Weltweit gibt es mehr als 100 deutschsprachige evangelische Kirchengemeinden, die mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vertraglich verbunden sind. Viele dieser sogenannten Auslandsgemeinden bestehen schon seit Jahrzehnten, einige sogar seit Jahrhunderten, während andere erst in letzter Zeit gegründet wurden. Unter ihnen gibt es sowohl klassische Migranten- als auch Minderheitengemeinden. Was bewegt evangelische Christen solche Gemeinden aufzubauen oder ihnen beizutreten? Was sind die Herausforderungen für deutschsprachige evangelische Gemeinden außerhalb Deutschlands? Welche Chancen haben sie? Welche Modelle von Auslandsgemeinden gibt es? Und wie sind solche Gemeindeformen aus biblischer Sicht zu beurteilen? Um diese Fragen soll es in diesem Buch gehen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Auslandsgemeinden heute
Gründe für die Mitgliedschaft in Auslandsgemeinden
Herausforderungen für Auslandsgemeinden
Auslandsgemeinden aus biblischer Sicht
Gemeindemodelle
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die aktuelle Situation, Herausforderungen und Zukunftsmodelle deutschsprachiger evangelischer Auslandsgemeinden und bewertet diese kritisch aus einer biblisch-historischen Perspektive.
- Historische Entwicklung und Einordnung von Auslandsgemeinden
- Motive für die Mitgliedschaft und ihre theologische sowie kulturelle Bedeutung
- Konkrete Herausforderungen wie Rekrutierung, Fluktuation und Identität
- Biblische Analyse multikultureller Gemeindemodelle
- Evaluierung unterschiedlicher Organisationsformen und Zukunftsperspektiven
Auszug aus dem Buch
Die Jerusalemer Gemeinde
Jerusalem, im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt, war ohne Zweifel eine mehrsprachige und multikulturelle Stadt (Witherington 2001:139). Die Hauptverkehrssprachen waren Aramäisch und Griechisch. Es wird geschätzt, dass zwischen zehn und zwanzig Prozent der Bevölkerung im Alltag Griechisch und der Rest Aramäisch und Hebräisch sprachen (Hengel 1989:10). Hinzu kam Latein das von den Angehörigen der römischen Besatzungsmacht gesprochen wurde. Der griechische Einfluss in Jerusalem war überall sichtbar. In der Stadt gab es griechische Schulen, Sportstätten und sogar eine Pferderennbahn (Witherington 2001:139). Um den Tempel stand eine griechische Säulenhalle, die Herodes der Große, „ein großer Bauherr und Verbreiter griechischer Kultur“, hatte errichten lassen (Grabner-Haider 2007:55). Der Großteil der jüdischen Bevölkerung Jerusalems waren Migranten aus anderen Gegenden des römischen Reiches. Einige waren im Alter nach Jerusalem gezogen, um dort beerdigt zu werden. Andere waren als Pilger in die Stadt gekommen und hatten sich entschlossen dort zu bleiben (Witherington 2001:139).
Als die erste christliche Gemeinde zu Pfingsten Gestalt annahm, bestand sie fast ausnahmslos aus Gläubigen jüdischer Abstammung. So schreibt Lukas im zweiten Kapitel: „Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel“ (2,5). Abgesehen von einigen „Judengenossen“ (2,11) erwähnt er keine Heiden, die vom Heiligen Geist erfüllt wurden und anfingen in anderen Sprachen zu predigen (2,4). Obwohl Lukas also keinen Zweifel daran lässt, dass es sich bei der Jerusalemer Urgemeinde um eine christlich-jüdische Gemeinde handelte, stellt er sie nicht als eine homogene Gemeinschaft dar.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Thematik der weltweit existierenden deutschsprachigen evangelischen Auslandsgemeinden und deren Herausforderungen sowie Chancen.
Auslandsgemeinden heute: Analyse der aktuellen globalen Migrationsbewegungen und der Kategorisierung von Auslandsgemeinden als Migrations- oder Minderheitengemeinden.
Gründe für die Mitgliedschaft in Auslandsgemeinden: Darstellung der sprachlichen, kulturellen, gesellschaftlichen, theologischen und missiologischen Motive, die Gläubige an diese Gemeinden binden.
Herausforderungen für Auslandsgemeinden: Beleuchtung der Schwierigkeiten wie die ethnozentrische Ausrichtung, hohe Fluktuation, geografische Distanzen und die Rekrutierung von Personal.
Auslandsgemeinden aus biblischer Sicht: Untersuchung des neutestamentlichen Gemeindemodells durch den Autor Lukas und Paulus, wobei der Fokus auf Multikulturalität und der Einheit in Christus liegt.
Gemeindemodelle: Evaluierung verschiedener zukunftsfähiger Organisationsformen, von traditionellen Strukturen bis hin zu integrierten, mehrsprachigen Gemeindemodellen.
Schlüsselwörter
Auslandsgemeinden, Evangelische Kirche in Deutschland, Migration, Minderheitengemeinden, Gemeindebau, Multikulturalität, Mission, Sprachliche Gründe, Identität, Expatriates, Gemeindemodelle, Biblische Sicht, Integration, Interkulturalität, Zweite Generation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Situation deutschsprachiger evangelischer Auslandsgemeinden weltweit, ihre Entstehungsgeschichte, ihre aktuellen Herausforderungen und ihre zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Migrationssoziologie im kirchlichen Kontext, kulturelle und sprachliche Identitätswahrung, missiologische Herausforderungen sowie die biblische Herleitung von Gemeindestrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der traditionellen Ausrichtung vieler Auslandsgemeinden und einem biblisch begründeten, multikulturellen Missionsverständnis aufzuzeigen und zukunftsfähige Modelle zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie biblische Exegese (insbesondere der Apostelgeschichte und der paulinischen Briefe), ergänzt durch aktuelle Berichte und Fallbeispiele aus der kirchlichen Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der heutigen Auslandsgemeinden, die Analyse der Beweggründe ihrer Mitglieder, eine kritische Diskussion ihrer Herausforderungen und eine fundierte exegetische Einordnung in das biblische Zeugnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Auslandsgemeinden, Migration, Gemeindebau, Multikulturalität, Mission, Identität und Interkulturalität.
Wie unterscheidet der Autor zwischen verschiedenen Gemeindemodellen?
Der Autor unterscheidet vier Modelle: das traditionelle Modell (ausschließlich Deutsch), das erste Modell (Deutsch mit sporadischen Fremdsprachenangeboten), das zweite Modell (zweisprachig/abwechselnd) und das dritte Modell (integrierte "Gemeinde in der Gemeinde").
Welches Gemeindemodell favorisiert der Autor?
Der Autor favorisiert das dritte Modell, da es durch die Zusammenführung verschiedener Sprachgruppen unter einem Dach sowohl die muttersprachliche Identität wahrt als auch das biblische Ziel, Menschen aus allen Völkern zu Jüngern zu machen, effektiver umsetzt.
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- Dr. Thorsten Prill (Autor), 2015, Deutschsprachige Evangelische Auslandsgemeinden. Bestandsaufnahme und Ausblick, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295098