Neue Schichten. Eine Chance für die Life-Work Balance

"Schluss mit Schaukeln"


Hausarbeit, 2014

16 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Grundlagen
2.1 Was ist „Work-Life-Balance“?
2.2 Wechselschichtarbeit vs. Gesundheit
2.3 Wechselschichtarbeit vs. Familie und soziale Integration
2.4 Was ist “Life-Work-Balance”?

3 Praktische Eingliederung der „Life-Work-Balance“ in den betrieblichen Alltag
3.1 Problembeschreibung am Beispiel der St. Lukas Klinik gGmbH
3.2 Neue Schichten und Dienstplangestaltung
3.2.1 Anfängliche Überlegungen

4 Konkrete Ausarbeitung
4.1 Neue Schicht für eine Vollzeitkraft
4.2 Neue Schicht für halbtags arbeitende Mütter und Alleinerziehende
4.3 Fiktiver Dienstplan auf der Basis des Personaleinsatz auf Station GBH 12

5 Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einführung

Im Leben eines jeden von uns gibt es Veränderungen, die dazu führen sich neu zu orientieren. Man muss seine Lebensumstände anpassen oder gar gänzlich verändern. Oft ist es jedoch so, dass wir auf bestimmte Rahmenbedingungen keinen oder nur schwer Einfluss nehmen können. Auch für mich ist das Thema der „Work-Life-Balance“ ein sehr wichtiges. Ich möchte meine Facharbeit mehr dem „Life“ widmen und dem, was ein Unternehmen dafür tun kann, dass ein Mitarbeiter mehr von seinem Leben außerhalb der Arbeit genießen kann. Ich bin der Meinung, dass es nicht ausschließlich um „Work-Life-Balance“ gehen soll, wenn man sich als Unternehmen diesem Thema annimmt. Hier steht das Wort „Work“ auf dem ersten Rang und wird gefolgt von „Life“ und „Balance“, was mir zeigt, dass eben die Arbeit und nicht das Leben im Fokus steht. Auch als Unternehmen sollte man gezielt die Reihenfolge verändern und eine „Life-Work-Balance“ in den Fokus seiner Bemühungen setzen.

Für Unternehmen wird es immer wichtiger, den Mitarbeitern die Möglichkeiten zu geben, seine Arbeit dem eigenem Leben anzupassen und nicht andersherum sein Leben dem der Arbeitswelt. Denn nur so kann es ein Unternehmen schaffen, sich auf dem Markt als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und sich dadurch den ohnehin schon sehr geringen Anteil an qualifizierten Arbeitskräften sichern.

Wir leben in einer Zeit des demografischen Wandels und eines gesellschaftlichen noch dazu. Das Lebensalter der in Beschäftigung stehenden Bürger steigt immer weiter. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg wird im Jahr 2020 etwa jeder dritte Arbeitnehmer das 50. Lebensjahr vollendet oder gar überschritten haben.[1] Die nachkommenden jungen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen möchten die Zeit ihres Tages sinnvoller und ausgewogener nutzen, sie wollen flexibler in ihren Gestaltungsmöglichkeiten werden und sein. Junge Elternpaare, bei denen sowohl Männer und Frauen einer Beschäftigung nachgehen wollen oder müssen, werden immer häufiger. Vor allem Mütter möchten sich nicht mehr entscheiden zwischen Kind oder Karriere. Und oft hat man als, zum Beispiel alleinerziehende Frau auch nicht die Wahl, ob man zuhause bleibt oder zur Arbeit geht. Man muss es nun mal.

In einigen Branchen ist man schon so weit, das Problem erkannt zu haben. Der Sektor der Gesundheitsdienstleistung und des Sozialwesens tut sich noch etwas schwer bei der Übersetzung der „Work-Life-Balance“ ins eigene Gewerbe. Aber auch hier werden wir nicht umhinkommen, uns früher oder später mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Vor zwei Jahren habe ich den Entschluss gefasst eine Stelle als Dauernachtwache anzunehmen, die in meiner Klinik frei wurde. Die Gründe waren damals der Faktor Zeit und Stressabbau. Ich wollte meine Zeit, die ich hatte, nicht nur mit arbeiten verbringen, sondern viel lieber mit meiner neuen kleinen Familie verbringen. Und deshalb gab es für mich und gibt es für mich bis heute keine wahren Alternativen. Ich selber bin mit 35 Stunden pro Woche angestellt und arbeite in einem sozialtherapeutischen Wohnheim. Dies bedeutete für mich damals 22 bis 24 Tage im Monat sieben Stunden in Wechselschicht (Früh/Spät/Früh… = „Schaukelschicht“) arbeiten zu gehen. Was eine körperliche wie psychische Belastung darstellte. Oft kam ich nach der Arbeit stressbeladen nach Hause, weil die Schichten personell äußerst knapp geplant waren und die Anforderungen an meine Arbeit stetig stiegen.

Nach meinem Wechsel in die Dauernachtwache hatte ich genau das Richtige gefunden. Ich hatte mehr Zeit, für meine Familie und meinen neugeborenen Sohn. Jetzt musste ich nur noch 15 mal zur Arbeit und gleichzeitig war ich nicht mehr so ausgelaugt, dass ich mich um meinen Sohn nicht mehr kümmern konnte oder wollte. Ich konnte sogar mit einer weiteren Ausbildung beginnen ohne das Gefühl zu haben, ich würde etwas verpassen. Während meiner bisherigen Ausbildung hörte ich das erste Mal vom Konzept der „Work-Life-Balance“. Und begann mich mehr dafür zu interessieren.

In meiner Facharbeit möchte ich nun prüfen ob es möglich, ist einem Teil der Beschäftigen eine Alternative zum Wechselschichtsystem an zu bieten und, wenn ja, unter welchem Voraussetzungen dies möglich wäre.

Meiner Meinung nach muss es möglich sein, einer Vollzeitkraft einen geregelten Dienst zu schaffen, um sie gesundheitlich und sozial besserzustellen als bisher. Parallel dazu muss, in unserem bisherigen Arbeitszeitsystem es auch möglich sein, einer Mutter, die halbtags arbeiten gehen will oder muss, dies so zu ermöglichen, dass sie weder zu wenig Zeit für ihr Kind, noch sehr hohe Kosten für die Betreuung ihres Kindes hat.

2 Grundlagen

2.1 Was ist „Work-Life-Balance“?

„Work-Life-Balance“ bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt.[2] Die Betonung bei dem Wort „Work-Life-Balance“ liegt oft aber auf der Schaffung eines Ausgleichs zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen. Die Work-Life-Balance wird als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor gesehen, dessen Ziel es ist, ein ausgewogenes Verhältnis von Beruf und Privatleben zu schaffen. Bei der „Work-Life-Balance“ wird versucht, private Interessen und Familienleben mit den Anforderungen der Arbeitswelt in Einklang zu bringen. Die „Work-Life-Balance“ wird als Platzhalter für die Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf verwendet. Unter dem Begriff Work-Life-Balance vereinen sich alle unternehmerischen Maßnahmen, die zur Schaffung von erfolgreichen Berufskarrieren unter Rücksichtnahme auf private, soziale, kulturelle und gesundheitlichen Rahmenbedingungen eingerichtet werden[3].

2.2 Wechselschichtarbeit vs. Gesundheit

Aus einer Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e. V. Köln geht hervor, dass sich die Komplexität der Arbeit und gleichzeitig die Dichte der zu leistenden Arbeit vervielfacht haben, allerdings die Anzahl der Pflegenden im gleichen Zeitraum rückläufig war. Die unten gezeigte Graphik soll bildhaft veranschaulichen wie die Fallzahlen (+11,84%) und die zur Verfügung stehenden Vollkräfte im Pflegebereich (-13,20%) auseinander driften. Auch an der sinkenden Zahl der Verweildauer der Patienten (-26,83%) lässt sich sehen, dass die Zeit die für erfolgreiche Pflege bleibt immer weiter sinkt. Anstieg der Fallzahlen bei immer niedrigerer Verweildauer der Patienten im Krankenhaus, bedeutet eine Verdichtung der Arbeit. Logische Konsequenz sollte eine Erhöhung des Personalstands sein. Dem ist wie die Abbildung zeigt leider nicht so. Die Beschäftigtenzahlen sind rückläufig. Dies bedeutet für die verbleibenden Pflegefachkräfte ein Mehr an täglicher Arbeit und gleichzeitig auch mehr Stress.

Abb.1: Entwicklung Vollkräfte im Pflegedienst in allg. Krankenhäusern 1995 bis 2010 in Prozent[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Studie zeigt weiter auf, dass es zu einer Verschlechterung der Arbeitszufriedenheit, aufgrund eines Anstiegs der Arbeitsanforderungen, der Arbeitsbelastungen und des Zeitdrucks kam. Als Gründe wird der Zuwachs von administrativen und organisatorischen Arbeiten gesehen. Durch diesen Anstieg des Arbeitsaufwands wurde gleichzeitig ein Zuwachs der gesundheitlichen Beeinträchtigungen festgestellt. Diese negativen gesundheitlichen Folgen werden zum Beispiel bei der Betrachtung von langen und zugleich in der Lage versetzten Arbeitszeiten (Schichtarbeit) deutlich. Ab einer Wochenstundenzahl von 45 Stunden pro Woche, in wechselnden Schichten, geben ein Drittel aller Befragten an, unter Schlafstörungen zu leiden. Im Vergleich zu den nicht im Schichtdienst arbeitenden Beschäftigten, ist die Zahl der angegebenen Schlafstörungen höher, bei denen im Regeldienst Beschäftigten geben nur 25% der Befragten Schlafstörungen an. Ähnliche Zusammenhänge zwischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Schichtarbeit und der Arbeitszeitdauer werden für Atembeschwerden, Verletzungen, Magen- und Verdauungsbeschwerden, Rückenschmerzen und weitere Muskelbeschwerden festgestellt. Auch wird ein Zusammenhang von psychischen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Nervosität, Erschöpfung und Angespanntheit in Bezug auf die Arbeitsdauer aufgezeigt.[5] Die genannten Symptome werden seit 2004 mit stark zunehmender Tendenz (plus 700%) mit der Zusatzkodierung „Burnout“ versehen (ICD-10-GM Z73), was eine Kooperationsstudie der Bundes Psychotherapeuten Kammer und den großen Krankenkassen (AOK, DAK, TK und BKK) belegt. Unter Z73 werden bestimmte Probleme bei der Lebensbewältigung bezeichnet, zu denen neben unspezifischen körperlichen und psychischen Belastungen, Mangel an Entspannung oder Freizeit oder Erschöpfungszustände auch Burnout gehört.[6]

Aber nicht nur die Dauer der Arbeit wird als Grund für gesundheitliche Beeinträchtigungen gesehen. Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende oder unregelmäßige Arbeitszeiten haben gleichermaßen ihren Einfluss auf die Gesundheit eines Beschäftigten. Es wird festgestellt, je öfter zum Beispiel abends oder am Wochenende gearbeitet wird und je länger und variabler die Arbeitszeiten sind, desto höher sind auch die gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Kommt zur Länge der Arbeitszeit, zur Abendarbeit und zur Wochenendarbeit der Faktor psychischer und physischer Stress dazu, erhöht sich die als gesundheitlich belastende wahrgenommene und die tatsächliche Beeinträchtigung der Betroffen.

2.3 Wechselschichtarbeit vs. Familie und soziale Integration

Wechselschichtarbeit kann fokussiert betrachtet von Vorteil sein. Zum Beispiel kann es gerade bei Teilzeitkräften in Wechselschichtsystemen zu längeren Freizeitblöcken kommen, die größere Aktivitäten für Familie oder Hobby erlauben. Auch gibt es andere positive Aspekte die genannt werden können. So ist eine starke Teambildung bei festen Wochenend- oder Stationsbelegschaften bei einem guten Betriebsklima möglich, z.B. wird „Unser Wochenende“, „Unser Team“ oft genannt um den besonderen, identifikationsstiftenden Zusammenhalt in dieser Weise auszudrücken. Aus kollegialen Verhältnissen entstehen oft auch freundschaftliche Beziehungen.

Durch Wechselschichtarbeit können auch alltägliche private Dinge besser oder zeitsparender organisiert werden. Zum Beispiel sind Einkäufe dann möglich, wenn andere Beschäftigte ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen, so können die Hauptverkaufszeiten in Geschäften umgangen werden, auch ist der Ämtergang ohne lange Wartezeiten oder Verbrauch von Urlaubstagen machbar.

Es gibt sicherlich noch andere positive Gründe, die für eine Wechselschichtarbeit sprechen, deshalb ist die vorhergegangene Aufzählung nicht vollständig.

[...]


[1] Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg

[2] Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend: Work Life Balance Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität, S.4

[3] Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend: Work Life Balance Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität, S.4

[4] Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. Köln: Pflege-Thermometer 2012, S.15

[5] Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. Köln: Pflege-Thermometer 2009

[6] Bundes Psychotherapeuten Kammer: Psychische Erkrankungen und Burnout, S.3

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Neue Schichten. Eine Chance für die Life-Work Balance
Untertitel
"Schluss mit Schaukeln"
Hochschule
Kolping Akademie Münster in Coesfeld
Note
1,2
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V295040
ISBN (eBook)
9783656927938
ISBN (Buch)
9783656927945
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wechselschicht, Work-Life-Balance, Life-Work-Balance
Arbeit zitieren
Thomas Bürgin (Autor), 2014, Neue Schichten. Eine Chance für die Life-Work Balance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295040

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