In den homerischen Epen befand sich der Grund und Boden, der zum "oikos" gehörte, schon in Privatbesitz.
An mehreren Stellen ist von einem besonderen Stück Land, dem "temenos", die Rede. Walter Donlan schreibt, dass in allen Beispielen, die die Epen liefern, der Halter eines "temenos" ein Basileus ist. Allerdings konnten auch Helden für besondere Taten mit einem "temenos" geehrt werden. Als Besitzer eines solchen Landguts kamen also nur Personen mit einem herausragenden gesellschaftlichen Status infrage.
In dieser Arbeit möchte ich die Frage beantworten, ob dieses besondere Stück Land an die Söhne der Halter vererbt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. War der temenos Teil des väterlichen Erbes?
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob der bei Homer erwähnte temenos – ein spezielles, oft mit herausragendem gesellschaftlichem Status verbundenes Stück Land – vererbt wurde oder ob er nach dem Tod des Halters an die Gemeinschaft zurückfiel. Dabei wird die Forschungskontroverse analysiert, die zwischen einer möglichen direkten Vererbung und einer Einordnung als Amtsland schwankt.
- Analyse der Erbregelungen für den temenos bei homerischen Helden.
- Vergleich der Situation von Sarpedon, Glaukos und Iphition.
- Untersuchung der komplexen Erbsituation des Telemachos in der Odyssee.
- Debatte um den Status des temenos als privates Eigentum versus Amtsgut.
- Bewertung der Rolle des Sohnes bei der Sicherung des väterlichen Erbes.
Auszug aus dem Buch
2. War der temenos Teil des väterlichen Erbes?
Stefan Link nimmt am Fall von Glaukos und Sarpedon an, dass sie den temenos ihres Großvaters Bellerophontes geerbt hatten. Wenn man in den zwölften Gesang der Ilias schaut, dann ist diese Annahme durchaus gerechtfertigt. Sarpedon spricht zu Glaukos:
Glaukos, warum doch ehrte man uns besonders vor den anderen/ Immer ducrch Sitz und Fleisch und vollgegossene Becher/ Unter dem Lykiervolk, auf uns wie himmlische blickend?/ Auch bebauen wir weites Land am Ufer des Xanthos,/ Reich mit Bäumen bestellt und weizentragende Äcker,/ Drum geziemt es uns jetzt, in der Lykier vorderstem Treffen/ Tapfer zu stehn und der brennenden Schlacht entgegenzustürzen.
Aus dieser Stelle ist zu entnehmen, dass die beiden ihr temenos erhalten haben, bevor sie sich durch herausragende Taten auszeichnen konnten. Wenn sie ihr temenos also nicht als Ehrung erhalten haben, dann kann es nur Teil ihres Erbes gewesen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Definition des temenos ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dessen Vererbbarkeit unter Einbeziehung verschiedener wissenschaftlicher Positionen.
2. War der temenos Teil des väterlichen Erbes?: Dieses Kapitel analysiert anhand konkreter Textbeispiele aus Ilias und Odyssee die unterschiedlichen Erbsituationen von Helden wie Sarpedon, Glaukos, Iphition und Telemachos und diskutiert die Abgrenzung zwischen Privatbesitz und Amtsgut.
3. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Resultat, dass der temenos als Amtsland zwar offiziell nicht direkt vererbt wurde, die Übernahme durch den Sohn jedoch durch gezielte Maßnahmen des Amtsinhabers begünstigt und in der Regel realisiert wurde.
Schlüsselwörter
Homer, Ilias, Odyssee, temenos, Erbrecht, Grundbesitz, basileus, Telemachos, Antike, Amtsland, Väterliches Erbe, Gesellschaftsordnung, Helden, Sarpedon, Glaukos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung und dem erbrechtlichen Status des temenos, einem besonderen Landbesitz im homerischen Epos.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstelle zwischen Landbesitz, gesellschaftlichem Status, Erbfolge und den Funktionen eines basileus.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob der temenos als direktes Erbe an die Söhne weitergegeben wurde oder ob es sich um ein von der Gemeinschaft verliehenes, nicht vererbbares Amtsgut handelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftlich-historische Analyse der homerischen Texte (Ilias und Odyssee) und setzt diese in Bezug zu den Kontroversen in der aktuellen Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil prüft Textstellen zu Sarpedon, Glaukos, Iphition und Telemachos, um zu klären, wie die Praxis der Landübernahme bei den homerischen Helden und Königen tatsächlich ablief.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie temenos, oikos, basileus, Erbfolge, homerische Epen und gesellschaftliche Stellung.
Warum ist der Fall des Telemachos so umstritten?
Telemachos' Status ist komplex, da er einerseits den Anspruch auf das Erbe erhebt, das Haus jedoch unter dem Einfluss der Freier leidet und er erst durch seine Taten und Worte in die Rolle seines Vaters hineinwachsen muss.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin bezüglich der Vererbung?
Die Autorin schlussfolgert, dass der temenos zwar kein automatisches Erbgut war, aber durch die frühzeitige Übergabe von Amtsgeschäften an den Sohn eine de-facto Erbfolge erzielt wurde.
- Arbeit zitieren
- Angela Krebil (Autor:in), 2013, Der "temenos" bei Homer. Teil des väterlichen Erbes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295023