Woran kann es liegen, dass ein Beratender einen Klienten, der die Sprechstunde betritt, von Anfang an unsympathisch empfindet? Oder es besteht von Anfang an eine große Zuneigung obwohl man sich nicht kennt. Weshalb reagieren manche Personen auf eine scheinbar belanglose Frage mit
einer heftigen emotionalen Reaktion?
Diese Reaktionen können aufgrund einer möglichen Übertragung oder Gegenübertragung entstehen und lassen sich nicht nur im alltäglichen Miteinander beobachten, sondern auch in sozialpädagogischen Beratungsprozessen. Jede Beratung verläuft aufgrund differenzierter zwischenmenschlicher Beziehungen zu den jeweiligen Klienten divergent.
Frühkindliche Beziehungserfahrungen können intensive Gefühle gegenüber einer neuen Bezugsperson, in diesem Fall dem Berater, aktivieren. Dies kann dazu führen, dass auch von Seiten des Beraters heftige Gegenreaktionen durch
hervorgerufene Emotionen oder Handlungsimpulse entstehen. (vgl. Weiß 2013, S.176) Die Übertragung ist ein universelles, zwischenmenschliches Phänomen das innerhalb jeder Interaktion auftreten kann. Der Prozess der Übertragung
und Gegenübertragung ist ein zentraler Bestandteil in der Psychotherapie, findet sich jedoch auch in der sozialpädagogischen Beratung. Innerhalb der Pädagogik ist dieses Phänomen allerdings erst wenig erforscht. (vgl. Weiß
2013, S.173) Um die Beziehungsdynamik zwischen dem Klienten und dem Berater verstehen zu können, insbesondere weshalb teilweise unbewusst heftige Reaktionen und Emotionen auftreten, ist es sinnvoll sich mit dem Konzept der Übertragung auseinander zusetzten.
Die vorliegende Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, die Wirkung des Phänomens der Übertragung und Gegenübertragung herauszustellen und auf die sozialpädagogische Beratung zu transferieren. Es wird dabei der Frage nachgegangen, wie die Übertragung und Gegenübertragung die Beziehung zwischen Berater und Ratsuchenden beeinflussen kann und in welcher Form Übertragungen sichtbar werden. Zudem wird herausgearbeitet, wie mit dem Phänomen der Übertragung und Gegenübertragung sinnvoll umgegangen werden kann, um eine ertragreiche Beziehung aufzubauen und zu erhalten.
Kann der Berater vielleicht sogar die Übertragung nutzen um einen Beratungserfolg zu erzielen? Ziel der Arbeit ist es zudem pädagogische Handlungsweisen aufzuzeigen, die den Umgang mit einer möglichen Übertragung erleichtern.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Bildungswissenschaftliche Relevanz und Forschungsstand
- Beziehungsdynamik in der sozialpädagogischen Beratung
- Begriffsbestimmung sozialpädagogische Beratung
- Begriffsbestimmung Beziehung
- Bedingungen für eine erfolgreiche Beratung
- Der Beziehungsaufbau
- Die Beziehungsgestaltung
- Die Gesprächsführung
- Die Bindungstheorie als Grundlage von Beziehungsmustern
- Die Bindungstheorie
- Die Grundannahmen
- Die Fremdesituation
- Die Bindungsmuster
- Die sichere Bindung
- Die unsicher vermeidende Bindung
- Die unsicher ambivalente Bindung
- Die desorganisierte Bindung
- Der Einfluss der Bindung auf die Beratung
- Die Bindungstheorie
- Übertragung und Gegenübertragungen in Beziehungen
- Die Übertragung
- Geschichte und Definition der Übertragung
- Übertragungsformen
- Übertragung auf den Berater
- Die Gegenübertragung
- Geschichte und Definition der Gegenübertragung
- Gegenübertragung auf den Ratsuchenden
- Das Bindungsmuster und die Gegenübertragung
- Die Übertragung
- Übertragung und Gegenübertragung in der sozialpädagogischen Beratung
- Die sozialpädagogische Beratung in Abgrenzung zur Psychoanalyse
- Defintion Psychoanalyse
- Abgrenzungen und Gemeinsamkeiten von Psychoanalyse und Beratung
- Klienten und Kontaktaufnahme
- Aufgaben und Zielsetzung
- Institutionalisierung und Interdisziplinarität
- Die Haltung
- Die Methode
- Besonderheiten der Übertragung in der sozialpädagogischen Beratung
- Der Einfluss der Übertragung auf die Beziehung in sozialpädagogischen Beratungsprozessen
- Übertragungseffekte in der sozialpädagogischen Beratung
- Die sozialpädagogische Beratung in Abgrenzung zur Psychoanalyse
- Der professionelle Umgang mit dem Phänomen der Übertragung
- Mögliche Gefahren beim Einstieg in die Übertragung
- Der Umgang mit dem Übertragungsphänomen
- Strukturierungshilfen für den Gesprächsverlauf
- Szenisches Verstehen
- Professionelles und pädadgogisches Handeln in der Praxis
- Zusammenfassung und Fazit
- Literaturverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Anhang
- Powerpointpräsentation
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit der Wirkung von Übertragung und Gegenübertragung in sozialpädagogischen Beratungsprozessen. Ziel ist es, die Bedeutung dieser Phänomene für die Beziehung zwischen Berater und Ratsuchendem zu untersuchen und Handlungsmöglichkeiten für einen professionellen Umgang mit Übertragungsprozessen aufzuzeigen. Die Arbeit analysiert, wie Übertragung und Gegenübertragung die Beziehung beeinflussen, welche Formen sie annehmen können und wie sie im Beratungsprozess sichtbar werden. Darüber hinaus werden pädagogische Handlungsweisen erörtert, die den Umgang mit Übertragung erleichtern und einen erfolgreichen Beratungsprozess fördern können.
- Die Bedeutung von Übertragung und Gegenübertragung in der sozialpädagogischen Beratung
- Die Auswirkungen von Übertragung und Gegenübertragung auf die Beziehung zwischen Berater und Ratsuchendem
- Die verschiedenen Formen der Übertragung und Gegenübertragung
- Der professionelle Umgang mit Übertragung und Gegenübertragung in der Beratungspraxis
- Pädagogische Handlungsweisen zur Bewältigung von Übertragungsprozessen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der Übertragung und Gegenübertragung in der sozialpädagogischen Beratung ein und stellt die Relevanz des Themas für die Bildungswissenschaft heraus. Sie beleuchtet die Frage, warum diese Phänomene in der Beratungspraxis auftreten und welche Auswirkungen sie auf die Beziehung zwischen Berater und Ratsuchendem haben können. Die Einleitung skizziert den Aufbau der Arbeit und die zentralen Fragestellungen, die im Laufe der Arbeit beantwortet werden sollen.
Das zweite Kapitel befasst sich mit der bildungswissenschaftlichen Relevanz des Themas Übertragung und Gegenübertragung. Es werden die wichtigsten Forschungsarbeiten und Theorien zu diesem Thema vorgestellt und die Bedeutung der Übertragung für die Bildungswissenschaft erläutert. Dieses Kapitel legt den Grundstein für die weitere Analyse der Übertragung und Gegenübertragung in der sozialpädagogischen Beratung.
Das dritte Kapitel widmet sich der Beziehungsdynamik in der sozialpädagogischen Beratung. Es werden die Begriffe „sozialpädagogische Beratung“ und „Beziehung“ definiert und die Bedingungen für eine erfolgreiche Beratung erläutert. Dabei werden die Phasen des Beziehungsaufbaus, der Beziehungsgestaltung und der Gesprächsführung im Detail betrachtet. Dieses Kapitel liefert wichtige Grundlagen für das Verständnis der Übertragung und Gegenübertragung in der Beratungspraxis.
Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Bindungstheorie als Grundlage von Beziehungsmustern. Es werden die Grundannahmen der Bindungstheorie sowie die verschiedenen Bindungsmuster vorgestellt. Die Bindungstheorie bietet einen wichtigen Rahmen für das Verständnis der Übertragung und Gegenübertragung, da sie die Entstehung von Beziehungsmustern und deren Einfluss auf die Interaktion zwischen Menschen erklärt.
Das fünfte Kapitel analysiert die Entstehung und die verschiedenen Formen der Übertragung und Gegenübertragung. Es werden die historischen Wurzeln dieser Phänomene beleuchtet und die Auswirkungen von Übertragung und Gegenübertragung auf den Berater und den Ratsuchenden beschrieben. Dieses Kapitel liefert wichtige Erkenntnisse für die Analyse der Übertragung und Gegenübertragung in der sozialpädagogischen Beratung.
Das sechste Kapitel befasst sich mit den Besonderheiten der Übertragung in der sozialpädagogischen Beratung. Es werden die Unterschiede zwischen der Psychoanalyse und der sozialpädagogischen Beratung herausgearbeitet und die Bedeutung der Übertragung in beiden Berufsfeldern beleuchtet. Dieses Kapitel zeigt die spezifischen Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich aus der Übertragung in der sozialpädagogischen Beratung ergeben.
Das siebte Kapitel widmet sich dem professionellen Umgang mit dem Phänomen der Übertragung. Es werden mögliche Gefahren beim Einstieg in die Übertragung aufgezeigt und verschiedene Strategien für den Umgang mit Übertragungsprozessen vorgestellt. Dieses Kapitel bietet praktische Handlungsempfehlungen für Berater, die mit Übertragungsphänomenen in ihrer Arbeit konfrontiert sind.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Übertragung, Gegenübertragung, sozialpädagogische Beratung, Beziehungsdynamik, Bindungstheorie, Beziehungsmuster, professionelle Haltung, pädagogisches Handeln und die Bedeutung von Übertragungsprozessen für die Beratungspraxis. Die Arbeit beleuchtet die Auswirkungen von Übertragung und Gegenübertragung auf die Beziehung zwischen Berater und Ratsuchendem und zeigt Handlungsmöglichkeiten für einen professionellen Umgang mit diesen Phänomenen auf.
- Quote paper
- Rebecca Winkler (Author), 2014, Beziehungsdynamik. Die Wirkung von Übertragung und Gegenübertragung in sozialpädagogischen Beratungsprozessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294978