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Angewandte Ethnologie in der Wirtschaft: Probleme und Chancen der ethnologischen Unternehmenskulturforschung

Title: Angewandte Ethnologie in der Wirtschaft: Probleme und Chancen der ethnologischen Unternehmenskulturforschung

Thesis (M.A.) , 2004 , 77 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Stefanie Hermes (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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An einem Ort, an dem Menschen in einem festgelegten Rahmen dauerhaft aufeinander treffen und ihre Zeit gemeinsam gestalten, entwickelt sich ein besonderer, kontextbezogener Umgang miteinander, der von spezifischen Denk- und Handlungsweisen geprägt ist – eine „Kultur“ entsteht. Auch ein Unternehmen ist ein solcher Ort, der eine Kultur – die so genannte Unternehmenskultur – hervorbringt.
Ebenso wie in allen anderen Kulturen werden auch in Unternehmen einzelne Aspekte aus dem kulturellen Sektor von bestimmten Gruppen für die Durchsetzung ihrer Interessen instrumentalisiert. Hier sind es beispielsweise bestimmte Gruppen im Management, die unter Schlagworten wie „Kultur des offenen Miteinanders“ oder „Trust-culture“ die Mitarbeiter in ihrer Arbeitswelt effektiver kontrollieren möchten. Auf der anderen Seite sind es z. B. Belegschaftsvertreter, die sich für die Etablierung einer „Lernkultur“ im Unternehmen einsetzen, um mehr Fortbildungszeiten für die Mitarbeiter zu erreichen.
Generell prägen Prozesse wie Bildung, Entwicklung, Implementierung und Veränderung eine Unternehmenskultur, die sowohl gemeinschaftsbildende Aspekte als auch Konfliktpotentiale mit sich bringen. An diesem Komplex setzt der Bereich der Angewandten Ethnologie an, der sich mit der Unternehmenskulturforschung beschäftigt. Auch wenn diese Form der Kulturforschung im Vergleich zu anderen, weiter verbreiteten Forschungsfeldern der Ethnologie immer noch eine Randdisziplin darstellt, so reichen ihre Wurzeln doch bis in die 1930er Jahre nach Amerika zurück. Damals begannen einzelne Ethnologen, Prozesse, Strukturen und Verhaltensweisen innerhalb von Industriebetrieben zu untersuchen1. Die eigentliche Geburtsstunde der Unternehmenskulturforschung in ihrer heutigen Form lag jedoch in den 70er Jahren und stand in engem Zusammenhang mit dem damaligen Erfolg japanischer Unternehmen. Dieser wurde von Seiten der amerikanischen Wirtschaft unter anderem auf die in japanischen Unternehmen vorherrschende, andersartige Kultur zurückgeführt. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat sich die Unternehmenskulturforschung in Amerika zu einem festen Bestandteil der Ethnologie entwickelt, der auch von Seiten der Wirtschaft anerkannt ist. Anders sieht es hingegen bei der ethnologischen Unternehmenskulturforschung in Deutschland aus: Trotz verschiedener, insbesondere seit Ende der 80er Jahre durchgeführter Studien hat sie sich bis heute noch nicht richtig etablieren können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thema und Fragestellung

3. Methode der Literatursuche und Textanalyse

4. Begriffsdefinitionen zum Thema Unternehmenskultur

4.1 Definition des Begriffs „Kultur“

4.2 Definition des Begriffs „Unternehmen“

4.3 Definition des Begriffs „Unternehmenskultur“

5. Zentrale theoretische Aspekte des Kulturwandels in der Ethnologie und ihr Bezug zur Unternehmenskultur

5.1 Kulturwandel aus ethnologischer Sicht

5.2 Kulturwandel in Unternehmen

6. Angewandte Ethnologie in Unternehmen und ethnologische Methoden zur Erfassung einer Unternehmenskultur

6.1 Angewandte Ethnologie in Unternehmen

6.2 Ethnologische Methoden zur Erfassung einer Unternehmenskultur

6.2.1 Teilnehmende Beobachtung

6.2.2 Qualitative ethnographische Interviews

7. Ethnologische Unternehmenskulturforschung in Deutschland: Problematische und chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen – Eine Analyse dreier exemplarischer Studien

7.1 Andreas Novak: „Die Zentrale. Ethnologische Aspekte einer Unternehmenskultur“

7.1.1 Eckdaten der Studie

7.1.2 Problematische Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen

7.1.3 Chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen

7.1.4 Schlussbetrachtung der Studie

7.2 Andreas Wittel: „Belegschaftskultur im Schatten der Firmenideologie“

7.2.1 Eckdaten der Studie

7.2.2 Problematische Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen

7.2.3 Chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen

7.2.4 Schlussbetrachtung der Studie

7.3 Irene Götz: „Unternehmenskultur: Die Arbeitswelt einer Großbäckerei aus kulturwissenschaftlicher Sicht“

7.3.1 Eckdaten der Studie

7.3.2 Problematische Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen

7.3.3 Chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen

7.3.4 Schlussbetrachtung der Studie

7.4 Zusammenfassung der problematischen und chancenreichen Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen

7.4.1 Schaubild „Problematische Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen“

7.4.2 Schaubild „Chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen“

7.5 Optimierungspotentiale in der ethnologischen Unternehmenskulturforschung

8. Zusammenfassung und Resümee

9. Fazit und Ausblick: Die Perspektiven der ethnologischen Unternehmenskulturforschung in Deutschland

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Gründe für die geringe Präsenz der Ethnologie in der deutschen Unternehmenskulturforschung und analysiert, welchen spezifischen Beitrag Ethnologen durch ihre Feldforschung und Methoden zur Lösung innerbetrieblicher Konflikte sowie zur Unternehmensentwicklung leisten können.

  • Analyse der problematischen Faktoren bei der Kooperation zwischen Ethnologen und Unternehmen.
  • Evaluation der Chancen und des Nutzens, den eine ethnologische Perspektive für Betriebe bietet.
  • Vergleichende Untersuchung dreier exemplarischer ethnologischer Studien aus der deutschen Wirtschaft.
  • Entwicklung von Optimierungspotentialen und Handlungsansätzen für eine effektivere ethnologische Unternehmenskulturforschung.

Auszug aus dem Buch

Die Unterlegenheit des Forschers im Feld

Zusätzlich zu den zuvor von mir aufgezeigten Problemfeldern, die sich direkt aus der Analyse der dieser Studie ergeben haben, hat Wittel in Kapitel 2 seiner Monographie eigene Vermutungen über die volkskundliche/kulturwissenschaftliche Abstinenz im Forschungsfeld Organisationskultur angestellt. Demnach geht er davon aus, dass die Position des Forschers und seine Methoden von den Beschäftigten von vornherein nicht hoch geachtet, wenn nicht sogar verachtet werden. Wittel hat sich während seiner Feldforschung wiederholt gering beachtet, übersehen und vergessen gefühlt. Er führt diese Einschätzung darauf zurück, dass Effizienz, Faktenorientierung und Eindeutigkeit auf Seiten der Beschäftigten einer Langsamkeit und hermeneutischen Herangehensweise auf Seiten des Forschers feindlich gegenüberstehen. Letztere sind nicht mit klaren Handlungsanweisungen verbunden, sondern der Forscher sucht „nur“ nach Bedeutungen. Auch ist Kultur nicht objektiv messbar, so dass es vielen Beschäftigten schwer fiel, den Sinn einer Forschung zu verstehen, die keine objektiv messbaren Ergebnisse hervorbringt (Wittel 1996: 31).

Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Forscher aufgrund der hohen Qualifizierung der Angestellten deren Arbeit nicht ohne Weiteres aneignen kann. Umgekehrt liegt jedoch bereits ein gewisses kulturwissenschaftliches Verständnis und eine Selbstreflexion der Angestellten vor, was laut Wittel zu einem ungleichen Machtverhältnis führt (Wittel 1996: 30). Er fasst seine im Unternehmen gemachten negativen Erfahrungen in Bezug auf die Achtung und Wichtigkeit des Forschers folgendermaßen zusammen: „Als Forscher war ich im Betrieb geduldet, nicht willkommen. Es war offensichtlich, dass ich mich für die Angestellten interessierte und nicht umgekehrt.“ (Wittel 1996: 31).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zur Relevanz der Ethnologie in Wirtschaftsunternehmen und Darlegung der persönlichen Motivation der Autorin.

2. Thema und Fragestellung: Definition der zentralen Forschungsfragen bezüglich der Kooperation zwischen Ethnologen und Unternehmen.

3. Methode der Literatursuche und Textanalyse: Erläuterung des methodischen Vorgehens bei der Literaturrecherche und Auswahl der analysierten Monographien.

4. Begriffsdefinitionen zum Thema Unternehmenskultur: Theoretische Abgrenzung der Begriffe Kultur, Unternehmen und Unternehmenskultur.

5. Zentrale theoretische Aspekte des Kulturwandels in der Ethnologie und ihr Bezug zur Unternehmenskultur: Diskussion ethnologischer Kulturwandel-Theorien und deren Übertragung auf betriebliche Kontexte.

6. Angewandte Ethnologie in Unternehmen und ethnologische Methoden zur Erfassung einer Unternehmenskultur: Vorstellung der angewandten Ethnologie sowie der Methoden der teilnehmenden Beobachtung und qualitativen Interviews.

7. Ethnologische Unternehmenskulturforschung in Deutschland: Problematische und chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen – Eine Analyse dreier exemplarischer Studien: Detaillierte Fallstudien-Analyse zu Novak, Wittel und Götz inklusive einer Zusammenfassung in Schaubildern.

8. Zusammenfassung und Resümee: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung und den Hürden der ethnologischen Unternehmenskulturforschung.

9. Fazit und Ausblick: Die Perspektiven der ethnologischen Unternehmenskulturforschung in Deutschland: Reflexion über die zukünftige Positionierung der Ethnologie als Vermittler in der Wirtschaft.

Schlüsselwörter

Angewandte Ethnologie, Unternehmenskultur, Kulturwandel, Feldforschung, Teilnehmende Beobachtung, Qualitative Interviews, Firmenideologie, Belegschaftskultur, Organisationsentwicklung, Wirtschaftsethnologie, Change Management, Interkulturelle Kommunikation, Praxisorientierung, Unternehmensführung, Interdisziplinarität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Situation der ethnologischen Unternehmenskulturforschung in Deutschland und untersucht die Dynamiken zwischen Ethnologen und Unternehmen während der Feldforschung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Themenfelder umfassen die Definition von Unternehmenskultur, Theorien des Kulturwandels, die Anwendung ethnologischer Methoden (Beobachtung, Interviews) und die Analyse konkreter Fallbeispiele aus der Wirtschaft.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum die Zusammenarbeit zwischen Ethnologie und Wirtschaft derzeit noch unterentwickelt ist und wie die Ethnologie ihr Potenzial zur Lösung betrieblicher Probleme besser einbringen kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin nutzt eine qualitative Textanalyse dreier ethnologischer Monographien, um die Erfahrungen der Forscher und die Interaktionsprozesse mit den untersuchten Unternehmen vergleichend auszuwerten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Studien von Andreas Novak, Andreas Wittel und Irene Götz hinsichtlich ihrer methodischen Vorgehensweise, aufgetretener Probleme im Feld sowie der durch die Ethnologen identifizierten Chancen für die Unternehmen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe "Angewandte Ethnologie", "Unternehmenskultur", "Feldforschung", "Interaktionsprozesse" und "Optimierungspotential" charakterisieren.

Welche Rolle spielt der Begriff „dabeistehende Beobachtung“?

Da in vielen Unternehmen die klassische teilnehmende Beobachtung aufgrund von Zeitdruck oder Sicherheitsvorschriften kaum möglich ist, beschreibt dieser Begriff die eingeschränkte Form der Beobachtung, bei der der Forscher zwar präsent, aber nicht aktiv in die Arbeitsabläufe integriert ist.

Warum stoßen Ethnologen in Unternehmen häufig auf Spionagevorwürfe?

Die Beschäftigten stehen dem Forscher oft skeptisch gegenüber, da sie ihn primär als Werkzeug des Managements wahrnehmen, das Informationen zur Rationalisierung oder Leistungsüberwachung sammeln könnte, was zu Abwehrreaktionen führt.

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Details

Title
Angewandte Ethnologie in der Wirtschaft: Probleme und Chancen der ethnologischen Unternehmenskulturforschung
College
University of Cologne  (Institut für Völkerkunde)
Grade
2,0
Author
Stefanie Hermes (Author)
Publication Year
2004
Pages
77
Catalog Number
V29507
ISBN (eBook)
9783638309981
Language
German
Tags
Angewandte Ethnologie Wirtschaft Probleme Chancen Unternehmenskulturforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Hermes (Author), 2004, Angewandte Ethnologie in der Wirtschaft: Probleme und Chancen der ethnologischen Unternehmenskulturforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29507
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