Gesundheitliche Ungleichheit. Der Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Gesundheit


Hausarbeit, 2014
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziale Ungleichheit
2.1 Dimensionen sozialer Ungleichheit

3 Gesundheitliche Ungleichheit
3.1 Beschreibung
3.2 Erklärung
3.2.1 Individuelle Erklärungsansätze
3.2.2 Strukturelle Erklärungsansätze
3.3 Reduzierung

4 Die Grenzen vom Nutzen des wirtschaftlichen Wachstums

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verteilung des verfügbaren bedarfsgewichteten Haushaltseinkommens

Abbildung 2: Zusammenhang von Einkommen und Lebenserwartung

Abbildung 3: Anteil der Männer, die ihre eigene Gesundheit als "weniger gut" oder "schlecht" beurteilen nach Einkommen und Alter (Angaben in Prozent)

1 Einleitung

Der Diskurs über Ungleichheit findet gegenwärtig nicht nur in Wissenschaft und Politik, sondern auch in der medialen Öffentlichkeit statt. Es wird über Entstehung, Ausmaß, Entwicklung und Folgen von Ungleichheit debattiert. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die rege Auseinandersetzung mit den Thesen des französischen Ökonomen Thomas Piketty. In seinem 2013 verfassten Buch „Le Capital au XXIe siècle“ (dt. „Das Kapital im 21. Jahrhundert“) argumentiert Piketty sowohl auf Basis von empirischen Daten, als auch mithilfe wirtschaftswissenschaftlicher Theorie, dass insbesondere die Einkommens- und Vermögensungleichheit, bei den momentanen wirtschaftssystematischen Bedingungen weiterhin zunehmen wird.

Vor allem die steigende Ungleichheit in der Verteilung monetärer Ressourcen bringt vielerlei Folgen mit sich und teilt die Gesellschaft zunehmend in Arm und Reich. Aus der Ungleichheit entstehen immer mehr soziale Probleme: Ungleiche Bildungschancen, prekäre Arbeitsbedingungen, steigende Unsicherheiten, eingeschränkte soziale Mobilität, zunehmende Gewalt, wachsendes Konkurrenzdenken und vieles mehr. Viele dieser Folgen wurden innerhalb des Forschungsbereiches der sozialen Ungleichheit wissenschaftlich nachgewiesen und ihre Ausmaße, Einflussfaktoren, Entwicklungsverläufe und Folgen dargestellt. Dadurch ist man in der Lage noch deutlicher zu erkennen, wie jedes Mitglied der Gesellschaft auf die eine oder andere Weise von Ungleichheit beeinflusst wird. Auch eines der wichtigsten Besitztümer des Menschen, die Gesundheit, wird durch Ungleichheit beeinträchtigt.

In den Sozialwissenschaften bezeichnet man die Analyse der sozial bedingten ungleichen Gesundheitszustände als „gesundheitliche Ungleichheit“. Mit dem Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit soll sich in folgender Hausarbeit genauer auseinandergesetzt werden. Hierfür werden vorerst für die Thematik relevante Begriffe wie „soziale Ungleichheit“ und „Gesundheit“ kurz definiert. Daraufhin wird genauer dargestellt, welche Dimensionen sozialer Ungleichheit bei der Analyse des Zusammenhangs eine hohe Korrelation aufweisen und ausführlicher untersucht werden sollten, um die grundlegenden Mechanismen und Zusammenhänge bestmöglich nachzuvollziehen. Hierzu werden die Herausforderungen die sich dem Forschungsfeld gesundheitlicher Ungleichheit stellen, in einem von Klaus Hurrelmann und Matthias Richter festgelegten Dreischritt von „Beschreibung“, „Erklärung“ und „Reduzierung“ abgehandelt.

Abschließend wird noch kurz über die in modernen Gesellschaften dominante Maxime des wirtschaftlichen Wachstums gesprochen und auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse aus dem Hauptteil, mit einem Schwerpunkt auf den Ergebnissen des britischen Sozialepidemiologen Richard Wilkinson, diskutiert inwieweit der Nutzen von einer immer steigenden Wirtschaftsleistung begrenzt ist.

2 Soziale Ungleichheit

Eine häufig verwendete Definition sozialer Ungleichheit stammt von Stefan Hradil und lautet: „Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten.“[1]. In der Forschung zur sozialen Ungleichheit beschäftigt man sich mit den ungleichen Zugangsmöglichkeiten zu verschiedenen Ressourcen. Für die Erklärung werden keine biologischen oder natürlichen Umstände herangezogen, wie zum Beispiel Vorteile die sich durch die körperliche Erscheinung ergeben oder der Betroffenheit von Naturkatastrophen. Eine saubere Trennung von sozialen und außersozialen Einflussfaktoren ist jedoch nicht immer möglich und auch nicht immer sinnvoll, da oftmals die Betrachtung beider Seiten gemeinsam zu einer Erklärung von ungleichverteilten Ressourcen führt. [2]

Unter „Ressourcen“ werden im Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit Fertigkeiten und Gegenstände verstanden, die sowohl materieller als auch immaterieller Natur sein können. Entscheidend ist dabei, dass die jeweiligen Ressourcen den sozialen Akteuren ermöglichen, ihre individuellen Ziele zu erreichen und Bedürfnisse zu erfüllen. Dabei kann es sich beispielsweise um Geld oder Nahrungsmittel handeln, aber auch um Bildung oder körperliche Fähigkeiten. [3]

2.1 Dimensionen sozialer Ungleichheit

Bei den monetären Ressourcen (Einkommen und Vermögen) und der Bildung handelt es sich um sogenannte Basisdimensionen sozialer Ungleichheit (weitere Basisdimensionen sind zum Beispiel Macht und Prestige)[4]. Diese Dimensionen stellen die wesentlichen Arten von Ungleichheiten dar und sind für die Ungleichheitsforschung von zentraler Bedeutung, da sie häufig bei dem Erreichen von persönlichen Zielen oder dem Entsprechen gesellschaftlicher Normen entscheidende Einflussfaktoren darstellen. Bei einer asymmetrischen Verteilung einer Dimension sind diejenigen, die sich am unteren Ende der Verteilung befinden, meist in ihren Handlungs- und Lebensbedingungen beeinträchtigt. Wie groß die Ausprägung der ungleichen Verteilung ist, wird in der Wissenschaft mithilfe von empirischen Erhebungen bestimmt.[5]

Ein Beispiel hierfür wäre die in Abbildung 1 veranschaulichte „Verteilung des verfügbaren bedarfsgewichteten Haushaltseinkommens“. Das bedarfsgewichtete Haushaltseinkommen, oder auch Nettoäquivalenzeinkommen genannt, richtet sich nach Anzahl und Alter der Personen eines Haushaltes. Das Nettoäquivalenzeinkommen wird üblicherweise als Maßzahl genutzt, da es durch die Gewichtung auch Vergleiche zwischen verschieden großen Haushalten mit unterschiedlich alten Bewohnern zulässt. Rechnerisch wird hierfür die Summe aller Nettoeinkommen der Haushaltsmitglieder durch die Äquivalenzgröße dividiert.

In der Abbildung sind an der Y-Achse die Haushalte in 10 Prozent Gruppen, beginnend mit den einkommenschwächsten Zehntel, abgetragen. An der X-Achse wird angezeigt, wie groß der Anteil der jeweiligen Gruppe am gesammten Einkommensvolumen ist. In der Grafik wird zudem die Verteilung in den Jahren 1991 und 2010 angegeben, um dabei Informationen über die zeitliche Entwicklung zu bekommen. Im Jahr 2010 verfügte das untereste Zehntel über 3,7 Prozent der gesammten Einkommensmenge, wohingegen das oberste Zehntel einen mehr als sechsmal so hohen Anteil von 23,1 Prozent vorzeigte. Bei dem zeitlichen Vergleich ist auffällig, dass nicht nur der Unterschied zwischen den ärmsten und reichsten 10 Prozent angestiegen ist, sondern auch, dass die obersten 10 Prozent als einziges Zehntel im Jahr 2010 über einen größeren Anteil (23,1 Prozent) als noch 1991 (20,5 Prozent) verfügten. Die restlichen 90 Prozent haben allesamt über die Zeit einen sinkenden Anteil am gesamten Einkommen, was ein Hinweis für die steigende Ungleichheit in der Verteilung von monetären Ressourcen ist.

Abbildung 1: Verteilung des verfügbaren bedarfsgewichteten Haushaltseinkommens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (2013)

Um benachteiligte Bevölkerungsgruppen noch präziser zu beschreiben, wird zudem zwischen horizontalen und vertikalen Ungleichheiten unterschieden. „Horizontale Merkmale“ sind beispielsweise Alter, Geschlecht, Nationalität und Familienstand. Diese Merkmale können Individuen zugeschrieben werden und sind meist nicht veränderbar. Demgegenüber stehen die „vertikalen Merkmale“, anhand derer sich die Gesellschaft in Oben und Unten einteilen lässt. Hierzu gehören vor allem Beruf, Bildung und Einkommen, mit welchen auch der soziale Status einer Person bestimmt werden kann. [6]

In der Ungleichheitsforschung wird nun unter anderem untersucht, inwiefern das Ausmaß einer Dimension mit dem Ausmaß einer weiteren Dimension korreliert. Wenn statistisch ein Zusammenhang zwischen etwa hohen Einkommen und hohen Bildungsgrad nachgewiesen werden kann, spricht man von Statuskonsistenz.[7] Diese Vorgehensweise wird auch bei der Erforschung gesundheitlicher Ungleichheit praktiziert, um herauszufinden, welche Umstände den Gesundheitszustand der Menschen am meisten beeinflussen und somit ein Stück zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit beitragen.

3 Gesundheitliche Ungleichheit

Der Begriff Gesundheit wurde bis zum Anfang der 70er Jahre noch als „Abwesenheit von Krankheit“[8] definiert, wohingegen in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Gesundheit mittlerweile eine ausführlichere Definition Verwendung findet, welche vor allem von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorangetrieben wurde. Hier geht das Verständnis über das Körperliche hinaus und wird „als das Vorliegen eines völligen körperlichen, seelischen und geistigen Wohlbefindens verstanden“[9].[10]

Im Forschungsfeld der gesundheitlichen Ungleichheit wird nun untersucht, in welcher Beziehung eine ungleiche Verteilung von „den wertvollen Gütern einer Gesellschaft“[11] mit dem Gesundheitszustand der Menschen steht.[12] Der ehemalige Vorsitzende der „Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie“ Andreas Mielck beschreibt den Begriff wie folgt: „Der Zusammenhang zwischen sozialem Status und Mortalität (Sterberate) bzw. Morbidität (Krankheitshäufigkeit) wird im deutschen Sprachraum zumeist als ‘gesundheitliche Ungleichheit‘ bezeichnet.“[13]

Für die strukturierte Erforschung dieser Ungleichheit haben der Medizinsoziologe Matthias Richter und der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann drei zusammenhängende zentrale Herausforderungen ausgemacht: Erstens die reine Beschreibung der gesundheitlichen Ungleichheit, um den Umfang sozioökonomischer Differenzen in der Gesundheit darzulegen und zu erforschen. Die zweite Herausforderung besteht in der Erklärung der zuvor beschriebenen Ungleichheiten. Hierbei soll erforscht werden, welche Umstände zu der Situation beigetragen haben und wie sich die Beobachtungen aus der Beschreibung erklären lassen. In der dritten Herausforderung geht es schließlich um die Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit. An dieser Stelle sollen, auf Basis der Erkenntnisse aus der Beschreibung und Erklärung, Verfahren entworfen und umgesetzt werden, die zu einer Minderung der Unterschiede beitragen können.[14] Im Folgenden werden diese drei Herausforderungen genauer beschrieben und durch empirische Beispiele unterstützend erklärt.

3.1 Beschreibung

Es geht bei der Beschreibung darum, die Ausmaße gesundheitlicher Ungleichheit aufzudecken und die Situation möglichst präzise zu beschreiben. Hierfür muss herausgefunden werden, welche sozialen Merkmale die Gruppe der Benachteiligten gemein haben und somit zur Erklärung beitragen können. Das Arbeiten mit empirischen Datensätzen ist in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeutung. Auf Basis empirischer Daten kann man beispielsweise untersuchen, welche Bevölkerungsgruppen in einer Gesellschaft besonders alt werden und seltener erkranken und dem gegenüberstellen welche Personengruppen früher sterben und häufiger krank werden. Danach werden die messbaren Unterschiede zwischen diesen Gruppen herausgearbeitet und miteinander verglichen. Eine Vielzahl der Untersuchungen hat dabei aufgezeigt, dass die Ausprägungen vertikaler sozialer Ungleichheit in Form von Bildung, Beruf und Einkommen die höchsten nachweisbaren Korrelationen zwischen der Position eines Individuums im sozialen Gefüge und deren gesundheitlichen Situation aufzeigen. [15]

[...]


[1] Hradil (2001), S.30.

[2] Vgl. Rössel, Jörg (2009), S.38ff.

[3] Vgl. Rössel, Jörg (2009), S.40.

[4] Vgl. Solga, Heike et al. (2009), S.18.

[5] Vgl. Solga, Heike et al. (2009), S.18.

[6] Vgl. Mielck, Andreas (2005), S.8.

[7] Vgl. Kreckel, Reinhard (2009), S.143.

[8] Kroll, Lars Eric (2010), S.52.

[9] Kroll, Lars Eric (2010), S.52.

[10] Vgl. Kroll, Lars Eric (2010), S.52.

[11] Hradil (2001), S.30.

[12] Vgl. Richter, Matthias/ Hurrelman, Klaus (2009), S.13.

[13] Mielck, Andreas (2005), S.7.

[14] Vgl. Richter, Matthias/ Hurrelman, Klaus (2009), S.14.

[15] Vgl. Mielck, Andreas (2005), S.7.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Gesundheitliche Ungleichheit. Der Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Gesundheit
Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V295053
ISBN (eBook)
9783656929062
ISBN (Buch)
9783656929079
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
.
Schlagworte
Soziale Ungleichheit, Gesundheit, gesundheitliche Ungleichheit
Arbeit zitieren
Ude Eilers (Autor), 2014, Gesundheitliche Ungleichheit. Der Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295053

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