Vergleichende Untersuchung deutscher und spanischer Sprichwörter mit Tierbezeichnungen


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Betrachtungen zum Begriff Sprichwort
2.1. Klassifikation und Hauptmerkmale
2.2. Funktionen

3. Sprichwörter im deutsch-spanischen Sprachvergleich
3.1. Äquivalenzparameter

4. Auswertung und Zusammenfassung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Los refranes son sentencias breves, sacadas de la experiencia y especulación de nuestros antiguos ancianos. (Blick 2011, S. 2)

Der berühmte spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes definierte im 16. Jahrhundert die Begrifflichkeit Sprichwort als einen kurzen Merksatz, welcher dem Erfahrungsschatz und den Mutmaßungen unserer Vorfahren zugrunde liegt.

Auch aus heutiger Sicht trifft es zu, dass Sprichwörter Zeugnisse jahrhundertealter Weisheiten und Erkenntnisse aus beinahe allen Lebensbereichen sind. Jede Kultur hat ihren eigenen Bestand an Sprichwörtern, mit denen alltägliche Lebensregeln knapp und oft bildlich formuliert ausgedrückt werden. Es kann sogar vorkommen, dass bestimmte Sprichwörter international verbreitet sind und in mehreren Sprachen gleich oder ähnlich existieren. Entweder wurde unabhängig voneinander dieselbe Lebensregel in Form eines Sprichwortes formuliert oder das Sprichwort einer Sprache gelangte in ein anderes Land beziehungsweise eine andere Region und wurde in die dort vorherrschende Sprache übernommen. (Steinhauser 2008, S. 7)

In der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, welche Sprichwörter der deutschen Sprache im Spanischen ebenfalls vorkommen. Falls dies der Fall ist, soll darüber hinaus eine gründliche sprachwissenschaftliche Analyse beider Sprachvarianten erfolgen: in welchen Punkten (Syntax, Lexik, Semantik, Konnotation) ähneln beziehungsweise unterscheiden sich die deutsche und die spanische Fassung und wie kann dies begründet werden.

Da es Sprichwörter aus nahezu allen Lebensbereichen gibt[1], befasst sich diese Arbeit lediglich mit denjenigen aus dem äußerst ergiebigen semantischen Feld „Tiere“.

Nachdem ich all diese Vorüberlegungen in Betracht gezogen habe, ergeben sich für mich folgende Hypothesen:

Hypothese I:

Zwar gehören sowohl das Deutsche als auch das Spanische der indogermanischen Sprachfamilie an, doch die deutsche Sprache zählt zur germanischen Sprachgruppe, während das Spanische der italischen Sprachgruppe angehört und auf das Lateinische, im Speziellen das Vulgärlateinische, zurückzuführen ist (Dietrich, Geckeler 2000, S. 13f.). Demnach ist es nahe liegend anzunehmen, dass sich diese unterschiedliche Zugehörigkeit zu einer Sprachgruppe bei einem Vergleich von Sprichwörtern signifikant zeigen wird.

Darüber hinaus sind Deutschland und Spanien keine Nachbarländer, sondern durch über eintausend Kilometer und dazwischen liegende Sprachgebiete voneinander getrennt, sodass es unwahrscheinlich ist, dass Sprichwörter aus der einen Sprache in die andere übernommen wurden (derartige Entfernungen wurden vor mehreren Jahrhunderten nicht ohne weiteres zurückgelegt).

Die deutschen und spanischen Sprichwörter des semantischen Feldes „Tiere“ werden somit in ihrer syntaktischen und morphologischen Struktur auffällige Unterschiede aufweisen.

Hypothese II:

Ausgehend vom unterschiedlichen soziokulturellen und geschichtlichen Hintergrund Deutschlands und Spaniens, ist anzunehmen, dass dies Einfluss auf die verwendeten Tierarten innerhalb des Sprichwortschatzes nahm. Beispielsweise spielte der Stier in Spanien schon seit Jahrhunderten traditionell eine bedeutende Rolle, was sich vermutlich auch in einigen Sprichwörtern widerspiegeln wird. In Deutschland hingegen fand (und findet bis heute) diese Tierart kaum Beachtung, stattdessen traten aufgrund der überwiegend landwirtschaftlichen Strukturen andere Spezies wie das Hausschwein, Kühe oder Schafe in den Fokus. Demzufolge ist davon auszugehen, dass sich dies in den Sprichwörtern wieder findet.

Bevor diese Hypothesen überprüft und für richtig oder falsch befunden werden können, erfolgt zunächst eine kurze theoretische Darstellung der Merkmale und Funktionen von Sprichwörtern sowie eine Abgrenzung zu anderen festen Wendungen. Anschließend werden die Äquivalenzparameter erläutert, welche als Untersuchungsmethode für die kontrastive Phraseologie dienen.

Im umfangreichen Hauptteil der Arbeit werden die im Korpus[2] zusammengestellten deutschen und spanischen Sprichwörter des semantischen Feldes „Tiere“ ausführlich mit Hilfe dieser Äquivalenzparameter analysiert. Zuletzt werden die Untersuchungsergebnisse im letzten Gliederungspunkt der Arbeit zusammengefasst und die in der Einleitung aufgestellten Hypothesen werden ausgewertet.

2. Theoretische Betrachtungen zum Begriff Sprichwort

2.1. Klassifikation und Hauptmerkmale

Die Sprachwissenschaft versucht mit Hilfe verschiedener Bezeichnungen sprachliche Erscheinungen zu definieren, die man als nicht frei gebildete, sondern bereits vorgeformte Wortketten umschreiben könnte: Redensarten, Redewendungen, feste Wendungen, idiomatische Wendungen, Idiome, Wortgruppenlexeme, Phraseologismen, Sprichwörter. Diese Termini weisen das gemeinsame Kennzeichen auf, dass sie aus mehr als einem Wort bestehen (zum Beispiel blinder Passagier, Kohldampf schieben, Die Katze lässt das Mausen nicht). In der Regel ist die Struktur dieser Wendungen fest beziehungsweise nur begrenzt veränderbar.

Jedoch das entscheidende Merkmal fester Wendungen, welches sie am sichersten von freien Wortverbindungen abgrenzt, ist, dass sie nicht „wörtlich“ zu verstehen sind. (Wermke, Kunkel-Razum, Scholze-Stubenrecht 2002, S. 9).

Dies lässt sich anhand einer Gegenüberstellung der festen Wendung ins Gras beißen mit der freien Wortverbindung ins Gras fallen verdeutlichen. Ins Gras beißen ist keinesfalls wörtlich gemeint und beschreibt in der Aussage „Letzte Woche hat mein Nachbar ins Gras gebissen“ nicht die tatsächliche Handlung eines Mannes, der beispielsweise auf einer Wiese in das Gras hineinbeißt. Die übertragene Bedeutung dieser festen Wendung ist sterben.

Hingegen meint die Aussage „Letzte Woche ist mein Nachbar ins Gras gefallen“ nichts anderes als eben diesen tatsächlichen Vorfall.

Den Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit bildet eine große Gruppe innerhalb der festen Wendungen beziehungsweise Phraseologismen, die Sprichwörter (im Spanischen refranes, dichos oder proverbios).

Wolfgang Mieder gibt anhand einer Befragung von Versuchspersonen, was ein Sprichwort sei, folgende Definition des Terminus:

A proverb is a short, generally known sentence of the folk which contains wisdom, truth, morals and traditional views in a metaphorical, fixed and memorizable form and which is handed down from generation to generation. (Burger 2003, S. 112)

Permjakov definiert das Sprichwort als „Zeichen und Modell für typenhafte reale oder gedachte Situationen des Lebens“ (Burger 2003, S. 108). Laut Norrick ist ein Sprichwort „a traditional, conversational, didactic genre with general meaning, a potential free conversational turn, preferably with figurative meaning” (Burger 2003, S. 108). Sprichwörter entsprechen häufig der Form des “All-Satzes”: Wer A sagt, muss B sagen = jeder, der A sagt, muss B sagen.

Harald Burger unterscheidet zwischen strukturellen, kommunikativen und referentiellen Phraseologismen. Letztere unterteilt er wiederum in eine nominative und eine propositionale Gruppe. Phraseologismen der letztgenannten Art können satzwertig oder textwertig sein. Sprichwörter ordnet Burger den satzwertigen Phraseologismen zu. (Burger 2003, S. 37ff.)

Ebenso wie Redensarten (zum Beispiel Wer’s glaubt, wird selig) und Zitate beziehungsweise „geflügelte Worte“ (zum Beispiel Es ist etwas faul im Staate Dänemark) erscheinen Sprichwörter in der Regel als selbstständige Sätze (Wermke, Kunkel-Razum, Scholze-Stubenrecht 2002, S. 13).

Dieses für das Sprichwort charakteristische Merkmal seiner geschlossenen Form lässt Burger auf semantischer Ebene von einem „Mikrotext“ sprechen: als ein in sich abgeschlossener, ganzer Satz benötigt das Sprichwort keine textlinguistische Anpassung an einen Kontext, um verstanden zu werden (Burger 2003, S. 108).

Das Sprichwort kann in Form von einfachen Sätzen, Satzverbindungen, komplexen Sätzen und konjunktionslosen Sätzen mit einer Reduktion des finiten Verbs auftreten (zum Beispiel Corazón sin amores, jardín sin flores) (Blick 2011, S. 5).

Ein weiteres Merkmal von Sprichwörtern ist, dass sie (wie alle festen Wendungen) polylexikalisch sind und demnach aus mindestens zwei lexikalischen Einheiten bestehen. Darüber hinaus sind es formal und lexikalisch feste Verbindungen. Auf lexikalischer Ebene bedeutet dies, dass einzelne Komponenten nicht ausgetauscht werden können. Zum Beispiel kann die Komponente „Huhn“ in Ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn nicht durch „Ente“ oder „Gans“ ersetzt werden. Formale Festigkeit meint die Eigenschaft von Sprichwörtern, syntaktisch nicht umstellbar zu sein. Beispielsweise kann man aus Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul nicht Ins Maul schaut man einem geschenkten Gaul nicht bilden.

Des Weiteren sind Sprichwörter in unterschiedlichem Grade idiomatisch. Einzelne Komponenten des Satzes (beziehungsweise der komplette Satz) geben ihre wörtliche Bedeutung zugunsten einer übertragenen Bedeutung auf. So ist mit Neue Besen kehren gut nicht das neu angeschaffte Arbeitsgerät gemeint, das besser reinigt als das alte, sondern es wird darauf verwiesen, dass eine Neuerung viel bewirken oder Vorteile bringen kann. Die Komponenten „Besen“ und „kehren“ müssen in ihrer übertragenen Bedeutung betrachtet werden.

Häufig weisen Sprichwörter rhetorische Merkmale auf, wie beispielsweise Reim (Glück und Glas, wie leicht bricht das) oder Parallelismus (Kommt Zeit, kommt Rat). (Burger 2003, S. 110f.)

[...]


[1] z.B. Landwirtschaft, Häuslichkeit, Religion, Liebe, Handwerk

[2] siehe Anhang S. 18

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Vergleichende Untersuchung deutscher und spanischer Sprichwörter mit Tierbezeichnungen
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Zur Fixierung von Wortverbindungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V295027
ISBN (eBook)
9783656927570
ISBN (Buch)
9783656927587
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleichende, untersuchung, sprichwörter, tierbezeichnungen
Arbeit zitieren
Rebecca Mahnkopf (Autor), 2013, Vergleichende Untersuchung deutscher und spanischer Sprichwörter mit Tierbezeichnungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295027

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