt den Rahmen meiner Arbeit, daher werde ich hier versuchen ethische Argumente zu finden, die Doping möglichst allgemein bewerten.
Gesundheit
Ein Argument welches oft gegen das Doping in Anschlag gebracht wird, ist das Gesundheitsargument. Man geht hier davon aus, dass die Verwendung leistungssteigernder Substanzen mit Nebenwirkungen verbunden ist, welche eine Schädigung des Körpers mit sich bringen können. Mit dem Konzept der Menschenwürde ist auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit verbunden. Eine Pflicht auf die eigene körperliche Unversehrtheit zu achten, ist damit noch nicht zwangsläufig gegeben. Dennoch wird oftmals argumentiert, dass schon aus Eigeninteresse des Sportlers eine Gesundheitsschädigung zu vermeiden ist. Man könnte hier gegenfragen wie dann mit diversen Kampfsportarten umzugehen ist. Insgesamt wird zumindest der Leistungssport in einem Maß betrieben, welches nicht ohne weiteres als gesund bezeichnet werden kann. Auch in anderen Lebensbereichen setzen sich Menschen bewusst Gesundheitsrisiken aus. Will man also mit diesem Argument gegen Doping vorgehen, müsste man konsequenterweise auch den Konsum von Drogen, Alkohol und Nikotin untersagen. Und zuletzt: Was wäre wenn die verwendeten Doping-Substanzen nachweislich keine Nebenwirkungen haben? Wäre Doping dann ethisch zu rechtfertigen?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Dopings als verbreitetes Phänomen im Leistungssport ein und formuliert die sportethische Fragestellung der Arbeit.
2. Sport: In diesem Kapitel wird eine arbeitsfähige Definition von Sport hergeleitet und ein sportphilosophischer Exkurs zur Einordnung des Sports als Abbild und Gegenbild der Gesellschaft vorgenommen.
2.1 Begriffsdefinition: Es werden verschiedene Ansätze zur Definition von Sport diskutiert, wobei der Fokus auf dem Wettkampfaspekt und der Abgrenzung zur Arbeit liegt.
2.2 Exkurs Sportphilosophie: Dieses Kapitel beleuchtet den Stellenwert des Sports in modernen Gesellschaften und seine Rolle als Leistungsmodell.
3. Doping: Dieses Kapitel widmet sich der Definition und ethischen Reflexion von Doping.
3.1 Begriffsdefinition: Es wird die Schwierigkeit aufgezeigt, eine allgemeine Wesensdefinition von Doping zu finden, und die pragmatische Definition über Verbotslisten erläutert.
3.2 Ethische Bewertung: Hier werden gängige Argumente gegen Doping kritisch hinterfragt und das Menschenbild als zentraler ethischer Anknüpfungspunkt dargelegt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit dem instrumentellen Menschenbild im modernen Sport.
Schlüsselwörter
Sportethik, Doping, Angewandte Ethik, Leistungsgesellschaft, Menschenbild, Wettbewerb, Körperlichkeit, Regelspiel, instrumentelle Vernunft, Sportphilosophie, Leistungssport, Selbstzweck, Kant, Chancengleichheit, Gesundheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer ethischen Untersuchung des Dopings im Sport, insbesondere vor dem Hintergrund, wie sportliche und gesellschaftliche Ideale den Umgang mit Doping prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Begriffsbestimmung von Sport und Doping, die Rolle des Sports als Spiegel der Industriegesellschaft sowie die kritische Prüfung ethischer Argumente gegen Leistungssteigerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die ethische Unzulänglichkeit rein regelbasierter oder gesundheitsbezogener Argumente gegen Doping aufzuzeigen und stattdessen eine fundamentale Kritik am instrumentellen Menschenbild zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine methodische Vorgehensweise der Angewandten Ethik, indem er Begriffe definiert, philosophische Konzepte (wie das Menschenbild nach Kant) auf den Sport anwendet und bestehende Argumentationslinien kritisch dekonstruiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsanalyse von Sport und Doping sowie eine tiefgreifende ethische Bewertung von Doping anhand verschiedener Argumente wie Gesundheit, Natürlichkeit, Chancengleichheit und Menschenwürde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sportethik, Leistungsgesellschaft, instrumentelle Vernunft und Selbstzweck charakterisiert.
Warum hält der Autor die üblichen Verbotsdefinitionen für unzureichend?
Der Autor argumentiert, dass diese Definitionen lediglich pragmatische Setzungen der Sportverbände sind, die den Kern des moralischen Problems nicht erfassen, sondern Doping nur als "das Verbotene" markieren.
Welche Rolle spielt das "Menschenbild" für die ethische Bewertung?
Das Menschenbild ist für den Autor der schlagkräftigste Punkt: Doping betrachtet den Körper lediglich als Mittel zum Zweck, was der menschlichen Würde widerspricht, da der Mensch nach Kant immer als Selbstzweck und niemals bloß als Mittel behandelt werden darf.
Warum wird Sport als "Abbild und Gegenbild" der Gesellschaft beschrieben?
Sport dient einerseits als notwendiger Ausgleich zur technisierten Arbeitswelt, übernimmt aber gleichzeitig deren Prinzipien von Leistung, Konkurrenz und Effizienz, wodurch er die Strukturen der Gesellschaft widerspiegelt und verstärkt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2013, Schneller, Höher, Stärker. Versuch einer sport-ethischen Bewertung des Dopings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294824