Das Kölner Rathaus. Vom Haus der Bürger bis zum heutigen Rathaus


Hausarbeit, 2009
9 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines

2. Vom Haus der Bürger bis zum heutigen Rathaus
2.1. Der Hansasaal
2.1.1. Die Neun guten Helden
2.2. Die Prophetenkammer
2.3. Der Ratsturm
2.3.1. Der Platzjabbeck
2.3.2. Der Turmkeller und die Rentkammer
2.4. Die Rathauslaube
2.5. Der Löwenhof
2.6. Der Muschelsaal
2.7. Der Spanische Bau

3. Resümee

4. Literaturverzeichnis

1. Allgemeines

Man sagt, dass das Kölner Rathaus das älteste Rathaus Deutschlands sei. Diese Annahme beruht auf einer Schriftquelle aus dem Jahr 1135, in welchem das Rathaus erstmals als Haus der Bürger benannt wird. Doch existiert dieses ursprüngliche Rathaus noch? Das heutige Rathaus besteht aus mehreren Bauteilen, welche aus unterschiedlichen Epochen stammen und immer wieder angebaut oder restauriert wurden. Somit ähnelt das Kölner Rathaus eher einem Mosaik, welches nach und nach die gesamte Stadtgeschichte darstellt. Das Rathaus befindet sich im ehemaligen Judenviertel, wonach noch heute die Judengasse benannt ist. Das Fundament der Ostmauer des Rathauses bildet ein Teil der römischen Stadtmauer, die ca. 2m breit ist und den heutigen Rathauskeller durchschneidet. Somit ist ein Teil des Rathausfundaments fast so alt wie die Stadt selbst und zwar ca. 1900 Jahre.

2. Vom Haus der Bürger bis zum heutigen Rathaus

Im Jahr 1135 wurde das Rathaus mit den folgenden Worten erstmals benannt:“ domus in quam cives conveniunt“.[1] Ins deutsche übersetzt würde dies „Ein Haus in welchem Bürger zusammenkommen“ bedeuten, und galt somit als ein Haus der Bürger. Der eben genannte lateinische Begriff entstand beim Zusammenschluss der Pfarren, die eine gemeinsame Stadtverwaltung bildeten. Im Jahr 1330 wurde das Rathaus erweitert und anstelle des bis dahin romanischen, entstand eine gotischer Gebäudekomplex.

2.1. Der Hansasaal

Auch wurde zu dieser Zeit der Lange Saal gebaut, welcher seinen Namen auf Grund seiner Länge bekam, die sich durch das gesamte Erdgeschoss zog. In diesem Raum saß der Bürgermeister zu Gericht oder rief Bürgerversammlungen ein. Später wurde dieser Saal Hansasaal genannt. Die Namensänderung fand im 18. Jahrhundert statt, doch die historische Herkunft des Namens ist noch nicht hundertprozentig belegt, es gibt jedoch eine nahe liegende Vermutung.[2] Im Jahr 1367 beschlossen die Hansestädte in diesem Saal Krieg gegen den dänischen König Waldemar IV. zu führen. Sehr wahrscheinlich wurde der Saal in Erinnerung an dieses wichtige Treffen umbenannt, zumal Köln eine der ältesten deutschen Hansestädte ist.[3] Die Wände des Hansasaals waren durch Malerei verziert und stellten berühmte Männer aus dem Altertum und dem Mittelalter, sowie Propheten und Bischöfe dar. Jedoch sind von diesen Wandmalereien nur noch wenige Fragmente erhalten. Der Hansasaal ist der älteste Teil des Rathauses und bildet das Herzstück dieses Gebäudes. Heute wird der Hansasaal für repräsentative Zwecke genutzt.

2.1.1. Die Neun guten Helden

An der Südseite des Saals befinden sich die „Neun guten Helden“. Dies sind neun Standbilder aus Holz, welche in drei Gruppen unterteilt sind. Zu diesen gehören die Christen König Artus, Karl der Große und Gottfried von Bouillon, die Juden Judas Maccabaeus, David und Josua, sowohl als auch die Heiden Julius Caesar, Hektor und Alexander der Große. Diese „Neun guten Helden“ entstanden nach 1350, wohlmöglich um 1360[4], da im Jahr 1349 ein Teil des Bürgerhauses abbrannte und auch die Neun guten Helden Schäden davon hätten tragen können. Es kam zu diesem Vorfall, da bei einem erneuten Pogrom gegen die Juden durch Brandstiftung die Flammen aus den nahe gelegenen Bauten der Juden auch auf das Rathaus übergingen. Es kam zu den Ausschreitungen, da sich zu dieser Zeit die Pest ausbreitete und die Bewohner Kölns eine schuldtragende Person oder Personengruppe suchte. Da die Juden sehr reinlich waren und auf Hygiene achteten, starben tendenziell weniger von ihnen und somit richteten sich die Kölner gegen diese. Das Rathaus wurde nach dem Brand wieder renoviert und nach den ursprünglichen Vorgaben errichtet.[5] Von der gotischen Wandmalerei die dort entstand ist heue jedoch kaum noch was erhalten. Lediglich wenige Fragmente erinnern heute an die prunkvolle Malkunst.

2.2. Die Prophetenkammer

Die Prophetenkammer verbindet den Hansasaal mit dem Ratsturm, beziehungsweise mit dem Senatssaal, welcher sich im Ratsturm befindet. Im Jahre 1448 wurde dieser Raum erstmals benannt. Die Namensgebung bezieht sich auf die neun Prophetenskulpturen aus Eiche, welche sich in diesem Raum befanden, heute jedoch im Hansasaal aufgestellt sind. In der Prophetenkammer gaben im Mittelalter Bittsteller ihre Nachrichten für den Rat ab und auch Beschwerden wurden in diesem Raum eingereicht. Die Propheten sollten dem Rat bei seinen Entscheidungen mit ihrer Weisheit beistehen.[6] [7]

2.3. Der Ratsturm

Als im Jahr 1396 die Gaffeln über die Patrizier siegten und ein neuer Rat gegründet wurde, erhielt die Bürgerschaft eine neue Verfassung, welche ihre Freiheitsrechte garantierte. Von den Jahren 1407- 1414 ließ der neue Rat den Ratsturm von den Handwerkerzünften errichten. Dieser 61m hohe, spätgotische Bau spiegelte den Stolz der Bürger über den Sieg gegen die Patrizier wieder und galt somit als Herrschaftszeichen der Gaffeln. Zu dieser Zeit war der Rathausturm das höchste Gebäude Kölns, welches alle Häuser und lange Zeit selbst alle Kirchtürme der Stadt überragte. Die mittelalterliche Funktion des Ratsturmes bestand darin, Urkunden, Geldbriefe und andere wichtige Dokumente aufzubewahren. Die damaligen Skulpturen am Ratsturm sind größtenteils verwittert und die wenig erhaltenen wurden dann im 2. Weltkrieg gänzlich zerstört, doch baute man den Turm durch Spenden nach dem Krieg wieder nach alter Vorgabe auf. Anhand des Turms lasst sich die gotische Architektur der damaligen Zeit sehr gut erkennen.

2.3.1. Der Platzjabbeck

An der in Richtung Alter Markt gelegen Seite des Ratsturms befindet sich der so genannte „Platzjabbeck“. Dieser entstand erstmals im 15. Jahrhundert und stellt die Machterlangung der Gaffeln symbolisch dar. Der Platzjabbeck ist ein Kopf mit Bart und Schlapphut, welcher die Zunge herausstreckt. Bei der Renovierung des Turmes nach dem 2. Weltkrieg fügte man diesem eine mechanische Zunge zu, sodass er nun zu jeder vollen Stunde den Leuten auf dem Alten Markt die Zunge zeigt. Der Begriff Platzjabbeck setzt sich aus dem kölschen Wort „jappen“, was die Tätigkeit beschreibt, wenn man den Mund weit öffnet und aus dem französischen Wort „bec“ zusammen. „Le bec“ bedeutet „der Mund“. Da der „Platzjabbeck“ ein Gesicht ist, welches die Zunge hinausstreckt, dient der Name gleichzeitig als Beschreibung der dargestellten Tätigkeit.

2.3.2. Der Turmkeller und die Rentkammer

Der Turmkeller, welcher der einzige noch gänzlich erhaltene Raum des ursprünglichen Ratsturms ist, diente als Weinkeller. Die Rentkammer, welche sich im Erdgeschoss befindet, nutzte man ursprünglich als Archiv und Standort des Tresors des Rates. Im Krieg wurde jedoch auch dieser Raum zerstört und anschließend in ihrem vorherigen gotischen Stil neu aufgebaut. Heute dient sie, so wie auch der Turmkeller als Trauzimmer.[8]

2.4. Die Rathauslaube

Die Baufällige Vorhalle welche noch aus dem Mittelalter stammte wurde während der Jahre 1569- 1573 erneuert und es entstand die noch heute erhaltene Rathauslaube im Renaissancestil. Diese galt als repräsentative Verkündigungsstätte des Rates um zu den Bürgern auf dem Rathausplatz zu sprechen. Die Inschriften und reichlichen Verzierungen an dieser Laube beziehen sich auf die Geschichte Kölns und erinnern an glorreiche Personen und Ereignisse aus der Vergangenheit. Im Fries über den Bögen des Erdgeschosses befinden sich Medaillen, welche römische Imperatoren abbilden. Die Brüstung im Obergeschoss stellt symbolisch die Stärke des Rates dar, indem biblische Ereignisse welche sich auf Kämpfe gegen einen Löwen beziehen die Hauptszene in der Mitte umgeben. Dieses Hauptbild zeigt den sagenumwobenen Bürgermeister Hermann Gryn[9], welcher einer Volkssage nach im Zweikampf gegen einen Löwen kämpft. Diese Legende, welche erstmals im 14. Jahrhundert schriftlich belegt wurde stellt symbolisch den Kampf zwischen dem Erzbischof, also der Kirche und der Bürgerschaft um die Stadtverwaltung dar. Ganz oben auf der Laube befindet sich eine Statue der Justitia, die römische Göttin für Rechtswesen und Gerechtigkeit.[10] Bis zum 2. Weltkrieg befand sich über der Justitia noch eine weitere Figur, welche den „Kölsche Boor“ darstellte. Dieser „Kölner Bauer“ stand für die Reisunmittelbarkeit Kölns, welche im Jahr 1475 vom Kaiser Friedrich III bestätigt wurde. Köln war von diesem Zeitpunkt an direkt dem Kaiser untergeordnet und nicht mehr dem Erzbischof. Im 2. Weltkrieg wurden der „Kölsche Boor“ und einige Fragmente der Renaissancelaube jedoch zerstört. Nach dem Krieg wurden die Fragmente zwar originalgetreu renoviert, doch der „Kölsche Boor“ befindet sich nicht mehr auf der Rathauslaube.

[...]


[1] Geis, Walter, Krings, Ulrich, Köln: Das gotische Rathaus und seine historische Umgebung, In: Krings, Ulrich, Stadtspuren- Denkmäler in Köln, Band 26, 1. Auflage, Bachem, 2000, S.25.

[2] Ebd., S 337.

[3] Geis, Walter, Krings, Ulrich, Köln: Das gotische Rathaus und seine historische Umgebung, In: Krings, Ulrich, Stadtspuren- Denkmäler in Köln, Band 26, 1. Auflage, Bachem, 2000, S. 337.

[4] Fuchs, Peter, Das Rathaus zu Köln, Köln, 1973, S. 17f.

[5] Geis, Walter, Krings, Ulrich, Köln: Das gotische Rathaus und seine historische Umgebung, In: Krings, Ulrich, Stadtspuren- Denkmäler in Köln, Band 26, 1. Auflage, Bachem, 2000, S. 171.

[6] Geis, Walter, Krings, Ulrich, Köln: Das gotische Rathaus und seine historische Umgebung, In: Krings, Ulrich, Stadtspuren- Denkmäler in Köln, Band 26, 1. Auflage, Bachem, 2000, S. 450f.

[7] Im Anhang befindet zur Veranschaulichung sich eine Ansicht der Rathausfront aus dem Jahr 1655.

[8] Amt für Presse- und Öffentlichkeistarbeit, Das Kölner Rathaus- Historisches Rathaus, Spanischer Bau, Praetorium und Mikwe., Köln, 2005, S. 11.

[9] Die Schreibweise des Namens „Gryn“ ist unterschiedlich in der Literatur aufzufinden. Sowohl die Bezeichnung „Gryn“, als auch „Grin“ existiert.

[10] Fuchs, Peter, Das Rathaus zu Köln, Köln, 1973, S. 12f.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Kölner Rathaus. Vom Haus der Bürger bis zum heutigen Rathaus
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Note
2,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V295174
ISBN (eBook)
9783656929642
ISBN (Buch)
9783656929659
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kölner, rathaus, haus, bürger
Arbeit zitieren
Kathrin Schwendner (Autor), 2009, Das Kölner Rathaus. Vom Haus der Bürger bis zum heutigen Rathaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295174

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Kölner Rathaus. Vom Haus der Bürger bis zum heutigen Rathaus


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden