Alkuin. Herkunft, Leben und Leistung des Gelehrten aus dem Frühmittelalter


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebenslauf
2.1. Leben in Northumbrien
2.2. Leben im Frankenreich
2.2.1. Klosterleben

3. Werke
3.2. Allgemeines
3.3. Mathematische Schriften
3.4. Viten
3.3.1. Vita des heiligen Willibrord
3.3.2. Vita Alcuini
3.5. Versus de sanctis Euboricensis ecclesiae

4. Resümee

5. Anhang

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Alkuin war ein angelsächsischer Theologe und lebte im Frühmittelalter. Er war Gelehrter und einer der wichtigsten Repräsentanten der karolingischen Bildungsreform1. Er führte die Werke seiner angelsächsischen Vorgänger, wie Beda Venerabilis2, fort und brachte diese ins Frankenreich. Zu dieser Zeit lag dieses nämlich noch in den Schatten der frühmittelalterlichen Bildung und musste von Geistlichen und Gelehrten aus Italien, Irland und England belehrt werden. Diese drei Länder wurden zuvor durch die Bekehrung, welche von Rom ausging, frühzeitig mit dem christlichen Glauben und der Kultur konfrontiert. Alkuin war Lehrer am Hofe Karls des Großen und gab sich den Beinamen „Flaccus“.3 Ebenfalls war dieser Mann ein einflussreicher Berater Karls des Großen. Er beriet Karl nicht nur in kirchlichen, sondern auch in Staatsfragen, was für einen Diener Gottes zu dieser Zeit ungewöhnlich war. Dank seines regen Briefwechsels mit Freunden, verschiedenen Gemeinden, anderen Gelehrten und vor allem mit Karl dem Großen, sind uns viele Informationen über ihn und seinen Lebensraum im Frühmittelalter überliefert worden. Auch seine zahlreichen Gedichte und anderen Schriften liefern uns heute einen Einblick in sein Leben. Eine weitere große Leistung Alkuins bezieht sich auf die Ausbildung der karolingischen Minuskel, denn unter seiner Leitung entstand diese neue Schriftart und war vom 9. bis zum 12. Jahrhundert die meistverwendete Buch- und Urkundenschrift im westlichen Europa und Vorläuferin unserer heutigen Kleinbuchstaben. Bei dieser Schrift weisen die Buchstaben Ober- und Unterlängen auf, sodass die Worte klarer voneinander getrennt sind. Diese Entwicklung entstand zur Zeit Karls des Großen. Der Ausgangspunkt befand sich vor allem im Kloster von Corbie im Frankenreich, denn dieses besaß ein großes Skriptorium. Doch auch das Kloster St. Martin von Tours unter der Leitung von Abt Alkuin arbeitete an dieser neuen Schriftform. Da Karl der Große diese neue und besser lesbare Schreibweise befürwortete, entstand eine rasche Verbreitung im Reich und in den verschiedenen Skriptorien. Generell ist zu sagen, dass Alkuins Leben eines der meist dokumentierten von allen Gelehrten des 8. Jahrhunderts ist und die heutigen Historiker dank ihm einen genaueren Einblick in das politische, gesellschaftliche und religiöse Leben des 8. Jahrhunderts erlangen.

2. Lebenslauf

2.1. Leben in Northumbrien:

Alkuin wurde zwischen 730 - 735 in Northumbrien, in der Nähe von York, geboren.4 Das genaue Geburtsdatum ist nicht überliefert. Er ist möglicherweise der Sohn einer Adelsfamilie, da er die Möglichkeit hatte die Domschule in York zu besuchen. Diese unterlag zu Alkuins Zeit als Schüler zuerst der Leitung vom Erzbischof Egbert, welcher von 732 - 766 Leiter dieser Schule war. Nach ihm übernahm Aelbert vom Jahr 766 bis 778 die Schulleitung. Aelbert war für Alkuin nicht nur ein Lehrer, sondern auch ein Freund und Vertrauter. Mit ihm reiste Alkuin sowohl nach Rom, als auch ins Frankenreich. Durch diese Reisen lernte Alkuin somit schon zu seiner Zeit als Schüler der Domschule in York die Aristokratie des karolingischen Europas kennen. Zwischen den Jahren 765 und 770 wurde Alkuin zum Diakon geweiht. Eine höhere geistliche Weihe hat er nie empfangen. Nachdem Aelbert im Jahr 766 selbst den erzbischöflichen Stuhl bestieg, übernahm Alkuin ab dem Jahr 778 unter ihm die Leitung der Schule von York, deren Ruf selbst Ausländer anzog. Zu seiner Zeit war York eine der berühmtesten Bildungsstätten des ganzen christlichen Europas. Alkuin genoss als Leiter dieser Schule einen über die Grenzen Northumbriens reichenden guten Ruf. Auch die angesehene Klosterschule war durchaus bekannt und die Bibliothek von York ist möglicherweise die Umfangreichste ganz Europas gewesen. Er unterrichtete seine Schüler unter anderem in der Grammatik, Dialektik und Rhetorik, der Astronomie und Arithmetik, doch bezog Alkuin fast jedes Gebiet seines Wissens auf die Theologie. Im Jahr 780 reiste Alkuin nach Rom zum Papst Hadrian I. um für den Nachfolger des Erzbischofs Aelbert, Eanbald I., das Pallium5 vom Papst zu erbitten. Ab dem Jahr 781 trat ein Wendepunkt in Alkuins Leben ein und sein Weg führte ihn ins Frankenreich.

2.2. Leben im Frankenreich:

Im Jahr 781 traf Alkuin auf der Rückreise von Rom, in Parma, auf Karl den Großen. Dieses Treffen fand möglicher Weise am 15.03.781 statt. Es war zwar nicht das erste Treffen zwischen Karl dem Großen und Alkuin, doch war dies das Bedeutendste. Karl ließ Alkuin nämlich an seinen Hof rufen und bat ihn die Leitung seiner Hofschule zu übernehmen. Bereits ein Jahr später, im Jahr 782, ging Alkuin nach Aachen. Kurz nach seiner Ankunft an Karls Hof schenkte dieser Alkuin zwei Abteien. Die eine in Ferrières und eine weitere in St. Lupus in Troyes.6 7 Mit Alkuins Ankunft an Karls Hof begann die erste Phase der karolingischen Bildungsreform. Es fand ein kultureller Aufschwung zur Zeit der Karolinger statt, welcher vom Hofe Karls des Großen ausging. Sowohl die Architektur, wie auch die Dichtung, Schriftform, als auch die „Septem Artes Liberales“ wurden wieder ins Licht gerückt und entwickelten sich weiter. Die „Septem Artes Liberales“ existierten bereits in der Antike, doch im Frühmittelalter geriet diese Bildungsform im Frankenreich stark in Vergessenheit. Nach Alkuin war diese Bildung jedoch eminent wichtig für die geistliche Entwicklung und er führte diese zu seiner Zeit im Frankenreich erneut ein. Alkuin bemühte sich diese Bildungsform wieder zur Blüte zu führen und dank ihm wurden die „Septem Artes Liberales“ im Mittelalter zur Grundlage für die Bildung der herrschenden Schichten und auch obligatorisch für die Ausbildung der Mönche. Die Mönche sollten schreiben, zumindest aber lesen können und bereit sein, dies zu erlernen. Noch im selben Jahr seiner Ankunft wurde Alkuin zum Leiter der Hofschule Karls des Großen ernannt und galt als größter Gelehrter seiner Zeit. Die Beziehung zwischen Karl dem Großen und Alkuin war vertraulicher und freundschaftlicher Natur. Zwar gab es auch andere Gelehrte, wie zum Beispiel Paulus Diaconus oder Petrus von Pisa, welche eine Freundschaft zu Karl pflegten, doch überragte Alkuin diese alle durch seinen umfangreichen Erfolg seiner Lehrtätigkeit und seiner loyalen Verbindung zu Karl. Seine Hauptaufgabe im Frankenland war in erster Linie die Leitung der Hofschulen, doch er fungierte auch als einflussreicher Berater des Königs. Im Hinblick auf die theologische Beratung wäre dies nicht weiter außergewöhnlich gewesen, doch Alkuin beriet Karl auch in Staatsfragen und sollte ihm bei der Christianisierung und Zivilisierung seines Königreiches helfen. Dies war für einen Mann Gottes zu dieser Zeit ungewöhnlich. Er nahm über zwei Jahrzehnte zusammen mit Karl dem Großen an offiziellen und politischen Unternehmungen teil.

Alkuin war nicht der einzige bekannte Gelehrte an den Schulen Karls des Großen. Da dieser sehr viel Wert auf eine gute Schulbildung legte, ließ er in den 780ern mehrere hervorragende Gelehrte, welche meist von außerhalb des Frankenreichs stammten, an seine Schule rufen. Unter anderem den schon zuvor genannten Grammatiker Petrus von Pisa, den Theologen, Geschichtsschreiber und Dichter Paulus Diaconus aus dem italienischen Raum, sowie den westgotischen Theologen und Dichter Theodulf von Orleans und einige andere. Die Hofschule wurde jedoch nicht durch Karl ins Leben gerufen, denn diese existierte schon zu der Amtszeit seines Vaters König Pippin.8 Doch Karl der Große weitete diese aus und führte sehr viele bekannte Gelehrte an seinen Hof, welche eine große Vielfältigkeit von Disziplinen vorlegten. Zu dieser Zeit häufte sich eine beträchtliche Sammlung von Büchern an Karls Hof an. Es entstand eine Hofbibliothek und man begann Bücher zu sammeln und zu vervielfältigen.9 Karl selbst begab sich mit seiner Familie auch auf die Schulbank des Alkuins, sowie in den Unterricht anderer bedeutender Persönlichkeiten aus dem Frankenreich. Zu diesen zählten beispielsweise Angilbert, der spätere Hofkaplan des Kaiser Karls, Rigbod, der spätere Erzbischof von Trier und auch Arn von Salzburg, welcher Abt und später Erzbischof wurde. Alkuins Unterrichtsmethoden verbreiteten sich sehr schnell und das Verbreitungsgebiet war sehr groß. Daran waren mitunter seine Schüler und Lehrlinge beteiligt, da diese ein umfangreiches Zentrum für Wissenschaften und Kulturen in Westeuropa bildeten. Alkuins ehemalige Schüler Sigulf und Aldric bildeten beispielsweise in Ferrières ein wissenschaftliches Zentrum und ein weiterer Schüler, Grimald, verbreitete Alkuins Lehrweise in St.Gallen. Im Jahr 786 reiste Alkuin nach England zurück und begleitete dort einige päpstliche Gesandte auf einer Besichtigung des Landes. Obwohl Alkuin bereits mehrere Jahre am fränkischen Hofe als Lehrer tätig war, betrachtete er sich trotz allem durchaus noch als Northumbrier und blieb mit seiner Heimat, in welche er stets zurückkehren wollte, in regem Briefkontakt. Auch zwischen den Jahren 789 - 793 reiste Alkuin noch des Öfteren in seine Heimat nach England und auch zum Hof des dortigen König Offas von Mercien, dem mächtigsten der kleinen angelsächsischen Könige. Ab dem Jahr 794 wurde er jedoch sesshaft im Frankenreich und blieb vorerst in Aachen. Auch Karl der Große entscheid sich ungefähr ab diesem Jahr Aachen zu seiner vorrangigen Heimat zu erklären. Zuvor reiste Karl der Große

[...]


1 In dieser Hausarbeit wird ausschließlich der Begriff „karolingische Bildungsreform“ von dem deutschen Historiker und Mediävisten Josef Fleckenstein benutzt.

2 Beda Venerabilis lebte von den Jahren 673/4 - 735. Er war ein Gelehrter und Mönch im englischen Raum und verfasste viele Schriften. Bacht, H., Lexikon des Mittelalters, Band 1, Spalte 1774f.

3 Artikel „Alkuin“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, Band 1, 1875, Seite 343f.

4 Eine Landkarte mit der geographischen Lage Yorks befindet sich im Anhang.

5 Dies ist ein ringförmiges Band, eine Art Stola, die über dem Messgewand getragen wird. Es ist das Amtsabzeichen der Bischöfe der lateinischen Kirche und dient als Zeichen der Verbundenheit der Erzbischöfe mit dem Papst.

6 Die geographische Lage ist auf der Karte im Anhang zu sehen.

7 Wallach, Luitpold, Alcuin and Charlemagne: studies in carolingian History and Literature, Seite 33- 38.

8 Hilsch, Peter, Das Mittelalter- die Epoche, Seite 64.

9 Wallace- Hadrill, J.M., The Frankish Church, Seite 191.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Alkuin. Herkunft, Leben und Leistung des Gelehrten aus dem Frühmittelalter
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V294932
ISBN (eBook)
9783656927136
ISBN (Buch)
9783656927143
Dateigröße
1111 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alkiun, Karl der Große, Frühmittelalter, Frankenreich, Gelehrter, Schrift
Arbeit zitieren
Kathrin Schwendner (Autor), 2011, Alkuin. Herkunft, Leben und Leistung des Gelehrten aus dem Frühmittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294932

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