Verschwörungstheoretische Elemente und die Darstellung von Verschwörung in Oliver Stone’s Filmen


Seminararbeit, 2003
18 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Hauptteil:
Verschwörungstheoretische Elemente und die Darstellung von Verschwörung in Oliver Stone’s Filmen
Begriffserläuterung:
Ausführung:

Schluss:

Literatur:

Einleitung

Oliver Stone hat sich im Verlauf von zwanzig Jahren als einer der erfolgreichsten, erfindungsreichsten und kontroversesten Filmemacher unserer Zeit etabliert. Bis heute wurde Stone persönlich für zehn Oscars nominiert, als Drehbuchautor, als Produzent und als Regisseur. Er hat drei Oscars gewonnen: einen für sein Drehbuch zu „12 Uhr nachts“ (1978) und zwei als Regisseur („Geboren am 4. Juli“, „Platoon“). Seine Filme errangen insgesamt 37 Oscar-Nominierungen.[1]

Als Sohn von Lou und Jacqueline Stone wurde er am 15. September 1946 in New York geboren. Das Verhältnis zum Vater, einem konservativen Börsenmakler jüdischer Herkunft, war durch verschiedene Ansichten belastet. Bereits in jungen Jahren entschied sich Stone, seinen eigenen Weg zu gehen und nicht in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Nachdem er ein Jahr an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Yale University studiert hatte, zog es ihn nach Saigon, um dort an einer katholischen Highschool Englisch zu unterrichten. Später sollte er freiwillig nach Vietnam für zwei Jahren als Soldat zurückkehren und dort nach eigener Überzeugung gegen die Ausweitung des Kommunismus zu kämpfen. Enttäuscht von seiner eigenen Regierung kam er zurück in die Staaten und erlebte in Berkley, Kalifornien, die Zeit der studentischen Bewegung mit. Anschließend schrieb er sich an der Filmhochschule der New York University ein. Stone gehört zu der Generation der 68er, die den Ereignissen wie der Ermordung der damaligen Politik-Idole John F. und Robert Kennedy, der Vietnamkrieg und den gescheiterten Hoffnungen der Studentenrevolte ohnmächtig gegenüberstanden. Seine Lebensstationen wurden zu Themen seiner Filme. So bewirken seine Erfahrungen in Vietnam die Verfilmung von „Geboren am 4. Juli“ und „Platoon“. Seine Kritik an der Politik wird nur allzu deutlich in den Filmen „JFK“ und „Nixon“ dargestellt. Kindheitserinnerungen an den Beruf des Vaters und das Umfeld der Familie führten dazu, einen Spielfilm über die „Wallstreet“ zu machen.

Für diese Arbeit untersuche ich die Filme, für die Oliver Stone Regie führte, im Rahmen meines Themas, wobei „JFK“ den großen Schwerpunkt bildet. Unbeachtet bleiben die Arbeiten, an denen Stone ausschließlich als Autor oder Produzent beteiligt war.

Hauptteil:

Verschwörungstheoretische Elemente und die Darstellung von Verschwörung in Oliver Stone’s Filmen.

Begriffserläuterung:

Nachdem ich in der Einleitung zur Person Oliver Stones schrieb, möchte ich nun zu Beginn meiner Ausarbeitung eine Begriffserläuterung vornehmen. Verschwörungstheoretische Elemente sind Elemente einer Verschwörungstheorie. Aber was genau ist eine Verschwörungstheorie? Laut Duden ist es die Vorstellung oder Annahme, dass eine Verschwörung, eine verschwörerische Unternehmung im Gang sei oder etwas aufgrund einer Verschwörung geschehe, was wiederum als gemeinsame Planung eines Unternehmens gegen jemanden oder etwas (besonders gegen die staatliche Ordnung) definiert wird.[2] Diese Erklärung will ich mittels einer anderen Quelle genauer präzisieren, da der Begriff zu weit gesteckt scheint: Eine Verschwörungstheorie ist eine Theorie, nach der eine ungewisse Anzahl zusammenarbeitender Individuen oder Organisationen eine geheime Vereinbarung getroffen haben, um ein verborgenes Ziel zu erreichen, dass meist gegen Gesetz und Ordnung verstößt.[3] Der Brockhaus geht sogar stets von „Verabredung zur gemeinsamen Begehung von Straftaten“[4] aus. Verschwörungstheorien werden in der Literatur abgegrenzt zu wirklichen ,empirisch nachweisbaren, Verschwörungen wie z.B. die Iran-Contra Affäre oder die Verschwörung vom 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Verschwörungstheorien existieren danach nur in der Vorstellung der Individuen und entstehen oft nach Verbrechen an hoch gestellten Persönlichkeiten, insbesondere wenn nicht vollständig oder umfassend aufgeklärt worden ist. Zu unterscheiden ist der Ausdruck ,,Theorien über Verschwörungen"[5], denn damit sind Theorien gemeint, die den Aufbau, die Struktur und die Gründe von wirklichen Verschwörungen zu rekonstruieren versuchen.

Ausführung:

So existieren etwa verschiedenste Verschwörungstheorien im Fall von Kennedy, die durchaus begründbar sind und auch im Film „JFK“ abgehandelt werden: Exilkubaner waren für den Tod Kennedys verantwortlich, da er ihnen militärische Hilfe bei ihrer gescheiterten Mission in der Schweinebucht verweigerte. Tausende kamen ums Leben oder waren der Erniedrigung von Castros Leuten ausgesetzt. Außerdem stand Kennedy Kuba nach dem Abzug der sowjetischen Raketen eine Nichteinmischung zu, obgleich es gegen die Interessen von Exilkubaner gerichtet war. Als Drahtzieher kommt auch die Mafia in Frage, die ihre eigene Bekämpfung durch den zum Justizminister ernannten Bruder Robert Kennedy vorbeugen wollte. Weitere Motive waren das Zurückbekommen ihrer enteigneten Besitztümer in Kuba sowie das Unterlassen von im Wahlkampf versprochener Hilfe. Einer beliebteren Theorie nach hatte sich Fidel Castro für unzählige Mordversuche an seiner Person durch das CIA und die Mafia gerächt. Aus dem Kreise der Kommunisten gilt auch der KGB als möglicher Drahtzieher. Womöglich benützte er Leon Trotsky Oswald, so sein russischet Name, der zwei Jahre in der UdSSR verbrachte und die Nichte eines Obersts des sowjetischen Geheimdiensts heiratete. Aber auch das amerikanische Gegenstück, die CIA, wird als Verschwörer in Betracht gezogen. So sollte CIA-Chef Allen Dulles und weitere Verantwortliche aufgrund irreführender Informationen über Kuba ihrer Ämter enthoben werden. Auch der Leiter des FBIs Edgar Hoover stand unter Druck, da er wusste, Kennedy habe vor ihn zu entlassen. Das FBI erhielt kurze Zeit vor den tödlichen Schüssen einige Morddrohungen, ohne jedoch zu reagieren. Weiterer Nutznießer vom Tode Kennedys war offensichtlich sein Vizepräsident Lyndon B. Johnson gewesen, der den Vietnamkrieg mit noch größeren Truppenaufmärschen vorantrieb. Ganz im Sinne des Militärs und der Kriegsindustrie, die bei der Wiederwahl Kennedys einen Rückzug fürchteten. Das Image und Milliardeneinnahmen standen auf dem Spiel.

Zu Beginn der Arbeit wurde bereits festgestellt, dass Oliver Stone seine kritische Einstellung gegenüber Institutionen des öffentlichen Lebens in den Filmen widerspiegeln lässt. Von vielen wird er als der Verschwörungstheoretiker Hollywoods bezeichnet und deswegen oft als Märchenerzähler abgetan. Doch Stone versucht vielmehr, durch seine Filme Verantwortung zu übernehmen, indem er die Zuschauer mit seinem „Wake-up Cinema“ wachrüttelt. Er will auf die Verfehlungen amerikanischer Politik in den 60er und 70er Jahren aufmerksam machen, einer Zeit, die er als junger Erwachsener sehr intensiv miterlebte. Er will den Zuschauer durchaus manipulieren, leiten und in seiner Meinungsbildung beeinflussen. Nicht von wenigen werden seine Filme als didaktisch wertvoll angesehen. Mit „Platoon“ gelingt ihm ein preisgekrönter Antikriegsfilm, dessen Drehbuch er bereits in dem Alter von 30 Jahren schrieb.

Sein Hang zu Verschwörungstheorien wurde nie zuvor offensichtlicher als in „ JFK “, seiner filmischen Aufarbeitung des Kennedy-Attentats, welcher 1991 produziert wurde und in Deutschland unter dem zusätzlichen Titel „Tatort Dallas“ Bekanntheit erlangte. Die Botschaft des Films ist eindeutig: John F. Kennedy war Ziel einer Verschwörungsaktion. Das Streben nach mehr Einfluss und die Gier nach mehr Geld waren Schuld daran. Machtstreben und Habgier lösen Kriege aus. Innere Probleme eines Landes werden infolgedessen als zweitrangig eingestuft. Im Hintergrund wird das Land von Personen beeinflusst, die demokratisch nicht legitimiert worden sind und auch nicht das Wohl der Bevölkerung im Sinn haben. Bereits im Vorspann von „JFK“ wird die Rede vom früheren Präsidenten Eisenhower gezeigt, der sich bei seinem Abdanken im Januar 1961 warnend an die Bevölkerung richtet, man möge sich doch vor der Macht des militärisch-industriellen Komplexes in Acht nehmen:

„The conjunction of an immense military establishment and a large arms industry is new in the American experience. The total influence - economic, political, even spiritual - is felt in every city, every statehouse, every office of the Federal Government ... In the councils of government we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist ... We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted ...”[6]

Laut dem Bezirksstaatsanwalt Jim Garrison, der im Film die Meinung von Stone widerspiegelt, hätten sich eben Vertreter aus diesem militärisch-industriellen Komplex, der Schwerindustrie, der Finanzwirtschaft, des Geheimdienstes und der Politik gegen den friedlich motivierten Präsidenten Kennedy verschworen, um durch seinen Tod letztlich den Vietnamkrieg zu ermöglichen. Programmatisch entwickelt Stone die Verschwörungstheorie fort und setzt sie durch die Montage von Filmausschnitten um. Das beginnt mit der Vorspannsequenz, in der er Ort, Zeit und Personen etabliert. Stone versetzt den Zuschauer emotional in das politische Klima der sechziger Jahre, indem er Originalaufnahmen mit nachgestellten, verfremdeten Szenen vermischt. Viele historische Szenen wurden detailgetreu an Originalschauplätzen nachgestellt. Rahmenbedingungen werden rekapituliert, John F. Kennedy als Politiker und Privatperson porträtiert: In sekundenlangen Dokumentarbruchstücken erscheint er als Kind, Student, Senator, Familienvater und Präsident. Im Kontrast zu den Bildern privaten Glücks scheinen immer wieder der Rüstungswettlauf des Kalten Krieges, die Kubakrise und der Krieg in Vietnam durch. In der Kombination historischen Archivmaterials und erläuternden Kommentars bekommt der Vorspann dieses Films den Charakter eines objektiven Rückblicks, zu bekannt sind viele der Einstellungen, zu vertraut das Lächeln des Präsidenten. Dennoch folgt diese ‘erinnernde Montage’ dem Konzept einer präzisen Dramaturgie: Sie etabliert das Opfer als einen Sympathie- und Hoffnungsträger und schafft noch einmal die Bindung für den emotionalen Schock durch das Attentat, zumal für ein nichtamerikanisches Publikum, das mit den Zusammenhängen kaum noch vertraut sein dürfte.[7] Wut, Trauer und Verzweiflung, Gefühle also, die Garrison zu seinem Kampf gegen das Ungerechte und gegen die Verschwörung der kriegstreibenden Elemente der Gesellschaft motivierten. Bilder von der Schweinebuchtinvasion werden gezeigt, der Strand, das Bombardement, das Zusammentreiben der Gefangenen, gefolgt von der öffentlichen Entschuldigung Kennedys und eine Szene des Präsidenten mit seinem CIA-Chef Allen Dulles. Die allwissende Erzählerstimme aus dem Hintergrund deutet dazu auf bestimmte Verschwörungstheorien hin, indem sie die Bilder mit den Worten begleitet:

„He inherits a secret war against the Communist Castro dictatorship in Cuba, a war run by the CIA and angry Cuban exiles out of bases in the Southern United States, Panama, Nicaragua and Guatemala. Castro is a successful revolutionary frightening to American business interests in Latin America - companies like Cabot's United Fruit, Continental Can, and Rockefeller's Standard Oil. This war culminates in the disastrous Bay of Pigs invasion in April 1961, when Kennedy refuses to provide air cover for the exile brigade. Of the 1600 men who invade, 114 are killed, 1200 are captured. The Cuban exiles and the CIA are furious at Kennedy's irresolution ... Kennedy, taking public responsibility for the failure, privately claims the CIA lied to him and tried to manipulate him into ordering an all-out American invasion of Cuba. He vows to splinter the CIA into a thousand pieces and fires Director Allen Dulles, Deputies Charles Cabell and Richard Bissell, the top leadership of the Agency.”[8]

[...]


[1] Deutsches Entertainment Magazin – Dirk Jaspers Filmlexikon [Online]. 2002. URL: http://www.filmstar.de/entertainment/stars/o/oliver_stone.html [1.November 2003].

[2] Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 3.Aufl. Mannheim: Dudenverlag, 1999.

[3] Marvin Zonis und Craig, M.J., “Conspiracy Thinking in the Middle East”, Political Psychology, 15 (3), (September 1994) 443-459.

[4] Brockhaus Wahrig. Deutsches Wörterbuch. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1984.

[5] Seminararbeit in Soziologie über Verschwörungstheorien [Online]. URL: http://www.hausarbeiten.de/rd/faecher/hausarbeit/soc/4738.html [25. August 2003].

[6] The Public Papers of President Dwight D. Eisenhower. Eisenhower’s Farewell Address of January 17, 1961. Washinghton D.C.: U.S. Government Printing Office, 1960-61.

[7] Ikonen: Magazin für Kunst, Kultur und Lebensart – Ein Auge für die Weisheit [Online]. 26. November 2003. URL: http://www.ikonenmagazin.de/artikel/oliver_stone.htm [28. November 2003].

[8] Oliver Stone, JFK: The Book of the Film. A Documented Screenplay (New York: Applause Books, 1992) 2.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Verschwörungstheoretische Elemente und die Darstellung von Verschwörung in Oliver Stone’s Filmen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Übung: Die amerikanische Politik im amerikanischen Film
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V29493
ISBN (eBook)
9783638309868
ISBN (Buch)
9783638817905
Dateigröße
758 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verschwörungstheoretische, Elemente, Darstellung, Verschwörung, Oliver, Stone’s, Filmen, Politik, Film
Arbeit zitieren
Franz Melf (Autor), 2003, Verschwörungstheoretische Elemente und die Darstellung von Verschwörung in Oliver Stone’s Filmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29493

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