Die Hagia Sophia und der Petersdom gehören zu den bedeutendsten Sakralbauten des Christentums. Die Hagia Sophia, im 6. Jahrhundert gebaut, im 15. Jahrhundert zur Moschee und im 20. Jahrhundert zum Museum erklärt, ist ein Bauwerk, an dem sich mehr als 1000 Jahre Religionsgeschichte ablesen lassen: von der Anerkennung des Christentums als Staatsreligion unter Kaiser Theodosius I., der einen Vorgängerbau der Hagia Sophia errichten ließ, über die Verschränkung von geistlicher und weltlicher Macht in der Antike und im Mittelalter, dem Untergang des Römischen Reiches und seiner religiös‐politischen Ordnung bis hin zur Trennung von Staat und Kirche in der jüngeren Geschichte. Der Petersdom, in seiner heutigen Gestalt im 16. Jahrhundert entstanden, zeigt als Grabeskirche des Apostels Petrus, worauf sich die Papstmacht begründet. Als Monument der Macht der Kirche wurde er geplant und gebaut und funktioniert als solches bis heute. Für die Gläubigen ist St. Peter ein Pilgerort. Auf dem Petersplatz drängen sich zu Ostern und Weihnachten Zehntausende, um den Segen des Papstes zu empfangen. In der Kirche legen sie ihre Beichte ab und feiern die heilige Messe. 23 Kaiser wurden im Petersdom ge‐krönt. 148 Päpste liegen in der Kirche begraben. St. Peter ist ein Ort, der Geschichte und Religionsgeschichte erlebbar macht sowie Raum für religiöse Erfahrung bietet.
Die gerade hier aufgezählten Bezüge, die sich von der Hagia Sophia und dem Petersdom zur Geschichte von Religion und Gesellschaft ziehen lassen, sind nur ein kleiner Ausschnitt aller möglichen Bezüge, die beide Bauwerke für die Kirchengeschichtsdidaktik und die Kirchenraumpädagogik nutzbar machen. Im Folgenden stelle ich beide Bauten vor und mache sie durch die Bearbeitung unter den jeweils gleichen Kapiteln „Baugeschichte“,
„Grundriss und Baubeschreibung“, „Stil und Ausstattung“ sowie „Bedeutung“ vergleichbar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hagia Sophia
2.1. Baugeschichte
2.2. Grundriss und Baubeschreibung
2.3. Stil und Ausstattung
2.4. Bedeutung
3. Petersdom
3.1. Baugeschichte
3.2. Grundriss und Baubeschreibung
3.3. Stil und Ausstattung
3.4. Bedeutung
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die historische, architektonische und religiöse Bedeutung der Hagia Sophia und des Petersdoms, um diese beiden bedeutenden Sakralbauten des Christentums vergleichend gegenüberzustellen und für die Kirchengeschichtsdidaktik sowie Kirchenraumpädagogik nutzbar zu machen.
- Bauhistorische Entwicklung und architektonische Transformationen der Hagia Sophia und des Petersdoms.
- Analyse von Grundriss, Baubeschreibung sowie Stil und Ausstattung beider Bauwerke.
- Die symbolische und machtpolitische Bedeutung der Bauten im Kontext ihrer jeweiligen Zeit.
- Vergleichende Betrachtung der Entstehungs- und Baugeschichte als Ausdruck unterschiedlicher Epochen.
- Ableitung didaktischer Potenziale für die Vermittlung von Religions- und Kirchengeschichte.
Auszug aus dem Buch
2.1. Baugeschichte
Die Hagia Sophia in Konstantinopel/Istanbul wurde von 532 bis 537 im Auftrag des Kaisers Justinian I. von Anthemios von Tralles und Isidoros von Milet errichtet.¹ Von den Entwurfszeichnungen und Modellen der beiden Architekten aus Kleinasien ist nichts erhalten geblieben.² Anthemios muss bereits zu Lebzeiten sehr berühmt gewesen sein. Geschichtsschreiber Prokopios von Kaisareia lobte ihn in seinem um 555 verfassten Werk „De Aedificiis“, in dem er alle justinianischen Bauwerke beschreibt, als den Kundigsten in der Wissenschaft der Mathematik und zwar „nicht nur unter allen Zeitgenossen, sondern auch unter den ihm Vorausgegangenen“³. Weitere Bauwerke von Anthemios sind nicht bekannt.⁴
Der älteste Vorgängerbau der Hagia Sophia, was die Kirche der „Göttlichen Weisheit“ bedeutet, brannte 404 ab und wurde durch einen Neubau ersetzt, der 415 geweiht wurde. Die theodosianische Hagia Sophia fiel 532 beim Nika-Aufstand gegen Justinian den Flammen zum Opfer.⁵ Nach mehreren Erdbeben stürzte 558 die erste Kuppel ein.⁶ Auslöser des Unglücks war der Seitenschub der flachen Kuppel sowie die starke Verformung des Mauerwerks, hervorgerufen durch die eilige Errichtung des Monumentalbaus innerhalb von nur fünf Jahren.⁷ Die erste Kuppel wurde durch die noch heute bestehende höhere Kuppel ersetzt, für die der Baukörper innen und außen verstärkt wurde. Die Neuweihe fand im Jahr 563 statt. 986 brachen die Halbkuppel der Westkonche sowie Teile der Zentralkuppel ein. Den Wiederaufbau übernahm der armenische Baumeister Trdat. 1346 stürzten die Halbkuppel der Ostkonche sowie Teile der Hauptkuppel ein. Diesmal wurden italienische Baumeister für den Wiederaufbau engagiert.⁸
Am 29. Mai 1453, dem Tag der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, wurde die Hagia Sophia zur Moschee erklärt. Sie wurde instandgesetzt und erhielt erst ein, dann zwei Minarette.⁹ In der Regierungszeit von Sultan Selim II. leitete der berühmte osmanische Architekt Sinan eine durchgreifende Renovierung, die von 1572 bis 1574 dauerte. Sinan ließ zwei weitere Minarette errichten, so dass heute vier spitze Türme die Hauptkuppel umstehen.¹⁰ Von 1847 bis 1849 wurde die Moschee unter der Leitung des Schweizer Architekten Gaspare Fossati renoviert.¹¹
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Bedeutung der Hagia Sophia und des Petersdoms als bedeutende Sakralbauten des Christentums ein und erläutert die Zielsetzung des Vergleichs für die Kirchengeschichtsdidaktik.
2. Hagia Sophia: Hier werden die Baugeschichte, der architektonische Grundriss, die stilistische Ausgestaltung und die überregionale Bedeutung der Hagia Sophia von ihrer Errichtung unter Justinian I. bis zur Umwidmung als Museum dargestellt.
3. Petersdom: Das Kapitel beleuchtet die komplexe Baugeschichte des Petersdoms, seine architektonischen Merkmale, die künstlerische Ausstattung durch bedeutende Meister sowie seine Rolle als Grabeskirche und Machtsymbol der Päpste.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Unterschiede zwischen den beiden Bauwerken zusammen, insbesondere die Differenz zwischen der schnellen, einheitlichen Bauzeit der Hagia Sophia und der durch Diskontinuitäten geprägten langen Baugeschichte des Petersdoms.
Schlüsselwörter
Hagia Sophia, Petersdom, Kirchenbau, Architekturgeschichte, Religionsgeschichte, Sakralbau, Konstantinopel, Rom, Justinian I., Renaissance, Barock, Kuppelbau, Kirchengeschichtsdidaktik, Pilgerort, Kirchenraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Überblick über die Hagia Sophia in Konstantinopel und den Petersdom in Rom, wobei sowohl architektonische als auch historische Aspekte beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Baugeschichte, die bauliche Gestaltung (Grundriss und Ausstattung) sowie die historische und religiöse Bedeutung beider Kirchen im Laufe der Jahrhunderte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bauten durch eine systematische Gegenüberstellung vergleichbar zu machen, um sie für didaktische Zwecke in der Kirchenraumpädagogik und Kirchengeschichtsdidaktik nutzbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen vergleichenden Ansatz, bei dem beide Bauten anhand identischer Kategorienschwerpunkte wie Baugeschichte, Grundriss, Stil und Bedeutung analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Er widmet sich detailliert der Historie und Architektur der Hagia Sophia sowie der komplexen Entwicklungsgeschichte und Ausstattung des Petersdoms.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Sakralbau, byzantinische Architektur, Renaissance, Barock, Machtrepräsentation, Pilgerstätte und die Baugeschichte beider Monumente.
Inwiefern unterscheidet sich die Baugeschichte der beiden Bauten?
Die Hagia Sophia entstand in einer sehr kurzen Zeitspanne von nur fünf Jahren unter Justinian I., während der Petersdom über Jahrhunderte hinweg durch verschiedene Päpste und Architekten geprägt wurde, was zu einer Geschichte voller Diskontinuitäten führte.
Welche Rolle spielt die Kunst in der Ausstattung der Bauten?
Die Ausstattung reflektiert die jeweilige Epoche: Die Hagia Sophia ist durch byzantinische Mosaiken geprägt, während der Petersdom als ein Renaissancebau mit barocker Ausstattung eine prunkvolle Mischung aus Mosaiken, Statuen und architektonischen Elementen präsentiert.
- Arbeit zitieren
- M.A. Valerie Schmidt (Autor:in), 2012, Die Hagia Sophia und der Petersdom. Ein Kirchenvergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294860